Offenbach am Main ist mit 119.233 Einwohnern (Stand: 31.03.2006) die fünftgrößte Stadt im Rhein-Main-Gebiet. Die Stadt ist ein wichtiger Industrie-, Dienstleistungs- und Messestandort. Hier findet mehrmals im Jahr die Internationale Lederwarenmesse statt.
Die nächste größere Stadt ist das unmittelbar westlich angrenzende Frankfurt am Main. Offenbach am Main bildet eines der neun Oberzentren des Landes Hessen. Die Einwohnerzahl der Stadt Offenbach am Main überschritt am 18. August 1954 die Grenze von 100.000, wodurch sie zur Großstadt wurde.
Artikel mit Bezug zu Offenbach sammelt das Frankfurt Rhein-Main.
Geografie
Offenbach liegt am südlichen Ufer des Mains gegenüber den Frankfurter Stadtteilen
Ostend und
Fechenheim und östlich der Frankfurter Stadtteile
Oberrad und
Sachsenhausen-Süd im
Rhein-Main-Gebiet in
Hessen. Diese Lage bedeutet, dass die beiden Großstädte mittlerweile ein zusammenhängendes Siedlungsgebiet bilden. Die Bäche
Bieber und
Hainbach durchfließen das Stadtgebiet. Offenbach liegt an der
Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute.
Nachbargemeinden und -kreise
Offenbach grenzt im Westen und Norden an die kreisfreie Stadt
Frankfurt am Main, im Nordosten an die Stadt
Maintal (
Main-Kinzig-Kreis), im Osten an die Städte
Mühlheim am Main und
Obertshausen (beide
Kreis Offenbach), sowie im Süden an die Städte
Heusenstamm und
Neu-Isenburg (beide Kreis Offenbach).
Stadtgliederung
Das Stadtgebiet von Offenbach am Main gliedert sich in die
Stadtteile
Bieber,
Bürgel, Innenstadt,
Kaiserlei,
Lauterborn,
Lohwald,
Rosenhöhe,
Rumpenheim und
Tempelsee. Die Stadtteile sind teilweise in weitere statistische Bezirke mit eigenem Namen unterteilt.
Die statistischen Bezirke mit ihrer amtlichen Nummer:
- 11 Hochschule für Gestaltung
- 12 Wilhelmschule
- 13 Messehalle
- 14 Kaiserlei
- 15 Ledermuseum
- 16 Mathildenschule
- 21 Städtische Kliniken
- 22 Lauterborn
- 23 Friedrichsweiher
- 24 Bachschule
- 25 Lichtenplatte
- 26 Bieberer Berg
- 31 Vorderwald-Rosenhöhe
- 32 Tempelsee
- 33 Bieber
- 41 Mühlheimer Straße
- 42 Waldheim
- 43 Bürgel
- 44 Rumpenheim
Geschichte
Frühgeschichte
Offenbach ist eine Gründung aus der Zeit nach der
fränkischen Reichsteilung von
561. Der
Ortsname hat eine für diese Zeit typische Endung auf
-bach und steht in Verbindung mit dem Personennamen
Ovo. Aus dem 6. oder 7. Jahrhundert ist südlich des ältesten Ortskernes an der Waldstraße ein fränkischer Reihenfriedhof erhalten.
Unter vielen Einwohnern kursieren zwei weitere Theorien über die Herkunft des Ortsnamens. Die einen sagen, dass Offenbach seinen Namen daher hat, dass an dieser Stelle der Main früher eine Furt bildete und deswegen im Winter nicht zufror (Offener Bach --> OffenBach). Die zweite Haupttheorie besagt, dass Offenbach seinen Namen aufgrund seines ehemals großen Ofens in der Nähe des Baches hat (Ofen am Bach --> Of(f)enBach). Über die Jahre hätte sich also ein zusätzliches 'f' eingeschlichen.
Bei Ausgrabungen in der Gemarkung Offenbach wurden sogar Funde aus der Steinzeit gemacht. Jedoch ist nicht davon auszugehen, dass zwischen den Steinzeitmenschen und der fränkischen Besiedlung eine Kontinuität bestand.
Mittelalter
Die erste urkundliche Erwähnung über die Stadt Offenbach am
Main stammt aus dem Jahr
977. Kaiser
Otto II. beurkundet eine Schenkung in Offenbach an die Salvatorkirche (der spätere Dom) in Frankfurt. Früher war Offenbach Teil des
Maingaues und die umliegenden Wälder gehörten zum
Wildbann Dreieich. Dieser unterhielt in Offenbach auch eine seiner 30
Wildhuben. Vom Mittelalter bis
1819 war Offenbach Teil der
Biebermark.
Offenbach wechselt im Laufe der Jahrhunderte mehrmals den Besitzer. Einer der ersten Besitzer waren die Herren von Hagen-Münzenberg, welche den Besitz aus der Zeit ihres Amtes als Reichsvögte der Dreieich erbten. Nach dem Aussterben der Münzenberger 1255 erbten die Herren von Falkenstein das Dorf am Main. 1372 wurde Offenbach von Graf Philipp von Falkenstein für 1000 Gulden an den Rat der Stadt Frankfurt verpfändet. Werner III. von Falkenstein, Erzbischof von Trier und als Falkensteiner Landesherr in Offenbach, ließ um 1400 am Main ein Schloss bauen und Münzen prägen. Die Stadt Frankfurt fühlte sich dadurch provoziert und protestiert dagegen.
Isenburgische Residenz
Als Werner starb waren die Falkensteiner im Mannesstamme erloschen, und ihr Besitz fiel an verschiedene Adlige Familien. Erst
1486 konnte sich unter den Erben Graf Ludwig von
Isenburg als alleiniger Besitzer von Offenbach etablieren. Offenbach diente unter Graf Reinhard von Isenburg-Bierstein dem Adelsgeschlecht als Residenz. Sie ließen das
Isenburger Schloss errichten.
1559 wurde in Offenbach die
Reformation eingeführt. Während des
dreißigjährigen Krieges wurde die bayerische Besatzung Offenbachs
1631 von den Schweden vertrieben und im Schloss die Kapitulation der Reichsstadt Frankfurt von König
Gustav Adolf entgegen genommen.
1698 nahm Graf Johann Philipp von Isenburg hugenottische Flüchtlinge im Ort auf, sie gründeten ihre eigene Gemeinde, westlich der bestehenden. Somit wuchs das Dorf Offenbach zu einem sog. "Flecken" an. Dieser Westteil entwickelte sich im Laufe des 18. Jahrhunderts vom sog. "Flecken" zur noblen Stadt. Die Hugenotten verstanden zur damaligen Zeit etwas von Tabakverarbeitung - eine absolute Marktlücke in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Bedingt durch die rigide Zunftherrschaft in Frankfurt, konnten sich dort Manufakturen kaum etablieren. Die Manufakturisten wanderten über die damalige Landesgrenze nach Offenbach ab, wo sie von den gewerbefreundlichen zu Isenburgern das sog. "regalium" bewilligt bekamen.
Der Dichter Goethe kam 1775 regelmäßig nach Offenbach, da hier seine Verlobte Lili Schönemann lebte. In dieser Zeit begann die Lederwarenherstellung und erste Industrien und Gewerbe siedelten sich an. 1794 wurde die Leibeigenschaft durch Fürst Wolfgang Ernst von Isenburg aufgehoben. Katholiken durften 1798 erstmals seit über 200 Jahren Gottesdienst in Offenbach feiern.
19. Jahrhundert
Meyer5 Frankfurt Offenbach.png |
1800 erfand
Alois Senefelder, Offenbachs berühmtestes Kind, den Steindruck. Nach dem
Wiener Kongress 1815 verlor Fürst Carl von Isenburg wegen seiner Nähe zu
Napoleon seine Landesherrschaft. Die Stadt gehörte kurzfristig zu
Österreich, fiel dann aber an das Großherzogtum
Hessen-Darmstadt. Nach der Auflösung der Biebermark
1819 erhielt die Stadt einen Anteil von 1733
Morgen Gelände zwischen Hainbach und heutiger Grenzstraße. Seither konnte sich die Stadt auch nach Osten hin ausdehnen. Vorher war Wachstum nur nach Westen in Richtung Frankfurt oder nach Süden möglich.
Da sich Frankfurt weigerte, dem Zollverein beizutreten, fand das Messegeschäft ab 1828 für einige Jahre in Offenbach statt. Als Gebäude hierfür wurde das heutige Gebäude des Deutschen Ledermuseums errichtet.
1832 wurde aus den ehemaligen Landgerichtsbezirken Langen, Offenbach und Seligenstadt der Kreis Offenbach gebildet. Fortan war Offenbach Kreisstadt (mittlerweile ist Dietzenbach die Kreisstadt des Kreises Offenbach). Eine Lokalbahn nach Frankfurt-Sachsenhausen wurde 1848 eingerichtet. Der Bahnhof befand sich damals an der Bahnhofstraße westlich des Stadtzentrums. Die heutige Berliner Straße nach Westen hin war damals die Eisenbahnstrecke.
Erst 1873 wurde der heutige Hauptbahnhof, der damals weit außerhalb der Stadt im Süden lag, errichtet und die Fern-Bahnlinie Frankfurt-Bebra in Betrieb genommen. Damit war der Weg zur Ausbildung einer Schwerindustrie und der chemischen Industrie (Clariant-Werke) geebnet, wodurch die Stadt in den folgenden zwei Jahrzehnten so stark wie nie zuvor anwuchs. 1896 wurde die Rodgaubahn nach Dieburg eröffnet. Später kam der Seitenast nach Dietzenbach hinzu.
Eine 1888 gefunden Heilquelle wurde nach dem nur 99 Tage amtierenden Kaiser Friedrich III Kaiser-Friedrich-Quelle benannt. Das Wasser wird heute nicht mehr als Mineralwasser verkauft, da es zu salzig wurde.
20. Jahrhundert
1900 bis 1949
1908 wurde mit
Bürgel der erste Nachbarort eingemeindet. Durch diese Eingemeindung fiel das Gebiet östlich der Grenzstraße bis hinauf zur Bieber- und Rumpenheimer Gemarkung der Stadt zu.
1919 wurden während des Karfreitagsputsches vor der Kaserne, dem heutigen Sitz des Finanzamtes, 17 Menschen erschossen.
1920 wurde die Stadt für einen Monat von französischen Truppen besetzt. Im Jahr
1922 begann man mit dem Bau der Siedlung
Tempelsee im Süden. In Folge der
Weltwirtschaftskrise waren zeitweise über die Hälfte der Arbeiter arbeitslos.
1938 schied Offenbach aus dem Kreis Offenbach aus und wurde eine
kreisfreie Stadt, blieb aber weiterhin Sitz des Kreises. Im selben Jahr verfügte am 1. April
Jakob Sprengler, NS-Gauleiters und Reichsstatthalters von Hessen, die Eingemeindung von
Bieber. Im November wurde in der
Reichskristallnacht die Synagoge, das heutige
Capitol, geschändet sowie mehrere Wohnungen und Geschäfte beschädigt. Noch bis
1936 wehrten sich Teile der Offenbacher Bevölkerung gegen die Machtübernahme und Gleichschaltungspolitik der Nationalsozialisten.
1942 wurde mit
Rumpenheim die letzte Eingemeindung vollzogen.
Ab 1949
offenbach,kleinteilig.jpg
Nachdem Offenbach im
Zweiten Weltkrieg zu 36 Prozent zerstört wurde, begann langsam der Wiederaufbau. Dabei wurde insbesondere die Altstadt und die Weststadt zerstört. Was die Bomben nicht weggefegt hatten, wurde in den darauffolgendenden Jahrzehnten der Stadterneuerung geopfert. Der einstige Charakter des westlichen Stadtzentrums zwischen Herrnstraße und der Schloßstraße als "Gartenstadt" verwandelte sich in eine Bürostadt (beispielsweise durch das neue Rathaus oder den City-Tower).
1953 begann der Bau der Carl-Ulrich-Siedlung zwischen Dietzenbacher- und Waldstraße. Offenbach hatte
1954 erstmalig mehr als 100.000 Einwohner und wurde somit jüngste Großstadt Hessens. Die
Stadtrechte sind Offenbach nie offiziell verliehen worden.
1955 erhielt die Stadt den
Europapreis für ihre hervorragenden Bemühungen um den europäischen Integrationsgedanken.
1960 erwarb die Stadt den
Wildhof bei
Heusenstamm und erhielt damit die Waldgemarkung Wildhof.
1971 wurde das heutige Rathaus an der Berliner Straße eröffnet und der Umzug der Verwaltung aus dem alten Hospital, dem heutigen Justizzentrum, wurde vollzogen.
Die Feiern zum 1000-jährigen Jubiläums Offenbachs wurden
1977 begangen.
1995 erhielt Offenbach Anschluss an die
S-Bahn Rhein-Main.
Aufgrund der guten Infrastruktur und der Lage im Rhein Main-Gebiet haben sich viele Firmen die letzten Jahre angesiedelt. Die Stadtverwaltung wirbt mit einer ungewöhnlich schnellen Vergabe von gewerblichen Baugenehmigungen. Die Mieten gelten allgemein als günstig, so dass besonders das Zentrum als Wohnort sehr beliebt wird. Dort gibt es nachwievor viele Mehrfamilienhäuser aus der Jahrhundertwende.
Eingemeindungen
Ehemals selbständige Gemeinden und Gemarkungen, die in die Stadt Offenbach am Main eingegliedert wurden.
Bild:PankratiusBürgel.JPG|St. Pankratius in Bürgel
Bild:BieberFachwerk01.jpg|Fachwerkhaus in Bieber
Bild:Offenbach Rumpenheimer Schloss a.jpg|Rumpenheimer Schloss
Einwohnerentwicklung
Bevölkerungsentwicklung in Offenbach.png
1875 hatte Offenbach etwa 25.000 Einwohner, bis 1900 verdoppelte sich diese Zahl auf 50.000. Im Jahre 1954 überschritt die Einwohnerzahl der Stadt die Grenze von 100.000. 1972 erreichte die Bevölkerungszahl der Stadt mit 121.283 ihren historischen Höchststand. Ende September 2005 lebten in Offenbach nach Fortschreibung des Hessischen Statistischen Landesamtes 119.833 Menschen mit Hauptwohnsitz.
Der Anteil der nichtdeutschen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung betrug 2005 nach Angaben der Stadtverwaltung 31,1 Prozent (36.801 Personen). Die meisten Ausländer kamen aus der Türkei (7.180), Italien (4.102), Griechenland (3.867), Serbien und Montenegro (3.329), Polen (1.776), Marokko (1.664) sowie Bosnien und Herzegowina (1.347).
Damit hat Offenbach die höchste Rate an Ausländern aller deutscher Städte (Quelle:Die Zeit 05/06)
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1833 handelt es sich meist um Schätzungen, danach um Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter beziehungsweise der Stadtverwaltung selbst. Die Angaben beziehen sich ab 1843 auf die „Ortsanwesende Bevölkerung“, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1987 auf die „Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung“. Vor 1843 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.
|
| | Jahr
| Einwohner
| -
| 1540 | 480
| -
| 1685 | 600
| -
| 1718 | 1.500
| -
| 1800 | 5.000
| -
| 1816 | 6.210
| -
| 1825 | 7.147
| -
| 1828 | 7.466
| -
| 1830 | 7.498
| -
| 1. Dezember 1834 ¹ | 9.433
| -
| 1. Dezember 1840 ¹ | 9.597
| -
| 3. Dezember 1843 ¹ | 9.883
| -
| 3. Dezember 1846 ¹ | 11.565
| -
| 3. Dezember 1852 ¹ | 11.087
| -
| 3. Dezember 1855 ¹ | 13.724
| -
| 3. Dezember 1861 ¹ | 16.708
| -
| 3. Dezember 1864 ¹ | 19.390
| -
|
| | Jahr
| Einwohner
| -
| 3. Dezember 1867 ¹ | 20.322
| -
| 1. Dezember 1871 ¹ | 22.689
| -
| 1. Dezember 1875 ¹ | 26.012
| -
| 1. Dezember 1880 ¹ | 28.597
| -
| 1. Dezember 1885 ¹ | 31.704
| -
| 1. Dezember 1890 ¹ | 35.064
| -
| 2. Dezember 1895 ¹ | 39.388
| -
| 1. Dezember 1900 ¹ | 50.468
| -
| 1. Dezember 1905 ¹ | 59.765
| -
| 1. Dezember 1910 ¹ | 75.583
| -
| 1. Dezember 1916 ¹ | 67.197
| -
| 5. Dezember 1917 ¹ | 67.483
| -
| 8. Oktober 1919 ¹ | 75.380
| -
| 16. Juni 1925 ¹ | 79.362
| -
| 16. Juni 1933 ¹ | 81.329
| -
| 17. Mai 1939 ¹ | 85.140
| -
|
| | Jahr
| Einwohner
| -
| 31. Dezember 1945 | 70.600
| -
| 29. Oktober 1946 ¹ | 75.479
| -
| 13. September 1950 ¹ | 89.030
| -
| 25. September 1956 ¹ | 104.283
| -
| 6. Juni 1961 ¹ | 116.195
| -
| 31. Dezember 1965 | 117.893
| -
| 27. Mai 1970 ¹ | 117.306
| -
| 31. Dezember 1975 | 115.251
| -
| 31. Dezember 1980 | 110.993
| -
| 31. Dezember 1985 | 107.090
| -
| 25. Mai 1987 ¹ | 111.386
| -
| 31. Dezember 1990 | 114.992
| -
| 31. Dezember 1995 | 116.533
| -
| 31. Dezember 2000 | 117.535
| -
| 30. September 2005 | 119.833
|
¹ Volkszählungsergebnis
Religionsgemeinschaften
Offenbach gehörte vor der
Reformation zum
Erzbistum Mainz. Graf Reinhard von Isenburg führte nach
1542 die Reformation nach
lutherischem Bekenntnis ein, doch setzte sich ab
1592 das
reformierte Bekenntnis durch. Die Stadt blieb danach über viele Jahrhunderte eine reformierte Stadt. Ab
1734 wurde es den lutherischen Gemeindemitgliedern wieder gestattet, Gottesdienste abzuhalten. Nach dem Übergang an das Großherzogtum Hessen (
Evangelische Landeskirche in Hessen) erfolgte
1848 eine
Union zwischen den reformierten und lutherischen Gemeinden. Die Gemeinden gehörten dann zur Superintendentur Starkenburg mit Sitz in Darmstadt. Später wurde Offenbach Sitz einer eigenständigen Propstei Nord-Starkenburg und schließlich wurde das Gebiet Teil der Propstei Rhein-Main innerhalb der heutigen
Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Hier gehören die Kirchengemeinden der Stadt Offenbach zum Dekanat Offenbach.
Römisch-katholische Gemeindeglieder zogen spätestens im 18. Jahrhundert wieder in die Stadt. Ihnen wurde es ab 1798 gestattet, wieder Gottesdienste abzuhalten, doch erhielten sie erst 1825 vollständige Religionsfreiheit. Um 1900 betrug der Anteil der katholischen Bevölkerung der Stadt etwa 30 Prozent. Dieses Verhältnis veränderte sich spätestens nach Eingemeindung der überwiegend katholischen Nachbargemeinden Bieber und Bürgel in den 1930er Jahren. Die Pfarrgemeinden der Stadt gehören zum Dekanat Offenbach innerhalb der Diözese Mainz.
Die jüdische Gemeinde Offenbachs hatte im 19. Jahrhundert ungefähr 1000 Mitglieder, im Jahre 1939 noch etwa 550. Die meisten davon wurden von den Nationalsozialisten umgebracht. In ein Haus in der Offenbacher Domstraße, in dem sich heute das Arbeitsamt befindet, wurden jüdische Familien unter unmenschlichen Bedingungen zwangseingewiesen, nachdem zunächst die Familienväter in Konzentrationslager verschleppt worden waren. Nach 1945 bildete sich wieder eine kleine jüdische Gemeinde. Heute leben knapp 1000 Juden in Offenbach. Die Synagoge, 1916 erbaut, wurde in der Reichspogromnacht verwüstet und später als Kinosaal benutzt. Nach dem Krieg wurde daraus das Stadttheater Offenbachs. Zwischenzeitlich fand das Gebäude Nutzung als Spielstätte für ein Musical, derzeit wird es z.B. für Konzerte genutzt und kann für Veranstaltungen angemietet werden. Die neue Synagoge und das jüdische Gemeindezentrum liegen heute gegenüber der ehemaligen Synagoge.
Die Frei-religiöse Gemeinde Offenbach am Schillerplatz besteht seit 1845 und zählt 2006 etwa 1700 Mitglieder. Sie ist als Deutsch-Katholische Gemeinde von Joseph Pirazzi gegründet worden. Lorenz Diefenbach wirkte in den frühen Jahren federführend mit. Die Gemeinde ist Mitglied im Bund Freireligiöser Gemeinden Deutschlands (BFGD) und in der International Association for Religious Freedom (IARF). Sie betreibt ab September 2006 den einzigen freireligiösen Kindergarten in Deutschland.
Die griechisch-orthodoxe Gemeinde im Stadtteil Tempelsee hat viele Mitglieder. Offenbach ist die deutsche Großstadt mit dem höchsten Anteil griechisch-orthodoxer Bewohner.
Alt-Katholische Gemeinde Offenbach: 1873 verfaßten die Mitglieder des Offenbacher (Alt-)Katholikenvereins eine „Constitution“, in welcher sie feierlich das Dogma von der päpstlichen Unfehlbarkeit und die richterlichen Machtansprüche des Vatikans zurückwiesen und sich zugleich als Katholiken bekannten, die ihrem alten Glauben treu bleiben wollten.
Diese Konstitution, in der auch das Recht auf Gemeindebildung, auf Abhaltung von Gottesdiensten und Anstellung von Geistlichen festgeschrieben wurde, ist das eigentliche Gründungsdokument der alt-katholischen Gemeinde Offenbach. Wer dieses Dokument unterschrieb – die Unterschriften wurden vom Oberbürgermeisteramt gegengezeichnet und gesiegelt – war von da an Mitglied dieser Gemeinde. Unter den ersten Unterschriften sind sehr viele Alt-Offenbacher Namen.
1874 wurde von der großherzoglichen Regierung in Darmstadt die offizielle Errichtung einer „alt-katholischen Pfarrei in Offenbach und Bieber mit dem Sitze in Offenbach“ (Otto-Steinwachs-Weg) genehmigt.
Politik und Verwaltung
Offenbach_2.jpg |
Sitzverteilung Stadtverordnetenversammlung Offenbach 2006.png
Als traditionelle Arbeiterstadt galt Offenbach immer als "rote Hochburg". Demzufolge regierte lediglich 1977-1985 eine Koalition aus CDU und FDP (mit Walter Suermann - CDU - als Oberbürgermeister und Ferdinand Walther - FDP - als Kulturdezernent). Nachdem die Koalition aus SPD, Grünen und Freien Wählern bei den Wahlen 2006 ihre Mehrheit verlor, regiert jetzt eine Koalition aus SPD, Grünen und FDP. Die von der FDP gewünschte Koalition mit der Union hatte ebenfalls keine Mehrheit erreicht. Der
Magistrat bildet die "Regierung der Stadt". Dieser besteht aus dem Oberbürgermeister, einem hauptamtlichen Ersten Beigeordneten mit der Amtsbezeichnung Bürgermeister, zwei weiteren hauptamtlichen Beigeordneten sowie sechs ehrenamtlichen Beigeordneten mit der Amtsbezeichnung "Stadtrat". Bis
1874 gab es in Offenbach nur einen ehrenamtlichen Bürgermeister, ab
1887 erhielt das Stadtoberhaupt die Bezeichnung Oberbürgermeister.
Oberbürgermeister seit 1824
Am 11. September 2005 wurde Horst Schneider (SPD, unterstützt auch von den Grünen) mit 51,2% der abgegebenen Stimmen zum Nachfolger des am 20. Januar 2006 aus dem Amt geschiedenen Gerhard Grandke gewählt. Er setzte sich damit im ersten Wahlgang gegen Alfred Kayser (CDU, unterstützt auch von der FDP - 46,2%) und Raimund Bieker (PDS - 2,6%) durch.
Parteien und Fraktionen
In der Offenbacher Stadtverordnetenversammlung sind folgende Parteien vertreten:
CDU (Fraktionsvorsitzender: Peter Freier), SPD (Fraktionsvorsitzender: Stephan Färber), Grüne (Fraktionsvorsitzender: Peter Schneider), FDP (Fraktionsvorsitzender: Oliver Stirböck), Linke (Fraktionsvorsitzender: Rolf Gensert), Republikaner (Fraktionsvorsitzender: Hans-Joachim Münd), Freie Wähler Offenbach (Fraktionsvorsitzender: Dieter Jahn) und Tierschutzpartei (Lucia Gerharz).
Wappen
Das Wappen der Stadt Offenbach am Main zeigt in Blau einen bewurzelten silbernen Eichbaum mit 5 silbernen Eicheln. Die Stadtfarben sind weiß-blau. Der Eichbaum symbolisiert den alten
Reichsforst Dreieich, zu dem das Stadtgebiet gehörte.
Städtepartnerschaften
| Puteaux, Frankreich seit 1955
|
| Esch-sur-Alzette, Luxemburg (Luxemburg) seit 1956
|
| Mödling, Österreich seit 1956
|
| Sint Gillis/Saint-Gilles-les-Bruxelles, Belgien seit 1956
|
| Groß-London: Tower Hamlets, Großbritannien seit 1956
|
| Groß-Belgrad: Zemun, Serbien seit 1956
|
| Velletri, Italien seit 1957
|
| Kawagoe, Japan seit 1983
|
| Rivas, Nicaragua seit 1988
|
| Orjol - auch Orel, Russland seit 1988
|
| Kőszeg, Ungarn seit 1995
|
| Yangzhou, Volksrepublik China seit 1997
|
Städtefreundschaft:
Wirtschaft
Unternehmen
Mit den Hugenotten begann der Aufschwung Offenbachs zur Industriestadt. Später wurde Offenbach Zentrum der Druckindustrie und der Schriftgießereien. Bekannt wurde Offenbach durch die
Lederwarenindustrie, die jedoch weitestgehend ihre Rolle eingebüßt hat. Als bedeutende Industriebetriebe sind beispielsweise die
MAN Roland Druckmaschinen AG als weltweit zweitgrößter Hersteller von Druckmaschinen, der petro-chemische Fabrik der Firma Clariant beziehungsweise Invista Resins and Fibers GmbH (beide ehemals
Hoechst AG), die Firma
Rowenta, die hier nach Verlegung der Produktion noch ihren Verwaltungssitz hat, sowie Schramm-Coatings und
Danfoss nebst
Sauer-Danfoss zu nennen.
Zahlreiche internationale Firmen haben aufgrund der Lage im Rhein-Main-Gebiet Ihren Verwaltungssitz in Offenbach. So befindet sich die Nord-Europa Zentrale sowie die Entwicklungsabteilung des Automobilhersteller Honda, ebenso die Europazentrale sowie das Entwicklungs- und Designzentrum des Automobilherstellers Hyundai und die Verwaltung des koreanischen Reifenherstellers Kumho in Offenbach.
Die Stadt versucht mit der von ihr gegründeten Gemeinnützige Offenbacher Ausbildungs und Beschäftigungsgesellschaft - kurz Goab, den Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsmetropole mit einer aktiven Arbeitsmarkpolitik zu begleiten.
Behörden
Der
Deutsche Wetterdienst hat ebenso seinen Sitz in Offenbach wie die
Bundesmonopolverwaltung für Branntwein als Bundesbehörde.
Verkehrsinfrastruktur
Offenbach_4.jpg
Offenbach liegt zentral im Rhein-Main Gebiet. Der
Rhein-Main-Flughafen ist über die
Bundesautobahn 3 in kurzer Zeit zu erreichen.
Flugverkehr
Offenbach liegt genau in der Einflugschneise des Rhein-Main-Airports. Da sich ein Nachtflugverbot nicht durchsetzen ließ, ist die Wohnqualität Offenbachs in einigen Stadtteilen (z.B. Lauterborn) durch Fluglärm gemindert.
Straßenverkehr
Die Verkehrsanbindung der Stadt Offenbach ist sehr gut. Im Süden der Stadt führt die Bundesautobahn A 3 vorbei, welche am Offenbacher Kreuz auf die im Westen der Stadt gelegene
Bundesautobahn A 661 trifft. Ferner führen die
Bundesstraßen
B 43,
B 46 und
B 448 durch das Stadtgebiet.
Eisenbahnverkehr
Kurios für eine Großstadt ist die fehlende Anbindung des
Offenbacher Hauptbahnhofs an Fernverkehrszüge wie den
ICE. Es bestehen lediglich vier
IC-Verbindungen.
Außerdem machen hier die Region-Express-Züge der Odenwaldbahn Richtung Wiebelsbach hier Station. Da die Bahn auf einer Hochtrasse mitten durch die Stadt verläuft, ist die Stadt in zwei Teile zerschnitten. Weiterhin sind große Teile der Innenstadt wegen Bahnlärms durch nächtliche Güterzüge sehr stark in ihrer Wohnqualität gemindert.
Nahverkehr
Im schienengebundenen
Nahverkehr wird Offenbach von Regionalzügen der DB und den
Linien S 1, S 2, S 8 und S 9 der
S-Bahn Rhein-Main bedient. Bis auf einzelne am Hauptbahnhof beginnende oder endende Fahrten der S 2 im Berufsverkehr findet der gesamte S-Bahn-Verkehr im Innenstadtbereich auf einer eigens erbauten Tunnelstrecke statt.
In Offenbach verkehren Regionalbusse der Verkehrsgesellschaft Untermain (VU) sowie die Stadtbusse der Offenbacher Verkehrsbetriebe (OVB). Der Straßenbahnverkehr wurde hingegen 1996 endgültig eingestellt. Alle Schienen- und Bus-Linien im Stadtgebiet sind zu einheitlichen Preisen innerhalb des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) zu benutzen.
Siehe auch: Nahverkehr in Offenbach am Main
Binnenschifffahrt
In der Binnenschifffahrt ist Offenbach über den
Main und den
Rhein mit den wichtigen Industrieregionen in Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden und über den Main-Donau-Kanal mit dem südöstlichen Mitteleuropa verbunden. Der Hafen hat jedoch nur noch marginale Bedeutung; große Geländeteile liegen brach. Unter Binnenschiffern beliebt ist der Anlageplatz am Mainufer in Höhe des Isenburger Schlosses, da dieser unmittelbare Citylage besitzt.
Medien
In Offenbach am Main erscheint die Tageszeitung "
Offenbach-Post". Der regionale Bürgerfernsehsender "Offener Kanal Offenbach-Frankfurt" sendet aus Offenbach ins Kabelnetz.
Bildung
Offenbach am Main hat keine
Universität, aber mit der
Hochschule für Gestaltung eine Kunsthochschule.
Sie wurde bereits 1832 gegründet und erlangte 1970 den Status einer Hochschule.
Es gibt zwei Fachbereiche:
"Visuelle Kommunikation" und "Produktgestaltung".
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Die Stadt Offenbach am Main verfügt über ein vielfältiges kulturelles Angebot und präsentiert sich etwa durch die Hochschule für Gestaltung als "Designerstadt" und das Capitol als Spielort der Neuen Frankfurter Philharmonie bzw. Gastspielort von Ensembles wie dem Russischen Nationalballett.
Theater
In Offenbach gibt es mehrere kleine Bühnen für Varieté und Kleinkunst sowie mehrere Veranstaltungshallen, in denen auch Theateraufführungen stattfinden. Tradition in der Offenbacher Theaterlandschaft hat der 1911 gegründete Theaterclub
ELMAR.
Museen
- Das Deutsche Ledermuseum mit dem angegliederten Deutschen Schuhmuseum beherbergt wechselnden Ausstellungen über das Lederhandwerk in Offenbach und der ganzen Welt.
- Das Klingspor-Museum bietet Internationale Buch- und Schriftkunst. Grundstock des Museums ist die Sammlung von Dr. Karl Klingspor und des 1938 nach New York emigrierten Offenbachers D. Siegfried Guggenheim. Es besitzt Bestände zur Geschichte des Buchdrucks, der Buchillustration und vor allem der Typografie. Das Museum besitzt die Nachlässe von Rudolf Koch, Otto Reichert, Heinrich Jost sowie das 'Manuale Tipografico' von Bodoni und Arbeiten von Peter Behrens.
- Das Haus der Stadtgeschichte, hervorgegangen aus dem Stadtmuseum und dem Stadtarchiv, zeigt die historische Entwicklung der Stadt Offenbach. Schwerpunkte sind die Offenbacher Manufakturen, die Hugenotten und der Buchdruck. Hier ist auch das Bieberer Amulett ausgestellt.
Architektur in Offenbach
Lange Zeit wurde Offenbach durch Bauten der Hugenotten aus dem späten 17. und 18. Jahrhundert geprägt. Typisch hierfür sind Bauten mit Mansarddach. Von diesen sind weitestgehend die Französisch Reformierte Kirche, die Französisch Reformierte Gemeinde sowie ein Geschäftshaus in der Frankfurterstraße Ecke Aliceplatz original erhalten. Der Wiederaufbau nach dem Krieg und der Bau
der Berliner Straße haben das Bild der Stadt im Zentrum wesentlich verändert. Dennoch befinden sich
in Offenbach viele architektonisch bedeutende Gebäude.
Isenburger Schloss
Das
Wahrzeichen in Offenbach und wohl das bekannteste Gebäude ist das
Isenburger Schloss. Es wurde 1576 für den Grafen von
Isenburg gebaut und gilt als der bedeutendste Renaissancebau nördlich der Alpen. Mehrmals wurde es umgebaut, zuletzt nach dem Brand des Dachstuhls im zweiten Weltkrieg. Auf einer Stadtansicht von
Merian ist es in seiner ursprünglichen Form zu sehen. Seit 1999 ist das Schloss ein Teil der
Hochschule für Gestaltung, an die es unmittelbar angrenzt. Es ist im Besitz des Landes Hessen.
Der Historismus ist in Offenbach u.a. vertreten durch:
Büsing-Palais
Das
Büsing-Palais war im
18. Jahrhundert der Stadtsitz einer berühmten Offenbacher Fabrikantenfamilie namens Bernard. In dem
neobarocken Herrenhaus ist heute das Standesamt, die Stadtbibliothek und das Klingspor-Museum der Stadt untergebracht. Räumlichkeiten des repräsentativen Anwesens lassen sich für verschiedene Zwecke von der Stadt anmieten.
Lili-Tempel
Der Lili-Tempel wurde ursprünglich
1798 als Badehaus im Offenbacher Lili-Park gebaut. Einer
modernen Sage zufolge erhielt der Tempel den Namen nach einer angeblichen Geliebten Johann Wolfgang von Goethes, mit der sich dieser im Tempel bzw. im umliegenden Park zu treffen pflegte. Das marode Bauwerk wurde unter der Auflage einer
Restaurierung 2004 an eine Privatperson verkauft. Die Bauzeit beträgt etwa 2 Jahre, die Kosten der Restauration werden auf 600.000 bis 900.000 Euro geschätzt. Anschließend soll der Lilli-Tempel als Kunstgalerie genutzt werden.
Rumpenheimer Schloss
Das
Rumpenheimer Schloss war einst Treffpunkt des europäischen
Hochadels. Das marode, im Zweiten Weltkrieg bis auf die Außenmauern zerstörte Gebäude ging
1965 in den Besitz der Stadt Offenbach über und wurde in mehreren Teilstücken wieder hergestellt. Nach der zuletzt (um 2002) erfolgten Wiederherstellung des Mittelflügels entspricht die Außenansicht weitestgehend dem Stand um
1805 (siehe Foto). Heute ist das Schloss eine private Wohnanlage. Alljährlich im Sommer findet im Schlosshof und dem angrenzenden Schlosspark ein Mittelaltermarkt statt.
Weitere historistische Gebäude befinden sich im weitestgehend geschlossen erhaltenen Viertel 'Westend' entlang und südlich der westlichen Frankfurter Straße. Sehenswert ist der Altbau des Leibniz-Gymnasiums in der Parkstraße sowie einige kleinere Betonbauten einer Musterausstellung aus dem späten 19. Jahrhundert im angrenzenden Dreieich-Park.
Architektur des 19.Jahrhunderts und der Jahrhundertwende
Nachdem 1873 der neue Hauptbahnhof weit außerhalb der damaligen Siedlungsgrenze errichtet worden ist, war die Stadtentwicklung bis zur Jahrhundertwende ohne räumliche Einschränkung. In den 1880er und 1890er Jahren wurde auf dem freien Feld zwischen Hauptbahnhof und der damaligen Stadtgrenze meist fünfstöckige
Mietskasernen und Großbürgerhäuser im
Gründerzeitstil errichtet, von denen einige Fassaden - insbesondere in der Kaiserstraße und in der östlichen Bismarckstraße am Bahnhofsvorplatz - überregionale Bedeutung haben.
Als Namen sind hier erwähnenswert: Wilhelm Herber, Max Schroeder, Fritz Breitwieser, Karl Steuerwald, Gebr. Hasenbach, H. und L. Nagel.
Architektur des 20.Jahrhunderts
Hugo Eberhardt, Architekt und Gründer des
Ledermuseums, hat zu Beginn des Jahrhunderts in Offenbach einige Gebäude errichtet: Das Verwaltungsgebäude der Heyne-Fabrik, die AOK, und die Gebäude der Techn. Lehranstalt, heutige Hochschule für Gestaltung. Sie sind bedeutende Zeugnisse des Übergangs zur
Moderne.
Egon Eiermann realisierte einige Musterhäuser im Stadtteil Lauterborn.
In Offenbach ist auch das Architekturbüro Novotny und Mähner (N+M) ansässig, das viele Hochhäuser in Frankfurt realisiert hat. Novotny und Mähner haben in Offenbach u.a. das N+M Haus, den City Tower und den Justizkomplex gebaut.
Parkanlagen
Offenbach verfügt über ausgedehnte Grünflächen. Als Parkanlagen sind hier der Büsing-Park, der angrenzende Lili-Park, der Dreieich-Park, der Leonhard-Eißner-Park am Bieberer Berg sowie der Schlosspark Rumpenheim zu nennen.
Sport
Der größte
Fußballverein in Offenbach ist
Kickers Offenbach (OFC). Der Verein spielt seit der Saison 2005/06 in der 2. Bundesliga und bestreitet seine Heimspiele im
Stadion am Bieberer Berg (ca. 24.900 Plätze).
Skurriles
Wie zwischen
Köln und
Düsseldorf besteht auch seit jeher zwischen Frankfurt und Offenbach am Main eine gutnachbarliche Feindschaft, die ihren Ausdruck in zahlreichen
Frankfurt-Offenbach-Witzen findet.
Hintergrund ist hier, daß die beiden Städte Frankfurt und Offenbach unterschiedlicher nicht sein können. Zunächst war Frankfurt im 18. Jahrhundert noch zutiefst im mittelalterlichen Zunftsystem verwurzelt, das in den neu aufkeimenden Manufakturen eine Konkurrenz sah, so daß diese sich nach Offenbach verlagerten. Im 19. Jahrhundert sah sich Frankfurt als reine Handelsstadt, was weiterhin zur industriellen Verlagerung nach Offenbach führte. Dies setzte sich abermals im 20. Jahrhundert fort.
Streichholzkarlchen
Als Offenbacher Original zählt der Streichholzverkäufer Karl Winterkorn (*28. März 1880). Er zog zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch Offenbacher und Frankfurter Apfelweinstuben und verkaufte Streichhölzer. Lokalberühmtheit erlangte er durch seine geringe Körpergröße von nur 1,30 Meter und seiner fülligeren Figur. Ihm zu Ehren steht heute eine Statue auf dem Offenbacher Wilhelmsplatz. Sein Grab wird von der Stadt gepflegt.
Regelmäßige Veranstaltungen
- Internationale Lederwarenmesse
- Mitte Juni: Mainuferfest
- Cross Media Night an der HfG Offenbach
- Mitte August: Bierfest
- August: Lichterfest im Büsing-Park
- 1. Wochenende im September: Kinderfest im Leonhard-Eißnert-Park
Persönlichkeiten
Ehrenbürger
- 1837: Ulrich Pultz von Carlsen, 1773-1863, Kommandant des Regiments "Groß- und Erbprinz"
- 1842: Valentin Otto, 1795-1849, Zollamtsinspektor, Förderer der Lokalbahn nach Frankfurt
- 1848: Dr. Lorenz Diefenbach, 1806-1883, Freiheitskämpfer
- 1852: Dr. Ernst Schaumann, 1802-1886, Direktor der Latein-Schule
- 1863: Christian Lemmé, 1789-1863, "Wohltäter"
- 1875: Otto von Bismarck, 1815-1898, Reichskanzler
- 1882: Dr. Salomon Formstecher, 1808-1889, Rabbiner
- 1888: Johann Martin Kappus, 1820-1905, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr
- 1915: Ludo Mayer, 1845-1917, Kommerzienrat, Gerber
- 1933: Paul von Hindenburg, 1847-1934, Generalfeldmarschall, Reichspräsident
- 1948: Dr. Karl Klingspor, 1868-1950, Schriftgießer, Buchausstatter
- 1948: Leonhard Eißnert, 1866-1949, Bürgermeister a.D.
- 1948: Dr. Siegfried Guggenheim, 1873-1961, Rechtsanwalt und Notar
- 1949: Hermann Steinhäuser, 1859-1949, Unternehmer
- 1953: Prof. Hugo Eberhardt, 1874-1959, Leiter der Technischen Lehranstalten Offenbach (heute HfG Offenbach)
- 1974: Georg Dietrich, 1909-, Oberbürgermeister 1957-1974
- 1977: Walter Frank, Stadtratsvorsteher
- 1993: Dr. Bruno Knapp, Fraktionsvorsitzender der CDU, Stadtverordnetenvorsteher
- 1993: Max Willner, Vorsitzender des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden Hessens
- 2006: Manfred Wirsing, Stadtverordnetenvorsteher 1985-2006
Söhne und Töchter der Stadt
- 1741, 28. März, Johann André, † 18. Juni 1799 in Offenbach, Musiker, Komponist und Musikverleger
- 1775, 6. Oktober, Johann Anton André, † 6. April 1842 in Offenbach, Komponist und Musikverleger
- 1800, Moritz Daniel Oppenheim, † 1882, Maler, Graphiker
- 1826,29. März, Wilhelm Liebknecht, Begründer der Offenbacher SPD, Vater von Karl Liebknecht; 1881 und 1884 Reichstagsmandat des Wahlkreises Offenbach
- 1868, 19. September, Heinrich Reinhardt, † 19. Juli 1947 in Berlin, Architekt
- 1893, 10. April, Heinrich Ritzel, † 19. Juni 1971 in Basel, Politiker (SPD), MdR, MdB, MdL (Hessen)
- 1898, Erich Meyer, † 1983, Grafiker und Typograf
- 1901, 15. Oktober, Bernard von Brentano, † 29. Dezember 1964 in Wiesbaden, Schriftsteller, Essayist und Journalist
- 1904, 20. Juni, Heinrich von Brentano, † 14. November 1964 in Darmstadt, Politiker (CDU), MdB, Bundesaußenminister 1955-1961, Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag (1949-1955 und 1961-1964)
- 1904, 28. Dezember, Joseph Offenbach, bürgerlich Joseph Ziegler, † 15. Oktober 1971, Bühnen-, Film- und Fernsehschauspieler ("Die Unverbesserlichen", "Salto Mortale")
- 1909, 19. Januar, Hans Hotter, † 6. Dezember 2003 in München, Bassbariton
- 1910, 12. Dezember, Helene Mayer, † 15. Oktober 1953 in München, Fechterin und Olympiasiegerin
- 1915, 28. August, Gerda Johanna Werner, † 14. August 2004 in Oberursel, Vorbild für die Baumpflanzerin auf den Rückseiten der ehemaligen deutschen 50-Pfennig-Münzen
- 1920, 23. Januar, Gottfried Böhm, Architekt, Hochschullehrer und Pritzker-Preis-Träger (unter anderem Wallfahrtskirche in Velbert-Neviges, Rathaus in Bergisch Gladbach-Bensberg, Mittelflügel des Schlosses Saarbrücken)
- 1935, 8. Februar, Herbert Fenn, † 30. September 2001 in Barcelona, Rechtswissenschaftler, Tänzer und Sportfunktionär
- 1935, 10. Oktober, Hermann Nuber, Fußballspieler mit dem Spitznamen "Der eiserne Hermann"
- 1938, 28. Januar, William Voltz, † 24. März 1984, Schriftsteller
- 1954, 5. Oktober, Jimmy Hartwig, Fußballer
- 1956, 25. August, Harald Wolf, Politiker (PDS)
- 1956, 20. November, Oliver Michael Dittrich, Schauspieler, Comedian, 'Eurovision Song Contest'-Musiker ("Texas Lightning"), wurde zusammen mit Wigald Boning als "Die Doofen" bekannt
- 1958, 1. Dezember, Rainer W. Sauer, HR-Rundfunkmoderator, Elektronikmusiker, literarischer Kabarettist, Essayist, ausgezeichnet u. a. mit ÖTV-Radiopreis und TLM-Hörfunkpreis
- 1965, 9. Mai, Andi Mengler, Sänger der 1. deutschen Punkband Strassenjungs; Sänger und Texter der Kickers Offenbach Hymne "Forever OFC"
- 1968, 6. März, Michael B. Schmidt, besser bekannt als Smudo, Rapper der Fantastischen Vier
- 1969, 5. Januar, Petra Behle, geborene Schaaf, Biathletin
- 1969, 4. März , Henrik Rödl, Basketballspieler
- 1970, 23. Juli, Thea Dorn, eigentlich Christiane Scherer, Schriftstellerin und TV-Moderatorin
- 1971, 3. Januar, Tarek Al-Wazir, Politiker (GRÜNE), MdL (Hessen)
- 1972, 21. Juni, Dorkas Kiefer, Schlagersängerin ("Ich hab Angst") und Mitglied der Popgruppe "Mekado", die für Deutschland am Grand Prix d'Eurovision teilnahm, Schauspielerin
Ferner lebten in Offenbach unter anderem:
- Alois Senefelder * 6. November 1771 in Prag, Erfinder des sog. Steindrucks, der Lithographie, die später zum Offsetdruck weiter entwickelt wurde - heute das bedeutendste Druckverfahren, in dem die meisten Bücher, Zeitungen, Zeitschriften und Werbedrucksachen entstehen. Nach ihm ist eine der längsten Straßen von Offenbach benannt, die Senefelderstraße.
- Sophie Laroche, * 6. Dezember 1731 in Kaufbeuren, † 18. Februar 1807 in Offenbach, Schriftstellerin
Literatur
- Hans Georg Ruppel: ''Geschichte der Stadt Offenbach, Neuauflage, Wartberg Verlag, ISBN 3-8313-1334-2
- Hans Georg Ruppel, Lothar Braun: ''Es begann in Offenbach..., Wartberg Verlag, ISBN 3-9801-8463-3
- Ulrich Jung:''Das war das 20. Jahrhundert in OF und Region, Wartberg Verlag, ISBN 3-86134-923-X
- Alfred Kurt:''Stadt + Kreis Offenbach in der Geschichte, 1998, Hg. Offenbach-Post, Bintz-Verlag, ISBN 3-87079-009-1
- Wilfied B Sahm, Christina Uslular-Thiele: ''Offenbach - was für eine Stadt, 2004, Hg.: Volkshochschule Offenbach, Cocon-Verlag, ISBN 3-93777-405-X
- Hessisches Städtebuch; Band IV 1. Teilband aus "Deutsches Städtebuch. Handbuch städtischer Geschichte" - Im Auftrage der Arbeitsgemeinschaft der historischen Kommissionen und mit Unterstützung des Deutschen Städtetages, des Deutschen Städtebundes und des Deutschen Gemeindetages, hrsg. von Erich Keyser, Stuttgart, 1957
- Günter Burkhard: ''Die Attraktoren der Armut - Eine sozialökologische Untersuchung der wohnräumlichen Verteilung von Armut in der Stadt Offenbach, 1998, Shaker-Verlag, ISBN 3-82652-696-1
Weblinks
Offenbach am Main | Rhein-Main | Ort in Hessen | Ehemaliger Residenzort in Hessen | Träger des Europapreises
Όφενμπαχ | Offenbach, Hesse | Offenbach | Offenbach del Meno | Offenbach | Offenbach am Main | Offenbach | オッフェンバッハ | Offenbach am Main | Offenbach am Main | Offenbach nad Menem | Offenbach am Main