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Offener Unterricht ist eine Organisationsform des Unterrichts, die offenes Lernen ermöglicht.

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In der Erziehungswissenschaft gibt es keine einheitliche Definition. Meist soll mit der Bezeichnung offener Unterricht darauf hingewiesen werden, dass die jeweils in redestehende Unterrichtsform offener als Frontalunterricht ist.

Deshalb wird hier die weitestgehende Form von offenem Unterricht zugrunde gelegt.

Allgemeines


Offener Unterricht unterscheidet sich von anderen Unterrichtsformen dadurch, dass:
  • die individuellen fachlichen und überfachlichen Lerninteressen der Kinder das Lerngeschehen bestimmen, und darüber hinaus auch
  • das soziale Geschehen und
  • die über die Lerngruppe/Klasse hinausgehenden Interaktionen - auch die außerschulischen -
von den Kindern selbst geregelt werden.

Kernelement des offenen Unterrichts sind die Individuen in der Lerngruppe und die Interessen dieser lernenden Individuen. Die Einteilung des Unterrichts nach Fächern ist notwendig, ebenso wie die Festlegung eines Kanons von Inhalten, steht dem offenen Unterricht jedoch nicht entgegen. Denn trotz vorgegebener Lerninhalte (Lehrplan/ Curriculum) bestimmen die SchülerInnen in Zusammenarbeit mit dem Lehrer die konkreten Inhalte ihres Arbeitens.

Offener Unterricht benötigt die volle Unterstützung des Lehrers, sonst kann sich die gewünschte Offenheit nicht entwickeln. Im Laufe der Zeit stabilisiert sich die Lerngruppe und wird in ihren Entscheidungen vom Lehrer unabhängig. Der Offene Unterricht als Organisationsform benötigt allerdings in jeder Phase diese volle Unterstützung durch die beteiligten Erwachsenen (Lehrer, Schuladministration und -organisation, Eltern).

Inzwischen liegen auch vielfältige positive Erfahrungen aus der Unterrichtspraxis vor. Pädagogen, die das Konzept begründet und verbreitet haben, sind vor allem Hans Brügelmann, Falko Peschel, Jörg Ramseger und Wulf Wallrabenstein.

Folgerungen in der Praxis


Für den Ablauf des Schulalltages hat die Vertauschung der organisationsleitenden Prinzipien von Fachdidaktik gegen Interessen des Individuums weitreichende Folgen:

organisatorisch

Die lernenden Individuen bestimmen selbst:
zeitlich: wann sie an einem Thema arbeiten
räumlich: wo sie an einem Thema arbeiten
kooperativ: mit wem sie an einem Thema arbeiten

methodisch

Die lernenden Individuen bestimmen selbst:
Wie sie ihr Thema bearbeiten
Welchen methodischen Zugang zum Thema sie wählen

inhaltlich

Die lernenden Individuen bestimmen selbst:
An was sie arbeiten/an welchem Thema sie arbeiten

sozial

Die lernenden Individuen bestimmen selbst:
über die Regeln und den Ablauf des Klassenlebens
über die Konsequenzen, die sich in Problemfällen ergeben

persönlich

Die lernenden Individuen bestimmen selbst:
Welche Werte und Prioritäten sie für ihr Leben wählen

Formen


Übliche Formen dieses offenen Unterrichts sind

Unter bestimmten Umständen kann der im Folgenden genannte Unterricht eine Arbeitsform des offenen Unterrichts sein, nämlich dann, wenn der Schüler selbstständig und selbstverantwortlich an seinen selbstgewählten Arbeitsvorhaben bearbeiten kann. Er kann aber genausogut ein geschlossener (lehrer-, material- oder themenzentrierter) Unterricht sein.

Die beiden folgenden Unterrichtsformen werden oft dem offenen Unterricht zugerechnet. Tatsächlich beschränkt sich die Offenheit dieses Unterrichts darauf, an vorgeschriebenen Stationen vorgegebene Aufgaben zu erledigen, bestenfalls 'frei' zwischen verschiedenen Aufgaben auszuwählen, bzw. beim materialgeleiteten Unterricht 'frei' zwischen vorgegebenen Materialien auszuwählen.

Querverbindungen


Offener Unterricht ist die Methode der konstruktivistischen Didaktik. Vor allem bei dieser Form ist es dem Lehrenden möglich, dem Schüler die Möglichkeit zu geben, subjektiv sinnhafte Themen auszuwählen und zu bearbeiten.

Siehe auch


Offenes Lernen, Falko Peschel, Hans Brügelmann

Literatur


  • Peschel, F.: Offener Unterricht - Idee, Realität, Perspektive und ein praxiserprobtes Konzept zur Diskussion. Band I: Allgemeindidaktische Überlegungen. Band II: Fachdidaktische Überlegungen. Schneider Verlag Hohengehren: Baltmannsweiler 2002.
  • Peschel, F.: Offener Unterricht in der Evaluation. Schneider Verlag Hohengehren: Baltmannsweiler 2003.
  • Brügelmann, H.: Schule verstehen und gestalten – Perspektiven der Forschung auf Probleme von Erziehung und Unterricht. Libelle: CH-Lengwil 2005

auch offener Unterricht, aber als Oberbegriff (offene Unterrichtsformen):

  • Bannach, Michael: Selbstbestimmtes Lernen. Freie Arbeit an selbst gewählten Themen. Baltmannsweiler, 2002 - ISBN 3-89676-525-6
  • Bannach, M./ Sebold, L./ Wehmeyer, B. (Hrsg.): Wege zur Öffnung des Unterrichts. Oldenbourg Verlag: München 1997 (ISBN 3-48698-749-6)

  • Jürgens, Eiko: Die `neue` Reformpädagogik und die Bewegung Offener Unterricht- Theorie, Praxis und Forschungslage, Academia Verlag, Sankt Augustin, 6., unveränderte Auflage, 2004 (ISBN 3-89665-323-7)

Weblinks


Pädagogische Methode/Lehre

Open learning

 

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