Das Oberharzer Wasserregal ist ein Jahrhunderte altes System zur Versorgung von Wasserrädern in den Harzer Gruben mit Aufschlagwasser. Die zur Erzeugung von Wasserkraft gebauten Anlagen stehen heute unter Denkmalschutz und werden zum Teil noch zur Trinkwassergewinnung genutzt. Eine Bewerbung als Weltkulturerbe der UNESCO wird angedacht.
Aufbau
Huettenteich Altenau.JPG
Das Wasserregal bestand aus einer Vielzahl von
Stauseen und Stauteichen wie dem
Oderteich (ehemals 120, heute noch 65 Teiche), die alle ähnlich konstruiert sind und die zur Sammlung und Speicherung des Regenwassers dienen. Das Wasser wurde in fast parallel zu den
Isohypsen der Hänge verlaufenden Gräben (insgesamt ca. 500 km Gräben) gesammelt und in die Teiche geleitet, teilweise über große Entfernungen, wie zum Beispiel der
Dammgraben, der Wasser aus der Region des
Brockens über 25 km bis nach
Clausthal leitet. Die Teiche geben ihr Wasser an eine weitverzweigte Reihe von Gräben und
Wasserläufen ab, welche teils oberirdisch, teils unterirdisch verlaufen, damit schließlich das Wasser in den Gruben die Wasserräder antreibt. Ein komplexes System sorgt dafür, dass für jedes Wasserrad eine angemessene Menge an Wasser zur Verfügung steht. Überdies kann das Wasser durch stetige Weiterführung auf mehreren Ebenen genutzt werden. Die Wasserräder selbst, die teilweise als
Kehrräder ausgelegt waren, hatten verschiedene Aufgaben. Zum Beispiel sollten sie das Wasser aus Gruben pumpen oder Personen- und Materialtransport in die Schächte ermöglichen, wofür teilweise abenteuerlich wirkende Hebelkonstruktionen (
Kunstgestänge,
Fahrkünste) verwendet wurden. Die Stauseen und Wassergräben sind heute noch weitgehend erhalten, die Wasserräder selbst aber sind überwiegend nicht mehr vorhanden, auch wenn einige rekonstruiert sind.
Siehe auch: Polsterberger Hubhaus, Oberharzer Teiche
Geschichte
Das Wasserregal („Regal“ von lat. rex, regis = König, im Sinne von „königliches Hoheitsrecht“, siehe auch im
Wiktionary) bestand in seinen Anfangszeiten bei Wiederaufnahme des
Bergbaus im
Harz im
16. Jahrhundert als Wassernutzungsrecht im Rahmen der
Bergfreiheiten. Mit der Verstaatlichung der Bergwerke am 1. Januar 1864 durch das Königreich Hannover fielen neben den Bergfreiheiten auch sämtliche Wassernutzungsrechte zurück an den Staat. Damit hatte das Königreich Hannover das
Wasserregal beansprucht. Es ist im
Preußischen Wassergesetz von
1913 §16 und §381 erstmals schriftlich als Gesetzestext niedergelegt. Nach dem Anschluss des
Königreiches Hannover an das
Königreich Preußen übernahm die
Königlich-Preußische Bergbauinspektion und später dann die
Preussag den Betrieb der Bergwerke des Oberharzes. Mit dem wohl endgültigen Ende des Bergbaus im Oberharz blieb noch die Möglichkeit der weiteren Wasserkraftnutzung der gestauten und aufgefangenen Wasser zur Stromerzeugung. Dies wurde von der Preussag bis 1980 in den Schächten Kaiser Wilhelm (maximale Leistung 4,5 MW) und Ottiliae (maximale Leistung 1,5 MW) fortgesetzt. Dafür wurden die Teiche und Gräben weiterhin benötigt und gepflegt. Nach Stilllegung der Kraftwerke ging die Anlage des Wasserregals auf die Harzwasserwerke über, die diese pflegen und betreiben. Für Clausthal und Altenau wird der Hirschler Teich, für Zellerfeld der Kellerhals Teich durch die Stadtwerke Clausthal-Zellerfeld zur Trinkwassergewinnung genutzt.
Weblinks
Bergbau (Harz) | Landkreis Goslar | Wasserkraft