Der Obersalzberg ist ein Berghang bei Berchtesgaden. Namensgebend sind die Salzvorkommen, die im Salzbergwerk Berchtesgaden ausgebeutet werden. Seit dem 19. Jahrhundert wird der Ortsteil Obersalzberg touristisch genutzt. Kern des Tourismus war die von Frl. Mauritia (genannt "Moritz") Mayer begründete Pension Moritz. Moritz Mayer wurde als Judit Platter von Richard Voß im Roman "Zwei Menschen" literarisch verewigt. Ab 1923 war er Feriendomizil Hitlers. Er wurde nach 1933 zum Führer-Sperrgebiet ausgebaut. Am Fuße des Berges wurde in der Stanggass ein zweiter Regierungssitz (Kleine Reichskanzlei) neben Berlin errichtet, der während der Anwesenheit Hitlers am Obersalzberg genutzt wurde.
Heute befindet sich in der Nähe des Berghofs, oft fälschlich Alpenfestung genannt, an der Stelle des damaligen Gästehauses die Dokumentation Obersalzberg über die nationalsozialistische Vertreibungspraxis, welches vom Institut für Zeitgeschichte in München im Auftrag des Freistaates Bayern unterhalten wird. Um wieder an die alte touristische Tradition anzuknüpfen wurde 2005 ein 5-Sterne-Hotel eröffnet.
Um den Berghof gruppierten sich die Häuser der NS-Politiker Martin Bormann, Hermann Göring und Albert Speer sowie Gästehaus, SS-Kaserne, Gutshof mit Gewächshaus und unterirdische Bunker. Beim Aufkauf unter der Leitung des Reichsleiters und Sekretärs Hitlers Martin Bormann wurden den Vorbesitzern zuerst Preise über dem Verkehrswert angeboten. Wenn sie nicht verkaufen wollten, wurden sie unter Druck zum Verkauf ihrer Grundstücke gezwungen. Der Fotograf Hans Brandner, der mit dem angebotenen Preis für sein Grundstück nicht zufrieden war, wurde noch in derselben Nacht für zwei Jahre in das Konzentrationslager Dachau verbracht. Insgesamt wurde Land von 57 Grundbesitzern, hauptsächlich Bergbauern mit ihren alten Lehen, angekauft oder enteignet. Der Großteil der vorhandenen Bebauung wurde abgetragen, der Charakter des Ortes völlig verändert.
In der Grundsubstanz verblieben das Hotel „Zum Türken”, das zum Quartier des Sicherheitsdienstes ausgebaut wurde, sowie Teile der Pension Moritz, die zum Platterhof erweitert wurde, und deren Dependance, das Gästehaus Hoher Göll.
Im Bischofswieser Ortsteil Stangaß, nahe Berchtesgaden, wurde 1937 die Dienststelle Berchtesgaden der Reichskanzlei gebaut. Während der Aufenthalte Hitlers in Berchtesgaden konnten die Regierungsgeschäfte von hier aus geregelt werden. Dazu war es notwendig, dass viele Beamte von Berlin nach Berchtesgaden umsiedelten. Außerhalb des Tals in Ainring wurde der kleine Flugplatz für größere Maschinen ausgebaut. Nach dem Krieg entstand auf diesem Gelände dann ein Flüchtlingslager und später ein Ortsteil der Gemeinde Ainring.
Building in germany.jpg]] Auf eine Anregung Hitlers hin ließ Martin Bormann auf dem Bergrücken des Kehlstein das heute alljährlich von ca. 500.000 Besuchern frequentierte Kehlsteinhaus errichten. Wo die Straße nach 1.700 Metern kurz vor dem Gipfel endet, führt ein Stollengang 124 Meter weit in den Fels hinein. Ein Aufzug im Berginneren bringt die Besucher in wenigen Sekunden 124 Höhenmeter hinauf, direkt in das Haus. Für diese Baumaßnahmen wurden keine Zwangsarbeiter, sondern italienische Spezialisten und deutsche Arbeiter angeheuert. Um ein Zusammenkommen dieser mit ortsansässigen Frauen zu vermeiden, wurde sogar ein Bordell eingerichtet.
Das Kehlsteinhaus wurde Adolf Hitler zum 50. Geburtstag von der Partei geschenkt. Hitler selbst jedoch besuchte es relativ selten, da ihm die Ausflüge dorthin zu riskant waren. Vor allem kritisierte er, dass der Aufzugsschacht nicht sicher gegen Blitzeinschläge sei, und auch einem Überraschungsangriff der Alliierten mit Bombern wäre man schutzlos ausgeliefert. Das Projekt Kehlsteinhaus kostete nach heutigen Maßstäben ca. 150 Millionen Euro.
Erst die massiven Luftangriffe der alliierten Streitkräfte auf große Teile Deutschlands führten zu einem verstärkten Ausbau der Luftschutzanlagen am Obersalzberg. Es entstand ein tief im Fels gelegenes, weit verzweigtes Bunkersystem.
Das wichtigste Treffen auf dem Obersalzberg war sicher am 12. Februar 1938 mit dem österreichischen Bundeskanzler Kurt Schuschnigg, dem unter der Drohung eines Einmarschs mehrere Forderungen gestellt wurden. Für Hitler war das damit erzielte Berchtesgadener Abkommen der erste wichtige Schritt zum „Anschluss“ Österreichs einen Monat später.
Es galt als besondere Auszeichnung für deutsche Politiker und Parteimitglieder, von Hitler auf dem Obersalzberg im „privaten Rahmen” empfangen zu werden. Hitler umgab sich hier mit einem Kreis aus Adjutanten, deren Frauen, Kindern und alten Parteifreunden. Eva Braun, die inoffizielle Hausherrin, lud dabei oft Verwandete und Freunde auf den „Berg”, häufig auch, wenn Hitler in Berlin, München oder während des Krieges in seinen Führerhauptquartieren lebte und arbeitete.
Der US-amerikanische General Dwight D. Eisenhower, der Oberkommandierende der Alliierten, strich seine Pläne zur Eroberung der Reichshauptstadt Berlin, da er befürchtete, dass sich die SS und andere Elitetruppen in der vermuteten „Alpenfestung” verschanzen könnten. So ließ er seine Truppen nach Süden schwenken, um deutschen Truppen den Rückzug in die vermeintliche Alpenfestung abzuschneiden.
Nach dem Krieg gab es auch Bestrebungen der ehemaligen Salzberger, in ihre alte Heimat zurückzukehren. Der Wiederaufbau des Dorfes am Obersalzberg konnte aber nicht umgesetzt werden.
Verschiedene Gebäude wurden nach dem Krieg für die US-Streitkräfte instand gesetzt wie der Platterhof („Hotel General Walker”) und dienten den amerikanischen Streitkräften als Erholungszentrum. Die Wohngebäude der Nazigrößen hingegen wurden, um jeglichen Kult zu verhindern, abgetragen oder gesprengt.
Nach einer Vorstellung der Geschichte des alten Obersalzbergs, folgt die Zeit des Nationalsozialismus von den Anfängen als Feriendomizil Adolf Hitlers, über den mit der Vertreibung der angestammten Einwohner einhergehenden Ausbau des Führersperrgebietes, mit Berghof, den Bau des Kehlsteinhauses und der Bunkeranlagen bis zur Einnahme durch die Alliierten. Dann wird die Nachkriegsgeschichte mit der Besatzungszeit, während der der Obersalzberg den Amerikanern als Erholungszentrum diente, dargestellt.
Die Dokumentation verbindet den historischen Ort mit Dokumenten und Ausstellungsstücken. Das Konzept der Dokumentation bringt dabei auch die Blendung der Bevölkerung durch den Nationalsozialismus zum Ausdruck. Von der „Vorzeigeseite”, die im hellen Gebäude zum Beispiel mit Bild- und Tondokumenten über begeisterte junge Mädchen, die zu Tausenden vor dem Berghof auf ihren „Führer” warteten, dargestellt wird, folgt schrittweise die Überleitung zu den Grauen des Regimes die im Dunkel und Kühl des Bunkers mit Dokumenten zur Judenvernichtung endet. Vielfach erfolgt die Verbindung des Weltgeschehens mit dem einfachen Bürger vor Ort, wie durch eine Tonbildschau mit Interviews früherer Bewohner.
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