Die Ohrabahn (Kursbuchstrecke 572; Streckennummer 6697) ist eine 36 Kilometer lange eingleisige Nebenbahn in der Mitte Thüringens, die Gotha mit Gräfenroda verbindet. Der Name entstand erst nach 1990, die Bahn verläuft zwischen Ohrdruf und Luisenthal neben dem Fluss Ohra.
Streckenführung
Karte-Ohrabahn.png
Die Bahnstrecke beginnt im Hauptbahnhof von
Gotha, wo sie in südwestlicher Richtung von der
Bahnstrecke Erfurt-Bebra abzweigt. Sie verläuft zunächst in einem Doppelbogen neben dem nach 1990 entstandenem Gewerbegebiet Gotha-Süd und dann über „offenes Feld“ und unter der
Bundesautobahn 7 nach
Emleben, wo sich ihr erster Bahnhof befindet. Von Emleben führt die Strecke schnurgerade in südlicher Richtung weiter über
Petriroda nach
Georgenthal. Georgenthal war früher ein Eisenbahnknotenpunkt. Von hier zweigten nach Nordwesten die
Friedrichrodaer Bahn und nach Südwesten die
Bahnstrecke Georgenthal–Tambach-Dietharz ab. Georgenthal ist derzeit der einzige nicht
barrierefreie Station der Strecke, dort müssen noch die von 1895 stammenden beiden überdachten Doppelbahnsteige und der Bahnsteigtunnel benutzt werden. Von Georgenthal verläuft die Strecke in weitem Bogen in Richtung Osten. Nach dem Gewerbegebiet biegt die Stecke nach Süden und erreicht den Bahnhof von
Ohrdruf. Westlich an Ohrdruf und der Ohra vorbei verläuft die Strecke nach
Luisenthal, und damit den
Thüringer Wald erreichend. Dort ändert sich die Richtung der Strecke erneut auf Osten bis
Crawinkel. Hier erreicht sie ihren Scheitelpunkt. Von Crawinkel aus schlängelt sich die Strecke weiter nach
Frankenhain im Süden. Ab hier fällt sie stark hinab ins Tal der
Wilden Gera. Es folgt ein 320°-Bogen um das
Gräfenrodaer Kirchholz zur künstlichen Höhengewinnung und mit einer weiteren 300°-Kurve wird der Talgrund mit dem Haltepunkt Gräfenroda-Ort erreicht. Nach weiteren 4 km mündet die Ohrabahn von Südwesten kommend in die
Bahnstrecke Erfurt-Schweinfurt ein, wo für diese der 20%o-Anstieg beginnt..
Bahnhof_Ohrdruf.JPG | Bf_Gräfenroda-Ort.JPG | Bahnhof_Gräfenroda.JPG | Baureihe_641.JPG
- bgcolor="#FFDEAD"
| Bahnhof
| Strecken- kilometer
| Höhe
| Abzweigende Strecken
|
| Gotha Hbf
| 0,00
| 307,44
| Hauptstrecke Erfurt-Bebra (seit 1847), Strecke nach Leinefelde (seit 1870)
|
| Emleben
| 6,35
| 350,95
|
|
| Petriroda
| 9,23
| 368,65
|
|
| Georgenthal (Thür)
| 13,06
| 374,63
| Stichbahn nach Tambach-Dietharz (1892-1969), Strecke nach Friedrichroda (1896-1947)
|
| Ohrdruf
| 17,31
| 380,21
|
|
| Luisenthal (Thür)
| 20,88
| 422,22
|
|
| Crawinkel
| 25,25
| 483,37
|
|
| Frankenhain
| 29,88
| 470,49
|
|
| Gräfenroda Ort
| 33,90
| 400,64
|
|
| Gräfenroda
| 35,70
| 380,58
| Hauptstrecke Erfurt-Schweinfurt (seit 1883)
|
Geschichte
Der erste Streckenabschnitt von Gotha bis Ohrdruf wurde bereits am 8. Mai 1876 eröffnet. Grund für den Bau war vor allem die Forderung der Ohrdrufer nach der Eisenbahn sowie die Forderung des
Herzoges von Sachsen-Coburg-Gotha alle Amtsstädte im Herzogtum bequem erreichen zu können.
Eigentümer war zunächst das Herzogtum Gotha. Der Betrieb wurde durch die
Thüringische Eisenbahn geführt.
Als 1883 die Bahnstrecke Erfurt-Schweinfurt vollendet wurde, wollten die Ohrdrufer auch einen Anschluss zu dieser Seite erreichen. Da die gesamten Gebiete der Ohrabahn zu Sachsen-Coburg und Gotha gehörten, blieben lange Verhandlungen unter den Staaten, wie sie sonst in Thüringen oftmals nötig waren, erspart und der Bau nach Gräfenroda konnte fortgesetzt werden. Am 1. November 1892 wurde schließlich die zweite Hälfte der Ohrabahn von Ohrdruf nach Gräfenroda dem Verkehr übergeben.
Betrieb
ab der siebziger Jahre wurde die Strecke von
Schienenbussen befahren, die im Volksmund auf Grund ihrer roten Lackierung
Blutblasen, aber auch
Sandmännchenzug genannt wurden. Nach 1990 wurde geprüft, ob die Strecke stillgelegt werden solle. Schließlich wurde der Verkehr zwischen Crawinkel und Gräfenroda in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre eingestellt. Nach aufwendiger Streckensanierung verkehren dort wieder Züge im 2-Stunden-Takt, von Gotha nach Crawinkel stündlich. Im heutigen Zugverkehr kommen meist Fahrzeuge der
Baureihe 641 zum Einsatz.
Wichtigster Anschließer ist heute ein Tanklager, das mit Kesselwagenganzzügen von Emleben bediet wird.
Im Gewerbegebiet Ohrdruf, welches ein 3km langes Anschlußgleis besitzt, wurden dagegen noch keine Güterwagen gesehen.
Weblinks
Bahnstrecke in Thüringen | Landkreis Gotha | Ilm-Kreis