Das Wort Normanne bezeichnet zwei verschiedene Gemeinschaften: Zum einen handelt es sich um Nordgermanen, zum anderen um Romanen.
Im weiteren, älteren Sinne ist "Normanne" ein Synonym für "Wikinger". In mittelalterlichen Chroniken werden die Bezeichnungen „Dani“ und „Nordmanni“ oft als Synonyme für Wikinger oder Skandinavier verwendet. In den lateinischen Quellen des 9. und 10. Jahrhunderts werden sie auch als „piratae“ (Seeräuber) oder „pagani“ (Heiden) bezeichnet. Ermoldus Nigellus schreibt (übersetzt): Dieses Volk nannte man früher mit einem Namen, der alt ist, Dänen (Deni) und auch jetzt noch nennt man sie stets so; doch Normannen benennt sie oft die fränkische Sprache, schnell und rasch sind sie, die Waffen brauchen sie geschickt.Nigellus S. 135 Auch in anderen Quellen erscheinen die Begriffe „Dänen“ und „Normannen“ als austauschbar, was darauf schließen lässt, dass man lange Zeit die skandinavischen Völkerschaften nicht auseinanderhalten konnte. Die fränkischen Reichsannalen schreiben von einem Land „Normannia“, womit nicht Norwegen, sondern Dänemark und alles, was nördlich davon liegt, gemeint ist. Adam von Bremen sagt, dass die Piraten Ascomanni genannt würden, nach der Art ihrer Schiffe. Liutprand von Cremona bezeichnet Rusii/Rusi als zweiten Namen der nordmanni.Springer S. 364 Hrabanus Maurus nennt die Normannen Marcomanni.
Die Normannen waren keine geschlossene Volksgruppe. Vielmehr handelt es sich um viele Gruppen, die häufig auch gegeneinander kämpften.
Die nordgermanischen Normannen kamen zunächst an die Küste der britischen Inseln und an das gallische Festland. Später kamen die Küste Frieslands (810), die spanische Südküste und Marokko (844) hinzu. 859 gelangten sie ins Mittelmeer, wo sie die Küsten Spaniens, Südgalliens und einige Stellen Italiens plündernd heimsuchten. Seit 840 fuhren sie auch flussaufwärts ins Landesinnere, z.B. 856 nach Orléans. Zu dieser Zeit begannen sie auch, weitere Strecken zu Lande zu überwinden. Den Mittelmeerraum erreichten sie dann auch über die Ostsee und die osteuropäischen Flussläufe. So kamen sie bis nach Konstantinopel. Im Jahre 839 kamen Gesandte des byzantinischen Kaisers Theophilus nach Ingelheim zu König Ludwig d. Frommen. In seinem Gefolge waren Leute, die von sich behaupteten, sie würden Rhos genannt. Sie baten, durch sein Reich nach Hause ziehen zu dürfen, weil der Weg, durch den sie gekommen waren, zu unsicher sei. Aus den Annalen von St. Bertin geht hervor, dass es sich um Schweden handelte (gentis esse Sueonum).Annales de Saint-Bertin, 30 f. Neben der Plünderung von Sachgütern stand auch der Menschenraub. So kamen viele als Sklaven nach Skandinavien. Ein anderer Zweck des Menschenraubes war die Erpressung von Lösegeld. Dies konnte nur im Verhandlungswege geschehen, die eine geregelte Unterbrechung der Feindseligkeiten voraussetzten. Aber auch aus anderen Gründen kam es zu Waffenstillständen. Damit kam auch der Handel ins Spiel. Man hängte am Lager ein Schild in der Höhe auf und öffnete die Tore, was zeigte, dass das Lager dem Handel offenstand,Annales fuldenses für 882 oder sie handelten Zeiten für den Marktverkehr aus. Als die Normannen nicht mehr im gleichen Jahr heimkehrten, sondern in der Fremde Winterlager errichteten, führte das allmählich zu Herrschaftsbildungen. Ein besonderes Beispiel ist die Niederlassung der Normannen am Unterlauf der Seine unter Rollo, der Vasall des westfränkischen Königs Karls des Einfältigen wurde.
Rollo und seine Nachfolger bauten in der Normandie einen modernen Lehnsstaat auf. Rollo verschmolz das nordische Gefolgschaftsrecht mit dem fränkischen Lehnsrecht. Er führte eine neue Form der Vasallität ein, die ligisch genannt wird und dem Vasallen größte Freiheiten einräumt, ihm sogar Bündnisse mit Nachbarn ermöglicht, ohne die Lehnstreue zu beeinträchtigen.
In den süditalienischen Gebieten herrschten sie seit ungefähr 1030, in England seit 1066.
Normannen.png Einzelne Normannengruppen dehnten mit dem beginnenden 11. Jahrhundert ihre Streifzüge bis in den Mittelmeer-Raum aus und setzten sich in der Gegend um Neapel, bei Aversa und Capua fest. Schließlich erlangten sie in beinahe ganz Süditalien und Sizilien, das sie von den Sarazenen eroberten, die Herrschaft (siehe auch: Apulien, vor allem Geschichte 1000–1050).
Im Jahr 1066 eroberte der normannische Herzog Wilhelm der Eroberer England. Das Nebeneinander von normannischem, französischsprachigem Adel und einheimischer, altenglischsprachiger Bevölkerung prägte die englische Sprache bis auf den heutigen Tag entscheidend.
Siehe auch: Fürstentum Tarent
Europäische Ethnie | Germanischer Stamm | Kolonialmacht
Y Normaniaid | Normannerne | Normans | Normanoj | Normandos | Normannit | Normands | Normannaigh | נורמנים | Normannok | Normanni | ノルマン人 | Normanni | Normanni | Normandiërs | Normannere | Normanowie | Normandos | Норманны | Nurmanni | Нормани | Normander
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Normannen".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world