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Oi! ist die Bezeichnung für einen Musikstil und eine Lebenseinstellung, der in der Skinhead- und Punkszene viele Anhänger hat. Der Ausruf "Oi!" ist ein Slangausdruck englischer Arbeiter, der dem jiddischen Oy der jüdischen Einwanderer aus Osteuropa entlehnt ist, und bedeutet eigentlich "Hey", "Hallo du da", wird aber auch mit dem englischen Wort Joy (= Spaß) in Verbindung gebracht. "Oi" ist aber wohl auch eine Dialekt-Form des "I" (engl. ich).

Merkmale und Entwicklung


Oi! entstand Anfang der 1980er Jahre in Großbritannien als eine Art Punk-Rock für die Arbeiterklasse-Kids in Abgrenzung zur Kommerzialisierung durch Bands wie die Sex Pistols oder The Clash. In seinem Bruch mit dem „toten“ Punk liegen u.a. die Parallelen des Oi! zum Hardcore.

Viele Punks, die den Ausverkauf ihrer Bewegung sahen, wurden Skinheads und brachten so den Punk in die Skinhead-Kultur: Oi! war geboren, doch hieß er noch „Streetpunk“ oder „Real Punk“. Die ersten, die der Musik den Namen „Oi!“ gaben, waren die „Cockney Rejects“. Sie begannen auch als erste beim Einzählen eines Songs nicht mehr "One, Two, Three" oder ähnliches, sondern "Oi! Oi! Oi!" zu verwenden. Der Sounds-Journalist Gary Bushell nahm sich der Sache an, es erschienen mehrere Sampler und die Musik wurde bald populär. Sie zog auch einige der traditionellen Skinheads an, die bisher Reggae, Ska und Soul/Northern Soul bevorzugten. Die meisten Skins, die den Geist von '69 („Spirit Of '69“) lebten, sahen die neuen Oi!-Skins nicht als echte Skins an, da diese nun Oi!-Punk bevorzugten und fast immer einen „dunklen Schatten“ oder eine Vollglatze (die unter traditionellen Skinheads verpönt ist) sowie 18-Loch-Boots trugen, die vorher auch nicht zum Outfit eines Skins gehörten. „Glatzköpfige Punks, Boneheads hatten wenig mit dem Geist von '69 zu tun, als es noch darum ging, sich hart und smart zu kleiden. Und die wenigen Skins, die die dürren Jahre von Glam, Rock und Disco überlebt hatten, wollten mit solchen Skins nichts zu tun haben.“ (George Marshall in „Spirit Of '69 - Eine Skinhead Bibel“)

Die Oi!-Musik (Oi!-Punk) ist eng verknüpft mit einer bestimmten Attitüde, die "proletarische" Werte und Identität betont und eine rebellische Haltung gegenüber Autoritäten einschließt. Ein bekannter Text aus der Anfangszeit des Oi! in England definiert:

Oi is having a laugh and having a say.
Oi is thinking for yourself.
Oi is bigger than any uniform.
Oi is standing up for your rights.
Oi is sharp in brain and dress.
Oi is hating snobs.
Oi is not giving a toss to the boss.
Oi is disobeying orders.
Oi is not acting or dressing like hippies, trendies or muggy boneheads.
Oi is proud to be working class, not proud to be exploited.
Oi is seeing through fanatics.
Oi is you and me. Winning.
Oi is supporting real zaragoza.

Musikalisch zeichnet sich Oi!-Punk durch einfachen Liedaufbau, mittleres Tempo, harte Gitarrenriffs und Refrains zum Mitsingen aus. Metal-Instrumentalsoli sind verpönt. Teilweise gibt es sogar Überschneidungen zum Ska bzw. Ska-Punk.

Zu den bekanntesten britischen Oi!-Bands gehören The Business, Cockney Rejects, Cock Sparrer und Sham 69, Last Resort, Combat 84, Condemned 84,The Oppressed, die alle ihre Wurzeln in den frühen 1980ern haben. Viele der frühen Oi!-Bands, die sich oft noch in den 1980ern aufgelöst hatten, formierten sich während des Oi!-Revivals Mitte der 1990er wieder.

Die Band „Skrewdriver“, in ihren Anfängen eine Punk-Band und fälschlicherweise oft als Oi!-Band bezeichnet - Frontmann Ian Stuart erklärte in einem Interview, dass er Oi!-Bands noch niemals gemocht hat, da sie ihm zu „links“ waren - wandelte sich später zu einer der einflussreichsten Neonazibands überhaupt, die die Skinheadszene wie keine andere Band ins radikale Rechte politisierte.

Viele Skinheadbands geben sich aus Verbundenheit zu ihrem Musikstil einen Namen in dem "Oi" vorkommt. Gerade die deutschen Oi!-Bands (besonders mitte der 90er) fallen durch diese Sprachschrift auf, wie z. B. "Springtoifel", "Oimelz", "Broilers" etc. Doch ein "Oi" im Namen deutet nicht unbedingt auf eine unpolitische Band hin, wie z. B. die rechtsextremen Bands Kroizfoier oder Oidoxie beweisen. Wobei Kroizfoier (wie viele andere "Rechte" Bands) wohl zur Einsicht gelangt sind, dass sie mit Oi nichts zu tun haben und sich in Kreuzfeuer umbenannt haben.

Oi! in Deutschland


In den Texten deutscher Oi!-Bands geht es, wie in den Texten ausländischer Bands auch, zumeist um Alkoholkonsum (vor allem Bier), Sex, Fußball, das Dasein als Oi!-Skin oder die Musik selbst (Parole: Ficken, Saufen, Fußball). Bekanntere deutsche Oi!-Bands waren bzw. sind die "Herbärds",und Springtoifel zwei der wenigen nicht rechtsradikalen Skinheadbands in den 80er Jahren, die "Böhsen Onkelz", "Body Checks", "Vortex" Die Alliierten, "Boots & Braces". Seit Mitte/Ende der 1990er sind unpolitische Bands wie "Bierpatrioten","4 Promille", "Verlorene Jungs","Pöbel&Gesocks","Smegma", "Loikaemie", "Stomper 98", "Volxsturm", "Gumbles", "Halunken", "Punkroiber","Dominator" und die "Broilers" populär geworden.Viele dieser Bands sind extrem Antirassistisch sehen dies aber nicht als Politik sondern als normal an. Neben diesen politisch "neutralen" Bands gibt es auch explizit antifaschistische, zum Teil auch linke Oi!-Bands, wie beispielsweise die "Stage Bottles".

Daneben etablierte sich eine, sich "patriotisch" nennende Szene, die gerade durch das Label DIM-Records vorangetrieben wurde. Dessen Bands bezeichnen sich oft auch als Oi!-Musik, obwohl ihr Label auch rechtsradikale Bands und Kleidung vertreibt und manche Gruppen selber mit Neonazis auftreten.

Heute weichen immer mehr Bands vom traditionellen "Schrammel-Oi!", wie ihn die Band "Smegma" titulierte ab. Die Texte wurden ernster, die Musik wird professioneller und durch zahlreiche Label, die Qualität der Aufnahmen besser. Oft auch vermischen sich die Musikeinflüsse aus Punk, Hardcore, Rock'n'Roll oder Folklore, so dass man nicht mehr von einer einheitlichen "Oi!-Musik" sprechen kann, sondern den Oi! eher als Sammelbegriff für Musik von Skinheads und Punks sehen muss.

Auch in Deutschland ist Oi! keineswegs ein Phänomen, das auf Skinkreise beschränkt ist.Sogut wie alle Oi!-Bands bestehen aus Punks & Skins etc. Das gilt dann in der Regel auch für das jeweilige Publikum.

Politik


Spätestens nachdem es 1981 nach einem Oi!-Konzert in Southall, London, zu Ausschreitungen zwischen den Konzertbesuchern und den asiatischen Anwohnern gekommen war, wird Oi! in der Öffentlichkeit und den Medien oft mit Neonazismus assoziiert. Dies ist aber ebenso wenig zutreffend wie die pauschale Gleichsetzung von Skinheads (egal ob traditionell oder Oi!-Skin) mit Rechtsradikalen oder Neonazis.

Die meisten Oi!-Bands in Deutschland wie auch international haben eine apolitische Meinung (also weder links- noch rechtsradikal), grenzen sich zum Teil auch explizit gegen den neonazistisch geprägten Teil der Skinhead-Szene ab ("Intoleranz und Egoismus, dumme Schweine und Faschismus, wenn ich auf die Straße geh und weiß, ihr tut mir leid", Loikaemie - Ihr tut mir leid). Die Grenzen sind jedoch bisweilen fließend, da bei rechtsradikalen bzw. neonazistischen Bands häufig nur der offen propagierte Rassismus mehr oder weniger deutlich zum Themenspektrum hinzutritt.

Ebenso häufig bezeichnen rechtsradikale und neonazistische "Skinhead"-Bands ihre eigene Musik ebenfalls als Oi!-Musik oder hören diese Musikrichtung. Daneben hat sich der Begriff RAC (="Rock against Communism", eine Reaktion auf den "Rock against Racism" durch die UK-Band Skrewdriver) als Bezeichnung für rechtsradikalen "Skinhead"-Rock (auch White Noise genannt) in der Szene etabliert. Besuche von Oi!-Punk-Konzerten von Seiten rechtsradikaler "Skins" (sogenannter Boneheads) gibt es immer wieder, was oftmals zu gewalttätigen Auseinandersetzungen führt.

Literatur


  • Matthias Mader: Oi! The Book Vol. 1. Berlin I.P. Verlag 1996. ISBN 3931624021
  • Dominik Reding: Oi Warning. Leben auf eigene Gefahr. Das Buch zum Film. Schüren Presseverlag 2002. ISBN 3894723386

Weblinks


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