Die Nordschleife ist der legendäre Teil der Rennstrecke Nürburgring in der Eifel. Volkstümlich der Ring oder respektvoll „Die grüne Hölle“ (diesen Namen verdankt sie Jackie Stewart) genannt, gehört sie heute neben der modernen Grand Prix-Strecke und weiteren Motorsportanlagen und Freizeiteinrichtungen der Nürburgring GmbH (d.h. dem Land Rheinland-Pfalz sowie dem Landkreis Ahrweiler).
Mitte der 50er Jahre kehrten nur die Silberpfeile von Mercedes kurz zurück. Juan Manuel Fangio war der Spitzenfahrer dieser Zeit, und sein wohl bestes Rennen mit mehreren Rundenrekorden hat er hier 1957 auf Maserati gefahren.
Im Sommer 1970 wurde die Nordschleife als Grand Prix-Strecke von der Formel 1 kurzfristig boykottiert, nachdem sich auf anderen Strecken schwere Unfälle ereignet hatten. Für Umbaumaßnahmen (weniger Sprungkuppen, Seitenstreifen mit Leitplanken) wurden bis 1971 17 Millionen DM investiert, und die F1 kehrte wieder zurück. Beim Eifelrennen 1974, bei dem abwechselnd Rennen von Autos und Motorrädern stattfanden, kam es zum Boykott der Motorrad-Spitzenfahrer aufgrund der für den Mischbetrieb nötigen Kompromisse bei der Streckensicherung (Strohballen für Motorradfahrer sind eine Feuergefahr für Autos).
Das endgültige Aus als Formel 1-Strecke war nach dem Auslaufen zweier Drei-Jahres-Verträge schon besiegelt, bevor der Formel 1-Weltmeister Niki Lauda am 1. August 1976 schwer verunglückte. Im Jahre 1980 fand der letzte Motorrad-GP auf der Nordschleife statt. Andere Rennserien wie die Formel 2, die Deutsche Rennsport-Meisterschaft und die Sportwagen fuhren weiterhin übergangsweise dort, im Jahre 1983 auch auf einer auf 20.8 km verkürzten Version mit provisorischen Boxen, da im Bereich der bisherigen Start-Ziel-Schleife Bauarbeiten im Gange waren.
Seit der Eröffnung der modernen GP-Strecke 1984 fahren die internationalen Profi-Rennserien nur noch dort, die nationalen Serien meistenteils auch. Die Tourenwagen-Serien und insbesondere die Breitensportveranstaltungen für Amateure bevorzugen weiterhin die abwechslungsreiche Nordschleife.
Bisher sind auf dem Nürburgring bei Motorsportveranstaltungen und Touristenfahrten mehr als 140 Menschen tödlich verunglückt (Quelle: swr, Südwestrundfunk). Auch die möglichst sicher ausgebaute GP-Strecke blieb dabei vor Tragödien nicht gefeit.
Heute ist die eigentliche Nordschleifenrunde 20.832 Meter lang, hat offiziell 73 Kurven (je nach Zählweise und mit zunehmender Motorleistung sind es eher 100) und weist Steigungen zu 17 % (Quiddelbacher Höhe) und bis zu 11 % Gefälle (Fuchsröhre) auf. Die höchsten Punkte sind bei der Tribüne T13 (km 0) in Nürburg und im Streckenabschnitt Hohe Acht, der niedrigste Punkt in Breidscheid. Dazwischen liegen ca. 290 m Höhenunterschied, was nicht nur Lenker schwach motorisierter Fahrzeuge merken, sondern insbesondere die Radfahrer und Läufer bei Rad am Ring.
Ebenfalls an Samstagen finden die Breitensportveranstaltungen GLP und CHC statt, die sich auf die reine Nordschleife beschränken, so dass parallel andere Rennen auf der GP-Strecke ausgetragen werden können. Es besteht dabei auf der Nordschleife die Möglichkeit, sich mit seinem eigenen Auto durch erfolgreiche Teilnahme an mehreren Gleichmäßigkeitsprüfungen (GLP) für eine Rennfahrer-Lizenz des DMSB bzw. der FIA zu qualifizieren, die dann zur Teilnahme an richtigen Rennen wie CHC oder VLN berechtigt.
Trotzdem erreichen Rennfahrzeuge, die nach Regeländerungen wieder stärker motorisiert sein dürfen, und auch einige straßenzugelassene Fahrzeuge Zeiten, die bis vor einigen Jahren nur Rennfahrern früherer Generationen vorbehalten waren. Diese Entwicklung wird im Artikel Nordschleifen-Rundenzeiten separat beschrieben.
Wenn keine Rennveranstaltungen oder Testfahrten stattfinden, wird die Strecke, wie es seit der Eröffnung 1927 Tradition ist, abends und an Wochenenden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht (sogenannte Touristenfahrten).
Nachdem sich die Zufahrt im Bereich der Tribüne 13 (km 0 auf der Karte) neben der GP-Strecke Mitte der 1990er Jahre als zu eng erwies, wurde 1998 eigens ein neuer Zufahrtsbereich neben der langen Geraden (Döttinger Höhe km 18 auf der Karte) eingerichtet, mit großem Parkplatz, Restaurant und vier Mautschranken. Dieser Platz ist an Sonntagen mit gutem Wetter stark überfüllt, Fahrzeuge internationaler Herkunft stauen sich bis auf die Landstraße zurück.
Die große Popularität rührt daher, daß jedes straßenzugelassene Kraftfahrzeug, das wie bei Autobahnen erforderlich eine bauartbedingte Mindestgeschwindigkeit von 60 km/h erreicht, eine Runde fahren kann. Es gilt die Straßenverkehrsordnung, die StVZO sowie eine zusätzliche Beschränkung der Lautstärke auf 95 dB(A), die überwacht wird. Die Preise für die Saison 2006: 1 Runde (PKW/Motorrad) 15 Euro; 4 Runden 56 Euro; 8 Runden 108 Euro; 15 Runden 195 Euro; 25 Runden 305 Euro. Eine Karte für die gesamte Saison kostet 798 Euro. Fahrzeuge mit roten Nummernschildern, Oldtimerkennzeichen und Fahrzeuge die lauter als 95dB sind, dürfen die Strecke nicht befahren.
Die Nordschleife ist dabei nicht als Rennstrecke anzusehen, sondern ist öffentlicher Verkehrsraum mit dem Status einer mautpflichtigen Kraftfahrstraße mit richtungsgetrennten Fahrbahnen (eine Gegenfahrbahn existiert nicht). Es gilt somit das Rechtsfahrgebot sowie das Verbot, rechts zu überholen. Das Befahren auf der sogenannten "Ideallinie" in Gegenwart anderer bleibt den Teilnehmern von Rennen und anderen geschlossenen Veranstaltungen vorbehalten. Da die Strecke nicht durch geschlossene Ortschaften verläuft, gilt zwar keine generelle Geschwindigkeitsbeschränkung, aber im Bereich der Ein/Ausfahrt sowie der Ortschaften Nürburg und Breidscheid wurden aus Sicherheits- und Lärmschutzgründen Tempolimits ausgewiesen, die es einzuhalten gilt. Seit einigen Jahren wird verstärkt (mit Unterstützung der Polizei) kontrolliert, teilweise mit einem Hubschrauber.
Der Ausbauzustand ist abgesehen von der langen, ca. vier Fahrspuren breiten Geraden „Döttinger Höhe“ eher nicht mit einer Autobahn oder Kraftfahrstraße zu vergleichen, sondern mit einer kurvigen und unebenen Landstraße. Hinter jeder Kurve oder Kuppe kann ein langsames Fahrzeug, wie etwa ein Reisebus, ein Wohnmobil, ein Pkw mit Wohnwagen-Anhänger, ein Motorroller etc. mit geringer Geschwindigkeit unterwegs sein, insbesondere in den teils steilen Bergpassagen. Gleichzeitig sind jedoch viele Piloten mit guter Streckenkenntnis (oft im Besitz einer Jahreskarte) und schnellen Fahrzeugen mit Geschwindigkeiten über 200 km/h unterwegs, so daß gegenseitige Rücksichtsnahme dringend erforderlich ist.
bruennchen1.jpg-Drahtzaun zum Schutz der Zuschauer]] Um Vergleichszeiten für die eigenen Runden zu erhalten oder sich mit andern Fahrern zu messen, obwohl nicht eine volle Runde gefahren wird, wird zur Zeitmessung die „BTG-Zeit - Bridge to Gantry“ herangezogen. Dabei wird die Fahrzeit von der Brücke nach der Touristenauffahrt (Antoniusbuche) bis zu der Gitter-Brücke nach dem Galgenkopf, wiederum auf der Döttinger Höhe, gemessen. Dabei sei allerdings erwähnt, daß bereits das Mitführen von Stoppuhren während der Touristenfahrten verboten ist und zu "Hausverbot" führen kann. Gleiches gilt für Videokameras, mit denen die eigene Fahrt als Andenken aufgezeichnet werden soll.
Gerade Anfänger sollten sich vorsichtig herantasten; denn tückisch ist nicht nur die Streckenführung, sondern auch das Eifelwetter. Motorradfahrer sollten sich von einem erfahrenen Fahrer einführen lassen. Nicht gerade langsam ist auch das Ringtaxi (BMW M5, 507 PS) unterwegs, das man buchen kann, wenn man den eigenen Wagen oder das Motorrad schonen bzw. eine schnellere und sicherere Fahrt erleben will, als es die Fähigkeiten der meisten Hobbyrennfahrer zulassen. Das „Taxi“ wird u. a. von Rennfahrern wie der zweifachen Siegerin des 24h-Rennens Sabine Schmitz, der 2005er VLN-Meisterin Claudia Hürtgen oder Hans-Joachim Stuck pilotiert.
Vergleichbar mit ähnlich anspruchsvollen Landstraßen kommt es immer wieder zu Unfällen, von relativ harmlosen Drehern bis zu Leitplankenkontakten mit Personenschäden, die den Einsatz von Abschleppwagen oder gar Rettungshubschraubern erforderlich machen. Die Strecke kann dabei für mehrere Stunden gesperrt bleiben.
An Tagen, an denen Touristenfahrten stattfinden, stehen meist auch eine ganze Reihe von Hobby-Fotografen entlang der Strecke, die die vorbeifahrenden Fahrzeuge fotografieren. In Foren, wie dem Touristenfahrer-Forum oder Circledriver finden sich am folgenden Tag dann große Galerien, aus denen man sich als Touristenfahrer "seine" Fotos als schönes Andenken heraussuchen kann.
Für andere Rennspiele wurden von Fans inoffizielle Erweiterungen mit der Nordschleife entwickelt. Inzwischen erkennen auch die großen Software-Anbieter die Beliebtheit der Nordschleife und bieten diese für PC oder Spiel-Konsolen an. Wer etwa auf eine Playstation 2 zurückgreifen kann, hat die Möglichkeit mit dem aktuellen Spiel „Gran Turismo 4“ den Streckenverlauf einzuüben. Auf der Xbox kann man die Nordschleife mit dem Spiel Forza Motorsport befahren. Für das Spiel Project Gotham Racing 3 auf der Xbox 360 wurde die Nordschleife möglichst detailgetreu vermessen und mitsamt der Umgebung der Rennstrecke im Spiel möglichst detailgetreu umgesetzt.
Bei der Umsetzung des am Monitor erlernten ist jedoch Vorsicht geboten, da einige der Spiele die Befahrung der Nordschleife selbst mit höchsten Geschwindigkeiten als unrealistisch einfach darstellen. Insbesondere die nicht einsehbaren Kurven (z.B. Anfahrt auf den Adenauer Forst) können im wahren Leben böse Überraschungen bereithalten und den Spaß schnell verderben.
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