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Mitte: Nowaja Semlja. Rechts: Jamal-Halbinsel und Obbusen.]]
Nowaja Semlja (neues Land; russisch Новая Земля; wissenschaftliche Transkription: Novaja Zemlja) ist eine russische Doppelinsel, die westlich der innereurasischen Grenze im Nordpolarmeer liegt und zu Europa gezählt wird.
Die leicht sichelförmige Doppelinsel ist die östliche Begrenzung der Barentssee und die westliche der Karasee. Letzteres ist das "innereurasische" Mündungsmeer der großen sibirischen Ströme Ob und Jenissei, was für das feuchte Inselklima Bedeutung hat.
Die fast menschenleere Inselgruppe besteht aus zwei großen (Nord- und Südinsel genannt) und vielen kleinen Inseln und zahlreichen Eilanden. Zusammen haben sie eine Fläche von 82.800 km². Getrennt werden die beiden Hauptinseln durch die nur sehr schmale Matotschkinstraße. Nowaja Semlja ist insgesamt knapp 900 Kilometer (Mittellinie) lang und liegt zwischen 470 und 1.175 Kilometer jenseits des nördlichen Polarkreises:
Als die südliche Fortsetzung von Nowaja Semlja können die Waigatsch-Insel, die sich südöstlich der an die Südinsel grenzenden Karastraße anschließt, das Pai-Choi-Gebirge, das sich südöstlich der an Waigatsch grenzenden Jugorstraße befindet, und das Uralgebirge, das sich südlich der Karasee und direkt vom Pai-Choi-Gebirge ausgehend auf dem asiatischen Festland nach Süden erstreckt, angesehen werden.
Novaya Zemlya.jpg | Tzarbo1.jpg über Nowaja Semlja]]
Das Klima, das - wie oben erwähnt - von der Karasee und den Strömen, die in diese münden, mitbestimmt wird, ist eiskalt, stürmisch und niederschlagsreich. Nur während einiger Wochen im Sommer ist die Westküste von Nowaja Semlja schneefrei.
Die Inseln haben nur etwa 100 Einwohner, von denen die meisten der Urbevölkerung, den Samojeden, angehören.
Die Fischerei und die Pelztierjagd spielt für Nowaja Semlja eine große Rolle. Zu den Pelztieren gehört der Polarfuchs, der Polarwolf und der Eisbär. Daneben werden vor allem Kupfer und Steinkohle abgebaut.
Seit 1960 war Nowaja Semlja Testgebiet für Kernwaffenversuche. Hier war es auch, wo die größte jemals gezündete Atombombe explodierte. Die Sowjetunion testete dort eine 50-Megatonnen-Bombe namens "Tsar Bomba (Zar-Bombe)".
Verschiedene Forschungsstationen auf den Inseln dienen der Meteorologie und der Geophysik - unter anderem zur Erforschung von Wind- und Meeresströmungen, des Erdmagnetfeldes und der Polarlichter, die oft in der Ionosphäre durch Einfluss der Sonnenaktivität ausgelöst werden. Eine Konzentration solcher Forschungen erfolgte ab dem IGY 1957/58 und bei späteren internationalen Kooperationen.
Um 1980 untersuchten New Yorker Geophysiker die Aufzeichnungen starker seismischer Wellen, die zwei russische Nukleartests auf Nowaja Semlja 1971 und 1974 hervorgerufen hatten. Zunächst berechneten sie daraus, dass der innere Erdkern jährlich um ein Grad rascher rotiert als der Erdmantel. Diese wissenschaftliche Sensation hielt aber nicht lange, weil sie auf einer fehlerhaften Annahme fußte.
Ein weiteres Projekt analysierte nicht die am Erdkern reflektierten, sondern die gestreuten Bebenwellen (siehe Seismik). Aus den Differenzen der Laufzeiten von 1971/74 errechneten die Wissenschafter, dass der Kern tatsächlich dem Erdmantel "vorauseilt", aber nur um 0,15 Grad pro Jahr. Diese Resultate (siehe Nature Band 405) sind bedeutungsvoll für die Physik des ganzen Erdkörpers und sogar für Erdrotation und Astronomie.
Die Russen kennen Nowaja Semlja trotz seiner nördlichen Lage wahrscheinlich schon seit dem 11. und 12. Jahrhundert. Doch erst im 16. Jahrhundert wurden Westeuropäer auf die Doppelinsel aufmerksam, als man nach einer möglichen Nordostpassage von Europa zum Pazifik suchte: 1553 landete der erste Europäer auf der Insel, Hugh Willoughby. 1594–97 erforschte der Holländer Willem Barents die Inseln, unternahm dabei die erste Überwinterung in der Arktis und starb 1597 dort.
In Nowaja Semlja lagen jene zwei Schiffe vor Anker, welche die österreichische Nordpol-Expedition von Julius Payer und Carl Weyprecht nach ihrer langen Eis- und Bootsfahrt aufnahmen. Die 24 Forscher und Matrosen waren im August 1872 in ihrem Schiff Tegetthoff um zwei Monate zu früh vom Packeis eingeschlossen worden und mussten zweimal bei -50 °C überwintern. Im Frühjahr 1873 hatten sie Franz-Joseph-Land entdeckt und es im darauffolgenden Jahr vor ihrer geglückten Rückkehr erkundet.
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