Olaf.jpg Olaf Ludwig (* 13. April 1960 in Gera) war in den 80er und 90er Jahren einer der erfolgreichsten deutschen Radsportler.
Olaf Ludwigs Eltern waren der Maschinist Rolf Ludwig († 1977) und Sieglinde Ludwig. Seit 1967 lebte die Familie im Geraer Stadtteil Thieschitz, einem kleinen Vorort mit ländlichem Charakter. Schon in seiner Kindheit war Olaf Ludwig sehr sportbegeistert - er spielte Fußball und war Leichtathlet. In beiden Sportarten verfügte er nach Meinung seiner Trainer über ein gewisses Talent.
Im Mai 1972 war Gera Etappenort der Internationalen Friedensfahrt. Dieses Ereignis war für den zwölfjährigen Olaf derart beeindruckend, dass er bei der Sportgemeinschaft Dynamo Gera Mitte mit dem Radsport begann. Dort wurde sein Talent schnell erkannt. Bereits ein Jahr später sollte der Junge entsprechend dem Sportförderprogramm der DDR zu einem Verein in Berlin delegiert werden. Dies hätte bedeutet, ihn auf ein Internat zu schicken. Seine Eltern lehnten jedoch ab, und Olaf blieb in Gera.
Ab 1974 wurde er bei der SG Wismut, zu der die Rennabteilung der Sportgemeinschaft Dynamo gewechselt war, vom ehemaligen Straßenfahrer Werner Marschner trainiert, der ihn sehr förderte. Nachdem er 1976 bei der Internationalen Junioren-Sternfahrt in Neugersdorf den dritten Platz belegt hatte, wurde er in die Junioren-Nationalmannschaft der DDR aufgenommen.
1977 war das bis dahin erfolgreichste Jahr für den jungen Olaf Ludwig. Bei den Jugendwettkämpfen der Freundschaft in Havanna gewann er mit Thomas Barth, Falk Boden und André Kluge im Mannschaftszeitfahren. Wenige Wochen später errang die Mannschaft bei der Junioren-Weltmeisterschaft im österreichischen Stockerau die Goldmedaille. Im August desselben Jahres lernte er in einer Disco seine spätere Ehefrau, Heike Födisch, kennen. Sie stammt aus Reichardtsdorf bei Bad Köstritz. Überschattet wurde dieses für Olaf Ludwig so erfolgreiche Jahr im November durch den plötzlichen Tod seines Vaters Rolf.
Den Juniorenweltmeistertitel konnte die Mannschaft in unveränderter Besetzung 1978 in Washington erfolgreich verteidigen. Am Ende desselben Jahres eröffnete ihm seine Freundin Heike, dass sie schwanger ist. Daraufhin musste Ludwig, der sich bereits in der Vorbereitungsphase auf seine erste Olympiateilnahme befand, dem DTSB versprechen, sie gleich nach den Olympischen Spielen 1980 zu heiraten. Dies hatte zweierlei Gründe: Zum einen war die Regierung bestrebt, dass ihre Leistungssportler als charakterliche Saubermänner und fürsorgende Familienväter dastanden, zum anderen war bei Sportlern mit familiärer Bindung die Gefahr geringer, sie könnten eine der häufigen Reisen ins westliche Ausland zur Republikflucht nutzen.
Im Sommer 1979 legte er - gemeinsam mit Thomas Barth - an der Kinder- und Jugendsportschule in Gera sein Abitur ab. Neben seiner Radsportkarriere begann er in Leipzig ein Studium zum Sportlehrer, übte den Beruf aber niemals aus.
Im selben Jahr nahm er in Moskau an seinen ersten Olympischen Spielen teil. Im Mannschaftzeitfahren gewann er mit Hans-Joachim Hartnick, Bernd Drogan und Falk Boden knapp die Silbermedaille, beim Einzelrennen wenige Tage später wurde er jedoch nur Zweiunddreißigster. Kurz nach seiner Rückkehr heirateten Olaf und Heike Ludwig im August 1980, nachdem ihre gemeinsame Tochter Madlen am 7. Juli 1979 zu Welt gekommen war.
1981 siegte er bei der Niedersachsenrundfahrt, anschließend konnte er fünf Etappensiege bei der Friedensfahrt feiern und belegte in der Gesamtwertung den vierten Platz. 1982 konnte er schließlich seinen ersten Friedensfahrt-Gesamtsieg feiern, nachdem er das Gelbe Trikot, das er im Prolog gewonnen hatte, schon am nächsten Tag verloren und erst in der vorletzten Etappe zurückgeholt hatte. Über die Folgen dieses Sieges schrieb er später in seiner Autobiografie Höllenritt auf der Himmelsleiter:
Im September 1982 wurde er mit dem Nationalteam der DDR Mannschaftssieger bei der Tour de l'Avenir im Frankreich. 1983 wurde er bei dieser Tour Gesamtsieger. Im selben Jahr wurde er zum zweiten Mal Vater - am 3. Oktober kam sein Sohn Steven zur Welt.
1984 konnte er wegen des Boykotts der sozialistischen Staaten nicht an den Olympischen Spielen in Los Angeles teilnehmen. Als Ersatz wurden auf dem Schleizer Dreieck die so genannten "Internationalen Wettkämpfe der Freundschaft" ausgetragen. Ein Sieg bei diesen Wettkämpfen, bei denen 33 Fahrer aus elf Ländern teilnahmen, sollte vom DTSB wie ein Olympiasieg gewertet werden. Trotz der heimischen Kulisse konnte Olaf Ludwig nur Platz acht erreichen.
1985 musste er wegen einer schweren Erkältung erstmals auf den Start bei der Friedensfahrt verzichten. Allerdings wurde er wenig später Gesamtsieger der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt.
1986 gewann er die Internationale Friedensfahrt zum zweiten Mal. Sie begann am 7. Mai in Kiew - nur zwei Wochen nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl. Wegen der Nähe zum Reaktor in Tschernobyl sagen bis auf Frankreich und Finnland alle westlichen Länder ab. Gemäß Weisung der Regierung ging das DDR-Team dennoch an den Start, und Ludwig ging aus der Tour als strahlender Sieger hervor - ein Begriff, den die Zeitungen gemäß Weisung aus Berlin in diesem Jahr tunlichst vermeiden sollten. Für seinen Sieg wurde er in der DDR erstmals Sportler des Jahres.
Bei der Friedensfahrt 1987 trat erstmals der junge Usbeke Dschamolidin Abduschaparov an. Er wurde in den folgenden Jahren Ludwigs ärgster Rivale. Ihre Sprintduelle wurden legendär.
1988 wurde Olaf Ludwig in Seoul Olympiasieger im Straßenrennen vor den beiden Westdeutschen Bernd Gröne und Christian Henn. Für diesen Sieg wurde er anschließend von Erich Honecker mit dem Vaterländischen Verdienstorden geehrt. Außerdem wurde er zum zweiten Mal Sportler des Jahres.
Das Jahr 1989 verlief für Ludwig enttäuschend. Nach einer mittelmäßigen Leistung bei der Friedensfahrt brach er sich bei der Weltmeisterschaft im französischen Chambéry den rechten Daumen und konnte nicht an den Wettkämpfen teilnehmen. Im Herbst kam noch ein Handgelenkbruch hinzu, welchen er sich bei einer Australienreise mit der DDR-Nationalmannschaft zuzog. Bereits zu dieser Zeit erwog er ein Ende seiner Karriere.
Sein erstes Profirennen war die Ruta del Sol im Februar 1990, wo er gleich die ersten beiden Etappen gewinnen konnte. Im selben Jahr gewann er bei der Tour de France eine Etappe und das Grüne Trikot des besten Sprinters.
Im April 1992 wurde er beim legendären Straßenrennen Paris-Roubaix Zweiter. Mit dieser Strecke verband er in seiner gesamten Profikarriere eine Art Hassliebe - 1993 wurde er bei diesem Rennen Dritter, 1994 Vierter. Der zweite Platz von 1992 bewirkte, dass Ludwig die Führung im Weltcup übernahm. Er konnte die Führung bis zum letzten Rennen der Saison im Oktober auf Mallorca behalten und wurde am Saisonende Weltcupsieger.
Kurz nach seinem zweiten Platz bei Paris-Roubaix gewann er das Amstel Gold Race in Maastricht und wurde nun auch in seiner neuen niederländischen Heimat als Held gefeiert. Im Mai gewann er die Vier Tage von Dünkirchen. Im Juli konnte er die letzte Etappe der Tour de France auf dem Champs-Élysées gewinnen.
1993 wechselte er zum Team Telekom, für das er am 17. Juli in Montpellier den ersten Etappensieg bei der Tour de France einfahren konnte. Am 29. August wurde er im Einzelrennen bei der Weltmeisterschaft der Profis in Oslo Dritter hinter Lance Armstrong und Miguel Indurain.
Im Herbst 1993 wurde Ludwig zum dritten Mal Vater - seine Tochter Romina kam am 31. Oktober zur Welt.
1994 gewann er das Radrennen Rund um den Henninger Turm. Das folgende Jahr 1995 verlief für ihn äußerst unbefriedigend - bei Paris-Roubaix wurde er Vierundzwanzigster, bei der Tour de France schied er vorzeitig aus, nachdem er bei der neunten Etappe nur Platz 161 erreicht hatte. Danach beschloss er, sich 1996 mit nunmehr 36 Jahren auf seine dritte Olympiateilnahme zu konzentrieren und anschließend seine Karriere zu beenden. Am 5. Oktober 1995 erhielt er durch den Geraer Oberbürgermeister Ralf Rauch die Ehrenbürgerwürde seiner Heimatstadt.
Nach einigem Pech im Frühjahr 1996 - Reifenschäden verhinderten seinen Erfolg bei der Flandern-Rundfahrt, bei Drei Tage von De Panne und bei Paris-Roubaix - wurde er Achter bei Rund um den Henninger Turm und gewann am 12. Juli zum zweiten Mal die Rheinland-Pfalz-Rundfahrt. Daraufhin startete er am 31. Juli zum Einzelrennen bei den Olympischen Spielen in Atlanta, konnte allerdings dort nur Sechzehnter werden. Der Olympiasieger von 1996, Pascal Richard, wurde wie Ludwig acht Jahre zuvor vom früheren DDR-Auswahltrainer Wolfram Lindner trainiert, der nunmehr Schweizer Bundestrainer war.
Am 3. Oktober 1996 fuhr er auf einem Rundkurs um Gera sein Abschiedsrennen und gewann vor Dschamolidin Abduschaparov. Die Zieleinfahrt im Stadion der Freundschaft verfolgten 20.000 Zuschauer. Anschließend fand eine Abschiedsgala für Ludwig in der Erwin-Panndorf-Halle statt.
Danach fuhr er im Winter 1996/97 noch bei den Sechstagerennen in Dortmund, Köln, Bremen, Stuttgart, Berlin und Mailand. In Köln und Berlin konnte er dabei noch einmal gewinnen. Sein endgültig letztes Rennen war ein Abschiedsrennen für Danny Clark, Michael Hübner und Olaf Ludwig in der Nacht vom 14. auf den 15. Februar 1997.
Nach dem Ende seiner Karriere war Olaf Ludwig 1999/2000 Vizepräsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR). Im Jahr 2000 wurde er Pressesprecher des Teams Telekom (Team T-Mobile) sowie Mitglied der Profikommission des Weltradsportverbandes UCI.
Nachdem das Team T-Mobile im Jahr 2005 von der Doppelspitze Walter Godefroot/Olaf Ludwig geleitet wurde übernahm Olaf Ludwig 2006 die alleinige Führung des Teams.
Heute lebt Olaf Ludwig mit seiner Familie in Breinig bei Aachen.
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