Der Nordirlandkonflikt (engl. The Troubles (auf protestantischer Seite) bzw. Civil War (auf katholischer Seite)) beherrschte die nordirische Politik der Jahre 1969-1998. Obwohl sich in diesem Konflikt mehr oder weniger zwei verschiedene Konfessionen gegenüberstehen, hat der Konflikt keinen religiösen Hintergrund. Der Grund für den Nordirland-Konflikt ist der Kampf der irischen Bevölkerung um die Unabhängigkeit von Großbritannien und der Kampf der Beteiligten um politische Macht.
Obwohl die Zahl der aktiv Beteiligten am Nordirlandkonflikt klein ist und die paramilitärischen Organisationen, welche für sich in Anspruch nahmen, die Bevölkerung zu vertreten, in der Regel nicht repräsentativ sind, berührte der Konflikt täglich die Leben der meisten Menschen in Nordirland und breitete sich gelegentlich bis Großbritannien oder die Republik Irland aus. Fast viertausend Menschen, größtenteils Zivilisten, starben in Folge der Gewalt. Heute sind die politischen und sozialen Einstellungen vieler Menschen durch den Konflikt geprägt.
So wurden im Jahre 1695 zum Beispiel die sogenannten Strafgesetze (Penal Laws) erlassen. Diese richteten sich in unterschiedlichem Maße gegen alle Konfessionen außer der Anglikanischen. 1801 wurde das Unionsgesetz (Act of Union) erlassen, welches Irland in das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland eingliederte und das irische Parlament auflöste.
Mit dem Erstarken des Nationalismus im 19. Jahrhundert in Europa bilden sich auch in Irland nationalistische Gruppierungen, die für eine Loslösung von der Union und für ein unabhängiges Irland eintraten. Die Home-Rule-Bewegung, geführt von Charles Stewart Parnell, setzte sich für die politische Autonomie der Insel ein. Der liberale britische Premierminister William Gladstone griff die Idee auf, scheiterte aber zwei Mal (1886 und 1895) im britischen Parlament mit seinen Gesetzesentwürfen zur Home-Rule. Besonders die Protestanten in der Provinz Ulster wehrten sich massivst gegen die Autonomiebestrebungen.
Nach dem Scheitern der Home-Rule-Bewegung gründete der irische Politiker und Journalist Arthur Griffith 1905 die Sinn Féin. Am 24. April 1916 (Ostersonntag) kam es zu einem Aufstand in Dublin, in dessen Folge das Postamt besetzt und eine Provisorische Regierung Irlands ausgerufen wurde. Dieser sogenannte Osteraufstand wurde aber bereits nach fünf Tagen durch britische Truppen niedergeschlagen und die Anführer hingerichtet. Die Sinn Féin und die ihr nahestehende Irisch-Republikanische Armee (Irish Republican Army, IRA) erhielten durch die Empörung in der Bevölkerung über die Hinrichtungen großen Zulauf.
Ab Juli 1921 nahm der britische Premierminister David Lloyd George Verhandlungen mit der Sinn Féin, unter Vorsitz von Arthur Griffith und Michael Collins, auf. Ende 1921, wurde nach fünfmonatigen Gesprächen ein Unabhängigkeitsvertrag unterzeichnet, der sogenannte anglo-irische Vertrag. Irland erhielt den Status eines Freistaats innerhalb Großbritanniens. Sechs der neun Grafschaften Ulsters stimmten in einer Volksabstimmung aber für den Verbleib bei Großbritannien.
Diese Grafschaften, mit überwiegend protestantischer Bevölkerung, erhielten bereits 1920, unter dem Government of Ireland Act, als Nordirland, eine eigenständige politische Einheit mit eigenem Parlament und eigener Verfassung. Der irische Freistaat betrachtete die Teilung nur als vorübergehend, diese blieb allerdings bis heute aufrecht.
Nordirland hat circa 1,7 Millionen Einwohner von denen 40% katholisch, 20% presbyterianisch und 15% Mitglieder der Anglikanischen Kirche sind (Zahlen 2001). Die Enttäuschung bei der katholischen Bevölkerung in Nordirland ist groß, die Diskriminierung der Katholiken dort verstärkt sich.
Die einen verstehen sich nun als pro-britische Unionisten; sie sind meist Protestanten. Die anderen sehen sich als pro-irische Nationalisten oder Republikaner; sie sind meist Katholiken.
Während im Zweiten Weltkrieg Nordirland einen wirtschaftlichen Aufschwung durch die Rüstungsindustrie (Schiffbau, Flottenstützpunkte, Luftwaffenbasen) erlebt, kommt es ab 1945 zu einem Niedergang, besonders in den großen Städten Belfast und Derry. Den katholischen Bevölkerungsteil trifft es besonders hart.
Besonders in Belfast leben viele Katholiken in Arbeitervierteln mit hoher Arbeitslosigkeit, auch bei Jugendlichen. Es kommt zu bürgerkriegsähnlichen Unruhen, zum Niederbrennen ganzer Straßenzüge und zur Vertreibung vieler Menschen aus ihren Häusern. Ghettos entstehen, in denen fast nur Protestanten oder nur Katholiken leben. Die Polizei wird der Situation nicht mehr Herr, die Armee wird gerufen (z.B. im Konflikt um die Holy Cross-Grundschule). Schulen haben entweder protestantische oder katholische Schüler. Das britische Mehrheitswahlrecht und die Wahlkreisziehung begünstigt unionistische gegenüber republikanischen Kandidaten. Häufige Kontrollen, Hausdurchsuchungen und die Politik der Internierung verdächtiger Menschen schüren die Gewalt. Geld für die Untergrundarmee IRA kommt aus den Vereinigten Staaten, wo viele Irischstämmige leben. Der wirtschaftliche Niedergang (weniger Auslandsinvestitionen, Emigration) verstärkt sich, führt erneut zu höherer Arbeitslosigkeit. Bis zu 4.000 Tote sind zu beklagen.
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