Obdachloser.jpg Obdachlosigkeit (Wohnungslosigkeit) wird definiert als Zustand, in dem Menschen über keinen festen Wohnsitz verfügen und im öffentlichen Raum, im Freien oder in Notunterkünften übernachten. „Platte machen“ oder „schieben“ oder „auf Platte sein“ bezeichnet umgangssprachlich z. B. in Parkanlagen, auf Bänken, in Hauseingängen, Baustellen, etc. zu nächtigen. Der Begriff „Obdach“ bedeutet Unterkunft oder Wohnung. Langzeitobdachlose sind heute in den meisten Großstädten präsent. Abfällig werden sie auch mit Bezeichnungen wie „Penner“ tituliert oder/und mit Bettlern gleichgesetzt.
In Entwicklungsländern sind häufig Opfer von Naturkatastrophen wie z. B. Erdbeben, aber auch von Zerstörungen in Folge von Bürgerkriegen, zumindest für einige Zeit lang ohne Obdach.
Die Mehrzahl der Obdachlosen in den Industriestaaten sind Männer, unter den alleinstehenden Obdachlosen machen sie ca. 80-85% aus. Sie sind in Deutschland meist zwischen 20 und 50 Jahre alt. Ein Fünftel der Obdachlosen sind ehemalige Strafgefangene.
Häufig treten folgende Ursachen (meist kombiniert) für Obdachlosigkeit auf:
Häufige Ursachen von Obdachlosigkeit bei Kindern und Jugendlichen sind:
Zur aktuellen Botschaft der Medien gehört, dass die "Straßenkinder" nicht nur 'immer zahlreicher', sondern auch 'immer jünger' würden. Die Erfahrungen der Großstadtjugendämter besagen allerdings das Gegenteil. Die Zahl der Straßenkinder wird als eher klein eingeschätzt.
Sozialpsychologen gehen davon aus, dass sich bereits nach einem halben Jahr "auf der Straße" der Charakter des Obdachlosen nachhaltig verändert, was die Resozialisierung erschwert. Es besteht die Gefahr eines Teufelskreises aus Abwehrreaktion der übrigen Bevölkerung, Verzweiflung und Widerstand der Obdachlosen gegen bürgerliche Menschen.
Neben den finanziellen Hilfen, haben Städte und Gemeinden die Pflicht, sich obdachlos meldende Personen unterzubringen §§ 1, 14 und 17 des Gesetzes über Aufbau und Befugnisse der Ordnungsbehör-den – Ordnungsbehördengesetz (OBG). Vor allem in den großen Städten gibt es ein Netz verschiedener Hilfen. Hierzu gehören Not- und Übergangsunterkünfte (z. B. Kirchenkaten) sowie Tagesaufenthaltsstätten zur materiellen Grundversorgung und ärztlich-pflegerische Ambulanzen zur medizinischen Versorgung. Beratungsstellen unterstützen Betroffene bei der Suche von Wohnung und Arbeit; häufig ist auch eine Beratung bezüglich Alkohol- oder Drogenabhängigkeit, Haushaltsführung, Umgang mit Geld und Schuldenregulierung erforderlich. Beratungsstellen arbeiten oft auch aufsuchend als Straßensozialarbeit (Streetwork), um Betroffene vor Ort zu kontaktieren und Schwellenängste gegenüber der Hilfe abzubauen.
Präventiv wirken alle Maßnahmen im Bereich der Suchtprävention, der Jugendarbeit und der Resozialisierung von Straftätern mittelbar auch zur Verhinderung der Entstehung von Obdachlosigkeit.
In einigen Städten und Gemeinden sind sogenannte Fachstellen eingerichtet worden, in denen die Leistungen und Kompetenzen zur Verhinderung von Obdachlosigkeit und zu derem Abbaus eingerichtet sind.
In Düsseldorf unterstützt die Galerie fiftyfifty zusammen mit Franziskanerbrüdern Obdachlose. In Koblenz ist "Die Schachtel e. V." unter anderem mit Kältebus und dem Restaurant MAMPF aktiv.
In vielen Städten verdienen sich Obdachlose etwas Geld mit dem Verkauf von Obdachlosenzeitschriften.
Bei der Interpretation der Zahlen ist zu beachten, dass es sich bei den statistisch erfassten Obdachlosen nur um Personen handelt, mit deren Unterbringung die kommunalen Ordnungsbehörden befasst waren (Nichtsesshafte sowie aufgrund sozialhilferechtlicher Maßnahmen mit Wohnraum versorgte Haushalte sind nicht berücksichtigt). Tatsächlich ist die Dunkelziffer vermutlich höher. Dies ist insbesondere bei alleinstehenden Frauen der Fall.
Durch die Umsetzung der Hartz IV-Gesetze wird mit einem Anstieg der Obdachlosenzahlen gerechnet. Der Grund hierfür liegt darin, dass mit dem Eintritt in das Arbeitslosengeld II die sozialhilferechtlichen Bestimmungen hinsichtlich der Größe und der Miete für Wohnraum bei den Betroffenen greifen.
Bei einem allgemeinen Rückgang der Obdachlosigkeit ist der Anteil junger und weiblicher Wohnungsloser, die häufig vor Misshandlungen und Übergriffen flüchten, stark gewachsen. Lag der Anteil der Frauen Mitte der 90er-Jahre noch bei rund 15 Prozent, so wird er inzwischen auf 23 Prozent geschätzt.
Viele Obdachlose erleben, dass ihre Freunde nach dem Tod auf ordnungsbehördliche Anweisung hin eingeäschert und anonym beigesetzt werden. Dieser aus finanziellem Kalkül praktizierten Lösung wird immer mehr durch Aktionen widersprochen. So fand sich in Köln 1997 eine Interessengemeinschaft Bestattungs Obdachloser Menschen zusammen, die unter Leitung des Kölner Bestatters Thomas Kremer eine Grabstätte kaufte und dort Urnen, die ursprünglich zur anonymen Beisetzung vorgesehen waren, beisetzte, für eine gärtnerische Grabpflege sorgte und Grabsteine mit Namen anfertigen ließ. Wer im Leben schon wenig Spuren hinterlassen hat, soll wenigstens im Tod nicht spurlos verschwinden. Inzwischen sind in der durch Spenden finanzierten Grabstätte über 160 Urnen von Obdachlosen beigesetzt. Die Gräber werden oft und gerne besucht, hilft es doch allen Betroffenen, ihre Trauer und Sorge um den Verbleib entsprechend zu verarbeiten.
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