Als Normalobjektive gelten in der Fotografie Objektive mit einer Brennweite, die etwa der Diagonalen des Aufnahme-Bildformats entspricht. Damit ergibt sich unabhängig vom Aufnahmeformat ein diagonaler Bildwinkel von etwa 46 Grad.
Die Verwendung eines Normalobjektivs ergibt in vielen Aufnahmesituationen einen natürlichen perspektivischen Eindruck beim Betrachten des fertigen Fotos.
Bei Kleinbildkameras gelten Brennweiten etwa zwischen 50 mm und 55 mm (bei einem Aufnahmeformat von 24 mm x 36 mm beträgt die Länge der Diagonalen ca. 43,3 mm) als Normalobjektiv. Einzelne Hersteller lieferten aber auch Objektive mit 58 mm oder 60 mm Brennweite als Normalobjektiv. Kompakte Kleinbildkameras mit fest montiertem Objektiv weisen dagegen auch Brennweiten zwischen etwa 38 mm und 45 mm auf, die Grenzen sind also fließend.
Bei Mittelformatkameras mit einem Aufnahmeformat von 6 cm x 6 cm ergibt sich entsprechend etwa 85 mm als Normalbrennweite. Das früher häufig verwendete Rollfilmformat 6x9 cm mit 105 mm Normalbrennweite gilt heute als Großformat.
Bei Großformatkameras, die es von 6 cm x 9 cm bis 18 cm x 24 cm Bildformat, aber auch mit nichtmetrischen Abmessungen, z.B. 8x10" (inch), gibt, wird der Zusammenhang deutlich: ein Normalobjektiv für das Bildformat 6 cm x 9 cm (Bilddiagonale = 10,8 cm) mit einer Brennweite von 105 mm wäre für das nächstgrößere Format 9 cm x 12 cm (Bilddiagonale = 15,0 cm) schon eher ein leichtes Weitwinkelobjektiv.
Bei Digitalkameras gilt, unabhängig von der Pixel
Objektive mit einer kürzeren Brennweite als Normalobjektive werden je nach Bauart als Weitwinkel- oder Retroobjektive bezeichnet, solche mit längerer Brennweite als Fern- oder Teleobjektive.
Vor der massenhaften Verbreitung der Zoomobjektive wurden Spiegelreflexkameras meist zusammen mit einem Normalobjektiv verkauft. Aufgrund der hohen Stückzahlen und der unkomplizierten, optisch oft nahezu symmetrischen Konstruktion sind Normalobjektive die preiswertesten lichtstarken Objektive mit meist ausgezeichneten Abbildungseigenschaften.
Die Normalobjektive sind die Objektive mit der kürzesten Brennweite, die bei Kleinbild-Spiegelreflexkameras keine Retrofokus-Konstruktion erfordern (um genug Platz für die Bewegung des Schwingspiegels frei zu lassen). Dadurch ist es leichter, die Normalobjektive lichtstark zu bauen. Gängige Normalobjektive haben fast immer Anfangsöffnungen von 1:1,8 bis zu 1:1,4. Andere Brennweiten, die so lichtstark sind, sind deutlich aufwändiger zu bauen und deutlich teurer. Es gibt Normalobjektive auch mit Anfangsöffnungen von 1:1,2 oder sogar 1:1. In der Available Light-Fotografie (bei schwierigen Lichtverhältnissen) werden sie daher häufig eingesetzt.
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