Die Odenwaldbahn ist eine eingleisige Hauptbahn von Darmstadt bzw. Hanau nach Eberbach am Neckar, die den Odenwald durchquert und erschließt. Sie besitzt die Kursbuchstreckennummer 641. Der Abschnitt Darmstadt – Wiebelsbach-Heubach hat bei der Deutschen Bahn die Streckennummer 3554, Eberbach – Hanau die 4113.
Mit dem Bau der Odenwaldbahn wurde im Sommer 1868 die Hessische-Ludwigs-Eisenbahngesellschaft beauftragt. Schon im September 1868 begannen die Bauarbeiten am 1205 m langen Tunnel bei Frau-Nauses zwischen Wiebelsbach und Höchst im Mümlingtal. Diese waren Weihnachten 1870 abgeschlossen und kosteten 11 Todesopfer. In Darmstadt begannen am 1. Februar 1869 die Arbeiten für die Odenwaldbahn, die in Richtung Reinheim ohne Schwierigkeiten zügig voran schritten. Der Abschnitt bis Ober-Ramstadt konnte im Dezember 1870 eröffnet werden, am 23. Dezember 1871 erfolgte die Einweihung der 54 km langen Strecke bis Erbach.
Für den 31 km langen Streckenteil von Erbach nach Eberbach im Großherzogtum Baden erhielt die Hessische Ludwigsbahn-Gesellschaft am 3. August 1875 die Konzession. Aufgrund der Topographie waren viele Kunstbauten, unter anderem das Himbächelviadukt und der Krähbergtunnel, sowie Steigungen von 1:70 erforderlich um das Mümlingtal mit dem Ittertal zu verbinden. Dieser Streckenabschnitt wurde am 27. Mai 1882 dem Betrieb übergeben, womit die Odenwaldbahn auf ihrer ganzen Länge befahrbar war. Odenwaldbahn 21.JPG oberhalb des Krähbergtunnels]]
In den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen auch an der Odenwaldbahn Rückbaumaßnahmen in großem Umfang. Zahlreiche Haltepunkte wurden nicht mehr bedient und aufgegeben (Zeilhard, Richen, Etzen-Gesäß, Schönnen, Ebersberg, Gaimühle, Eberbach-Nord), Bahnhöfe wurden zu Haltepunkten zurückgebaut (Hetzbach, Kailbach, Klein-Umstadt, Langstadt). Zwischen Erbach und Eberbach gibt es seither auf 30 Kilometer keine Kreuzungsmöglichkeit mehr, wodurch die mögliche Zugdichte stark herabgesetzt wird. Zeitweise war sogar in der Diskussion, die Bergstrecke von Erbach nach Eberbach komplett aufzugeben. Die Fahrzeit zwischen Frankfurt und Erbach betrug ca. 85 Minuten.
Über mehrere Jahrzehnte verkehrten auf der Odenwaldbahn neben dem Nahverkehr auch drei „Heckeneilzüge“, die Frankfurt über Hanau, Erbach und Eberbach mit Stuttgart verbanden und einige Fahrplanperioden lang sogar als D-Züge ausgewiesen wurden. Die Fahrzeit zwischen Frankfurt und Stuttgart betrug 3,5 Stunden. Die durchgehenden Züge wurden im Dezember 2004 eingestellt, nachdem das Land Baden-Württemberg kein Interesse mehr daran hatte.
Da die Strecke eine wichtige Bedeutung für die Infrastruktur des Odenwalds hat, wurden inzwischen die notwendigen finanziellen Mittel zum erforderlichen Ausbau bereitgestellt. Es ist geplant, diesen bis 2007 umzusetzen. Dazu gehören insbesondere die Streckenhöchstgeschwindigkeit stellenweise von 90 auf 120 km/h anzuheben und die vorherrschenden Formsignale durch Lichtsignale zu ersetzen, die durch ein Zentralstellwerk am Bahnhof Wiebelsbach-Heubach gesteuert werden. Neue Haltepunkte sollen in Darmstadt an der TU-Lichtwiese und in Groß-Umstadt, Hacker-Siedlung entstehen. In Darmstadt-Nord wurde eine neue Gleisverbindung gebaut, die die direkte Fahrt nach Frankfurt ermöglicht.
| Abschnitt Hanau | ||
|---|---|---|
| Abschnitt Darmstadt | ||
Auf dem Streckenabschnitt zwischen Eberbach und Erbach kann man vereinzelt Bahnsteigkanten neben dem Gleis entdecken, die kaum 50 Meter lang und total überwachsen sind. Dabei handelt es sich um die ehemaligen Haltepunkte von Friedrichsdorf, Ebersberg und Schönnen, die schon lange nicht mehr bedient werden.
| Gattung und Nr. | Strecke | Betreiber |
|---|---|---|
| RE 64 | Frankfurt Hbf – Hanau Hbf – Wiebelsbach-Heubach | VIAS (bis 2005 DB) |
| RB 64 | Hanau – Wiebelsbach-Heubach | VIAS (bis 2005 DB) |
| RE 65 | Darmstadt Hbf – Wiebelsbach-Heubach – Erbach (Odenwald) | VIAS (bis 2005 DB) |
| RB 65 | Darmstadt Hbf – Wiebelsbach-Heubach – Erbach (Odenwald) - Eberbach | VIAS (bis 2005 DB) |
| SE 65 | Frankfurt Hbf – Darmstadt Nord – Wiebelsbach-Heubach – Erbach | VIAS (bis 2005 DB) |
Babenhausen wird zur Zugbegegnung genutzt, hier gibt es auch Umsteigemöglichkeiten nach Darmstadt und Aschaffenburg. Seit dem Fahrplanwechsel 2005 sind dort die Anschlüsse an Sonn- und Feiertagen nicht mehr abgestimmt, so dass längere Übergangszeiten vorhanden sind.
Güterverkehr gibt es derzeit auf der Odenwaldbahn nicht. Dieser wurde 2001 von der Deutschen Bahn eingestellt. Um einen Güterverkehr auch weiterhin betreiben zu können, wurde am 27. Januar 2006 vertraglich, bei Kostenübernahme, der Erhalt von Weichen in Ober-Ramstadt zur Firma Caparol und in Reinheim zur Odenwälder Hartsteinindustrie vereinbart.
Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2005 wird der Personenverkehr auf der Odenwaldbahn durch ein neues EVU (Eisenbahnverkehrsunternehmen), die VIAS GmbH, betrieben. Zum Einsatz kommen zweiteilige Dieseltriebzüge vom Typ Itino von Bombardier Transportation. Wegen der Bahnsteiglänge von einheitlich 120 Metern können maximal drei Einheiten zusammengekuppelt fahren. Allerdings reichen die 22 Fahrzeuge nicht aus, um auf allen Verbindungen genügend Platz zu bieten. So kommt es vor allem im Berufsverkehr zu Engpässen, unter anderem, weil der Fahrgastzuwachs durch die neuen Direktverbindungen wohl zu niedrig veranschlagt wurde.
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