Upper Silesia coat of arms.jpg | Superiorem Silesiam AD1746.jpg | Volksabstimmung-OS-1.jpg | Volksabstimmung-OS-2.jpg Oberschlesien (polnisch: Górny Śląsk; tschechisch: Horní Slezko; oberschlesisch: Ślonsk) ist eine historische Landschaft und ehemalige preußische Provinz im südöstlichen Schlesien, heute Teil von Polen und Tschechien. Der östliche Teil ist ein großes Industriegebiet.
Die Provinz Oberschlesien wurde 1919 durch Teilung der bisherigen Provinz Schlesien gebildet.
Nach der Völkerwanderungszeit kamen die slawischen Opolanen (nach ihnen ist die Hauptstadt Oppeln benannt) ins Land und vermischten sich vereinzelt mit zurückgebliebenen Germanen. Im Laufe des Mittelalters kamen deutsche Siedler auch nach Oberschlesien, die Kolonisation setzte in Oberschlesien jedoch relativ spät ein, da es zum einem östlicher als andere Zielgebiete lag und zum anderen wegen der großen Wald- und Feuchtgebiete eher widrige Bedingungen herrschten. Als schließlich in den Jahren 1347/48 die Große Pest im Reich ausbrach, nahm der Strom der Zuwanderer aus dem Reich stark ab und die Ostsiedlung kam praktisch zum Erliegen. Dadurch stockte im Gegensatz zu Niederschlesien der sprachliche Assimilierungsprozess. In den Städten dominierte bald die deutsche Sprache. Auf dem Land entstand jedoch, neben den wenigen deutschen Sprachinseln, eine deutsch-slawische Mischbevölkerung, die ihre ursprüngliche slawische Sprache behalten konnte, die aber mit zahlreichen Germanismen versetzt wurde, das so genannte Wasserpolnisch. Neben diesem Dialekt sprachen die meisten seit spätestens dem 19. Jh als Zweitsprache Deutsch, in der Dialektform Oberschlesisch, das sich vom Niederschlesischen und vom Hochdeutschen durch besonders harte Rachenlaute und systematische Entrundung der vorderen gerundeten Vokale (z.B.: Bühne = Biene, lösen = lesen) unterschied, was auch sonst für Deutschsprechende mit slawischer Muttersprache charakteristisch ist. Während die Niederschlesier zu etwa 96 % (allein) deutschsprachig waren, gebrauchten etwa 58 % der Oberschlesier trotz deutscher Nationaliät und (zumeist) Loyalität zum Deutschen Reich das Wasserpolnische als Erstsprache. Diese Situation herrschte bis zur Zeit der Industrialisierung des oberschlesischen Industriegebietes vor: Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts nahm die Verstädterung stark zu. Es kamen zu den Oberschlesisch sprechenden Schlesiern auch viele Deutsche aus Niederschlesien oder den benachbarten sudetendeutschen Gebieten und außerdem eine große Zahl von Polen aus der Provinz Posen oder dem angrenzenden russischen "Kongresspolen" nach Oberschlesien. Außerhalb des Industriegebietes, den Gebieten um Oppeln, dem späteren Westoberschlesien konnte sich die o.g. ursprüngliche Situation erhalten, jedoch verlor das Wasserpolnisch besonders zwischen den beiden Weltkriegen immer mehr an Sprechern.
Nach dem Ersten Weltkrieg sollten nach dem Versailler Vertrag Teile des Grenzverlaufs zwischen Polen und Deutschland per Volksabstimmungen geregelt werden. Zwischen Kriegsende und Abstimmung kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen polnischen Einwohnern, die den Anschluss an Polen forderten, und deutschen Polizeieinheiten sowie Freikorps. Am Abstimmungstag 20. März 1921 stimmte bei einer Wahlbeteiligung von 97,8 Prozent 707.554 (59,6 Prozent) Oberschlesier, also auch viele, die in Volkszählungen Oberschlesisch bzw. Polnisch als Muttersprache angegeben hatten, für Deutschland und 478.820 (40,4 Prozent) für Polen. Im Mai kam es zu einem weiteren Aufstand mit dem Ziel der kompletten Angliederung an Polen, der aber erfolglos blieb. Danach wurde der kleinere (29%) Teil Oberschlesiens ("Ostoberschlesien" oder Oberschlesisches Industriegebiet) (mit der Hälfte alle Hüttenwerke, einem Großteil der Kohle- und Eisenerzvorkommen und den wirtschaftlich bedeutenden Bergbauregionen) auf Beschluss des Völkerbundes am 10. Oktober 1921 Polen zugeschlagen. Der Rest blieb bei Deutschland ("Westoberschlesien"); ein Teil des Kreises Ratibor, das so genannte Hultschiner Ländchen, kam zur Tschechoslowakei.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde Oberschlesien von der Roten Armee erobert. Nach 1945 kam schließlich auch der Teil, der nach der Volksabstimmung 1921 bei Deutschland verblieben war, zu Polen. Anders als in Niederschlesien gab es im oberschlesischen Industriegebiet aus ethnischen und ökonomischen Gründen keine flächendeckende Zwangsaussiedlung: Viele waren ja schon zweisprachig, weil sie entweder den Dialekt gebrauchten oder in der Zeit zwischen den Weltkriegen in der Woiwodschaft Schlesien (zwangsweise) Polnisch erlernen mussten. Darüber hinaus verfügten viele Oberschlesier über berufliche Qualifikationen, die in der Kohle- und Stahlindustrie nicht kurzfristig ersetzt werden konnten. Wer einen, mehr oder weniger streng gehandhabten, polnischen Sprachtest bestand und als "autochthon" eingestuft wurde, erhielt ein Bleiberecht. Auch Oberschlesier, die als (allein) deutschsprachig eingestuft wurden, erhielten ein Bleiberecht, wenn sie in wichtigen Industrien arbeiteten. Schließlich wurden von der oberschlesischen Bevölkerung "nur" etwa 40 % und nicht, wie in Niederschlesien, mehr als 90 %, zwangsausgesiedelt. Insbesondere um Oppeln und Kattowitz blieb daher bis heute eine deutsche und oberschlesische Minderheit zurück, die nicht vertrieben wurde oder spätaussiedelte.
Heute gehört der größte Teil Oberschlesiens zu Polen, das Hultschiner Ländchen zu Tschechien. Die Region ist auch die Heimat der nach den ethnischen Oberschlesiern (Volkszählung 2002) größten ethnischen Minderheit Polens, der Polendeutschen. Etwa 250.000 Bewohner Oberschlesiens sind Doppelstaatler und verfügen neben der polnischen zugleich über die deutsche Staatsbürgerschaft.
Zur allgemeinen Geschichte Schlesiens siehe Schlesien (Geschichte)
Provinz Schlesien: 37.013 km²; 4.846.333 Einwohner (Mai 1939)
Landkreise
Landkreise
Siehe auch: Landsmannschaft der Oberschlesier, Bund der Oberschlesier und Unser Oberschlesien sowie Kirchlicher Suchdienst
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