Nyon ist eine politische Gemeinde und Hauptort des gleichnamigen Distrikts des Kantons Waadt in der Schweiz. Die deutsche Bezeichnung Neuss stammt aus der Zeit, als für Westschweizer Städte und Gemeinden deutsche Namen konstruiert wurden. Er wird heute nicht mehr verwendet. Unter den Kelten hiess der Ort Noviodunos (latinisiert Noviodunum), während der Römerzeit Colonia Iulia Equestris.
Die Fläche des 6.8 km² grossen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt am Nordwestufer des Genfersees. Der Gemeindeboden erstreckt sich vom Seeufer nach Nordwesten über den flachen Uferrandstreifen auf die leicht erhöhte anschliessende Ebene am Jurasüdfuss. In diese Ebene sind auf dem Gemeindegebiet von Nyon die Täler der beiden Flüsschen Boiron de Nyon (im Südwesten) und Asse (im Nordosten) eingetieft. Südlich des Boiron reicht das Gebiet bis in das Waldgebiet Bois Neuf. Die höchste Erhebung von Nyon wird mit 480 m ü. M. unterhalb von Trélex erreicht. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 51 % auf Siedlungen, 8 % auf Wald und Gehölze und 41 % auf Landwirtschaft.
Zu Nyon gehören die Gewerbe- und Industriesiedlung L'Asse (470 m ü. M.), rechts des gleichnamigen Flüsschens, ein Teil des Weilers Changins (436 m ü. M.) südlich des Hügels von Duillier sowie einige Hofsiedlungen. Nachbargemeinden von Nyon sind Crans-près-Céligny, Eysins, Signy-Avenex, Grens, Trélex, Duillier und Prangins.
| Bevölkerungsentwicklung | |
|---|---|
| Jahr | Einwohner |
| 1850 | 2471 |
| 1900 | 4882 |
| 1910 | 5096 |
| 1930 | 5107 |
| 1950 | 6064 |
| 1960 | 7643 |
| 1970 | 11424 |
| 1980 | 12842 |
| 1990 | 14747 |
| 2000 | 16182 |
UEFA.JPG Die Stadt ist ein wichtiges regionales Industriezentrum, das dank der hervorragenden Verkehrserschliessung an der Achse Genf – Lausanne in den letzten Jahrzehnten stark gewachsen ist. Bedeutende Industriezweige sind die Medikamentenherstellung, die Nahrungsmittel-, chemische, metallurgische und Zündholzindustrie, die Werkzeug-, Uhren- und Töpferwarenherstellung und graphische Betriebe.
Da Nyon auch als Verwaltungs- und Bankzentrum gilt, sind die meisten Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor vorhanden. Seit 1995 ist Nyon Sitz der UEFA. 1988 wurde das Centre d'enseignement secondaire supérieur (CESSOUEST) eröffnet. Seit 1886 befindet sich in Changins die Station fédérale de recherches agronomiques de Changins (RAC), die Eidgenössische landwirtschaftliche Forschungsanstalt.
Am 14. April 1858 wurde der Abschnitt Morges – Coppet der SBB-Linie Lausanne-Genf mit einem Bahnhof in Nyon in Betrieb genommen. Die Schmalspurlinie von Nyon nach Saint-Cergue, die auch Nyons Aussenquartiere erschliesst, wurde am 12. Juli 1916 eingeweiht. Von 1905 bis1962 war ferner die Bahnlinie von Nyon nach Divonne-les-Bains in Betrieb. Heute wird jedoch nur noch der Abschnitt bis Eysins für den Gütertransport genutzt.
Für die Feinverteilung im öffentlichen Verkehr sorgt das Stadtbusnetz von Nyon. Daneben gibt es Postautokurse in die umliegenden Gemeinden, nach Coppet, Gingins und Gimel. Ferner ist Nyon an das Schiffsverkehrsnetz auf dem Genfersee angebunden.
Im Lauf der Römerzeit löste Aventicum (Avenches) Colonia Iulia Equestris als wichtigste Stadt ab, in der spätrömischen Zeit gewann auch Genava (Genf) immer mehr an Bedeutung. Ein erstes Mal wurde die Stadt nach der Mitte des 3. Jahrhunderts zerstört, später aber wieder unter dem Namen Civitas Equestri aufgebaut. Die endgültige Verwüstung und Zerstörung der Stadt erfolgte dann im 5. Jahrhundert.
Mit der Eroberung der Waadt durch Bern im Jahr 1536 wurde Nyon zum Sitz der gleichnamigen Vogtei erhoben. 1711 wurde die Vogtei Bonmont von Nyon abgetrennt. Nach dem Zusammenbruch des Ancien régime gehörte die Stadt von 1798 bis 1803 während der Helvetik zum Kanton Léman, der anschliessend mit der Inkraftsetzung der Mediationsverfassung im Kanton Waadt aufging. Seit 1798 ist Nyon Hauptort des gleichnamigen Bezirks. Von 1781 bis 1813 erlangte die Stadt Weltbekanntheit als Sitz einer Porzellanmanufaktur.
Die Stadtanlage wurde auf den römischen Fundamenten aufgebaut und hat den ursprünglichen Grundriss bewahrt. Sie zeigt heute noch ein mittelalterliches Stadtbild mit charakteristischen Patrizierhäusern meist im spätgotischen Stil. Die Stadt wurde im 12. Jahrhundert unter den Herren von Prangins befestigt; aus dieser Zeit ist noch die Tour de César (auch Tour de Rive genannt) erhalten. Auch Teile der Ringmauer sind im Südosten der Altstadt sichtbar.
Die reformierte Stadtpfarrkirche Notre-Dame ging aus einer ehemaligen Prioratskirche hervor. Diese wurde im 12. Jahrhundert an der Stelle eines vermutlich vor 700 erbauten Gotteshauses errichtet. Der heutige Bau der Kirche stammt zum grössten Teil aus dem 14. Jahrhundert, Gewölbe und Seitenkapellen wurden 1471-81 erbaut. Aus der romanischen Zeit sind Teile des Chors und die Wandmalereien erhalten. Grössere Umbauten wurden im 18. und 19. Jahrhundert vorgenommen, der Glockenturm wurde 1934 neu gebaut.
Wiki3.JPG | Wiki5.JPG Das Schloss am Ostende der Altstadt wurde im 13. Jahrhundert erbaut. Es diente zunächst den Grafen und Herzögen von Savoyen, in der Berner Zeit den Landvögten als Residenz. Der ursprüngliche Bau wurde in der Zeit von 1574 bis 1583 stark erweitert und umgestaltet. Das Schloss zeigt einen viereckigen Grundriss mit vier Seitentürmen. Es beherbergt heute das Musée historique et des porcelaines (mit einer reichen Sammlung an Porzellan und Fayencen).
Zu den bedeutenden Bauwerken in der Altstadt zählen die Porte Sainte-Marie (aus dem 18. Jahrhundert), das Maison Bonnard mit einem Turm aus dem 15. Jahrhundert, das Hôtel de Ville (auch Maison Lancaster genannt) aus dem 16. Jahrhundert mit Sonnenuhren an der Fassade. Das ehemalige Kollegium ist ein klassizistischer Bau von 1784-92.
Das Quartier am Seeufer unterhalb der Altstadt aus dem 18. bis 19. Jahrhundert konzentrierte sich früher vor allem auf den Handel und das Gewerbe.
Auch Gebäude der modernen Architektur sind in Nyon zahlreich vertreten.
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