Karte_Sprachen_Graubünden.png Oberengadinisch (rät: Puter, mit Betonung auf der zweiten Silbe) ist ein rätoromanischer Dialekt und wird im Oberengadin zwischen Maloja und Zernez sowie in Bergün im Kanton Graubünden gesprochen.
Oberengadinisch ist eine Variante des Ladin. Der Begriff Ladin bezeichnet in der Schweiz die rätoromanischen Varianten des Engadins und des Münstertals. Nebst Puter sind dies Unterengadinisch (Vallader) und Münstertalisch (Jauer); letzterer Dialekt besitzt jedoch im Gegensatz zu Puter und Vallader keine schriftsprachliche Tradition (in den Münstertaler Schulen wurde bis anhin Vallader unterrichtet). Das Ladin in der Schweiz ist Teil des Bündnerromanischen und ist trotz der irreführenden Bezeichnung klar von den Ladinischen Sprachen im Südtirol zu unterscheiden.
Der älteste längere literarische Text auf Rätoromanisch ist die "Chanzun da la guerra dalg Chiastè d'Müs" von 1527, geschrieben in Puter von Gian Travers aus Zuoz. Auch das erste gedruckte Buch Romanischbündens kam aus dem Oberengadin: 1552 erschien ein protestantischer Katechismus und 1560 das Neue Testament, beide Texte wurden von Jachiam Bifrun aus Samedan ins Romanische übersetzt.
Trotz zahlreicher Anpassungen im Laufe der Jahrhunderte hat die Oberengadiner Schriftsprache bis heute zahlreiche altertümliche Züge erhalten, was ihre Aussprache schwieriger gestaltet als die der vier anderen traditionellen Schriftidiome Romanischbündens. Hervorzuheben ist zum Beispiel die Aussprache der Buchstabenverbindung -aun- als "än" vor Konsonant bzw. sogar "äm" vor Vokal und am Wortende. Der romanische Ortsname Silvaplauna (dt. Silvaplana) wird deshalb ausgesprochen wie "Silvapläma".
Eine andere Besonderheit der oberengadinischen Rechtschreibung betrifft die Endung -ieu, die sich anhört wie "ia" (mit betontem i und ganz kurzem a). Aufgrund dieser und anderer Regeln ergibt das romanische Bainvgnieu (dt. willkommen) in der Aussprache "bäjnfnjía", Vstieu (dt. Kleid) tönt wie "Schtía" (ohne v!).
Auch die Oberengadiner Ortsnamen halten für Anderssprachige einige Überraschungen bereit: Da ein -g am Wortende meist ausgesprochen wird wie "tj" im hochdeutschen "tja" (oder bei ungenauer Aussprache einfach wie dt. "tsch"), hört sich das Seitental von Pontresina/Puntraschigna eher an wie Rosetsch, obwohl Roseg geschrieben wird.
In mehreren Ortsnamen sticht auch die Buchstabenkombination "s-ch" hervor, so z. B. in S-chanf, Cinuos-chel oder Chamues-ch. Die Aussprache entspricht der Kombination von dt. "sch" mit dem vorher erwähnten "tj", also "sch-tj" oder (ungenauer) "sch-tsch". Der Bindestrich ist unerlässlich, um eine Verwechslung mit einfachem "sch" zu vermeiden. Die erwähnten Beispiele lauten daher ungefähr: "Schtjanf", "Tsinúoschtjel", "Tjamuéschtj". Diese Regel gilt nicht nur für das Oberengadinische, sondern für das Ladin im Allgemeinen.
Eine leicht zu hörende Besonderheit des Puter gegenüber den anderen Idiomen ist die häufige Ersetzung von langem a durch langes e (in diesem Fall wird das e auch geschrieben). Während es im Unterengadin und meist auch im übrigen Romanischbünden heisst: chasa (Haus), Banca Chantunala (Kantonalbank), dumandar (fragen), ala (Flügel), so sagen die Oberengadiner durchwegs chesa, Banca Chantunela, dumander, ela (jeweils mit langem, betontem e).
Da das Oberengadinische, wie alle fünf bündnerromanischen Idiome, nicht nur ein mündlicher Dialekt ist, sondern eine Schriftsprache mit normierter Grammatik und Rechtschreibung, findet es auch als Schulsprache Anwendung. In den Primarschulen folgender Gemeinden ist Puter offizielle Schulsprache: Sils im Engadin/Segl, Silvaplana, Celerina, Bever, La Punt-Chamues-ch, Madulain, Zuoz und S-chanf. Zweisprachige Primarschulen mit Puter und Deutsch als Unterrichtssprachen finden sich in Pontresina und Samedan. Eine Deutschsprachige Primarschule mit Puter als erster Fremdsprache führen St. Moritz und Bergün. Auch im Dorf Champfèr, das politisch zur Gemeinde St. Moritz gehört, besteht eine romanische Grundschule mit Puter als Unterrichtssprache.
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"Oberengadinische Sprache".
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