Oldenzaal (Niedersächsisch: Oldenzel) ist eine Stadt und Gemeinde mit 31.000 Einwohnern in der Region Twente, Provinz Overijssel, in den Niederlanden.
Lage und Wirtschaft
Oldenzaal liegt 10 km. östlich von
Hengelo und 15 km. westlich von
Bad Bentheim, an der
Autobahn A1
Amsterdam -
Osnabrück , und an der Eisenbahn zwischen denselben Städten. Die Stadt hat zwar einen Bahnhof, aber es verkehren nur Lokalzüge nach Hengelo.
Der Militärflugplatz Twente, wo auch kleinere Zivilmaschinen landen und aufsteigen, ist nur 7 km. südlich der Stadt (in Richtung Enschede) gelegen.
Wegen der Nähe zur Grenze mit Deutschland haben sich, als noch eine Zollabfertigung erforderlich war, viele Transportunternehmen in der Stadt niedergelassen. Wegen der Konkurrenz aus Polen ist dieses Gewerbe jetzt aber etwas rückläufig geworden. Oldenzaal hat auch einige Nahrungsmittelindustrie und viel Kleingewerbe. Auch der Tourismus ist von Bedeutung.
In der Umgebung gibt es etwas Landwirtschaft. Früher wurde hier viel Weißkohl, in der lokalen Mundart "boeskool", angebaut. Daran erinnert noch ein Standbild in der Innenstadt.
Geschichte
Schon im frühen
8. Jahrhundert war die Stelle, wo sich jetzt der Stadtkern befindet, bewohnt. Ein schottischer
Mönch, Plechelmus, baute hier
765 eine Kirche.
Der Ortsname lautete im
Mittelalter Aldensele, was "alter Saal, altes Herrenhaus, alte Siedlung" bedeutet. Im Jahr
954 ließ Bischof Baldrich von
Utrecht, welches
Bistum damals die weltliche Gewalt über
Overijssel innehatte,dort ein steinernes Gotteshaus, die heutige St- Plechelmuskirche, bauen.
Der deutsche Kaiser
Heinrich III. verlieh Oldenzaal 1049 das
Recht, einen Wochenmarkt und am 21. Oktober einen Jahrmarkt zu halten. Stadtrecht wurde Oldenzaal 1249 verliehen. Im
Spätmittelalter schloß sich Oldenzaal der deutschen
Hanse an. Der Utrechter Bischof kam oft zu Besuch; die Stadt war ein wichtiges kirchliches Zentrum mit mehreren
Klöstern. Eine Großstadt wurde es jedoch, mangels eines Hafens, nie.
Die
Reformation beeinflusste die Oldenzaaler kaum. Als im
Achtzigjährigen Krieg der Feldherr
Moritz von Nassau 1597 die Stadt für die protestantischen
Niederlande erobert hatte, wurde die Rückeroberung durch den Grafen
Spinola im Jahr
1605 eher als eine Befreiung empfunden. Die katholisch gebliebene Bevölkerung konnte unter spanischer Herrschaft frei ihren Glauben praktizieren. Auch wanderten katholische Flüchtlinge aus u.a.
Deventer ein. Die Religionsfreiheit endete aber doch, als sich Oldenzaal
1626 den Truppen der Republik der Vereinigten Niederlande ergeben musste. Bis
1810 wurde der
Kalvinismus die herrschende Religion. Sogar die alte Plechelmuskirche wurde reformiert.
Das Ende des
18. Jahrhunderts wurde von Krieg und von Raubzügen geprägt. Die Bedeutung Oldenzaals lief stark zurück, bis um
1850 die Stadt ihren Anteil an der Twentschen
Textilindustrie erhielt. Auch die Eisenbahnverbindung zu Hengelo und
Salzbergen brachte wirtschaftlichen Vorteil. Die reiche Familie Palthe gründete von Oldenzaal aus eine landesweite Kette von Wäschereien.
Der
Zweite Weltkrieg ließ Oldenzaal nahezu unberührt. Um 1965 ging die Textilindustrie durch die Konkurrenz aus
Asien ein, was vorübergehend große
Arbeitslosigkeit auslöste.
Als um
1990 die
Autobahn A1 fertiggestellt wurde, siedelte sich wieder neues Gewerbe an.
Sehenswürdigkeiten
PaltheHaus.jpg
Die
Basilika St. Plechelmus, deren Turm das Stadtbild prägt, ist eine sehr sehenswerte
Hallenkirche in spät
romanischem Stil, mit späteren
gotischen Anbauten. Sie kann im Frühling und Sommer nachmittags besichtigt werden. Im Inneren befinden sich u.a. zahlreiche
Reliquiare.
Die Oldenzaaler Innenstadt wurde leider in den 1950er Jahren größtenteils abgerissen. Es sind trotzdem noch einzelne schöne Häuser übriggeblieben. In einem davon befindet sich das Heimatmuseum "Palthehuis", mit u.a. einer Apotheke aus dem frühen 19. Jahrhundert. Das Haus selbst stammt aus der Mitte des 17. Jh. und präsentiert sich im Inneren heute als ehemaliges Wohnhaus der Familie Palthe im Zustand des 18. Jh.
Die Umgebung der Stadt ist eine leicht hüglige und waldreiche Parklandschaft, die für Wanderungen und Radtouren sehr geeignet ist. In Oldenzaal sind einige Hotels und Campingplätze zu finden. Südwestlich der Stadt befindet sich das Naherholungsgebiet "Het Hulsbeek", ein von mehreren Waldgebieten umgebener See, an dem man u.a. Wassersport treiben kann.
Alljährlich gibt es im August das Stadtfest "D'n Boeskool is lös", ("Der Weißkohl ist (vom Erdreich) los", also: ist geerntet), mit Markt-, Sport- und Musikveranstaltungen.
Städtepartnerschaft
Die Gemeinde Oldenzaal unterhält eine Städtepartnerschaft mit
Rheda-Wiedenbrück,
Nordrhein-Westfalen
Literatur
- Herbert Wagner: Die Gestapo war nicht allein... Politische Sozialkontrolle und Staatsterror im deutsch - niederländischen Grenzgebiet 1929 - 1945. LIT - Verlag. Münster 2004.
Weblinks
Ort in den Niederlanden
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