Der Begriff Obsoleszenz (Veralterung) bezeichnet die künstliche oder natürliche Veralterung eines Produktes. Das zugehörige Adjektiv obsolet bezeichnet generell Veraltetes, meist Normen oder Therapien.
Formen der Obsoleszenz
Geplante Obsoleszenz
Die geplante Obsoleszenz ist Teil einer
Produktstrategie. Beim Herstellprozess werden in das Produkt Schwachstellen eingebaut oder Rohstoffe von schlechter Qualität eingesetzt. Das Produkt wird schnell schad- oder fehlerhaft und kann nicht mehr genutzt werden. Diese Strategie sollte ein Unternehmen nicht verfolgen, da der daraus resultierende
Imageschaden sehr hoch ist.
Funktionelle Obsoleszenz
Durch neue Anforderungen (z.B. durch
Komplementärprodukte) kann das Produkt nicht mehr in vollem Umfang genutzt werden. Diese Form tritt vor allem in der Computerbranche auf. (z.B. Anforderungen verschiedener Computerspiele an bestimmte Versionen des
Betriebssystems). Als Konsequenz reagieren die Konsumenten meist verunsichert und
überspringen eine oder mehrere Versionen (
Leap Frogging).
Weitere Ursache ist Abkündigung von (meist elektronischen) Bauteilen oder Aufkündigung von Software-Upgrades.
Insbesonders langfristige Projekte und langlebige Wirtschaftsgüter sind zunehmend durch solche nur bedingt vorhersehbare Nichtverfügbarkeit gefährdet.
Im Obsolescence-Management werden Lösungsansätze für diese Problematik entwickelt, unter anderem:
- Rechtzeitige Information der Kunden
- gemeinsame Erarbeitung von Substituten
- Lageraufbau für den abgeschätzten all-time-Bedarf, also den gesamten künftig erwarteten Bedarf.
Psychische Obsoleszenz
Ein Produkt wird nicht mehr gewünscht, weil es an Popularität verloren hat und "
out" ist. Dies geschieht oft durch
Modetrends. Das Produkt an sich ist aber noch uneingeschränkt nutzbar.
Geplanter Mehrverbrauch
Durch entsprechende Gestaltung der Produktverpackung ist es möglich, bei jenen Produkten, die keinem Verschleiß unterliegen (nämlich allen Verbrauchsgütern) eine Erhöhung des Verbrauches zu erzielen. Dies ist z.B. durch eine zu große Flaschenöffnung von Badezusätzen (zu hoher Verbrauch) oder durch Verpackungen, die sich nicht vollständig entleeren lassen (Ketchupflasche) möglich. Auch durch das frühzeitige Austauschen von Fahrzeugteilen während einer Inspektion ersteht ein erhöhter Verbrauch, da die Teile nicht bis endgültigen Verschleiß genutzt werden.
Indirekter Verschleiß
Durch Änderungen eines Bauteiles veraltet ein drittes Bauteil schneller, z.B. durch Verschlechterung eines Reglers kann die PKW-Batterie schneller unbrauchbar werden.
Geplante Systemvariationen
Produktneuheiten werden mit eigenständigen Zubehörvarianten ausgestattet. Dies hat zur Folge, dass Verbraucher, die die Neuheiten haben möchten, sich auch das Zubehör neukaufen müssen. Beispiele sind Spiegelreflexkameras, bei denen ein neues Objektiv oder Blitzlicht gekauft werden muss, da bisherige Komponenten nicht kompatibel mit den neuen Geräten sind.
Ursachen
- Marktsättigungserscheinung (in der Regel mit Absatzstockungen verbunden)
- Absprache der Konkurrenten (bes. bei oligopolisierten Märkten)
- Prestigekonsum (führt in der Regel zu vorzeitigen Produktneukauf z.B. als Zeichen beruflicher Leistungsfähigkeit)
- Aufwandskonkurrenz und Konsumpassivismus
- Hohes (freies) verfügbares Einkommen
- Beschränkte Markttransparenz (verhindert, dass der Verbraucher Produkte findet, die weniger der gepl. O. unterliegen)
- Wachstumsorientierung der Gesellschaft
Rechtswissenschaftlicher Begriff
Ein häufiger Grund für Obsoleszenz in rechtlicher Hinsicht ist die grundlegende Änderung der staatsrechtlichen Verhältnisse. So sind verschiedene Normen aus der Zeit des
Dritten Reichs nicht außer Kraft getreten, werden aber nicht mehr angewendet und so als obsolet betrachtet. Ein Beispiel hierfür ist, dass der Stiftungserlass für das
Eiserne Kreuz noch rechtsgültig ist, der
Bundespräsident als zuständiges Staatsorgan diesen Orden aber nicht mehr verleiht. Das Kennzeichen der Obsoleszens ist hier die Staatspraxis.
Produktpolitik
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