WappenBürgel.pngBürgel ist ein Stadtteil der hessischen Großstadt Offenbach am Main und liegt im Mainbogen direkt am Main. In Bürgel leben 9.441 Einwohner (Stand: 31.12.2005).
Mit Rumpenheim und Bieber gehört Bürgel zu den drei ehemals selbständigen Orten, die heute Stadtteile von Offenbach am Main sind.
Geographie
Nördlich von Bürgel liegt mit Rumpenheim ein weiterer Offenbacher Stadtteil. Der in zwischen beiden Orten gelegene Schultheis-Weiher ist im Sommer ein beliebter Badesee. Auf der anderen Mainseite im Westen liegt
Frankfurt-Fechenheim. Im Westen und Süden ist Bürgel von Offenbacher Wohngebieten, teilweise auf Bürgeler Gemarkung, umschlossen. Im Norden, Richtung Rumpenheim, besteht mit der
Hans-Böckler-Siedlung ein kleiner Ortsteil. Die
Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute führt durch Bürgel.
Naturschutzgebiet
Das
Naturschutzgebiet Schultheisweiher wurde Ende der 1970er Jahre von der Firma Casella an den
Umlandverband Frankfurt übergeben. Das Gebiet wurde zu einem Naturschutzgebiet und Freizeitareal umgewidmet. Die nordöstliche Seehälfte ist als Naturschutzgebiet eingestuft, der restliche Teil kann von Badegästen, Modellbootfahrern und Anglern benutzt werden.
Eine Reihe seltener Vogelarten kann hier beobachtet weren: Haubentaucher, Graureiher, Tafel-, Reiher-, Stockente, Bläß- und Teichrallen, Krick-, Pfeif-, Schnatter- oder Schellenten, verschiedene Sägerarten, Kormorane und Zwergtaucher. Auch Seetaucher sind beobachtet worden. Der Eisvogel ist jährlicher Wintergast. In den umliegenden Mainwiesen leben der heimische Kiebitz und das Rebhuhn. Zur Zugzeit sind auch Limikolen und verschiedene Greife immer wieder vertreten.
Geschichte
Zahlreiche Funde aus
keltischer Zeit lassen auf eine lange Besiedlungszeit des heutigen Ortes schon vor den Römern schließen, auch der
Ortsname ist keltischen Ursprungs.
Römer
In Bürgel gibt es zahlreiche Hinweise auf eine
römische Vorgeschichte. Am Mittelweg befand sich ein größerer römischer Bestattungsplatz. Viele Grabbeigaben konnten in den Gräbern gefunden werden. Die dazugehörige Siedlung bestand weiter südlich, wahrscheinlich an der Stelle des späteren Stiftshofes. Im Süden Bürgels wurde im Main eine Pfahlreihe gefunden, welche als Schiffanlegestelle gedient hatte. Im Norden des Ortes wird eine römische Brücke über den Main vermutet. Hier liefen die
Römerstraßen der Region zusammen. Eine Straße kam von Höchst über den Frankfurter Domhügel und Fechenheim zur Brücke nach Bürgel. Dort teilten sich die Straßen nach Hanau, Bieber und südlich des Maines in Richtung Frankfurt. Die Siedlung hat aufgrund der Funde mit Sicherheit mindestens bis ins
zweite Jahrhundert bestanden. Die Gegend war Teil der
Civitas Auderiensium in der Provinz
Obergermanien.
Weitere Geschichte
Nach der
Völkerwanderung war Bürgel Teil des Fränkischen
Maingau. Die erste urkundliche Erwähnung Bürgels erfolgte
790 in Schenkungsurkunden an das
Kloster Lorsch.
Im Mittelalter gehörte Bürgel der Biebermark an und hatte Burgrecht in Frankfurt, die Wälder gehörten dem Wildbann Dreieich an. Bereits am 01. April 1908 wurde das früher selbständige Bürgel nach Offenbach eingemeindet. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Siedlungsfläche stark vor allem nach Norden hin zum benachbarten Stadtteil Rumpenheim vergrößert. 2004 begann die Umlegung des Neubaugebietes "Bürgel-Ost" und der "Mainzer Ring" soll als Umgehungsstraße ausgebaut werden.
Reichstag
ReichstagBürgel.JPGIm Juni
1018 wurde in Bürgel am Mainufer durch Kaiser
Heinrich II. ein
Reichstag abgehalten. In seinem Gefolge befand sich neben
Kaiserin Kunigunde und dem Reichskanzler und Erzbischof von Mainz
Erkanbald eine große Anzahl von
Fürsten. Unter anderem wurde über die unrechtmäßige Ehe des reich begüterten Grafen Otto von
Hammerstein mit Irmengard, welche zu seinen nächsten Verwandten gehörte, beraten. Dies war nach kirchlichem und staatlichem Recht verboten. Weil Otto mehrfache Ladungen des Erzbischofs ignorierte, wurde er
exkommuniziert. Dem Reichstag beugte er sich und willigte der Anulierung seiner Ehe ein (
Hammerstein´scher Ehehandel), holte Irmengar aber später trotzdem wieder zu sich. Nach einem Überfall Ottos auf den Bischof von Mainz erfolgte die
Reichsacht sowie Belagerung und Zerstörung seiner
Burg Hammerstein durch den Kaiser. Das Paar konnte jedoch fliehen und ihre Ehe war noch lange Grund für kirchliche und politische Streitigkeiten bis
Papst Johannes XIX. 1027 den Prozess niederschlug. In Erinnerung an den Reichstag wurde vor Jahrhunderten eine Pappel am Mainufer gepflanzt.
siehe auch Hammersteiner Ehe
Religion
St PankratiusBürgel.JPGPankratiusBürgel.JPGAuch nach der Reformation blieb Bürgel katholisch.
1829 gab es erst 38 Protestanten in Bürgel. Die katholische Kirche St. Pankratius wurde
1897 bis auf den erhaltenen mittelalterlichen Turm neu errichtet.
1876 bis
1914 ist Bürgel Filialgemeinde der Bieberer Pfarrei. Die evangelische Gustav-Adolf-Kirche wurde
1884 als Bethaus errichtet. Bürgel hatte eine große
jüdische Gemeinde.
1822 wurde eine
Synagoge errichtet und es gibt einen
jüdischen Friedhof, nahe dem vorher erwähnten Schultheis-Weiher.
Literatur
- Offenbacher Geschichtsverein: Zur Geschichte der Offenbacher Vororte - Offenbacher Geschichtsblätter Nr. 20. Offenbach am Main 1970
Weblinks
Offenbach am Main | Ort in Hessen