Karte Nordkanal.png Mit Nordkanal (frz.: „Grand Canal du Nord“) wird ein im Jahre 1806 von Napoléon initiiertes Projekt zum Bau einer Wasserstraße zwischen Maas und Rhein bezeichnet. Der Kanal wurde nie fertig gestellt und einzig das Teilstück von Neuss bis Neersen konnte seine Funktion als Schifffahrtsweg eine Zeit lang erfüllen.
Nach der Eroberung der Rheingebiete griff Napoléon die Idee dieser Verbindung wieder auf, um mit dem Nordkanal verschiedene militärische und wirtschaftliche Zwecken verfolgen zu können. Schon 1804 war er an den Niederrhein gereist, um sich - unter anderem - vor Ort über einen geographisch günstigen Trassenverlauf für den Kanalbau zu informieren. Die Detailplanungen begannen im Jahre 1806 und sahen in einem weiteren Schritt die Verlängerung des Kanals bis nach Antwerpen vor.
Die Kanaltiefe sollte etwa 2,60 m betragen, die Breite ca. 16 m. Lastkähne beladen mit Gütern von 200 bis 400 Tonnen sollten auf dem 6 m breiten und 1,40 m hohen Damm von Pferden getreidelt werden. Des weiteren waren Häfen bei Grimlinghausen, Süchteln und Venlo sowie insgesamt neun Schleusen zur Überwindung der Höhenunterschiede geplant, darunter auch Schutzschleusen gegen Hochwasser an Rhein oder Maas. Die geplante Länge lag bei etwa 53nbsp;km und die Scheitelhöhe soll rund 42 m betragen haben. Bis zur geplanten Fertigstellung im Jahre 1813 war die Bewegung von 3,25 Millionen m³ Erdmassen vorgesehen.
Veranschlagt wurden Kosten in Höhe von 20 Millionen Franc, die zur Hälfte von den am Kanal liegenden Départements über einen Zeitraum von 10 Jahren aufzubringen waren und zur Hälfte aus dem französischen Staatsetat fließen sollten.
Am 9. Juli 1810 wurde Holland mit Frankreich vereinigt, nachdem Napoléon seinen Bruder Ludwig als König der Niederlande zur Abdankung gezwungen hatte. Durch dieses Ereignis hatte Napoléon jetzt direkte Kontrolle über die holländischen Seehäfen. Das Projekt „Grand Canal du Nord“ wurde nicht mehr benötigt.
Die Bauarbeiten wurden zum 1. Januar 1811 eingestellt, als bereits ein Drittel der Kanalstrecke fertiggestellt und 12,5 Millionen Franc verausgabt waren. Stattdessen wurde ein Canal Baltique von der Seine bis zur Ostsee geplant, die Umsetzung aber durch den Russlandfeldzug zunichte gemacht.
Der Nordkanal verkam zu einem Abwasserlauf und diente der Entwässerung der angrenzenden Bruchgebiete. Erst in jüngster Zeit wurde durch einen Vertrag mit Rheinbraun über den Jüchener Bach zusätzliches Wasser zugeführt und die Fließgeschwindigkeit erhöht, damit die zuvor abgelagerten Schadstoffe ausgeschwemmt werden können.
Zur Euroga 2002 wurde der Nordkanal als verbindendes Element wiederentdeckt und entlang des geplanten oder noch vorhandenen Kanallaufs ein Radweg (die „Fietsallee am Nordkanal“) ausgewiesen, fehlende Abschnitte auch neu angelegt. Auf befestigten Strecken findet sich zur Kennzeichnung eine grün-blaue Linie mit regelmäßigen Querstrichen im Abstand von 10 Metern und mit vergrößerten 50-Meter-Markierungen, die das Wasser des Kanals repräsentieren sollen. Bei den für Anstriche ungeeigneten Untergründen wurden gleichfarbige Stelen in 10-Meter-Abständen aufgestellt, auch hier mit breiteren 50-Meter-Stelen. So gewinnt man den Eindruck eines überdimensionalen Maßbandes, das sich durch die Landschaft schlängelt. Außerdem finden sich entlang des Kanallaufs an besonderen Stellen rot-weiß geringelte, spindelförmige Stelen, die als Hinweis auf die Ingenieurleistungen an Vermessungsstäbe erinnern sollen.
Besonders hervorzuheben ist die Schwebefähre bei Kilometer 19,3. Hier können Menschen und Fahrräder mit Muskelkraft über die Niers, die der Nordkanal an dieser Stelle gekreuzt hätte, übergesetzt werden.
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