Nosferatu, Eine Symphonie des Grauens. ist ein expressionistischer deutscher Stummfilm aus dem Jahr 1922. Der Horrorfilm von Friedrich Wilhelm Murnau war eine seinerzeit nicht autorisierte Verfilmung des Romans Dracula von Bram Stoker.
Handlung
Wisborg: der
Immobilienmakler Knock bekommt den Auftrag, für den in den
Karpaten lebenden Grafen Orlok ein Haus in seiner Stadt zu suchen. Er entscheidet sich für das schnelle Geld und will ihm das verfallene Haus genau gegenüber seinem verkaufen. Er schickt seinen Mitarbeiter Thomas Hutter zu Graf Orlok, um jenem das Angebot zu unterbreiten. Schon kurz bevor Hutter das Schloss erreicht, bemerkt er, dass die Einwohner des Ortes sich fürchten. Sie stecken ihm heimlich ein Buch über
Vampire zu, was ihn zunächst eher amüsiert.
Graf Orlok ist ein düsterer, schmächtiger, eingefallener Mann. Als er ein Foto von Hutters Frau Ellen sieht, ist er sofort angetan von deren Schönheit und unterschreibt den Vertrag für das alte Haus. Doch in dieser Nacht erkennt Hutter, was er getan hat: Er hat das Grauen einen Vertrag unterschreiben lassen und ihm damit zum Einzug in seine Stadt verholfen. Er erkennt, dass er am nächsten Morgen zwei Bissmale am Hals hat und Orlok ein Vampir ist. Tatsächlich erscheint der Graf des Nachts in seinem Zimmer und will sein Blut trinken, doch im fernen Bremen erwacht Ellen aus dem Schlaf, merkt, dass etwas nicht stimmt und ruft den Namen ihres Mannes. Orlok scheint dies zu hören und läßt ab. Er macht sich auf einem Schiff auf den Weg nach Bremen, Hutter ebenfalls, fast zeitgleich kommen sie in der Stadt an, in der vom gleichen Augenblick an die Pest ausbricht. Auffälliges Merkmal aller Opfer: Wundmale am Hals. Ellen findet das Vampir-Buch in Hutters Gepäck und kann daraus entnehmen, wie man dem Üblen ein Ende bereiten kann. Eine unschuldige Frau muss sich opfern und Ellen beschließt, selbst diese Rolle zu übernehmen.
Entstehungsgeschichte
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Obwohl „Nosferatu“ direkt auf
Dracula basiert, taucht dessen Name nicht auf, da der Regisseur
Friedrich Wilhelm Murnau die Rechte an Stokers Buch nicht bekam. Also benannte er den Vampir einfach in „Graf Orlok“ um, veränderte die Geschichte leicht und drehte seinen Film ohne Erlaubnis von Bram Stokers Erben. Die Vorstellung, dass Vampire lichtscheu sind, was in allen Vampirgeschichten eine Rolle spielt, geht auf diesen Film zurück. In der Originalvorlage war dies nämlich nicht der Fall.
Obwohl Bram Stokers Witwe (Florence Stoker) die Vernichtung des Films gerichtlich erwirkte, konnten einige Kopien auf abenteuerliche Weise gerettet werden, und er existiert heute in verschiedenen Versionen.
Die ausgeklügelte Bildkomposition und die schauspielerische Leistung von Max Schreck machten Nosferatu zu einem viel beachteten Klassiker des Horrorfilms und - neben Metropolis und Das Cabinet des Dr. Caligari - zu einem der einflussreichsten deutschen Filme seiner Zeit. Murnau verwendet Techniken des Spannungsaufbaus, die Jahrzehnte später in Odyssee im Weltraum, Halloween oder Signs Verwendung finden.
Bearbeitungen
1930 entstand mit dem Titel
Die zwölfte Stunde – Eine Nacht des Grauens eine vom Regisseur nicht autorisierte Tonfilmversion des Films. Sie wurde für die
Deutsch-Film-Produktion von
Waldemar Roger bearbeitet. Er änderte die Namen aller Rollen, fügte von ihm selbst gedrehte Szenen hinzu und arbeitete von Murnau aussortiertes Filmmaterial ein, das er von dem Filmausstatter und Nosferatu-Produzenten
Albin Grau erhielt. Der Anfang des Filmes wurde an das Ende montiert und damit das ursprünglich offene Ende zu einem Happy-End abgeändert. Zusätzlich drehte Roger eine Totenmesse mit
Hans Behal als Priester.
Auch wurden Folkloreszenen aus einem Kulturfilm mit hineingenommen.
Der Film hat keine Tonspur. Er wurde im Nadeltonverfahren vertont. Parallel zum Film lief – kompliziert gekoppelt – eine Schallplatte ab. Die Musik stammt von Georg Fiebiger.
Im Archiv der Stiftung Deutsche Kinemathek befindet sich ein illustriertes Programm zu Die zwölfte Stunde mit Inhaltsangabe und Fotos, die vor allem jene Szenen dokumentieren, die in diese Fassung neu aufgenommen wurden.
Randnotizen
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- Im amerikanisch-luxemburgischen Spielfilm Shadow of the Vampire (2000) von Regisseur E. Elias Merhige ist Max Schreck tatsächlich ein Vampir und kann daher seine Rolle in Nosferatu so überzeugend spielen. Schreck wurde von Willem Dafoe (Oscar-Nominierung), Murnau von John Malkovich dargestellt.
- 2003 erstellte die Bundeszentrale für politische Bildung in Zusammenarbeit mit zahlreichen Filmschaffenden einen Filmkanon für die Arbeit an Schulen und nahm diesen Film in ihre Liste mit auf.
- 2004 produzierte der Deutschlandfunk ein Hörspiel, das auf Murnaus Film basiert. Ursendung war am 15. Januar 2005 im Rahmen der Reihe „Dämonen der Leinwand“. Zahlreiche Passagen erinnern dabei an deskriptive Regieanweisungen („Schnitt, Einstellung nahe“, etc.) und scheinen den Film selbst vor dem geistigen Auge entstehen lassen zu wollen. Diese mischen sich mit im Studio eingesprochenen Szenen und ergeben so auch einen Kommentar zur Mediengeschichte des Dracula-Stoffes.
- Für das Jahr 2006 ist von Transit Film und der Murnau-Stiftung eine DVD angekündigt, die den Film musikalisch erstmals mit der Originalkomposition begleiten wird.
Kritiken
- "Filmmagier Murnau (...) inszenierte das Grauen über die verworrene Zeit der Weimarer Republik in Gestalt des Vampirs als subtiles Kammerspiel des Terrors." (Höchstwertung: überragend) - Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz in: Lexikon „Filme im Fernsehen“ (Erweiterte Neuausgabe). Rasch und Röhring, Hamburg 1990, ISBN 3-89136-392-3, S. 614
- "„Nosferatu“, der einmal von einem Kritiker treffend als „ein kühler Windstoß am Jüngsten Tag“ bezeichnet wurde, ist höchstwahrscheinlich der erste wahre Horrorfilm, wenn man den zwei Jahre früher entstandenen „Dr. Jekyll and Mr. Hyde“ mit John Barrymore einmal nicht berücksichtigt. (...) Die Bilder sind abwechselnd furchterregend und romantisch, und der Film – eine beachtliche Leistung, besonders im Hinblick auf die vorherrschenden Maßstäbe im damaligen Deutschland – ist nach wie vor eine der besten Vampir-Bearbeitungen und leidet lediglich unter dem extrovertierten und reichlich überzogenen Spiel von Alexander Granach (...) sowie praktisch allen anderen Mitgliedern der Besetzung außer Schreck." - William K. Everson: Klassiker des Horrorfilms (OT: Classics of the Horror Film). Goldmann, München 1982, ISBN 3-442-10205-7, S. 202-207
Siehe auch
Literatur
- Bram Stoker: Dracula (OT: Dracula). Insel, Frankfurt am Main und Leipzig 2004, ISBN 3-458-34803-4
- William K. Everson: Klassiker des Horrorfilms (OT: Classics of the Horror Film). Goldmann, München 1982, ISBN 3-442-10205-7
- Loy Arnold, Michael Farin, Hans Schmid: Nosferatu. Eine Symphonie des Grauens. München 2000 (Filmhandbuch mit zahlreichen Zusatzinformationen u. Szenenbildern) ISBN 3933510422
- Ilona Brennicke, Joe Hembus: Klassiker des deutschen Stummfilms. 1910 - 1930.Citadel-Filmbücher. Goldmann, München 1983, ISBN 3-442-10212-X
Weblinks
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