Polyamide (
Kurzzeichen PA) sind
thermoplastische
Kunststoffe. Sie bestehen aus organischen
Makromolekülen (
Polymere), deren
Monomer-Einheiten durch
Polykondensation zwischen einer
Carboxylgruppe und einer
Aminogruppe verknüpft werden.
Die dabei entstehende Bindung nennt man Peptidbindung. Sie ist
hydrolytisch wieder spaltbar.
Polyamide wurden im Jahr 1937 erstmals synthetisiert.
Es gibt drei Familien der Polyamide. Erstens können sie aus X-
Aminosäuren oder deren
Lactamen hergestellt und durch das Kurzzeichen PA
Z gekennzeichnet werden. Die Polymere dieser Typen haben die Form
.
Beispiele sind das Polycaprolactam (PA 6), Poly-11-aminoundecanamid (PA 11) und das Polylaurinlactam (PA 12). Die Zahl
Z gibt hierbei die Position der CO-Gruppe in der Kohlenstoffkette an, es gilt folglich
x=Z-1, also ist beim PA 6
x=5.
Die zweite Gruppe sind die aliphatischen Polyamide (PA Z1 Z2) aus unverzweigten Diaminen und Dicarbonsäuren. Deren Polymere haben die Form .
Beispiele hierfür sind das Polytetramethylenadipinamid (PA 4.6), das Polyhexamethylenadipinamid (PA 6.6) und das Polyhexamethylensebacinamid (PA 6.10). Es gilt x=Z1 und y=Z2-2.
Die dritte Gruppe sind die aromatischen Polyamide, die auch Polyarylamide oder Aramide (z. B. Kevlar) genannt werden. Ihre Monomere sind komplexer aufgebaut und enthalten als gemeinsames Merkmal einen Benzolring. Beispiele sind das PA 6I und das PA 6T.
In der Technik werden auch Copolymere aus diesen Gruppen gebildet und verwendet, z. B. PA6/6T.
PA 6 versus PA 6.6
Die zwei am häufigsten verwendeten Polyamide sind PA 6 und PA 6.6. Ihr Herstellprozess ist grundlegend verschieden:
- Polyamid 6 wird aus ε-Caprolactam hergestellt. Es entsteht (-NH-(CH2)5-CO-)n
- Polyamid 6.6 wird aus HMD (Hexamethylendiamin) und Adipinsäure hergestellt. Es entsteht durch eine Polykondensation unter Wasserabspaltung.
H2N-(CH2)6-NH2 + HOOC-(CH2)4-COOH
> (-NH-(CH2)6-NH-CO-(CH2)4-CO-)n+ 2n H2O
- Bei der Variante Polyamid 6.10 wird hingegen das HMD mit der Sebacinsäure HOOC(CH2)8COOH umgesetzt. Die Formel lautet: (OOC(CH2)8CONH(CH2)6NH)n
Polyamidfasern
- Nylon (duPont de Nemours)
- Perlon® (IG Farbenindustrie)
- Dederon (Markenname für PA 6-Fasern aus der DDR)
- Grilon® (Markenzeichen des Schweizer Polyamid-Produzenten EMS-CHEMIE
Weitere Handelsnamen waren oder sind: Dralon; Kevlar; Polycaprolactam; Caprolan® (Honeywell); Kapron; Silon; Danamid; Nivion; Enka®; Hydrofil (Honeywell); Dorlon (später Bayer-Perlon); Lamigamid (Schwartz); Anjamid (J&A Plastics)
Bekannte synthetische Vertreter der Polyamide sind unter den Namen Nylon (PA66), Perlon (PA6) und Kevlar im Handel. In der DDR war dieser Kunststoff als Dederon bekannt. Auch Proteine gehören chemisch zu den Polyamiden, auch wenn diese Benennung nicht üblich ist.
Perlon, Nylon und Dederon sind Warenzeichen für chemisch verwandte Kunstfaserprodukte. Perlon (PA 6) (auch: Nylon 6) wird durch Polymerisation von Caprolactam hergestellt. Es ist dem aus Adipinsäure hergestellten Nylon (PA 6.6) sehr ähnlich, nimmt jedoch leichter Farbstoffe auf und hat einen niedrigeren Schmelzpunkt.
Nylon
Der Name
Nylon wurde von der
E. I. duPont de Nemours für Fasern aus Polyamid 66 mit dem Ziel geprägt, ihn als
Synonym für „
Strümpfe“ zu etablieren. Er wurde jedoch aus firmenpolitischen Gründen nicht als
Warenzeichen geschützt. Später wurde er vor allem im angelsächsischen Sprachraum als Gattungsname für lineare aliphatische Polyamide verwendet. Es wurde am
28. Februar 1935 von Dr.
Wallace Hume Carothers bei E. I. du Pont de Nemours in
Wilmington (
Delaware,
USA)
patentiert. Es war damit die erste synthetische
Faser, die vollständig aus
anorganischen Stoffen (
Kohlenstoff,
Wasser,
Luft) hergestellt wurde. Nylon wurde zuerst für
Zahnbürsten und nicht für
Nylonstrümpfe verwendet. Es wird seit
1938 verkauft.
nylon.jpg
Etymologie
Entgegen landläufiger Meinung stammt der Name „Nylon“ nicht von „NY“ (New York) und „Lon“ (London), den ersten Orten, an denen Nylon produziert wurde. 1940 sagte John W. Eckelberry (DuPont), „nyl“ wäre eine wahllose Silbe, und „on“ wäre eine geläufige Endung für Fasern (z. B. „Cotton“). Später (Context, vol. 7, no. 2, 1978) erklärte DuPont, der Name sollte ursprünglich „No-Run“ (eine Anspielung auf „keine Laufmaschen“?) lauten, wurde dann aber aus Furcht vor gerichtlichen Auseinandersetzungen wegen falscher Behauptungen geändert. Darüber hinaus existiert als Erklärung für den Namen Nylon auch die These, der Erfinder des Materials, Wallace Carothers, hätte über den Erfolg der Faser mit dem Ausruf „Now You Lousy Old Nipponese“ (oder „Now You Look Old Nippon“) triumphiert - in Schadenfreude, endlich selbst eine Faser als Konkurrenz zur japanischen Naturseide entwickelt zu haben. Den Namen Nylon erhielt die Faser jedoch erst nach Carothers' Tod, so dass dies wohl eine Legende ist, die wahrscheinlich während des 2. Weltkriegs entstand, da es gerade zu dieser Zeit für die Alliierten besonders wichtig war einen Seidenersatz zur Herstellung von Fallschirmen zu haben.
Perlon
Perlon ist das
Warenzeichen einer
1938 von
Dr. P. Schlack für die
IG-Farbenindustrie AG in
Berlin, Deutschland, entwickelte
Kunststofffaser. Sie bestand aus Polyamid 6 und wurde als deutsche Alternative zu Nylon (Polyamid 6.6) schnell zum „kriegswichtigen Stoff“ erklärt. Während des
Zweiten Weltkriegs wurde Perlon zur Herstellung von
Fallschirmen,
Borsten zur Reinigung von
Waffen und in
Flugzeugreifen verwendet. Es wurde ab
1939 unter der Bezeichnung
Perlon L vermarktet. Erst
1943 begann die zivile Nutzung für
Damenstrümpfe.
Dederon
Dederon (bzw.
DEDERON) war der Handelsname von Polyamidfasern in der DDR. "DEDERON"-Fasern wurden u.a. im VEB Chemiefaserkombinat "Wilhelm Pieck" in Rudolstadt hergestellt.
"Dederon" ist ein nach dem Vorbild "Perlon" geprägtes Kunstwort, das sich aus DDR und "on" zusammensetzt.
Besondere Bekanntheit erlangte Dederon durch die berühmten Kittelschürzen und Einkaufsbeutel.
Kompaktes Polyamid
Handelsnamen für nichtfasrige Polyamide sind
Miramid,
Durethan (
Lanxess) und
Ultramid (
BASF). Diese Materialien können wiederum mit Fasern, meist Glasfasern, verstärkt werden
Eigenschaften
Polyamide sind teilkristallin. Synthetische Polyamide haben eine hohe
Festigkeit,
Steifigkeit und sehr gute
chemische Beständigkeit. Außerdem haben sie einen hohen
Verschleißwiderstand und gute
Gleiteigenschaften. Dies macht sie für die
Implantattechnologie interessant.
Durch Faserverbunde mit Glas- oder Kohlefasern lassen sich die mechanischen Eigenschaften gut anpassen und z. B. Hydrolyseerscheinungen verringern. Auch die sonst relativ hohe Wasseraufnahme von bis zu drei Massenprozent kann so gesenkt werden.
Aus Polyamid 6 und 6.6 erzeugte Fasern sind stark, zäh, elastisch und hochglänzend (daher wohl auch der Name).
- Allgemeine Formel: (C6H11NO)n,
- Kurzzeichen: PA nach DIN 60 001 Teil 4
- CAS-Nr.: 25038-54-4,
- Schmelzpunkt: 215 °C (PA-6),
- Dichte (luftfeucht): 1.140 kg/m³ (PA-6 und PA-66),
Wasseraufnahme
Eine Besonderheit der Polyamide im Vergleich zu vielen anderen Kunststoffen besteht darin, dass sie ca. 3,5-4,5 Vol.%
Wasser einlagern können. Das Wasser wird nicht chemisch gebunden, sondern
permeiert zwischen den Molekülketten hindurch. Dies ist mit einer makroskopisch spürbaren Volumenvergrößerung (sog.
Quellung) verbunden. Dadurch ergeben sich deutliche Veränderungen der mechanischen Eigenschaften: So ist Polyamid im absolut trockenen Zustand nach der Verarbeitung (
Spritzgießen,
Extrudieren) relativ wenig schlagzäh und die für Polyamide typische hohe
Schlagzähigkeit wird erst nach Wasseraufnahme entwickelt.
Es sind Additive auf Polyolefin-Basis entwickelt worden, um auch im trockenen Zustand hohe Schlagzähigkeit zu gewährleisten. Dieser Effekt ist auch dafür verantwortlich, dass Nylonstrümpfe zumeist im fabrikneuen Zustand am leichtesten Laufmaschen bekommen, wenn sie jedoch die erste Wäsche überstanden haben, viel haltbarer sind.
Erkennung
Polyamid lässt sich auf einfache Weise mit wenigen Hilfsmitteln identifizieren.
Am einfachsten ist die
Brennprobe. Ein kleiner Abschnitt des zu untersuchenden Kunststoffteils wird entzündet. PA brennt mit gelblicher, etwas unruhiger Flamme, wobei das verbrennende Material etwas schäumt und braunschwarze Ränder bildet. Bläst man die Flamme aus, riecht der Rauch leicht hornartig. PA lässt sich mit
Ameisensäure anlösen und damit auch kleben.
Verwendung
Heute findet Polyamid überwiegend zur Herstellung von Faserwerkstoffen Verwendung:
Außerdem findet es Verwendung zur Herstellung von unzerbrechlichen Haushaltsgegenständen und technischen Teilen, die sehr abriebfest sein müssen (Gleitlager):
Aufgrund seiner Beständigkeit gegen Schmier- und Kraftstoffe bei Temperaturen bis über 150 °C wird es auch im Fahrzeugbau eingesetzt:
- Ansaugsysteme
- Kraftstoffleitungen
- Motorabdeckungen
Auch in der Waffentechnik finden Polyamide Verwendung
- Das Griffstück der GLOCK 17 besteht zu einem großen Teil aus PA66
Färben von Polyamidfasern
PA6 und PA6.6 sind die mit Abstand am häufigsten vorkommenden PA-Typen für Textilien. Die Feinheiten der verwendeten Fasern sind dabei sehr unterschiedlich, z.B. werden für Teppichware gröbere Fasern verwendet und für Sportbekleidung feinere. Hierfür sind in den letzten Jahren (ab ca. 1996) auch Microfasern mit nochmals reduziertem
Titer auf den Markt gekommen. Die Fasern kommen entweder als spinndüsengefärbtes Material oder als rohweißes Fasermaterial vor. Das rohweiße Fasermaterial kann dann, je nach Wunsch, in den verschiedenen Aufmachungsstufen (Flocke, Garn, Stück) eingefärbt werden. Zur Verwendung kommen Säure- bzw. Metallkomplexfarbstoffe. Auch lässt sich Polyamid mit Dispersions- und Direktfarbstoffen färben, die erzielten Echtheiten sind aber in der Regel deutlich schlechter.
Siehe auch
Weblinks
- Die Nylon-Geschichte (engl.)
- Deutsches Strumpfmuseum – anschaulicher Artikel über die technische Herstellung, mit zahlreichen Bildern.
- Industrievereinigung Chemiefaser – einige Informationen über die Eigenschaften sowie die Geschichte von Perlon.
- Herstellung allgemein (mit Formeln): http://dc2.uni-bielefeld.de/dc2/wsu-teok/kap_0512.htm (Suchbegriff Nylon)
- Herstellung aus nachwachsenden Rohstoffen: http://dc2.uni-bielefeld.de/dc2/wsu-teok/kap_06.htm (Suchbegriff Nylon)
Kunststoff | Faser | Stoffgruppe | Chemische Verbindung
Poliamida | Polyamide | Poliamida | Polyamidi | Polyamide | Poliamid | Polyamid