Olbernhau ist eine Stadt im Mittleren Erzgebirgskreis in Sachsen (Deutschland).
Geografie
Geografische Lage
Die Stadt Olbernhau liegt im
Mittleren Erzgebirge an der Grenze zur
Tschechischen Republik. Sie wird auch als „Stadt der sieben Täler“ bezeichnet, da sie eingebettet im Tal der
Flöha und seiner Nebentäler liegt, deren Bäche sich in die Flöha ergießen. Die sieben Täler sind das Flöhatal, Schweinitztal,
Natzschungtal, Bielatal, Rungstocktal, Bärenbachtal und das Dörfelbachtal. Olbernhau ist von Bergen zwischen 700 m bis 800 m Höhe umgeben, die sich bis zu 350 m über die Talsohle erheben.
Stadtgliederung
- Blumenau
- Oberneuschönberg
- Niederneuschönberg
- Hirschberg
- Reukersdorf
- Rothenthal
- Kleinneuschönberg
Geschichte
Olbernhau
Die Anfänge des Ortes Olbernhau liegen in der Zeit des 12. bis 13. Jahrhunderts. Die erste nachweisliche, urkundliche Erwähnung datiert aus dem Jahr 1434 („Albernaw“).
1511 sind erste bergbauliche Tätigkeiten nachweisbar. Mit der Reformation
1539 wird Olbernhau selbstständige Parochie.
1556 wird erstmals eine Schule erwähnt. Die steinerne Kirche wird am 2. November
1590 eingeweiht.
Olbernhauer Stadtkirche.jpg Um
1684 beginnt man in Olbernhau
Büchsen herzustellen. 1690 wird im Rungstocktal die erste Olbernhauer Rohrschmiede errichtet.
1708 liefert die Gewehrmanufaktur 12.000 Gewehre an die sächsische Armee. Eine neue Schule wird
1748 erbaut. Der erste praktizierende Arzt ist
1777 nachweisbar.
1815 wird eine Pulvermühle errichtet, in den Jahren 1835, 1850 und 1865 kommt es zu Explosionen in der Fabrik.
1854 wird die letzte Waffe in Olbernhau gefertigt.
1868 wird ein neues Schulgebäude eingeweiht und
1869 wird die Freiwillige Feuerwehr gegründet. Mit der Eröffnung der Flöhatalbahn am
24. Mai 1875 erhält Olbernhau Anschluss ans Eisenbahnnetz.
1878 wird ein Kindergarten eingerichtet. Auf Grund eines heftigen Gewitters kommt es am
30. Mai 1882 zu starken Überschwemmungen. Am
1. Januar 1885 wird das Krankenhaus eröffnet.
1886 wird eine Gasanstalt erbaut und die Gasbeleuchtung eingeführt. Am
5. Juli 1892 wird das erste Elektrizitätswerk Sachsens eröffnet.
1895 wird die Eisenbahnstrecke nach
Neuhausen eröffnet sowie eine Hochdruckwasserleitung in Betrieb genommen. Am
1. Januar 1902 erhält Olbernhau das
Stadtrecht. Am
25. Dezember 1906 wird das im
Jugendstil erbaute Konzert- und Ballhaus „Tivoli“ eröffnet. Die Marktbrücke wird
1928 verbreitert. Das Schwimmbad wird
1930 eröffnet. Im Januar 1932 kommt es zu einem Hochwasser, das beträchtlichen Schaden anrichtet. Die Oberschule, heute Gymnasium wird
1940 eingeweiht. Am Schäfereiberg wird
1944 eine Molkerei mit einer Tagesproduktion von 15.000 l fertiggestellt.
Kupferhammer Grünthal
1537 errichtet der Annaberger Bergmeister Hans Leonard im „Grienental zu Obern Alberhau“ eine Saigerhütte.
1550 kommt die Saigerhütte an die Annaberger Familie Uthmann.
1587 wird ein Hüttenschulmeister erwähnt.
1621 wird eine Münzstätte errichtet die Kupferpfennige prägt, weitere Prägeperioden folgen 1751 - 1755, 1763 - 1764 und 1803 - 1825.
1732 wird ein Großhammer erbaut.
1813 wird ein Heilbad in den schwefelhaltigen Quellen eingerichtet, das bis 1940 besteht.
1847 wird ein Walzwerk erbaut. 1907 wird zum Transport der
Anthrazitkohle aus
Brandov eine Drahtseilbahn errichtet. Eine Werksfeuerwehr entsteht
1910.
1927 erfolgt die Eröffnung der Bahnstrecke nach Deutschneudorf (
Schweinitztalbahn). Durch ein Hochwasser im Januar 1931 verändert sich der Lauf des Grenzbaches Natzschung, so dass ein Teil des Gemeindegebietes nur noch über eine Brücke erreichbar ist. Das den Kupferhammer besitzende Unternehmen F. A. Lange Metallwerke AG hat 1935 Firmenvertretungen in 28 Ländern weltweit. Am
1. April 1937 wird der Kupferhammer auf Anordnung von
Martin Mutschmann nach Olbernhau eingemeindet.
Blumenau
Der Ort wird
1434 erstmals urkundlich als „Blumenaw“ erwähnt. Mit der Reformation
1539 kommt der Ort zur Parochie Olbernhau.
1647 ist erstmals ein Lehrer nachweisbar.
1840 wird ein Schulhaus errichtet, welches
1889 durch einen Neubau abgelöst wird.
1875 erhält der Ort mit dem Bau der
Flöhatalbahn Anschluss ans Bahnnetz. Die Freiwillige Feuerwehr wird
1877 gegründet. Ab
1912 erfolgt der Anschluss ans Elektrizitätsnetz und zweie Jahre später erfolgt die Inbetriebnahme der Straßenbeleuchtung. Die Straße im
Flöhatal wird in den Jahren
1919 bis
1926 gebaut. 1934 erfolgt als Folge des Hochwassers von 1931 die Regulierung und Eindeichung der Flöha.
Hirschberg
Um
1615 wird das Vorwerk Hirschberg errichtet. Bis
1648 können die Toten auf dem Brandauer Friedhof begraben werden, danach müssen sie zum Olbernhauer Friedhof gebracht werden.
1874 ist Hirschberg Ortsteil von Niederseiffenbach.
1895 hält Hirschberg Bahnanschluss. Die Freiwillige Feuerwehr wird
1921 gegründet.
1927 erhält der Ort mit dem Bau der
Schweinitztalbahn Anschluss ans Eisenbahnnetz. Mit der Auflösung der Gemeinde Niederseiffenbach am
1. April 1939 kommt Hirschberg mit der Niederlochmühle zur Gemeinde Oberneuschönberg.
Kleinneuschönberg
Zur Ansiedlung von böhmischen Exulanten werden ab
1656 durch Caspar von Schönberg Waldflächen gerodet.
1659 wird der Ort Kleinneuschönberg gegründet. In der Folgezeit werden bis
1835 mehrere Mühlen erbaut. Ein Schulgebäude wird
1839 errichtet.
1880 wird die Freiwillige Feuerwehr gegründet. Ab
1902 erhält der Ort Elektroanschluss ans Kraftwerk Olbernhau. Während des
Ersten Weltkrieges wird in der Heide Torf gewonnen um die Wohnhäuser zu beheizen. Am 1. April 1924 wird Reukersdorf eingemeindet, 1925 erhält der Ortsteil Elektrizitätsanschluss. Der Sportplatz wird 1927 angelegt. 1938 erfolgt die Inbetriebnahme der Straßenbeleuchtung sowie der Bau der Wasserleitung.
Niederneuschönberg
Ab
1652 werden durch Caspar von Schönberg auf Pfaffroda gerodete Flächen an böhmische Exulanten und Einheimische vergeben.
1655 wird der Ort Niederneuschönberg gegründet der zur Parochie Olbernhau kommt.
1800 wird eine Schule errichtet, die
1886 durch einen Neubau abgelöst wird.
1876 wird die Freiwillige Feuerwehr gegründet. Ab
1895 wird Elektroenergie aus dem Kraftwerk in Olbernhau bezogen.
Oberneuschönberg
Durch Capsar von Schönberg wird
1561 Boden und Baumaterial für böhmische
Exulantenfamilien aus der Herrschaft
Duchcov bereitgestellt. Zur Unterscheidung zu den anderen Neuschönberger Dörfern wird die Ansiedlung ab
1658 Oberneuschönberg genannt.
1661 werden eine Kirche (Filialkiche der Parochie Dörnthal) und ein Schulhaus errichtet.
1801 und
1881 werden jeweils neue Schulgebäude errichtet. Die Freiwillige Feuerwehr wird
1888 gegründet. Mit dem Bau der Eisenbahnstrecke nach Neuhausen erhält der Ort
1895 Bahnanschluss.
1909 wird die Ortswasserleitung erbaut und ab
1912 erfolgt der Anschluss ans elektrische Überlandnetz. Im oberen Ortsteil erfolgt
1926/
1927 der Bau einer Abwasserkanalisation. Zum
1. April 1939 wird der OT Hirschberg mit der Niederlochmühle Oberneuschönberg zugeordnet, der Oberneuschönberger OT Eisenzeche kommt zu
Heidersdorf.
Reukersdorf
Der Ort wird
1429 erstmals urkundlich als „Reyckerstorff“ erwähnt. Mit der Reformation
1539 wird Reukersdorf Filialkirche von Hallbach. Bis zum Bau der Schule in Kleinneuschönberg 1840 besuchen die Kinder die Schule in Hallbach. Am 1. April 1924 wird Reukersdorf nach Kleinneuschönberg eingemeindet.
Rothenthal
1627 wird Rothentahl erstmals als Standort einer Drahthütte urkundlich erwähnt. Kirchlich gehört der Ort zur Parochie Olbernhau. Ab
630 werden zwei Blechhämmer errichtet. Ein Schulgebäude wird
1779 erbaut, das
1881 durch einen Neubau abgelöst wird. An das Elektrizitätsnetz wird der Ort bis
1925 angeschlossen. Als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme wird
1929/
1930 die zentrale Wasserversorgung errichtet.
Politik
Wappen
Zum Stadtwappen wird ausgeführt, daß der 1902 zur Stadt mit revidierter Städeordnung erhobene Ort in seinem Wappen nicht mehr den Frosch trage, „sondern über blauweißen Wasserwogen strecken drei Fichten ihre Kronen in die Luft, ein Sinnbild dafür, wie im Wasser und Holz die starken Wurzeln seiner Kraft und Blüte ruhen“.
Städtepartnerschaften
Seit
1989 Stadtbergen im bayerischen
Regierungsbezirk Schwaben nahe
Augsburg und seit 1992 Städtepartnerschaften mit
Litvinov in
Tschechien und
Brie-Comte-Robert in
Frankreich.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Die Stadt entwickelt den
Tourismus, durch sie führt die
Silberstraße. Olbernhau ist reich an Naturschönheiten, als Ausgangspunkt für Wanderungen zu Fuß oder mit dem Fahrrad, für Fahrten in die Umgebung mit ihren landschaftlichen und kulturhistorischen Besonderheiten hat die Stadt eine verkehrsgünstige Lage.
Museen
Der Denkmalkomplex Saigerhütte ist einer der bemerkenswerten europäischen Standorte zur Geschichte des
Hüttenwesens und untrennbar mit dem Erzgebirgischen
Silberbergbau verbunden.
Wirtschaft und Infrastruktur
Vorrangig durch die Saigerhütte begründet, hat sich Olbernhau im Laufe der Jahrhunderte zum wirtschaftlichen Zentrum des heutigen Kreisgebiet entwickelt.
Söhne und Töchter der Stadt
Weblinks
Erzgebirge | Ort in Sachsen
Olbernhau