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Der Apostolische Nuntius (ital. Nunzio Apostolico; (lat. Bote)) ist der ständige Vertreter des Heiligen Stuhles - und nicht des Staates der Vatikanstadt, was einen völkerrechtlichen Unterschied bedeutet - bei der jeweiligen Ortskirche und den Staaten. Er steht seit dem Wiener Kongress 1815 im Rang eines Botschafters. Außerdem vertritt er den Papst bei den jeweiligen Bischofskonferenzen. Der Sitz eines Nuntius wird Apostolische Nuntiatur genannt. Ein Nuntius muss vom aufnehmenden Staat akkreditiert werden.

In vielen Staaten (zum Beispiel in Deutschland) ist der Nuntius aufgrund eines Konkordats Doyen (frz.: = Dekan) des Diplomatischen Korps und hat als "Primus inter Pares" einige Ehrenrechte. Dies geht auf den lang anhaltenden Streit der Staaten zurück, wem der erste Platz einzuräumen sei. Man löste dies durch das Wiener Abkommen, in dem man dem Vertreter des Papstes dieses Vorrecht einräumte. Der Doyen spricht bei offiziellen Anlässen als Vertreter des gesamten diplomatischen Korps und vertritt insbesondere die Interessen der kleineren Staaten. In Staaten, in denen der Nuntius nicht Doyen des Diplomatischen Korps ist, trug der Vertreter des Heiligen Stuhls den Titel "Pro-Nuntius", war er bei mehreren Staatsoberhäuptern akkreditiert, nannte er sich "Internuntius". Beide Bezeichnungen wurden abgeschafft, so dass heute alle diplomatischen Vertreter des Papstes den Titel eines Apostolischen Nuntius führen. Ist der Gesandte des Papstes nicht beim Staatsoberhaupt oder bei der Regierung des Aufnahmestaates akkreditiert, sondern pflegt nur den Kontakt zu den kirchlichen Institutionen und Personen, so heißt er Apostolischer Delegat.

Apostolische Nuntien sind erst seit Ende des Dreißigjährigen Krieges für gewöhnlich Titularerzbischöfe mit dem Prädikatstitel Hochwürdigste Exzellenz.

Viele Staaten unterhalten im Gegenzug auch diplomatische Vertretungen (Missionen) beim Heiligen Stuhl.

Apostolische Nuntien in der Bundesrepublik Deutschland


Geschichtliche Eckdaten
Die Apostolische Nuntiatur hatte ihren Sitz zunächst in Bonn. Residenz war der Turmhof in Bad Godesberg–Plittersdorf. Nach dem Berlin Hauptstadt wurde, zog auch die Apostolische Nuntiatur im Jahre 2001 dorthin um.

Verzeichnis der Nuntien in der Bundesrepublik Deutschland

Literatur
  • Apostolische Nuntiatur Berlin (Hrsg.): Die Apostolische Nuntiatur in Berlin (anlässlich des Neubaus der Apostolischen Nuntiatur in Berlin im Jahr 2001); Regensburg: Schnell und Steiner, 2002, ISBN 3-7954-1533-0
  • Herbert Alsheimer: Der Vatikan in Kronberg: ein Unikat in der deutschen Nachkriegsgeschichte; Frankfurt am Main: Kramer, 2003, ISBN 3-7829-0539-3
  • Michael F. Feldkamp: Die Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland zum Heiligen Stuhl 1949-1966. Aus den Vatikanakten des Auswärtigen Amts. Köln, u.a.: Böhlau-Verlag 2000, ISBN 3-412-03399-5

Apostolische Nuntien in München


Geschichtliche Eckdaten
Die Apostolische Nuntiatur in München wurde 1785, auf dem Höhepunkt des sog. Nuntiaturstreits, gegründet und nach wenigen Jahren des Bestehens 1818 wiedererrichtet. Sie wurde 1934 aufgehoben.

Verzeichnis der Päpstlichen Nuntien in München 1785-1800 und 1818-1934

Literatur
  • Michael F. Feldkamp: Die Aufhebung der Apostolischen Nuntiatur in München 1934: mit einem Anhang der Amtsdaten der Nuntien, Internuntien und Geschäftsträger 1786 - 1934. In: Im Gedächtnis der Kirche neu erwachen. Studien zur Geschichte des Christentums in Mittel- und Osteuropa. Festgabe für Gabriel Adriányi, hrsg. Reimund Haas, Karl Josef Rivinius und Hermann-Josef Scheidgen (Reihe: Bonner Beiträge zur Kirchengeschichte, Bd. 22), Köln u. a., Böhlau-Verlag 2000, S. 185-234

Apostolische Nuntien in Preußen


Geschichtliche Eckdaten
Verzeichnis der Nuntien in Preußen

Apostolische Nuntien beim Deutschen Reich


Geschichtliche Eckdaten
Verzeichnis der Nuntien beim Deutschen Reich

Das Deutsche Reich unterhielt - nach einem Befehl von Adolf Hitler - nur für das Gebiet des "Altreiches" diplomatische Beziehungen mit dem Vatikan. Da der Vatikan noch einen - vor der Besetzung akkreditierten - Nuntius in Polen hatte (1936-1947 Filippo Cortesi, Titularerzbischof von Syracus, 1943-1953 geschäftsführend William Godfrey, Titularerzbischof von Cio) und eine Anerkennung der Besetzungen bzw. Anschlüsse ans Reich bis zur Beendigung von Kriegshandlungen ablehnte, argumentierte Hitler, dass z.B. die von ihm besetzten polnischen Gebiete (die nach Ansicht des Vatikans noch den Polen gehörten) sowie die östlichen Anschlussgebiete (die Reichsgaue Danzig-Westpreußen, Wartheland, Sudetenland) nicht unter die Regelungen des Reichskonkordats fallen würden, somit der in Deutschland akkreditierte Nuntius Cesare Orsenigo (1930-1945) für diese Gebiete nicht zuständig sei. In diesen Gebieten wurden von den Nationalsozialisten jedoch keine Nuntien oder ähnliche Einrichtungen zugelassen; zuständig dafür waren von deutscher Seite der Leiter der NSDAP-Parteikanzlei (Martin Bormann), von kirchlicher Seite die örtliche Kardinäle, Bischöfe usw.. Inoffiziell gab es in humanitären Angelegenheiten - außer es betraf Juden - dennoch Kontakte zwischen Orsenigo und dem deutschen Außenministerium.

Apostolische Nuntien in Köln


Geschichtliche Eckdaten
Päpstliche Sondergesandte kamen wiederholt an den Hof des Kölner Kurfürsten. Die Kölner Nuntiatur wurde jedoch erst 1584 als ständige päpstliche Gesandtschaft bzw. Nuntiatur eingerichtet. Über Jahrzehnte stand der Reformgedanke des Trienter Konzils (1545-1563) im Vordergrund der Arbeit der Kölner Nuntiatur. Zu den wenigen herausragenden Ereignissen in der Geschichte der Kölner Nuntiatur zählten gelegentliche Reisen der Nuntien zu Reichstagen (1594 und 1622) und zu den Kaiserwahlen nach Frankfurt (1612 und 1658) sowie die Teilnahme an den Friedenskongressen in Münster (1644-1648), Aachen (1668), Köln (1673-1674) und Utrecht (1713). Der Einzugsbereich der Kölner Nuntiatur umfasste in seinen äußeren Grenzen die Diözesen Würzburg im Süden, Osnabrück, Paderborn und Hildesheim sowie Lüttich und Aachen im Westen. Juristisch zählten zwar die nordischen Missionsgebiete in Nord- und Mitteldeutschland, sowie zeitweise Schweden und Dänemark zum Nuntiatursprengel. Im Kern galt jedoch den drei geistlichen Kurerzbistümern Mainz, Trier und Köln das Interesse der Kölner Nuntien. Die Nuntiatur fand ihr Ende mit der Besetzung der Stadt Köln durch die Franzosen 1795.

Verzeichnis der päpstlichen Sondergesandten in Köln seit Schaffung des Instituts der "ständigen Nuntien" (1500) und vor Errichtung der Kölner Nuntiatur (1584)

Verzeichnis der ständigen Nuntien in Köln 1584-1794

Literatur
  • Michael F. Feldkamp: Die Erforschung der Kölner Nuntiatur: Geschichte und Ausblick. Mit einem Verzeichnis der Amtsdaten der Nuntien und Administratoren (Interimsverwalter) der Kölner Nuntiatur (1584-1794). In: Archivum Historiae Pontificiae (Hrsg. Pontif. Univ. Gregoriana) vol. 28 (1990), S. 201-283
  • Michael F. Feldkamp: Studien und Texte zur Geschichte der Kölner Nuntiatur, Bd. 1: Die Kölner Nuntiatur und ihr Archiv. Eine archiv und quellenkundliche Untersuchung; Bd. 2: Dokumente und Materialien über Jurisdiktion, Nuntiatursprengel, Haushalt, Zeremoniell und Verwaltung der Kölner Nuntiatur (1584-1794); Bd. 3: Inventar des Fonds »Archivio della Nunziatura di Colonia« im Vatikanischen Archiv; Bd. 4: Die Instruktionen und Finalrelationen der Kölner Nuntien von 1651 bis 1786 (Reihe: Collectanea Archivi Vaticani, Bd. 30-33), Città del Vaticano 1993-2006

Apostolische Nuntien am polnischen Königshof


Geschichtliche Eckdaten
Verzeichnis der Nuntien am polnischen Königshof
Alberico (auch: Alberigo) Archinto (*1698, †1758) war Nuntius beim polnischen König in Warschau, August III. (als Kurfürst von Sachsen Friedrich August II.). Aufgrund der sächsisch-polnischen Union hielt sich Archinto auch am Dresdner Hof des polnischen Königs auf und wird daher als "Nuntius am Hof in Dresden" bezeichnet. Später wurde Alberico Archinto zum päpstlichen Staatssekretär und Vizekanzler im Vatikan ernannt.

Literatur
  • Heinricus Damianus Wojtyska: De fontibus eorumque investigatione et editionibus instructio ad editionem Nuntiorum series chronologica (Reihe: Acta nuntiaturae Polonae, vol. 1), Roma, Edition Lanckoronski, 1990

Apostolische Nuntien in der Republik Österreich


Geschichtliche Eckdaten
Verzeichnis der Nuntien in der Republik Österreich

Literatur

Apostolische Nuntien am österreich-ungarischen Hof in Wien


Geschichtliche Eckdaten
Verzeichnis der Nuntien am Kaiserhof in Wien

Literatur
  • Donato Squicciarini: Die apostolischen Nuntien in Wien; Vatikanstadt: Libr. Ed. Vaticana, 2. Aufl. 2000, ISBN 88-209-7055-4

Apostolische Nuntien in der Schweiz


Geschichtliche Eckdaten
Verzeichnis der Nuntien in der Schweiz

Literatur
  • Kuno Bugmann (Bearb.): Schweizerische Kardinäle. Das apostolische Gesandtschaftswesen in der Schweiz; (Reihe: Helvetia sacra, Abt. 1, Erzbistümer und Bistümer, Bd. 1); Bern: Francke, 1972
Literatur

Apostolische Nuntien im Fürstentum Liechtenstein


Geschichtliche Eckdaten
Verzeichnis der Nuntien in Lichtenstein
Literatur

Apostolische Nuntien in Luxemburg


Geschichtliche Eckdaten
Verzeichnis der Nuntien in Luxemburg
Literatur

Apostolische Nuntien in den Niederlanden


Geschichtliche Eckdaten

Verzeichnis der Nuntien in den Niederlanden
Literatur

Apostolische Nuntien bei der Europäischen Gemeinschaft (EG)/ Europäischen Union (EU)


Geschichtliche Eckdaten
Verzeichnis der Nuntien bei der EG
Literatur

Apostolische Nuntien (Ständige Beobachter) bei den Vereinten Nationen


Geschichtliche Eckdaten
Der Vatikan (völkerrechtlich: der Heilige Stuhl) ist zwar weltweit anerkannter Staat, aber kein Vollmitglied der Vereinten Nationen. Er ist aber seit 1964 durch einen "Ständigen Beobachter" im Rang eines Erzbischofs an den UN-Sitzen in New York und Genf sowie bei den UN-Unterorganisationen vertreten, seit 1948 bei der Welternährungsorganisation FAO, seit 1951 bei der UNESCO. Der Grund dafür ist Wahrung der Neutralität und die Vermittlerrolle des Vatikans vor allem bei kriegerischen Auseinandersetzungen.
Verzeichnis der Nuntien bei den Vereinten Nationen
Literatur

Siehe auch


Staatskirchenvertrag, Preußen-Konkordat, Reichskonkordat, Apostolisches Vikariat des Nordens (für Mecklenburg), Liste der Titularbistümer

Literatur (allgemein)


  • Hendrik van Bergh: Botschafter des Papstes. 400 Jahre Nuntius in Deutschland; Berg: Türmer, 1984, ISBN 3-87829-084-5
  • Henri Biaudet: Les nonciatures apostoliques permanentes jusqu’en 1648 (Reihe: Annales Academiae scientiarum Fennicae, ser. B., tom. 2,1), Helsingfors 1910
  • Liisi Karttunen: Les nonciatures apostoliques permanents de 1650 à 1800 (Reihe: Annales Academiae Scientiarum Fennicae, B/V/3), Genève 1912.
  • Alexander Koller (Hrsg.): Kurie und Politik. Stand und Perspektiven der Nuntiaturberichtsforschung (Reihe: Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom, Bd. 87), Tübingen, Niemeyer, 1998
  • Markus Nagler: Das päpstliche Gesandtschaftsrecht unter besonderer Berücksichtigung der Apostolischen Nuntiatur in Deutschland; Freiburg (Breisgau), Univ., Diss., 2000
  • Anton Pieper: Die päpstlichen Legaten und Nuntien in Deutschland, Frankreich und Spanien seit der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts; Münster: Aschendorff, 1897
  • Repertorium der diplomatischen Vertreter aller Länder seit dem Westfälischen Frieden (1648), Bd. 1: 1648-1715, hrsg. von Ludwig Bittner und Lothar Gross, Oldenburg-Berlin 1936; Bd. 2: 1716-1763, hrsg. von Friedrich Hansmann, Zürich 1950; Bd. 3: 1764-1815, hrsg. von Otto Friedrich Winter, Graz-Köln 1965
  • Knut Walf: Die Entwicklung des päpstlichen Gesandtschaftswesens in dem Zeitabschnitt zwischen Dekretalenrecht und Wiener Kongress (1159-1815); München: Hueber, 1966

Weblinks


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