article

In der ökonomischen Theorie versteht man unter dem Nutzen das Maß für die Fähigkeit eines Gutes oder einer Gütergruppe, die Bedürfnisse eines wirtschaftlichen Akteurs (z. B. eines Privathaushalts) zu befriedigen. Nutzen ist somit ein Maß für Zufriedenheit und Glück. Ist der Nutzen eines Gutes oder einer Verhaltensweise aufgrund von Unsicherheit nicht exakt zu quantifizieren, so spricht man vom Erwartungsnutzen. Dem Nutzen stehen die Kosten entgegen. Die Differenz zwischen Nutzen und Kosten wird auch als Nettonutzen bezeichnet.

Begrifflichkeit


Der Begriff des Nutzens kann zum einen verwendet werden zur Erklärung menschlichen Handelns, z. B.: „Die Individuen verhalten sich so, dass sie ihren Nutzen maximieren.“ Zum andern kann der Begriff des Nutzens verwendet werden zur Bewertung von Alternativen, z. B.: „Wenn ein Zustand Z für das Individuum A einen größeren Nutzen hat als der bestehende Status quo, dann bedeutet die Verwirklichung von Z eine Verbesserung für das Individuum A.“

Diese positiv-normative Doppelfunktion des Nutzenbegriffs wird z. B. bei der modelltheoretischen Rechtfertigung der Marktwirtschaft verwendet. Wenn sich Konsumenten und Produzenten unter Konkurrenzbedingungen nutzenmaximierend verhalten, dann besteht die Tendenz zu einem Gleichgewicht, z. B. sind dann Angebot und Nachfrage ausgeglichen (positive, erklärende Verwendung des Nutzenbegriffs).

Dieser Gleichgewichtszustand ist zugleich optimal, insofern als er so beschaffen ist, dass man kein Individuum besser stellen kann, ohne dadurch ein anderes Individuum schlechter zu stellen (normative, wertende Verwendung des Nutzenbegriffs).

Ähnliche theoretische Modelle unter Verwendung des Nutzenbegriffs finden sich z. B. auch in der Politikwissenschaft. Dies zeigt die große Bedeutung des Nutzenbegriffs.

Nutzenquantifizierung


Man unterscheidet zwischen der kardinalen und der ordinalen Nutzentheorie. Das Konzept der kardinalen Nutzenmessung misst der Nutzendifferenz zweier Güterbündel eine Bedeutung zu, wohingegen die ordinale Nutzenmessung der Nutzendifferenz zweier Güterbündel keine wesentliche Aussagekraft beimisst.

Eine ordinale Nutzenfunktion dient dem Zweck, die Konsumpräferenzen eines Konsumenten analytisch darzustellen. Mit der ordinalen Nutzentheorie begegnet man der Kritik, dass Nutzenvorstellungen verschiedener Individuen nicht quantifizierbar sind.

Um eine kardinale Nutzenmessung zu ermöglichen, versucht man oft, den Nutzen durch Geldflüsse zu approximieren. Dabei stellt der Umsatz i. d. R. den Nutzen dar, der Gewinn den Nettonutzen. Somit ist der Nutzen eine wichtige Größe zur Messung der Wirtschaftlichkeit einer Unternehmensentscheidung, da er eine rationale Entscheidungsfindung unterstützt. Zu beachten bleibt jedoch, dass keine Annahmen über die Art der eigenen Präferenzen gemacht werden (insbesondere ist Rationalität nicht gleichbedeutend mit Egoismus, Kapitalismus, etc.).

Volkswirtschaftlicher Nutzen


Das Streben der Haushalte nach Nutzenmaximierung ist eine der zentralen Annahmen der Volkswirtschaftslehre. In der Mikroökonomie wird dies beispielsweise durch das Haushaltsoptimum modelliert. Nach Samuelson (1973) zeigt die Tatsache, dass ein bestimmtes Güterbündel einem anderen vorgezogen wird, dass das präferierte einen höheren Nutzen stiftet. Dieser Nutzen wird auch als Entscheidungsnutzen bezeichnet. Nach dem hedonistischen Konzept spricht man vom erfahrenen Nutzen.

Mathematisch lässt sich der Nutzen in Form einer Nutzenfunktion darstellen. Entscheidendes Kriterium ist dabei oft der Grenznutzen.

Betriebswirtschaftlicher Nutzen


Das Nutzenschema der Nürnberger Schule nach Vershofen repräsentiert einen anderen Nutzenbegriff, wie er in der Betriebswirtschaftslehre verwendet wird. Dabei wird ein Gut nicht als Ganzes betrachtet, sondern es werden die einzelnen Attribute hinsichtlich ihres Nutzens bewertet, der in einen technisch-funktional ausgerichteten Grundnutzen und einem emotionalen Zusatznutzen aufgeteilt werden kann. Dabei ist es für den Haushalt nicht entscheidend, ob der Nutzen lediglich ordinal als mehr oder weniger oder kardinal als quantifizierbare Einheit gemessen wird. Der betriebswirtschaftliche Nutzenbegriff wird z. B. für die Erforschung des Kaufverhaltens oder das Produktdesign verwendet.

Siehe auch


Wirtschaft | Ethisches Gut

Užitek | Utility | مطلوبیت | Utilité | 効用 | 효용 | 效用

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Nutzen".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld