Offenes Lernen ist jedes Lernen, das selbstbestimmt erfolgt. Der Begriff offenes Lernen wird in der Schule und in der pädagogischen Diskussion sehr undifferenziert gebraucht. Eine Präzisierung steht noch aus.
Die weitestgehende Definition (für Schule) hat Falko Peschel vorgestellt. Er benutzt ein mehrdimensionales Bestimmungsraster um zu zeigen, inwieweit im Unterricht der Regelschule offenes Lernen ermöglicht wird bzw. der Unterricht verändert werden kann um den Grad des offenen Lernens zu erhöhen.
| Organisatorisch | Ermöglichung ganz freier Zeiteinteilung, Orts- und | Partnerwahl auf Dauer - langfristige Arbeitsvorhaben
Wann arbeitest du mit wem wo? |
| Methodisch | Aufgaben werden auf unterschiedlichsten Niveaus/ | mit unterschiedlichsten Zugangsweisen nebeneinander bearbeitetWie machst du das? |
| Inhaltlich | überfachliche Arbeitsvorhaben (Mathe, Sprache, Naturwissenschaft etc. nebeneinander) | Was machst du? |
| sozial | Selbstregierung der Klassengemeinschaft | Wie lebt und arbeitet ihr gemeinsam? |
| persönlich | Auf Gleichberechtigung abzielende "überschulische Beziehung" |
Jeder kann - durch geeignete Organisationsformen der gemeinsamen Lernzeit, die sich grundlegend vom herkömmlichen Unterricht unterscheiden, - seine Interessen einbringen und über seine Nutzung der Lernzeit bestimmen. Andere Schüler, die ähnliche Interessen haben, können entweder eine Kooperation eingehen oder ihre individuellen Fragen zu diesem Komplex stellen. Auf diese Weise entsteht aus dem Gemenge der Interessenlagen ein Arbeitsvorhaben. Die dafür notwendigen Lernzeiten handeln die Lernenden untereinander aus. Jeder kann sich für ein solches Arbeitsvorhaben entscheiden oder selbst ein anderes starten. Es kann auch vorkommen, dass an einem Arbeitsvorhaben nur ein Lernender arbeitet.
Die Ergebnisse des Arbeitsvorhabens werden der Klassengemeinschaft vorgestellt. Die Teilnehmer am Arbeitsvorhaben beantworten Fragen der Klassengemeinschaft nach ihrem Kenntnisstand. So können entweder neue Arbeitsvorhaben entstehen oder das Thema ruht auf unbestimmte Zeit.
Dazu kommt, dass der Lehrer auch den sozialen Prozess und die Interaktionen der Klasse über die Klasse hinaus nicht mehr bestimmt. Die Lernenden sind selbst für diese Prozesse verantwortlich - der Lehrer ist nur noch ein Teil davon. Er zentralisiert den Lernprozess nicht mehr auf sich durch seinen Wissensvorsprung, er setzt soziale Normen nicht mehr qua Amt durch, das Zustandekommen von Außenkontakten der Lernenden (z.B. bei einer Erkundung) ist nicht mehr ausschließlich von ihm abhängig. Selbst die Einhaltung der sozialen Normen, die sie Lernenden selbst gesetzt haben, ist nicht die Aufgabe des Lehrers. Er ist auch nicht die Strafinstanz bei festgestellten Vergehen.
Der Lehrer darf sich dabei nicht auf die Rolle des stummen Beobachters zurückziehen und die Klasse sich selbst überlassen. Er ist derjenige, der alle Aktivitäten der Lernenden - sei es in fachlicher/überfachlicher Hinsicht, in sozialer Hinsicht oder auch in Bezug auf die Außenkontakte unterstützt und fördert. Er ist 'Partei' jedes Lernenden - auch in sozialer Hinsicht.
Darüber hinaus können sich Schüler nicht mehr auf die ordnende Hand des Lehrers verlassen, sondern lernen selbst, individuell unterschiedliche Auffassungen und Handlungsweisen kennenzulernen, zu akzeptieren oder sich dagegen zur Wehr zu setzen. Sie lernen Rücksicht aufeinander zu nehmen und gleichzeitig sich in der Lerngruppe einen Platz zu erkämpfen. Sie lernen dabei, dass das eigene Handeln für andere Folgen hat und dass sie für diese Folgen von der Gemeinschaft der Lernenden zur Verantwortung gezogen werden können.
Wird diese Lernform schon in der Grundschule, sozusagen von Anfang an, praktiziert, entstehen diese Umstellungsprobleme nicht in dieser Form. Trotzdem haben Kinder ja auch schon vor der Schule 'Lebenserfahrung' gesammelt und agieren in der Klasse zunächst auf Grund dieser Erfahrungen. Aus diesen unterschiedlichen Handlungsstrategien der Kinder entstehen mit der Zeit Regeln, die die Kinder benötigen, um miteinander auszukommen und ihren Interessen und Bedürfnissen nachgehen zu können. Diese Regeln haben nicht den Stellenwert für die Kinder, die solche Regeln für Erwachsene haben.
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