Die Numismatik (von lateinisch nummus „Münze“ bzw. griechisch nómos „(Silber-)münze“), auch Münzkunde genannt, ist die wissenschaftliche Beschäftigung mit Geld und seiner Geschichte. Oft wird auch das Sammeln von Münzen als Hobby Numismatik genannt. 143 Dalmatius.jpg ]]
Bei Epochen, in denen wenige schriftliche Quellen existieren, haben Münzen einen hohen Wert als Quellen zur Chronologie sowie zur Wirtschafts- und Kulturgeschichte. Dies gilt besonders für das griechische und römische Altertum und für Gebiete außerhalb der antiken Mittelmeerkulturen (z.B. die Reiche der Parther und Skythen), aber auch für das Früh- und Hochmittelalter.
Für diese Perioden sind vor allem Münzfunde, d.h. Münzen, die bei Ausgrabungen zusammen mit anderen Objekten gefunden werden oder als Schatzfunde zufällig entdeckt werden, nicht nur wichtige Datierungshilfen für die zeitliche Einordnung archäologischer Befunde, sondern eine erstrangige historische Quelle. Hier hat sich eine eigentliche Fundmünzennumismatik herausgebildet, die heute den dynamischsten und methodisch innovativsten Teil des Fachs bildet, denn bis heute vermehrt sich das Quellenmaterial der Münzfunde ständig.
Seit dem Mittelalter, d.h. mit der zunehmenden Dichte an schriftlichen Quellen, ist die Numismatik besonders verzahnt mit der Geldgeschichte, für die es sowohl historische als auch volkswirtschaftliche Erscheinungsformen gibt. Einen gewissen Endpunkt für die Numismatik setzt die neueste Zeit mit der stark zurückgehenden Bedeutung des Münzgeldes.
Einerseits eine hochspezialisierte historische und archäologische Teildisziplin, hat die Numismatik andererseits zahlreiche Verbindungen zu Nachbarfächern wie der Wirtschafts- und Sozialgeschichte, der Kunstgeschichte oder der Namenkunde.
Münzen sind gleichförmige Massenprodukte, die in großer Zahl überliefert sind. Darin ähneln sie etwa der archäologischen Fundgruppe der Keramik. Dennoch ist jede Münze, bedingt durch die Produktionsweise, ein Individuum mit speziellen Merkmalen (Prägefehler, Materialfehler und Unregelmäßigkeiten), die für eine Auswertung verwendet werden können.
Die wichtigste numismatische Methode, die der Rekonstruktion der ursprünglichen Abfolge der Münzprägung dient, ist die Stempelanalyse. Sie basiert auf der Beobachtung, dass jede (zweiseitige) Münze aus einem Vorder- und einem Rückseitenstempel hergestellt ist. Die beiden Stempel, bei der Hammerprägung als Ober- und Unterstempel verwendet, nutzen sich ungleichmäßig ab. Der Oberstempel muss meist früher ersetzt werden als der Unterstempel. Das führt zu unterschiedlichen sog. «Stempelkombinationen»; die verschiedenen Kombinationen bilden aneinandergereiht die Stempelkette und diese wiederum entspricht der Reihenfolge bei der Produktion der einzelnen Münzen. Die Stempelanalyse wurde im 19. Jahrhundert erstmals verwendet und von Friedrich Imhoof-Blumer in die griechische Numismatik eingeführt.
Daneben sind Typologie und Stilanalyse wichtige Methoden, um Chronologie und Zusammengehörigkeit von Münztypen zu erschliessen. Die Grenzen all dieser Methoden liegen in der Tatsache, dass nur eine verschwindend geringe Zahl der ursprünglich geprägten Münzen überhaupt überliefert sind; Schätzungen aufgrund von Münzfunden lassen vermuten, dass wir heute nur mehr etwa 1 Promille der ursprünglich gesprägten Münzen zur Verfügung haben. Eine wichtige Rolle spielen heute auch naturwissenschaftliche Untersuchungen wie Metallanalysen, die Aufschlüsse zur Herkunft des Münzmetalls geben, aber auch zu Fragen der Münzpolitik (Veränderungen des Feingehalts im Rahmen von Abwertungen z.B.) Auskunft geben können.
Die Fundmünzennumismatik beschäftigt sich weniger mit der einzelnen Münze als vielmehr mit Münzgruppen in Form der verschiedenen Kategorien von Münzfunden. Sie untersucht die Verteilung und geographische Verbreitung von Münztypen im Hinblick auf Fragen des Geldumlaufs und der Wirtschafts-, Verkehrs- und Handelsgeschichte (Wirtschaftsräume, Niederschlag von Handels- und Verkehrswegen etc.).
Die Numismatik wird aber nicht nur an den Museen intensiv betrieben. Daneben liefern immer auch gelehrte Sammler, die oft zu den besten Kennern ihrer jeweiligen Spezialgebiete gehören, wichtige Beiträge zur Forschung, meist in Form von Detailstudien oder Münzkatalogen.
Im traditionellen Fächerkanon der universitären Bildung wird die Numismatik als Teil der Historischen Hilfswissenschaften angesehen und entsprechend an den Universitäten im Rahmen der Geschichte und der klassischen Altertumswissenschaften betrieben. Die Numismatik ist dort bis heute eher randständig geblieben; im deutschsprachigen Raum gibt es für Numismatik nur einen einzigen Lehrstuhl (in Wien); an der Johann-Wolfgang von Goethe-Universität in Frankfurt a.M. gehört die Numismatik zum Lehrstuhl für Geschichte und Kultur der Römischen Provinzen und Hilfswissenschaften der Altertumskunde.
Nur an diesen beiden Orten ist es heute möglich, Numismatik als Fach zu studieren. An verschiedenen Universitäten, in Deutschland etwa in Berlin, Dresden, Marburg, München, Münster und Tübingen, gibt es jedoch regelmäßige Lehrangebote und z.B. in München auch die Möglichkeit einen numistmatischen Schwerpunkt im Magisterabschluss oder der Promotion zu legen. In Köln kann Numismatik der Antike im Rahmen eines Magisterstudienganges als Nebenfach belegt werden. Für die Schweiz wären hier die Universitäten Basel und Zürich, in Österreich die Universität Salzburg zu nennen.
Die ersten Versuche, sich wissenschaftlich mit Münzen zu beschäftigen, datieren zurück in das 14. und 15. Jahrhundert. Aus dieser Zeit kennt man etwa den Dichter Petrarca und den Bischof Stefan Mathias von Neidenburg, von denen jeder eine umfangreiche Sammlung historischer Münzen oder, wie es damals hieß, «Münzen aller Länder» besaß. In Deutschland gehörten die aufstrebenden Landesfürsten zu den ersten bedeutenden Münzsammlern. So gehen große Münzkabinette wie die Staatliche Münzsammlung in München, das Münzkabinett der Kunstsammlungen in Dresden, das Münzkabinett des Württembergischen Landesmuseums und das Berliner Münzkabinett in ihrem Kern auf solche Fürstensammlungen zurück.
In Österreich war eine Münzsammlung schon im 16. Jahrhundert Teil der Kunstkammer der Habsburger-Kaiser; besonders Rudolf II. erwarb eine große Zahl von Münzen. In der Schweiz stehen die Bürgerbibliotheken des 16. Jahrhunderts am Beginn der späteren Münzkabinette. Nur in Basel sind diese Anfänge mit einer bestimmten Person, dem Humanisten und Sammler Basilius Amerbach, verknüpft.
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