In der Sprache des Alltags versteht man unter Offenbarung das Offenbaren eines Geheimnisses: etwas bislang Verborgenes wird enthüllt. Im Rechtswesen erklärt ein Schuldner mit dem Offenbarungseid, dass er bei der Darstellung seiner Vermögensverhältnisse nicht gelogen hat und dass er seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen kann. Im religiösen Sprachgebrauch bezeichnet das Wort Offenbarung gewöhnlich eine auf übernatürlichem Wege stattfindende Mitteilung göttlicher Wahrheiten oder eines göttlichen Willens. Abkürzend nennt man auch das letzte Buch des Neuen Testaments (die Johannesapokalypse) schlicht Offenbarung, das Wort wird dann als Eigenname benutzt. Mitunter wird das Wort Offenbarung auch im übertragenen Sinne scherzhaft gebraucht ("Das Essen war eine Offenbarung").
Aus dem althochdeutschen Adjektiv offan ("offen") wird schon früh die Ableitung offanbar ("deutlich, klar ersichtlich, eindeutig") gebildet, dazu das Verb offenbaeren mit der Bedeutung "offen zeigen, enthüllen, kundtun" sowie das mittelhochdeutsche Substantiv offenbarunge ("Kundgabe, Bekenntnis"). Im heutigen Deutsch fächern sich die Bedeutungen weiter aus, so auch im Sinne von "sich jemandem anvertrauen". In der Bibelübersetzung von Martin Luther steht das Wort Offenbarung für das griechische apokalypsis ("Enthüllung, Offenbarung"), von dem sich auch die Fremdwörter Apokalypse und Apokalyptik herleiten. Die Wortbestandteile des dazugehörigen Verbs apokalyptein ("enthüllen, entblößen, offenbaren, kundtun") apo ("weg") und kalyptein ("verhüllen") bedeuten soviel wie "eine Verhüllung fortnehmen". Die Bedeutungen der Wörter Apokalypse und Offenbarung decken sich im Deutschen nicht, da sich mit "Offenbarung" Wort nicht von vornherein die düsteren Anklänge an eine Ende der Welt und an ein Strafgericht verbinden, die im Deutschen mit "Apokalypse" konnotiert sind.
Der nachfolgende Text befasst sich vor allem mit der religiösen Bedeutung von Offenbarung.
Betrachtet man die Wortbedeutung näher, lässt sich nach vier Gesichtspunkten weiter unterscheiden. Zunächst handelt es sich um einen Vorgang, ein Ereignis des Offenbarens. Dieses Geschehen wird dann näher als Erlebnis (1.) gekennzeichnet. Offenbarungserlebnisse gehen weiter auf einen Urheber (2.) zurück. Offenbarungserlebnisse widerfahren dem Subjekt (3.), das sie erlebt, ohne dessen willentliches Zutun. Zuletzt kann der Inhalt von Offenbarungen (4.) zum Gegenstand von Betrachtungen werden. Theismus, Atheismus und Agnostizismus beurteilen Offenbarungserlebnisse unterschiedlich.
1. Es lässt sich feststellen, dass Offenbarungserlebnisse selbst im Rahmen einer Tradition höchst individuell ausfallen können, weshalb man auch von der "Vielfalt religiöser Erfahrung" (W.James) gesprochen hat. Für jene, welche von ihnen berichten, sind Offenbarungen einschneidende Erlebnisse, die den ganzen Menschen ergreifen und sein künftiges Leben nachhaltig verändern können. Vielfach werden Offenbarungserlebnisse als überwältigend beschrieben, häufig wird ihr verpflichtender Charakter betont. Will man nach Sinnesorganen unterscheiden, mit dem eine Offenbarung vom Empfänger wahrgenommen wird, lassen sich mindestens zwei Arten von Offenbarungen unterscheiden. Manche Offenbarungen werden - in welcher Weise auch immer "geschaut" (Vision), manche werden - in welcher Weise auch immer - "gehört" (Audition). Im Einzelnen erfolgen Offenbarungen durch die Gottheit selbst unmittelbar, durch Boten, im Traum oder durch Orakel.
2. Aus der Sicht des Monotheismus ist Gott der alleinige Urheber von Offenbarungen, auch wenn er sich göttlicher Botschafter (Engel) oder menschlicher Mittler (Propheten) bedienen mag, um seine Geheimnisse zu enthüllen. Jene, die Offenbarungen erleben, verstehen sie als eine Selbstmitteilung, ein Sich-Selbst-Zeigen Gottes. Als Dokument eines solchen Erlebnisses lässt sich das sogenannte Memorial des Blaise Pascal ansehen. Der Atheismus hält Offenbarungen für Illusionen des erlebenden Subjekts oder für Betrug. Der Agnostizismus hält die Frage in Nachfolge der antiken Skepsis für unentscheidbar und enthält sich in der Sache jedes Urteils (Epoché).
3. Die hohe Bedeutung von Offenbarungen für jene Menschen, die sie erleben, beruht auf dreierlei Ursachen. Zunächst werden Offenbarungserlebnisse von starken Gefühlen begleitet, und zwar sowohl von Angst- als auch Glücksgefühlen. Weiter ist mit Offenbarungen ein Anspruch auf Erkenntnis und Wahrheit verbunden. Da Offenbarungen oft als Befehle oder Gebote erlebt werden, geht von solchen Erlebnissen zuletzt auch ein starker Handlungsdruck aus, bei Nichtbefolgen göttlicher Gebote unter Umständen auch Gewissensnot (Gewissen).
4. Der Inhalt von Offenbarungen kann ganz verschiedene Dinge betreffen: einzelne Ereignisse im künftigen Leben eines Menschen oder einer Gruppe von Menschen, die Deutung der Vergangenheit und die Vorhersage des Ganges der Geschichte im Ganzen, Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens und die Rolle des Menschen in der Welt, die Geltung von Gesetz und Moral und anderes mehr. Kurz: alles, was dem Wohlergehen des Menschen in diesem Leben und seinem Heil im Jenseits förderlich ist, kann Inhalt von Offenbarungen werden. Eine Religion, die sich für den Kern ihrer Lehre Dogma und für ihre Institutionen auf Offenbarungserlebnisse beruft, nennt man Offenbarungsreligion.
Stifterreligionen haben in aller Regel eine abgeschlossene Offenbarung, das heisst, beispielsweise der Kanon der Heiligen Schriften ist fest definiert und unveränderlich. Dauerhafte Änderungen an der Glaubenspraxis werden dort über die Tradition ermöglicht, die je nach Religion einen unterschiedlichen Einfluss hat. In solchen Religionen ist eine weitere Offenbarung meist nur noch in Form persönlicher, privater Kommunikation mit dem Glaubensobjekt möglich und wird dabei in den allermeisten Fällen als nicht kanonisierbar betrachtet.
In der europäischen Geistesgeschichte spielt die Unterscheidung zwischen natürlicher und übernatürlicher Offenbarung eine große Rolle. Natürliche Offenbarung bedeutet, dass mit den Mitteln des Verstandes jedem Menschen, auch jenen, die nicht glauben, eine Erkenntnis Gottes aus der von ihm geschaffenen Welt möglich ist. Eine direkte Selbstmitteilung Gottes ist dazu nicht erforderlich. Die Natürliche Theologie macht derartige Erkenntnisbemühungen zu ihrem Gegenstand und versucht dabei besonders seit der Scholastik auch, zu Gottesbeweisen zu gelangen. Übernatürliche Offenbarung bedeutet demgegenüber eine Form der Offenbarung, welche nicht jedem Menschen verstandesmäßíg erschließbar ist. Dies betrifft nach scholastischer Auffassung die Mysterien des Glaubens und kann gemeinhin auch bezogen werden auf außergewöhnliche Selbstbezeugungen Gottes, die ausgewählten Menschen widerfahren. Insbesondere breite Teile des Protestantismus vertraten eine Angewiesenheit auf übernatürliche Offenbarung, um religiöse Wahrheiten zu erschließen und traten damit der natürlichen Theologie entgegen.
Der Glaube an Offenbarungen schließt zwei Annahmen ein: zum einen soll eine Offenbarung von Gott bewirkt worden sein; zum anderen soll die Offenbarung, sofern sie als Aussage verstanden wird, wahr sein. Der Wahrheitsanspruch derer, die als Zeugen von Offenbarungen auftreten, wird schon innerhalb des Offenbarungsglaubens selbst fraglich. Das Problem gründet im Erlebnischarakter von Offenbarungen und wird z.B. im Pentateuch (5. Mose 18,21) in der Frage greifbar: "Wie kann ich merken, welches Wort der Herr nicht geredet hat?" - Diese Frage hat bis heute keine allgemein überzeugende Antwort gefunden. Biblische Texte werten zutreffendes Vorherwissen der Zukunft als Kriterium der Echtheit von Offenbarung: "...wenn der Prophet redet in dem Namen des Herrn und es wird nichts daraus und es tritt nicht ein, dann ist es ein Wort, das der Herr nicht geredet hat. Der Prophet hat's aus Vermessenheit geredet, darum scheu dich nicht vor ihm." (5.Mose 18,22) Eine Abgrenzung von glücklich erratenem zukünftigem Geschehen ist mit diesem Kriterium nicht möglich. An Stellen wie dieser ist deutlich, dass unechte Offenbarung mit der moralischen Unzulänglichkeit des Propheten erklärt wird. Das Problem der falschen Propheten wird im Alten wie im Neuen Testament beklagt. Freilich können auch sonst glaubwürdige Zeugen irren.
Die vor allem seit dem 14. Jahrhundert sich herausbildende scholastische Apologetik hat diese Probleme oft gesehen. Da sie aber eine Einsicht in die Geheimniswahrheiten der Offenbarung mittels natürlicher Vernunft ablehnte, kehrte sie äußere Kriterien hervor. Ein allgemeiner Konsens, wie diese Kriterien zu bestimmen und anzuwenden sind, bestand nicht. Mit der Aufklärung im 17. Jahrhundert, der Herausbildung eines historischen Bewusstseins und einer auch für Offenbarungsquellen Anwendung findenden geschichtswissenschaftlichen Methodik, schließlich mit Wandungen im Offenbarungsbegriff im 20. Jahrhundert wurde eine solche Argumentationslinie zumindest in der christlichen Theologie mehr und mehr verabschiedet.
Ein weiteres Problem bringt der interreligiösen Vergleich hervor: Offenbarungsreligionen widersprechen sich zumindest in einigen als offenbart beanspruchten Lehren. Daher können nach Meinung vieler Religionsphilosophen diese Lehren nicht je zugleich auf wahrer Offenbarung beruhen.
Religionskritiker sehen die Heiligen Schriften über weite Strecken als Gebrauchsanweisungen zur Intoleranz. Nicht nur Religionskritiker betonen, dass der Anspruch auf absolute Wahrheit und Unfehlbarkeit Fanatismus und Fundamentalismus begünstigen kann. Die heftigen Debatten um den Kreationismus in den Vereinigten Staaten zeigen, dass immer noch Rückfälle in naiven Buchstabenglauben geschehen.
Unbestreitbar ist die Geschichte der Offenbarungsreligionen weithin eine Geschichte der Intoleranz. Allerdings gibt es seit dem frühen Mittelalter immer wieder Ausnahmen. Einige Werke der Gattung der Religionsdialoge sind hier zu nennen. So hat beispielsweise die Lessingsche Ringparabel Vorläufer im 8. Jahrhundert. Beispiele religiöser Intoleranz sind jedoch Legion. Noch der Syllabus errorum verurteilte alle Religionsfreiheit. Auch im Streit um den Modernismus wurde die Alleingültigkeit des eigenen Glaubens von Seiten des römischen Lehramts beibehalten. Nach den geschichtlichen Erfahrungen mit Religionskriegen, Weltkriegen und Totalitarismen erlangte Toleranz in Bekenntnisfragen größeres Gewicht. Das 2. Vatikanische Konzil erkannte erst 1965 die Religionsfreiheit an. Im Protestantismus vertraten maßgebliche Theologen wie Karl Barth oder Emil Brunner einen rigorosen Ausschließlichkeitsanspruch ihres Glaubens. Die Zeiten haben sich geändert; dass Vertreter beider Konfessionen sich für ein "Weltethos" (Hans Küng) engagieren, ist eine Selbstverständlichkeit geworden.
Gleichzeitig gibt es jedoch in den Offenbarungsreligionen erstarkende Gegenströmungen. Dieselben Urkunden des Glaubens lassen viele Deutungen zu - oft Deutungen, die mit Ausschließlichkeitsanspruch vertreten und verfochten werden.
Die Schriften des Judentums, des Islam und des Christentums enthalten viele Stellen, welche im Sinne einer Toleranz auch in Fragen des Bekenntnisses verstanden werden können und heute meist auch so verstanden werden. Auch die Quellen des Buddhismus belegen das Toleranzgebot. Für Buddha kann das Gleichnis von den Blinden und dem Elefanten als typisch angesehen werden. Buddhistische Lehren zielen oft die Einsicht, dass Glaubenslehren höchsten den Charakter von Behelfen haben. Offenbarungsreligionen haben dagegen oft unbezweifelbar hinzunehmende Autorität verlangt, die absoluten Gehorsam fordert - zwei wesentliche Quellen aller Intoleranz. Die Idee, dass auch jeder Andersläubige einen Zipfel der einen Wahrheit fasst, wird dann ausgeschlossen. Derartige Ideen finden sich auch in biblischen Stellen wie beispielsweise Apg 17 oder Röm 1. Diese Stellen hatten nach heutigen Maßstäben nicht die Wirkungsgeschichte, die sie verdient hätten.
Offenbarung im religiösen Sinn wird oft passiv erlangter Gewinn religiöser Überzeugungen durch unmittelbares spirituelles Erleben verstanden. Da dieses Erlebnis für andere Menschen nicht nachprüfbar ist, entzieht es sich der Prüfbarkeit mittels experimentell-wissenschaftlicher Methode. Naturwissenschaftlich ist über den Wahrheitsgehalt von Offenbarungsberichten daher nichts aussagbar. Von Kritikern werden daher Offenbarungen als Irrtum, Schein, Illusion, wenn nicht als Wahnmanifestation eingestuft.
Einige Theologen fassen daher den Wahrheitsgehalt von Offenbarungen in der Weise auf, dass im Gegensatz zu naturwissenschaftlichen Erkenntnissen eine Offenbarung als religiöses Erschließungsereignis immer den ganzen Menschen bestimmt und beeindruckt. So verstanden haben Offenbarungen sich an ihrem Erschließungscharakter zu messen, also daran, inwiefern sie das Ganze menschlichen Lebens sinnhaft strukturieren. Dieses Verständnis nimmt Anhalt am alltagssprachlichen Sinn von "Offenbarung": wertneutraler, nicht unbedingt religiös besetzt meint "Offenbarung" ähnliches wie Erleuchtung.
Der Ursprung von Offenbarung ist, nach theologischem Verständnis, ein ´übernatürlicher´ bzw. transzendenter Grund. Der Empfänger einer Offenbarung wird oft als Prophet oder Botschafter Gottes bezeichnet.
Das Thema der Offenbarung bildet seit langem einen umfangreichen Traktat der dogmatischen Theologie. Je nach theologischer Rahmentheorie wurden und wird auf verschieden gewichtete Texte der Tradition zurückgegriffen und eine anderes akzentuierte systematische Position entwickelt. Weithin unbestritten ist der zentrale Rang des Offenbarungsbegriffs.
Die klassische katholische Theologie kennt drei grundsätzliche Offenbarungsquellen: Schrift, Tradition und Natur. Allerdings hat besonders die scholastische Theologie einen Unterschied gezogen zwischen dem, was "aus der Natur" und dem, was genuin nur "aus der Offenbarung" bzw. Gnade zugänglich ist. In ersteren Bereich fielen vor allem Themen der philosophischen Gotteserkenntnis bzw. genauer der sogenannten Natürlichen Theologie.
In welchem Verhältnis diese beiden Offenbarungen zueinander stehen können, wurde in der spätscholastischen Philosophie der Gegenreformation auf folgende Formel gebracht: "Die Gnade vollendet die Natur, sie hebt sie aber nicht auf" (lateinisch: Gratia perficit naturam, non tollit). Damit waren die beiden möglichen Extrempositionen vermieden: zum einen der sehr starke Gnadenbegriff der Reformatoren ("durch Gnade allein" , "durch Schrift allein", "durch Glauben allein" - lateinisch: sola gratia, sola scriptura, sola fide), zum anderen aber auch das schriftferne Abgleiten in die Verehrung des Naturhaften im Panentheismus (Naturhaftes wird vergöttlicht). Komplexer wird die Analyse der Erkenntnisquellen in der Lehre der loci theologici.
Dies zeigt bereits, wie sich die Bedeutung des Offenbarungsbegriffs mit dem Wandel der Theologie insgesamt ändert. Oft unterteilt man diese Wandlungen in drei Phasen: ein epiphanischer Offenbarungsbegriff (Berichte von Erscheinungen Gottes) zeigt sich in Frühformen, ein instruktionstheoretischer Offenbarungsbegriff seit der Spätscholastik, nominalistischer Schultheologie oder Aufklärung (Gott offenbart Sätze), ein kommunikationstheoretischer Offenbarungsbegriff spätestens mit der Instruktion "Dei Verbum" des 2. vatikanischen Konzils (Offenbarung ist stets Selbstoffenbarung, Zuwendung eines personalen Gottes zu einem personalen Gegenüber). Offenbarung als "Selbstmitteilung Gottes" wird oft im Sinne einer kommunikativen Gemeinschaft mit Gott entwickelt.
Praktisch gewendet mag die Lehre von den zwei Offenbarungswegen (Bibel und Natur bzw. Vernunft) vor einer Ideologisierung schützen. Denn: Da zum einen sich Gott den Menschen auf zwei verschiedene Weisen zeigt, zum anderen davon ausgegangen wird, dass er sich auf diesen beiden Wegen nicht widersprüchlich dem Menschen zeigt, steht der Mensch vor der Herausforderung, seine eigene Welt- und Schöpfungserfahrung mit denjenigen Erkenntnissen, die er der Bibel entnimmt, zu harmonisieren. Oder anders gesagt: Der Christ ist einerseits dazu herausgefordert, die Bibel vor dem Hintergrund seiner Welterfahrung je neu auszulegen und umgekehrt seine Welterfahrung mit Hilfe der biblischen Darstellungen je neu zu deuten. Aus dieser permanent gelebten Spannung heraus gestaltet er - freilich im Kontext der Kirche und mit der Hilfe von Tradition und Lehramt - sein selbst zu verantwortendes Leben vor Gott.
In diesem Zusammenhang wird von einigen islamischen Gelehrten eine Unterscheidung zwischen der "individuellen" und der "konstitutionellen" Offenbarung getroffen. Letztere wird an einem Propheten mit dem Ziel getragen, die enthaltene Botschaft an einen großen Kreis von Menschen weiter zu geben, während Erstere vom Inhalt her weniger Tragweite besitzt und vielmehr als ein Liebesbeweis Gottes seinem Diener gegenüber fungiert, um Einsicht in verborgene spirituelle Realitäten zu gewähren. Ob und inwiefern das "Tor der Offenbarung" auch heute noch offen steht, ist in der islamischen Welt heftig umstritten. Die Meinungen reichen von einer konsequenten Ablehnung seitens der Orthodoxie bis hin zu einer lebhaften Auseinandersetzung und in der Natur des Menschen als angeboren betrachteten Fähigkeit, diese zu erfahren (Sufis, aber auch Ahmadiyya).
In der geschichtlichen Entwicklung der Religionen treten unterschiedliche Offenbarungsbegriffe auf. Offenbarungen (im Plural) werden daher auf verschiedenste Weisen interpretiert. Die christliche Theologie hat in verschiedener Form vertreten, dass Wunder und Werke als Beleg für das Wirken Gottes auf Erden dienen.
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