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Unter einem Original Equipment Manufacturer (deutsch: Originalausrüstungshersteller) versteht man dem Wortsinn nach einen Hersteller von fertigen Komponenten oder Produkten, der diese in seinen eigenen Fabriken produziert, sie aber nicht selbst in den Handel bringt. In etlichen Branchen hat sich jedoch die gegenteilige Bedeutung des Begriffs OEM etabliert. So versteht man z. B. in der Automobil- oder Golfsportartikelindustrie unter einem OEM eine Firma, die fertige Produkte unter eigenem Namen in den Handel bringt. In der Computerbranche findet der Begriff OEM in recht unterschiedlichen Zusammenhängen Anwendung. Auf diese wird weiter unten im Artikel eingegangen.

Seit Ende der 1990er Jahre gingen viele namhafte Computerhersteller aufgrund des enormen Kostendrucks dazu über, die Herstellung ihrer Produkte im niedrigeren Preisbereich an taiwanische Auftragshersteller zu übertragen. Später kamen Produkte im mittleren und höheren Preissegment hinzu.

Insbesondere tragbare Rechner werden heutzutage fast nur noch von taiwanesischen Auftragsherstellern gefertigt.

Da Computerhersteller mit eigener Entwicklungsabteilung darauf angewiesen sind, Neuheiten vor der Konkurrenz auf den Markt zu bringen, ist Diskretion ein zentraler Geschäftsgrundsatz dieser Branche. Dennoch gelangen immer wieder Informationen über unangekündigte Produkte an die Öffentlichkeit.

Ziel solcher Ausforschungen ist allen voran der amerikanische Computer-Hersteller Apple. Da Apple in der Vergangenheit regelmäßig bei neu vorgestellten Produkten die Nachfrage unterschätzt hatte, lässt Apple inzwischen bereits monatelang auf Halde produzieren, was dazu führte, dass neue Produkte sich immer schwieriger verheimlichen ließen.

Große Originalgerätehersteller sind u. a. Foxconn, ECS (Auftragshersteller), Compal, Quanta und Inventec.

Unterscheidung


Ein Hersteller, der einen bekannten und positiv besetzten Markennamen hat, wird diesen in der Regel auch nutzen, um seine eigenen oder zugekaufte Waren abzusetzen. Dadurch ist er aber auch an zahlreiche gesetzliche Vorschriften gebunden. So muss er beispielsweise die Ersatzteilbevorratung sicherstellen und ist hinsichtlich Produkthaftung und Gewährleistung verantwortlich. Des Weiteren entstehen hohe Kosten für Werbung und Vertrieb.

Ein Hersteller, der nicht über Markennamen und entsprechende Vertriebskanäle verfügt, kann sich ganz auf Forschung Entwicklung und Produktion konzentrieren und seine Produkte gleichzeitig an mehrere Markenhersteller verkaufen.

Begriffsverwirrung


Eine Reihe von Markenherstellern liefern sowohl Produkte an den Handel als auch fertige Produkte an andere Hersteller. Diese sind in der Regel "baugleich", können sich aber zum Beispiel in einer nicht durchgeführten Warenausgangskontrolle unterscheiden. In diesem Fall spricht man auch vom Badge Engineering.

OEM-Produkte im Handel


Aus Überbeständen oder Konkursmasse landen dennoch OEM-Produkte im Handel. Dies ist legal, jedoch ist es nun der Händler, der die "Ware in den Verkehr" bringt und für etwaige Mängel haftet.

Sonderfälle in der Computerbranche


OEM-Software

Sie kann sich von der so genannten Vollversion (Retail) durch einen geringeren Lieferumfang unterscheiden. Meistens ist der Verkauf von OEM-Software lizenzrechtlich nur in Verbindung mit Hardware erlaubt. OEM-Versionen sind in der Regel upgrade- oder updatefähig.

Beispiel 1: Die Software Nero Burning ROM des Herstellers Nero zum Brennen von CDs und DVDs wird beispielsweise in drei unterschiedlichen OEM-Versionen sowie einer so genannten Vollversion und einem mit weiteren Funktionen ausgestatteten Power Pack ausgeliefert. Die OEM-Versionen werden CD- und DVD-Brennern diverser Hersteller beigelegt, jedoch teilweise auch auf dem freien Markt zu einem geringeren Preis angeboten.

Beispiel 2: Microsoft verkauft deutlich billigere OEM-Versionen ihrer Software (z. B. Office oder Windows) an Händler, welche dann aber die Software zusammen mit einem neu gekauften PC ausliefern ("bundeln") müssen. Mit anderen Worten zahlt ein Kunde beim Neukauf eines PCs zusammen mit einer vorinstallierten OEM-Version viel weniger, als wenn er den selben PC und eine normale Verkaufsversion der gleichen Software getrennt kauft. Selbst wenn er zunächst nur die Hardware kauft und beim gleichen Händler kurze Zeit später die Software, hat er kein Anrecht auf die günstigere OEM-Version mehr. Microsoft nennt seine OEM-Versionen OSB, was für OEM for System Builder steht. Gelegentlich sieht man auch Begriffe wie SBV (System Builder Version) oder nur SB (System Builder) in den Händlerpreislisten.

Laut einem Urteil des BGH vom 6. Juli 2000 ist es Händlern in Deutschland erlaubt, auch OEM-Versionen ohne Bindung an Hardware zu verkaufen. So können OEM-Versionen auch ohne Hardware erworben werden. Die Firma Microsoft hatte gegen dieses Vorgehen geklagt und verloren. Somit sind OEM-Versionen legal separat erhältlich. Microsoft selbst bzw. die Distributoren verkaufen die Systembuilder-Versionen von Windows und Office nur an spezielle Vertragspartner von Microsoft. In entsprechenden Verträgen verpflichtet sich der Systembuilder diese Versionen nur auf Neu-PCs zu installieren und auch nicht einzeln zu verkaufen. Über jede einzelne Systembuilder-Version muss der Händler Verkaufsnachweise an Microsoft offen legen. Diese Verträge wurden als Reaktion auf das BGH-Urteil eingeführt und sie sind auch nicht Bestandteil dieses Urteils, ebenso wenig wie diese speziellen Systembuilder-Versionen. Da der Laie diese speziellen Systembuilder-Versionen (OSB) von "normalen" Systembuilderversionen (Non-OSB) nicht unterscheiden kann, ist der Kauf legal, der Verkauf durch einen Microsoft-Vertragspartner aber nicht.

Nachzulesen ist das Urteil hier: [http://www.jurpc.de/rechtspr/20000220.htm

OEM-Hardware

Diese wird für ein anderes Unternehmen gefertigt, unter dessen Markennamen das Produkt dann angeboten wird. So genannte Bulk-Versionen sind dann als OEM-Produkte zu bezeichnen, wenn sie von einen Systemintegrator oder VAR (Value-Added-Reseller) in ein System verbaut und verkauft werden. Bulk-Versionen, die von Discountern lose unter der Bezeichnung des echten Herstellers verkauft werden, sind streng genommen keine OEM-Produkte, werden aber gerne (fälschlich) als solche – insbesondere im IT-Hardwarebereich – bezeichnet. Die für den Endkundenmarkt bestimmte Retail-Hardware unterscheidet sich von den Bulk-Produkt meist durch eine farbige Verpackung sowie zusätzlich mitgeliefertes Zubehör wie Kabel, Schrauben, (längere) Herstellergarantie und sonstige Beigaben. Bei echter OEM-Hardware wird Problemunterstützung häufig nicht durch den ursprünglichen Hersteller (OEM) geboten („kein Gerätesupport“), der Kunde ist dann auf Unterstützung seines Händlers oder Systemintegrators angewiesen.

Beispiel 1: Der Hersteller Hewlett-Packard verkauft CD-Recorder (Brenner) an Endkunden, produziert die entsprechenden Komponenten jedoch nicht mehr selbst. Stattdessen kauft Hewlett-Packard OEM-Laufwerke von Philips und baut diese in mit dem eigenen Markennamen versehene Gehäuse ein. Ähnliche Verfahren sind u. a. auch bei Digitalkameras der Marken Jenoptik und Medion üblich.
Beispiel 2: Haushaltsgeräte wie Wasch- und Spülmaschinen der Marken Bosch und Siemens werden von dem gemeinsamen, aber rechtlich eigenständigen Unternehmen Bosch-Siemens-Hausgeräte GmbH (BSH) gefertigt. Die Bosch-Siemens-Hausgeräte GmbH ist dadurch OEM für die Produkte, da sie eben unter dem Marken- und Herstellernamen Bosch oder Siemens verkauft werden und auch diese beiden Unternehmen primärer Ansprechpartner bei Garantie- (nicht Gewährleistung) und Kulanzfragen durch Endkunden sind.

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