Saalburg.jpg bei Bad Homburg]] Der Obergermanisch-raetische Limes ist ein Grenzwall mit Kastellen, Wachtürmen, Mauern und Palisaden, mit denen die Römer die Landstriche auf dem östlichen Rheinufer für lange Zeit unter ihre Kontrolle brachten. Der Begriff Limes bedeutete im Lateinischen „Grenzweg“; neben dem rätisch-germanischen Limes ist der Hadrianswall zwischen England und Schottland besonders bekannt, der 1987 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Am 15. Juli 2005 wurde von der UNESCO auch dieses Bodendenkmal in Deutschland in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Daneben gab es in römischer Zeit von beiden genannten Limites in Deutschland und Britannien weniger bekannte Vorgänger- und Nachfolger-Limites. Römische Grenzbefestigungen entstanden auch entlang der Donau bis zum Schwarzen Meer(in Noricum, Pannonien, Mösien, Thrakien und Dakien), in Armenien/Osttürkei, im Nahen Osten und in Nordafrika. Die Limites können als erste räumlich klar definierte und visuell im Gelände für Freund und Feind eindeutig erkennbare Staatsgrenze angesehen werden.
Im Verlauf dieser Arbeiten, die sich bis in die 1930er Jahre des 20. Jahrhunderts erstreckten, wurde der Verlauf des Limes exakt vermessen und in Strecken eingeteilt, die auch heute noch gültig sind. Dabei stellte sich heraus, dass die Römer ihre Grenze des öfteren um einige Kilometer verschoben hatten. Die exakte Ursache für diese Grenzverschiebungen ist nicht überliefert, sie resultiert weniger aus kriegerischen Auseinandersetzungen und mehr aus der Flexibilität der römischen Machtausübung gegenüber den Germanen, denn der obergermanisch-raetische Limes galt während der Zeit seines Bestehens als Friedensgrenze.
Es kam zwar einige Jahre später nochmals zu begrenzten Aktionen seitens der Römer; diese hatten aber mehr den Charakter von Rachefeldzügen. Den Gedanken einer dauerhaften Eroberung des Landes östlich des Rheins in europäischen Dimensionen hatten die römischen Kaiser auf Dauer verworfen.
Dass es dennoch etwa ein Jahrhundert später zu einer erneuten Landnahme kam, lässt sich am ehesten mit dem römischen Bedürfnis nach Sicherheit erklären, denn es zeigte sich, dass der Rhein keine absolut kontrollierbare und undurchlässige Grenze war. Die östlichen Nebenflüsse dieses Stromes reichten weit nach Osten und zogen aus den Tiefen des kontinentalen Raumes immer wieder größere Völkermassen Richtung Westen. Also musste das gesamte östliche Ufer des Flusses samt seiner Nebenflüsse unter Kontrolle gebracht werden, weniger als militärische Demarkationslinie sondern mehr als bewachte Wirtschaftsgrenze nach Germanien hin. Nach verschiedenen kleineren Feldzügen entwickelte sich der obergermanische Limes zunächst aus einem reinen Postenweg, der durch eine künstlich geschlagene Schneise in den germanischen Wäldern führte. Unter Kaiser Domitian (81-96) entstand der Plan, eine zusammenhängende Grenzbefestigung aufzubauen.
Um das Jahr 100 herum folgten in einem zweiten Schritt Wachtürme aus Erde und Holz in einem durchschnittlichen Abstand von 800 Metern, gleichzeitig wurden Palisaden aus Holz errichtet. Erste Kastelle entstanden am Neckar und im Odenwald. Um 150 wurden die Kastelle dann in Stein erbaut. Sodann ersetzte man die verwitterungsanfälligen Holztürme durch Türme aus Stein (etwa um 170). Im letzten Schritt wurde schließlich hinter der Palisadenreihe ein Graben als weiteres Annäherungshindernis ausgehoben.
In analoger Art und Weise entwickelte sich der raetische Limes, nur dass im letzten Schritt statt eines Grabens eine durchgehende massive Mauer errichtet wurde. Bedingt durch seine Eigenart als Wirtschaftsgrenze besaß der Limes eine Reihe von Durchlässen, die von Zöllnern bewacht wurden.
Auf einer Länge von etwa 550 Kilometern trennten die Grenzbefestigungen, die beim obergermanischen Limes aus Erdaufschüttungen und Holzpalisaden, beim raetischen Limes dagegen aus bis zu drei Meter hohen Mauern bestanden, Germanien von den römischen Provinzen Raetia, Germania Superior und Germania Inferior. In Sichtweite voneinander befanden sich kleinere Wachtürme von etwa zehn Meter Höhe, die zunächst aus Holz und Erde, später dann massiv in Stein erbaut wurden. Im hinteren Gelände dieser unmittelbaren Grenzbefestigung befanden sich im Abstand von etwa zehn Kilometern kleinere Kastelle (burgus) für die sogenannten Auxiliartruppen, die bei einem lokalen gegnerischen Einbruch in die Grenzbefestigung von den Besatzungen auf den Wachttürmen an die Einbruchstelle geschickt werden konnten. Schöne Beispiele für derartige Kastelle sind die Saalburg, das Kastell am Kleinen Feldberg im Taunus und die Kapersburg, ebenfalls im Taunus. Ein besonders großes Kastell für eine berittene Einheit lag im heutigen Stadtgebiet von Aalen.
Auch die gegenüberliegende Seite des Limes war für Rom von Interesse. Man versuchte hier bevorzugt römische Legionäre anzusiedeln oder Auxiliarsoldaten, denen nach Abschluss der aktiven Dienstzeit das römische Bürgerrecht verliehen wurde und denen ein Anrecht auf den Erwerb einer Parzelle zustand. Damit wuchs in der Nähe der Grenze eine Bevölkerung mit großer Loyalität zum römischen Reich heran.
Eine gewalttätige Auseinandersetzung wurde von den Archäologen im Kastell Osterburken festgestellt. In den Gräben der Festung fanden sich die Überreste zahlreicher Menschen, die bei der Belagerung eines gewaltsamen Todes gestorben waren. Beim Versuch, die Mauern zu überklettern, wurden vielen Germanen von den römischen Soldaten die Hände abgeschlagen. Dennoch eroberten die Belagerer das Kastell, raubten es aus und brannten es anschließend nieder.
Von der eigentlichen Grenzbefestigung haben sich am besten Wall und Graben des obergermanischen Limes erhalten. Sie haben sich in den seit beinahe zwei Jahrtausenden ununterbrochen forstwirtschaftlich genutzten Wäldern des Westerwaldes und des Taunus hervorragend erhalten. Die begleitenden Reihen aus Palisaden sind zwar längst verrottet, ihre einstmaligen Standlöcher in der Erde lassen sich aber an manchen Stellen immer noch mühelos als flaches Gräbchen erkennen.
Beim raetischen Limes markiert dagegen ein breiter Streifen aus Gesteinsschutt den Verlauf der Befestigung. Kleine Hügel aus Erde und Schutt finden sich bei beiden Limites an den Stellen, an denen ein Wachturm gestanden hat, häufig sogar direkt nebeneinander.
Der Gedanke der Landesverteidigung durch ein derartig großes Bauwerk hat auch beim Bau des Westwalles eine Rolle gespielt, denn nicht umsonst trug das größte Programm zum Bau dieser den Zweiten Weltkrieg vorbereitenden Festungsanlage den Namen Limesprogramm.
Siehe auch: Rom Rom/Themenliste, Liste der Limeskastelle, Limes (Grenzwall)
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"Obergermanisch-Raetischer Limes".
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