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Die Nuraghenkultur auf Sardinien entwickelte sich etwa um 1.800 v. Chr. während der Bronzezeit aus der Bonnanaro-Kultur. Sie wurde nach den von ihr errichteten Steintürmen, den Nuraghen benannt. Die Nuragher bauten aber auch Gigantengräber (Madau, Muraguada) und sie prägten die Spätform der sardischen Felsgräber (Mesu ´e Montes, Molafa). Aufgrund der chronischen Wasserarmut der Insel ist für die Kultur auch ein ausgeprägter Wasserkult, der sich an Quell- und Brunnenheiligtümern (Sa Testa, St. Cristina, St. Vittoria, Su Tempiesu etc.) aber auch an Nuraghenstandorten zeigt (Is Paras, Noddule) typisch.

Die Nuragher pflegten ab etwa 1.600 v. Chr. wirtschaftliche Beziehungen zum östlichen Mittelmeerraum (Minoer und Mykener). Barren in Form einer Ochsenhaut waren zu dieser Zeit die typische Handelsform für Kupfer im Mittelmeerraum. Der Ursprung wird auf Zypern vermutet. Die meisten wurden aber auf Sardinien gefunden, wo nur wenig Kupfer gefördert wurde. Eine Spurenelementanalyse und massenspektrometrische Untersuchung von spätbronzezeitlichen Kupfer- und Bronzefunden aus Sardinien sowie von Kupfererzen erbrachte das Ergebnis, dass sämtliche sardischen Ochsenhautbarren von Zypern stammen, während die respektabelen Kupfer- und Bronzegegenstände der Nuragher aus einheimischem Kupfer gefertigt sind. Einen Kupferexport von Sardinien aus gab es selbst in der späten Bronzezeit also nicht. Kupfer war auf Sardinien sehr begehrt, womit die Nuragher im Gegenzug Handel trieben Mykonos, Zypern bleibt aber offen. In der Spätphase entstanden, besonders in der Provinz Nuoro, Nuraghensiedlungen, eine andere, zum Teil nuraghenlose Form der Kultplatzgestaltung, Zwischen 1.200 - 900 v. Chr. entstehen Nuraghen-Komplexe wie Barumini, Santu Antine und Sa Domu e S'Orcu in Orroli, sowie die Brunnenheiligtümer. Von 1000-700 v. Chr. wird die Nuraghenkultur eisenzeitlich. Zwischen 900 - 500 v. Chr. entstehen Dörfer wie Serra Orrio, Barumini und Tiscali. Als die mykenische Kultur ca. 1050 v. Chr. endgültig unterging, gewannen die Phönizier die Seeherrschaft im Mittelmeer. Sie errichteten um ab 650 v. Chr. mit Einverständnis der Nuragher Niederlassungen auf Sardinien, begannen aber 550 v.Chr. die Insel zu kolonialisieren. Die in Bedrängnis geratenden Nuragher griffen die Nachfolger der Phönizier, die Punier, 509 v. Chr. an und waren auch siegreich. Es folgte letztlich aber doch eine großräumige Besetzung durch die Karthager (von den Römern Punier genannt). Zwischen 500 und 238 v. Chr. brachten sie die für sie interessanten Teile, mehrheitlich auf der Westhälfte der Insel, unter ihre Herrschaft und errichteten Orte (Bosa, Bythia (Chia), Cagliari, Cornus, Nora, Olbia, Sulci (Sant´Antioco) und Tharros). Das führte auch zu ethnischen und kulturellen Verschmelzungen, die Nuraghenkultur ging dabei unter.

Die Bautechniken der zeitgleichen Torre-Kultur auf Korsika, der Sesioten auf Pantelleria sowie der Talayot-Kultur auf den Balearen sind vergleichbar mit denen der Nuragher.

Literatur


  • Walkowitz J.E.: Das Megalithsyndrom. 2003. ISBN 3-930036-70-3

Weblink zum Kupfer


http://www.am.tu-freiberg.de/forschung/projekte/sardinien95.html

Europäische Ethnie | Sardinien (Geschichte und Kultur)

 

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