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Die Nordische Bronzezeit, nach Oscar Montelius (1843-1921), ist eine Epoche und eine bronzezeitliche Kultur in der südskandinavischen und der norddeutschen Vorgeschichte von 1800 v. Chr. - 600 v. Chr. deren Fundplätze bis nach Estland reichen.

Die Nordische Bronzezeit wird allgemein als Vorgänger der eisenzeitlichen germanischen Kultur betrachtet. Sie folgte der Schnurkeramikkultur und entwickelte sich zur Protogermanischen Kultur der Vorrömischen Eisenzeit. Die Sprache, die von den Trägern dieser Kultur wahrscheinlich gesprochen wurde, wird als frühes Protogermanisch oder auch Vorprotogermanisch bezeichnet.

Allgemeine Charakteristika


Obwohl die Skandinavier erst relativ spät durch Handel Kontakt zur europäischen Bronzezeit fanden, weisen die skandinavischen Fundplätze reiche und guterhaltene Objekte aus Wolle, Holz und (aus Mitteleuropa importierter) Bronze und Gold auf. Die organischen Stoffe sind hauptsächlich in Moorfunden erhalten, sowie in den Hügelgräbern, deren Grabkammern teilweise gute Erhaltungsbedingungen boten. Während dieser Zeit stieg die erste in dieser Region bekannte fortgeschrittene Kultur in Skandinavien auf, die auf die Nordische Steinzeit folgte. Die Skandinavier adaptierten viele mittel- und südeuropäische Symbole zur selben Zeit, als sie selbst neue Stile und Objekte entwickelten. Das mykenische Griechenland, die Villanovakultur, Phönizien und das Alte Ägypten wurden alle als mögliche Einflussquellen für die skandinavische Kunst dieser Zeit ausgemacht. Als Ursache des fremden Einflusses wird der Bernsteinhandel angenommen. Bernstein, der in mykenischen Gräbern dieser Zeitspanne gefunden wurde, stammt aus der Ostsee. Daher erscheint es logisch, in der Kultur, die in der Nordischen Bronzezeit erschien, einen Versorger der sogenannten Bernsteinstraße zu erkennen. Mehrere Petroglyphen und die als Schiffssetzungen bekannten großen Steinformationen zeigen, dass die Seefahrt eine wichtige Rolle zu dieser Zeit spielte. Einige dieser in Petroglyphen erscheinenden Schiffe werden für mediterran angesehen.

Aus dieser Zeit sind viele Erd- und Steinhügel, Röser und Felder von Petroglyphen erhalten, aber ihre Bedeutung ist schon lange verloren gegangen. Daneben gibt es auch viele Artefakte aus Bronze und Gold. Die eher rohe Erscheinung der Petroglyphen gibt im Vergleich zu den Bronzearbeiten Anlass für die Theorie, dass sie von unterschiedlichen Kulturen oder sozialen Gruppen geschaffen worden sind. Während der Bronzezeit existierte in den nordischen Ländern keine geschriebene Sprache. Die Petroglyphen wurden in die Nordische Bronzezeit datiert, indem dargestellte Gegenstände mit archäologischen Funden verglichen wurden. So wurden zum Beispiel Bronzeäxte häufig in Petroglyphen abgebildet. Der erste Archäologe, der diese Verbindung erkannte, war Oscar Montelius. (Daneben gibt es aber eine andere Gruppe von Petroglyphen, die der nördlicher lebenden Jägerkultur zuzuordnen sind, die meistens Elche abbilden).

Der nordischen Bronzezeit ging die besonders in Südskandinavien so bezeichnete Dolchzeit voraus, während ihr die vorrömische, römische und germanische Eisenzeit folgte. Daher vertreten sowohl Linguisten als auch Archäologen die Meinung, dass die Kultur der Nordischen Bronzezeit und die folgenden eisenzeitlichen Kulturen den protogermanischen und germanischen Stämmen entsprechen.

Periodisierung

Oscar Montelius, der der Nordischen Bronzezeit ihren Namen gab, unterteilte sie in seinem Buch Om tidsbestämning inom bronsåldern med särskilt avseende på Skandinavien von 1885 in sechs Abschnitte, die bis heute unverändert gültig sind. Diesen sechs Abschnitten folgte die vorrömische Eisenzeit.

Klima


Die Nordische Bronzezeit war (auch im Vergleich zum Mittelmeerraum) von einem warmen Klima geprägt, das eine relativ dichte Bevölkerung zuließ. Sie endete mit einem Klimawandel. Das Wetter wurde schlechter, feuchter und kälter (möglicherweise liegt hierin die Ursache für die Entstehung der Legende vom Fimbulwinter). Deswegen erscheint es plausibel, dass der Klimawechsel die nordgermanischen Stämme in den Süden nach Mitteleuropa trieb. Während dieser Zeit gab es einen nachweisbaren skandinavischen Einfluss in Osteuropa, und tausend Jahre später brachten die zahlreichen ostgermanischen Stämme, die eine skandinavische Herkunft beanspruchen (z.B. die Langobarden, Burgunder, Goten und Heruler), Skandinavien (Scandza) in Jordanes' "Getica" den Titel Mutter der Nationen ein.

Tatsächlich war der skandinavische Einfluss in Norddeutschland, Pommern und im Norden des heutigen Polens ab etwa 1250 v. Chr. so groß, dass diese Regionen manchmal der Kultur der Nordischen Bronzezeit zugerechnet werden (Dabrowski 1989:73).

Aufgrund des Klimawandels und des Bevölkerungsverlustes durchliefen die nordischen Kulturen gegen Ende der Bronzezeit um 600 v. Chr. allgemein einen kulturellen Niedergang, der bis zum Aufstieg der nächsten, fortgeschrittenen Zivilisation in der Wikingerzeit ungefähr 1000 Jahre andauerte.

Religion


Da schriftliche Quellen fehlen, ist über die Religion der Nordischen Bronzezeit nicht viel bekannt. Dennoch geben viele archäologische Funde ein vages Bild über den Glaube der Allgemeinheit oder einzelner Stämme dieser Kultur.

Die meisten Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Sonne oder ein Sonnengott in der Mitte der nordisch-bronzezeitlichen Religion standen. Der Sonnengott/-wagen wurde nach mythischen Quellen in einem Wagen über den Himmel gezogen. Es wird zudem angenommen, dass ein Zwillingspaar von Göttern verehrt wurde, das sich in der Dualität heiliger Gegenstände spiegeln soll: Wo diese als Opfer in die Erde gelangten, werden sie häufig paarweise gefunden. Des Weiteren wurde wohl eine weibliche Göttin (oder auch Muttergöttin) verehrt (siehe dazu Nerthus). Tiere, Waffen, Schmuck und Menschen wurden, soweit feststellbar, in Verbindung mit Wasser geopfert. Häufig wurden kleine Moore, Seen oder Teiche als Opferplätze genutzt, weshalb viele Artefakte an solchen Orten gefunden werden. Hierogamie-Riten werden auf Felsritzungen abgebildet waren also üblich. Wahrscheinlich kamen bei Ritualen auch Blasinstrumente wie die Bronzeluren zum Einsatz, die man heute als Opfergaben findet.

Es wird angenommen, dass Inhalte der bronzezeitlichen Religion und Mythologie in der Germanischen und Nordischen Mythologie weiter existieren, so z.B. Skinfaxi, Hrímfaxi und Nerthus.

Siehe auch


Literatur


  • J. Dabrowski: Nordische Kreiskulturen polnischer Gebiete. in: Die Bronzezeit im Ostseegebiet. Ein Rapport der Kgl. Schwedischen Akademie der Literatur, Geschichte und Altertumsforschung über das Julita-Symposium 1986. Konferenser 22. Ed Ambrosiani - B. Kungl. Vitterhets Historie och Antikvitets Akademien, Stockholm 1989.
  • E. Demougeot: La formation de l'Europe et les invasions barbares. Editions Montaigne, Paris 1969-1974.
  • Anders Kaliff: Gothic Connections. Contacts between eastern Scandinavia and the southern Baltic coast 1000 BC – 500 AD. 2001.
  • Oscar Montelius: Om tidsbestämning inom bronsåldern med särskilt avseende på Skandinavien. 1885.
  • L. Musset: Les invasions: les vagues germanique. Presses universitaires de France, Paris 1965.
  • I. Nordgren: Well Spring Of The Goths. About the Gothic Peoples in the Nordic Countries and on the Continent. 2004.

Weblinks


Bronzezeit | Schwedische Geschichte (Vor- und Frühgeschichte)

Nordic Bronze Age | Nordisk bronsålderskultur

 

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