| Wappen | Karte | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Nordhorn.jpg | Karte_Nordhorn.png | - | Basisdaten | - bgcolor="#FFFFFF" | Bundesland: | Niedersachsen | - bgcolor="#FFFFFF" | Landkreis: | Grafschaft Bentheim | - bgcolor="#FFFFFF" | Geografische Lage: | - bgcolor="#FFFFFF" | Höhe: | 22 m ü. NN | - bgcolor="#FFFFFF" | Fläche: | 149,64 km² | - bgcolor="#FFFFFF" | Einwohner: | 53.084 (30. September 2005) | - bgcolor="#FFFFFF" | Bevölkerungsdichte: | 355 Einwohner je km² | - bgcolor="#FFFFFF" | Postleitzahlen: | 48501-48531 (alte PLZ 4460) | - bgcolor="#FFFFFF" | Vorwahl: | 0 59 21 | - bgcolor="#FFFFFF" | Kfz-Kennzeichen: | NOH | - bgcolor="#FFFFFF" | Gemeindeschlüssel: | 03 4 56 015 | - bgcolor="#FFFFFF" | Website: | www.nordhorn.de | - | Politik | - bgcolor="#FFFFFF" | Bürgermeister: | Meinhard Hüsemann (SPD) | |||
Nordhorn ist die Kreisstadt des Landkreises Grafschaft Bentheim im äußersten Südwesten Niedersachsens nahe der niederländischen und der nordrhein-westfälischen Grenze.
Die Stadt liegt im äußeren Südwesten Niedersachsens, in der Nähe zur Grenze zum Königreich der Niederlande und zum Bundesland Nordrhein-Westfalen an der Vechte. Die nächstgrößere Stadt ist Enschede auf niederländischer Seite, etwa 25 km südwestlich von Nordhorn. Auf deutscher Seite sind Münster, etwa 75 km südöstlich, und Osnabrück, etwa 85 km östlich, die nächsten Großstädte.
Die Landschaft um und in Nordhorn wird geprägt durch die Vechte, den Vechtesee, durch den die Vechte fließt und die Kanäle Süd-Nord-Kanal, Nordhorn-Almelo-Kanal und Ems-Vechte-Kanal.
Neuere Stadtteile: Blanke, Blumensiedlung, Neuberlin, Stadtflur, Bussmaate, Streng, Klausheide.
Vor Millionen von Jahren wurde durch Klimaveränderungen, vor allem durch die Eiszeiten, das Landschaftsgefüge in dieser Gegend geprägt. Die ältesten Ablagerungen in ungefähr zweitausend Meter Tiefe stammen aus dem Karbon. Zur Wende von Kreide und Tertiär formierte sich die Erdkruste hier zu kleineren Faltenwürfen. Im mittleren Tertiär herrschten in der Nordhorner Ebene subtropische Temperaturen. Danach begann eine zunehmende Abkühlung, die mit den Eiszeiten ihren Höhepunkt erreichte. Nach dem Abtauen des letzten Eises hatten sich Niederungen herausgebildet. Starke Winde wehten in der vegetationsfreien Oberfläche Dünen auf. Noch heute findet man bei den naheliegenden Tillenbergen die Reste eines solchen Dünenkomplexes. Grabungsfunde aus der jüngeren Steinzeit und der folgenden Bronzezeit bezeugen, dass sich bereits vor sechstausend Jahren Menschen auf der Nordhorner Sandebene angesiedelt hatten.
In der regenreichen und kälteren Eisenzeit dehnt sich die Besiedlung auf die trockenen Uferhöhen der Vechte aus. Der Archäologe stößt in fast allen Eschen auf Spuren eisenzeitlicher Siedlungen, den Grundsteinen für späteren Bauernschaften Frensdorf, Bookholt, Altendorf, Hesepe und Bakelde.
Von 12 v. Chr. bis 10 n. Chr. unternahmen die römischen Feldherren Drusus, Tiberius, Germanicus und Varus insgesamt dreizehn Feldzüge in das damals noch freie Germanien. Von ihrem Lager Xanten aus werden diese römischen Truppen häufig Streifzüge in die Länder der Chamaven und Tubanten, der Bewohner des Nordhorner Siedlungsraumes, unternommen haben. Vermutlich benutzten die Römer die vorgeschichtlichen Vechteufer und Sandstege entlang der Moore als Heerstraßen. Diese Landverbindung vom Westen nach Osten sollte später eine wichtige Handelsstraße werden, die Städte wie Brüssel, Amsterdam, Bremen und Hamburg verband.
Gegen Ende des 4. Jahrhunderts, mit Beginn der Völkerwanderung, drangen von Norden her die Sachsen nach Westen vor. Sie verdrängten die Tubanten weiter westwärts in die Twente. Nach Eroberung des Sachsenlandes durch Karl den Großen entstand die erste Grenzlinie zwischen Franken und Sachsen als Binnengrenze. Sie überdauerte weitgehend die Wechselfälle der Geschichte und ist noch heute Grenze zu den Niederlanden.
Im Jahre 687 sandte Bischof Wilfrid von York zur Christianisierung des ehemaligen Tubantenlandes Missionare über den Ärmelkanal. Willibrord gründete die Diözese Utrecht und Werenfried verbreitete das Christentum im Vechtetal. Um 800 wurde die Nordhorner Siedlung dem Bistum Münster zugeordnet. Bischof Liudger baute auf einem vorspringenden Sporn in der Vechteaue eine Holzkirche. Um 900 wird der Name der Stadt erstmals im Heberegister des Klosters Werden an der Ruhr als Northhornon erwähnt.
Um das Jahr 1180 erwarben die Grafen von Bentheim das Gogericht Nordhorn. Sie bauten inmitten der Vechte auf einer Insel, wo auch schon das Dorf Nordhorn stand, eine Burg. Bis zum Jahre 1912 waren Teile dieser Burg erhalten. Dort steht heute die katholische St.-Augustinus-Kirche. Die heutige Hauptstraße dürfte schon damals über die Vechteinsel geführt haben, die sich zu einem attraktiven Handelsplatz entwickelt hatte. Kaufleute und Reeder ließen sich hier nieder – ein Marktplatz entstand.
Nordhorn hatte eine Schlüsselstellung an der Flämischen Straße, dem Kreuzungsbereich der heutigen Bundesstraße 213 und der Bundesstraße 403 eingenommen. Waren und Güter aus Skandinavien und den Hansestädten fanden ihren Weg durch Nordhorn in die Handelszentren des Westens bis nach Paris.
Die Vechte war bereits ab Schüttorf schiffbar. Durch den Handel beider Dörfer und dadurch, dass die Binnenschiffer ein Horn bei Nebel benutzten, um sich gegenseitig zu warnen, kann Nordhorn seinen Namen erhalten haben. Seit den 1970er Jahren steht beim alten Hafen der Tuter, ein bronzenes Denkmal, das an die Anfänge der Binnnenschifffahrt erinnert. Die Vechte ist ca. 167 km lang, nördlich von Zwolle fließt sie ins Zwarte Water, einem Zufluss des Ijsselmeeres.
Schon 1160 wurden die ersten Bentheimer Sandsteine in die Niederlande verschifft. Bis zu eintausendzweihundert Frachtkräne, Pramen und Schuten lagen in einem Jahr hier vor Anker und brachten ihre Güter nach Holland. Zum Stapelplatz wurde die Steinmaate. Die gleichnamige Straße erinnert noch heute daran, dass der Bentheimer Sandstein von hier aus in viele Länder exportiert wurde. So wurden zum Beispiel für Prachtbauten wie das Königliche Palais in Amsterdam, aber auch viele Mühlen, Kirchen, Schleusen, Rathäuser und andere öffentliche Gebäude aus dem bekannten Bentheimer Sandstein verbaut. Die zurückkehrenden Schiffe brachten Gewürze, Textilien, Papier sowie Nahrungs- und Genussmittel wie Kaffee, Tee, Kakao und Tabak mit. Handel, Handwerk und Landwirtschaft waren bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts die wesentlichen Wirtschaftsgrundlagen in der Region. Die Schifffahrt auf der Vechte, dem Ems-Vechte-Kanal, Nordhorn-Almelo-Kanal, dem Süd-Nord-Kanal und Coevorden-Piccardie-Kanal, bildeten gemeinsam mit dem Fuhrwesen zu dieser Zeit wichtige Erwerbszweige. Die Stadt war in jenen Jahrhunderten der Sitz wohlhabender Kaufleute, Reeder und Schiffer.
Am neunten Tag nach Pfingsten im Jahre 1379 verlieh Graf Bernhard I. zu Bentheim die Rechte einer Stadt und gab ihr 1416 das Privileg. Die dörfliche Siedlung zwischen den Vechtearmen war als Handelsumschlagplatz für die Bentheimer Grafen wichtig geworden. Mit der wirtschaftlichen Blüte erreichte auch das kulturelle Leben in diesen Jahren einen Höhepunkt. Augustiner-Chorherren gründeten 1394 das Kloster Marienwolde in Frenswegen. Durch Stiftungen und Schenkungen wurde das Kloster als Paradies Westfalens über die Grenzen bekannt. Nach der Säkularisation 1806 durch Napoleon gingen die klösterlichen Anlagen und Ländereien in den Besitz des Grafen zu Bentheim über. Die Jahrtausende umfassende Besiedlung und die bisher 625-jährige Geschichte der Stadt haben neben dem Kloster Marienwolde nur noch wenige bauliche Zeugen aus alter Zeit hinterlassen.
In Anlehnung an die spätromanischen Kirchen im benachbarten Westfalen wurden im 13. Jahrhundert Kirchen aus Bentheimer Sandstein errichtet. Einzig erhaltenes Kunstwerk dieser Zeit ist der Brandlechter Taufstein. Zeuge des 15. Jahrhunderts ist die Alte Kirche am Markt. Sie wurde unter niederländischen Einfluss im spätromanischen Stil erbaut und zu Ehren des hl. Liudger, des Gründers der ersten Kirche in Nordhorn, geweiht. Wahrscheinlich arbeiteten drei Generationen an dieser eindrucksvollen dreischiffigen Hallenkirche. Ursprünglich hatte der Turm eine Höhe von 102 Metern und fiel als Wach- und Brandturm unter die Verantwortung des Rates der Stadt. Bei einem schweren Sturm stürzte die Turmspitze auf den sich vor dem Gebäude befindenden Marktplatz. Die neue Spitze war wesentlich niedriger (ca. 70 Meter) und winddurchlässig. Bei einer Restaurierung des Innenraums der Kirche im Jahre 1967 wurden im Chorraum gotische Wandmalereien freigelegt – die „Nordhorner Apostelbilder“. Sie zeigen die zwölf Apostel und verschiedene biblische Bilder. Die Malereien wurden konserviert, weil man sich nicht einigen konnte, was mit ihnen geschehen sollte, da nach der calvinistischen Kirchenordnung des reformierten Bekenntnisses, das 1588 vom Grafen Arnold II. zu Bentheim eingeführt wurde, auf Bilder und Schmuck in Kirchenräumen zu verzichten ist. Bei einer Renovierung Ende der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden diese Bilder wiederentdeckt und der Kirchenrat entschied, die Bilder mit Reispapier abzudecken, da sie als zu wertvoll erschienen, um sie einfach zu überstreichen.
Durch Kriege und Epidemien stark dezimiert, musste die Stadt im 17. und 18. Jahrhundert mehrere Besetzungen und Truppendurchzüge erdulden. Im 80-jährigen Freiheitskampf der Niederländer gegen die Spanier war Nordhorn Durchgangsstation für spanische Truppen, da die benachbarte Grafschaft Lingen zum spanischen Territorium gehörte. Zeitweise soll der Prinz vom Parma mit 6.000 Soldaten um Nordhorn gelagert haben.
Während des Dreißigjährigen Krieges zogen Schweden, Hessen, Lüneburger und kaiserliche Truppen über die alte Flämische Heer- und Handelsstraße durch Nordhorn – alle wollten aus den kärglichen Ernteerträgen verpflegt werden. Der ausgebeuteten Stadt blieb jedoch kaum Zeit, sich von den Kriegswirren zu erholen. Schon wenige Jahre später führte der streitbare Bischof Christoph Bernhard Graf von Galen aus Münster in der Ebene vor Nordhorn gegen die Niederländer einen Krieg, der 1666 mit dem Nordhorner Frieden endete.
Zur Zeit Napoleons herrschte in Nordhorn erneut geschäftiges Treiben. In diesen Jahren wuchs der Handelsplatz an der Vechte, zwei Häfen bestimmten das Bild der Stadt. Die gegen den englischen Handel gerichtete Kontinentalsperre Napoleons ließ Nordhorn ab 1806 zu einem Zentrum des Schmuggels werden. Die weiten Moor- und Heideflächen begünstigten diesen einträglichen Handel.
Infolge der Neuordnung der politischen Landschaft Europas durch den Wiener Kongress 1814/15 kam der bis zu diesem Zeitpunkt florierende Transithandel in Nordhorn abermals zum Erliegen. Die Staatsgrenze wurde Zollgrenze, womit man dem nach Westen orientierten Nordhorner Handel seine Grundlagen entzog. In den Folgejahren verarmte die Stadt. Da die Vechte nicht zeitgemäß ausgebaut werden konnte und versandete, kam zudem der Schiffsverkehr zum Erliegen. Die Städter wurden zu Ackerbürgern, Händler und Spediteure verließen Nordhorn. Nur die Heimweberei brachte noch Verdienstmöglichkeiten, ganze Familien wanderten nach Amerika aus.
Das Jahr 1839 gilt als Gründungsjahr der Nordhorner Textilindustrie. An der Handelsstraße entstand die erste mechanische Schnellweberei durch Willem Stroink aus Enschede. Hier wurde Baumwolle verarbeitet, Kattun und Watertwist gewebt. Weitere Betriebe gründeten 1864 Jan van Delden und 1851 Josef Povel und Hermann Kistemaker. Die Textilherstellung wurde zum Schrittmacher für die darniederliegende Wirtschaft. Der Fortschritt hielt mit zunehmender Industriealisierung Einzug. Der Grundstein für die Entwicklung zu einer der größten deutschen Textilstädte war gelegt.
Bürgermeister der Stadt war von 1843 bis 1872 der Apotheker und Chemiefabrikant Ernst Firnhaber, dessen Haus in der Hauptstraße im Mittelpunkt des damaligen gesellschaftlichen Lebens stand. Mit seinen klassizistischen Bauelementen ist es das letzte architektonische Beispiel eines herrschaftlichen Bürgerhauses aus dem 18. Jahrhundert. Hinter der Apotheke richtete er die erste Chininfabrik Deutschlands ein. 1843 wurden 32.403 Pfund Chinarinde verarbeitet und exportiert. Die Fabrikanten Ludwig Povel, Bernhard Rawe, Bernhard Niehues und Friedrich Dütting gründeten in den Jahren von 1872 bis 1897 weitere Textilunternehmen, die zum Teil bis zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch den inländischen und internationalen Markt beliefern.
In den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde Nordhorn in ein Netz von künstlichen Wasserstraßen einbezogen. Über die Ems, den Dortmund-Ems-Kanal und den Ems-Vechte-Kanal transportierte man die Kohle aus dem Ruhrgebiet in das aufstrebende Textilzentrum. Mit dem Nordhorn-Almelo-Kanal sorgte man für den Anschluss an das niederländische Wasserstraßennetz, und mit dem Bau des Nord-Süd-Kanals wurde der Torfhandel belebt. Wenn auch heute sämtliche Kanäle für die Nutzschifffahrt keine Bedeutung mehr haben, so ist ihr Freizeitwert jedoch hoch einzuschätzen.
Die Bentheimer Eisenbahn brachte 1896 den Eisenbahnanschluss an das internationale Netz. In den verschiedenen Textilfirmen fanden in diesen Jahren etwa eintausendfünfhundert Menschen Beschäftigung. Die Weltwirtschaftskrise in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts ließ viele Arbeitssuchende aus allen Gegenden des Deutschen Reiches ihren Weg nach Nordhorn finden. Bis 1939 erhöhte sich die Zahl der Einwohner Nordhorns auf 23.457; dabei ist auffällig, dass nur knapp ein Drittel der Einwohnerschaft in Nordhorn geboren wurde. Der ungewöhnliche wirtschaftliche Aufstieg trug Nordhorn in diesen Jahren den Beinamen Klein Amerika ein.
Auch das Dritte Reich hinterließ in Nordhorn seine Spuren. Die kleine jüdische Gemeinde wurde zerschlagen. Die Synagoge wurde völlig zerstört, woran eine Gedenktafel in der Synagogenstraße erinnert. Die alte Flämische Handelsstraße wurde von den deutschen Truppen, die am 10. Mai 1940 in die Niederlande einmarschierten, als Heerstraße genutzt. Teile der Bevölkerung erlebten diese Zeit mit sehr gemischten Gefühlen – war man doch durch verwandtschaftliche und freundschaftliche Bande über die Grenze hinweg mit den holländischen Nachbarn verbunden. Auf diese Verbindung konnten besonders die Verfolgtenhilfe und die Widerstandsbewegungen bauen.
Nach Kriegsende kamen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten nahezu zehntausend Menschen nach Nordhorn, die hier eine neue Heimat fanden. Die Stadt zählte bald schon über 40.000 Einwohner.
In den Folgejahren machten vor allem gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaften und Privatinitiativen Nordhorn zur Stadt der Eigenheime. Die enormen Aufbauleistungen verlangten auch eine Vergrößerung und Modernisierung der kommunalen Verwaltung – Nordhorn baute ein neues Rathaus; Gebäude der Kreisverwaltung, des Arbeitsamtes und des Amtsgerichtes entstanden am Stadtring. Das neue Amtsgericht steht nun in der Seilerbahn.
Das erste Hallenschwimmbad Nordwestdeutschlands nach 1945 konnte eingeweiht werden, neue Schulen, Sporthallen und -plätze, der Konzert- und Theatersaal und der Stadtpark führten zur Belebung des Stadtbildes.
Im Mittelalter gab es Krisenzeiten, aber auch Reformen und neue Aufbrüche. Dazu zählt auch die „Devotio moderna“ (= „Brüder und Schwestern vom gemeinsamen Leben“), gegründet in Deventer in Holland. Aus dieser Reformbewegung entstand im Nordwesten des Stadtgebietes das 1394 von Augustinermönchen gegründete Chorherren-Stift in Frenswegen – früher „Marienwolde“ genannt. Seine im Jahre 1444 geweihte Kirche wurde 1881 durch Blitzschlag zerstört. Das Kloster war von großer Bedeutung für Nordhorn und weit darüber hinaus. Nach und nach entstanden die Klostergebäude und Anfang des 15. Jahrhunderts eine Kirche.
Auch in Nordhorn benötigte man eine größere Kirche. Am 6. Juli 1445 wurden beide Kirchen durch den Weihbischof von Münster geweiht. Patron der Kirche in Nordhorn war wieder der hl. Liudger. Die dreischiffige spätgotische Marktkirche wurde in Bentheimer Sandstein errichtet und beherrscht mit ihrem 71 m hohen Turm das Stadtbild.
Nach der Reformation (1517) nahm Graf Arnold I. und mit ihm fast die ganze Grafschaft 1544 das lutherische Bekenntnis an. Auch die St.-Ludgeri-Kirche am Markt ging in den Besitz der neuen Glaubensgemeinschaft.
Im Jahr 1588 trat die Grafschaft Bentheim unter dem Grafen Arnold II. zum reformierten Bekenntnis über. Graf Arnold I. hatte sich im Jahre 1544 dem lutherischen Glauben zugewandt. Seitdem gehört die Kirche am Markt der reformierten Gemeinde. Graf Arnold II. War aber während des Studiums in Straßburg mit der Lehre Calvins in Berührung gekommen. Durch seine Heirat mit Gräfin Magdalena von Neuenahr entstand eine weitere Verbindung. Seine Frau bekannte sich zur reformierte Konfession.
Die wenigen in Nordhorn verbliebenen Katholiken mussten zum Gottesdienst zum Kloster Frenswegen gehen.
1578 kauften die Augustiner-Chorherren die Burg auf der Vechte-Insel in Nordhorn. Im Residenzhaus richteten sie u.a. eine Kapelle ein. Nun hatten auch die Katholiken wieder einen, wenn auch kleinen Gottesdienstraum.
1712 wurde neben der Burg eine kleine Kirche gebaut. Die Augustiner-Chorherren wählten – neben dem hl. Liudger, den Patron ihres Ordens den hl. Augustinus zum 1. Patron dieser Kirche.
Zur Zeit der Säkularisation durch den Reichsdeputationshauptschluss wurde 1809 das Kloster Frenswegen aufgehoben. Kirche St Augustinus.jpg 1824 war ein bedeutendes Jahr für die St.-Augustiner-Gemeinde. Die Grafschaft, die Jahrhunderte lang zu den Bistümern Utrecht und Münster gehört hatte, wurde der Diözese Osnabrück zugeordnet, die Augustiner-Gemeinde zur Pfarrei erhoben. 1. Pfarrer war der Augustiner-Chorherr Johann B. Cordes, der seit 1810 die Gemeinde betreute. 1826 wurde die Burg zur Kirche umgestaltet. Ende des 19. Jahrhunderts wuchs die Gemeinde sehr rasch. Darum plante man den Bau einer neuen, großen Kirche auf dem Burgplatz an der Vechte. Die Burg wurde abgerissen. Vorbilder für die neue Kirche fand der Architekt Keith aus Hamburg in Italien, z.B. das Pantheon in Rom oder die Kirche „San Giorgio“ in Venedig. Grundriss der Kirche ist ein ‚Oktogon’, also ein Achteck.
Von 1911 bis 1913 wurde das Bauwerk vollendet und die Kirchweih gefeiert. Gleichzeitig mit der Kirche wurde der Turm gebaut. Um die Wirkung der Kuppel nicht zu beeinträchtigen, steht er etwas abseits. Eine zweistöckige Arkade verbindet Turm und Kirche. Der Turm ist 45 m hoch und beherbergt vier Glocken.
Die Kuppel der Kirche – eine Besonderheit im norddeutschen Raum – prägt das Nordhorner Stadtbild. Über der massiven Eisen-Beton-Kuppel wölbt sich eine hölzerne mit Kupfer gedeckte Außenkuppel, gekrönt mit einer Laterne. Die Gesamthöhe ist 35 m.
Insgesamt sind in Nordhorn zwölf Gotteshäuser vorhanden, von denen sieben erst nach dem 2. Weltkrieg errichtet wurden.
28,14 % der Nordhorner sind evangelisch reformierte Christen, 21,05 % Lutheraner, 29,19 % Katholiken und 21,64 Prozent Mitglieder keiner oder einer sonstigen Religionsgemeinschaft.
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1815 | 980 |
| 1851 | 1.356 |
| 1864 | 1.500 |
| 1895 | 2.041 |
| 1900 | 3.000 |
| 1929 | 18.000 |
| 1933 | 20.000 |
| 1961 | 39.449 |
| 1980 | 48.500 |
| 1990 | 49.000 |
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1996 | 49.000 |
| 1997 | 51.500 |
| 1998 | 51.809 |
| 2000 | 51.855 |
| 2001 | 51.974 |
| 2002 | 52.479 |
| 2003 | 52.479 |
| 2004 | 53.105 |
| 2005 | 53.093 |
Außerdem ist der Bürgermeister stimmberechtigtes Mitglied des Stadtrates.
Kloster Frenswegen-2-.jpg Ein schönes Beispiel wiederhergestellter überkommener Architektur ist das aus dem 14. Jahrhunderte stammende Kloster Frenswegen im Nordwesten der Stadt. Durch Blitzeinschlag wurde die 1445 geweihte Kirche 1881 zerstört. Die Klostergebäude sind aber weitgehend erhalten geblieben, ebenso der herrliche quadratische, doppelstöckige Kreuzgang, das Brunnenhäuschen, die Brücke über die Gräfte und die eindrucksvollen Kellergewölbe. An der Außenfassade des Ostflügels lenkt eine in Bentheimer Sandstein gearbeitete Madonna mit dem Kinde die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich. Nach behutsamer Renovierung beherbergt das beeindruckende Gebäude heute eine ökumenische Bildungs- und Begegnungsstätte, deren Ausgangspunkt und Basis die ungewöhnlich große Konfessionsvielfalt in Nordhorn und Umgebung ist. Spuren der Gotik prägen die reformierte Kirche, die trutzig im alten Dorfkern von Brandlecht steht.
Als Beispiel romanischer Bildhauerkunst ist der Taufstein dieser Kirche zu nennen, der als ältestes Kunstwerk in Nordhorn – aus Bentheimer Sandstein gefertigt – noch heute seiner ursprünglichen Bedeutung hat. Ev.ref.Kirche_Am_Markt.jpg Zwei Bauwerke prägen im wesentlichen die Stadtsilhouette Nordhorns. Die im 15. Jahrhundert aus Bentheimer Sandstein errichtete Alte Kirche am Markt und die 1913 auf dem Gelände der ehemaligen Burg erbaute Augustinuskirche sind schon weithin sichtbar. Beide zählen zu den besonderen städtebaulichen Akzenten. Die Innenstadt, heute wie damals eine von der Vechte umflossene Insel, gehört dem Fußgänger.
Einfühlsam restaurierte Fassaden, moderne Arkadengänge, Geschäfte, Boutiquen und gemütliche Straßencafés laden zu verweilen ein. Das älteste Gebäude in der Hauptstraße ist das Wohn- und Geschäftshaus des früheren Bürgermeisters und Chemiefabrikanten Firnhaber. Hinter der zweigeschossigen klassizistischen Fassade, dem Dreiecksgiebel mit auftragendem Walmdach und einem Rundbogenfenster mit Zopfgirlande, setzt sich die Tradition des ersten Apothekers von Nordhorn noch heute in der Adler-Apotheke fort.
Auf einem Rundgang durch Nordhorn trifft man auf kleine Oasen, die von der Hektik des alltäglichen Lebens weitgehend unberührt sind. In großen parkähnlichen Gärten, hinter alten Bäumen und hohen Rhododendronhecken entdeckt man prächtige Herrenhäuser. Diese nach holländischen Vorbildern erbauten Villen waren vor einhundert Jahren Domizile von Textilfabrikanten. Bei einem Gang durch Nordhorn stößt man vielerorts noch auf Zeugen der älteren und neueren Geschichte: Sei es das 1952 fertiggestellte Rathaus mit seinem Glockentürmchen oder der alte Ziehbrunnen im Park am Völlinkhoff. Erinnerungen an eine Zeit, in der die schweren Sandsteine des Kollergangs der Ölmühle noch ihre Funktion erfüllten, werden im Stadtpark geweckt. Ehemalige Kornmuehle.jpg Spuren sind geblieben, ein neues Wehr hat die alte Mühlenanlage abgelöst. Mit der Stilllegung der Korn- und Sägemühle am Mühlendamm endete in Nordhorn eine fast sechshundertjährige Mühlengeschichte. Diese Gebäude wurden renoviert und bieten nun einen ansprechenden Rahmen für kulturelle Veranstaltungen.
Industriegeschichte wurde in Nordhorn u.a. von der Textilfabrik Povel geschrieben, die 1979 ihr Tore nach fast hundertjähriger Produktion schloss. Als letzter Zeuge der wirtschaftlichen Blütezeit zu Beginn des letzten Jahrhunderts ist der frühere Spinnereiturm als Industriedenkmal erhalten. Er wird in eine spätere städtebauliche und kulturellen Nutzung des gesamten Geländes eingebunden werden.
In der Bussmaate, einem ehemaligen Feuchtwiesengebiet, wurde vor hundert Jahren eine andere Textilfabrik mit einem sich daran anschließenden Wohngebiet für Textilarbeiter erbaut. Anfang der 50er Jahre entwarf Professor Emanuel Lindner, Dozent am Bauhaus und Schüler von Mies van der Rohe, zusammen mit dem heute in Kanada lebenden Architekten Eberhard Heinrich Zeidler Erweiterungsbauten für dieses Unternehmen. Mit einer klar gegliederten Glasfassade passt sich der zeitlose Nutzbau übergangslos dem Gründerzeitlichen Industriekomplex an. Heute steht auch dieses Gebäude leer und soll in städtebaulich umgewandelt werden.
Die schönen Hinterlassenschaften der Gründerzeit ist der Stadtpark, ein Villenpark eines der früheren Fabrikanten. In der Konzertmuschel im Stadtpark finden regelmäßig Konzerte statt, die rege Ansprache bei der allgemeinen Bevölkerung finden.
Die Industriealisierung hatte zur Folge, dass die Einwohnerzahl von 2.540 im Jahre 1903 und 18.104 Einwohner im Jahre 1930 bis zur Hochzeit der Textilindustrie auf bis zu 50.000 Einwohner stieg.
Heute hat Nordhorn ca. 53.500 Einwohner.
Die mit bis zu 6.000 Beschäftigten ehemals größte Nordhorner Textilfirma NINO gehörte bis in die 1980er Jahre zu den führenden europäischen Textilproduzenten. Dies zeigt sich nicht zuletzt auch an der Zusammenarbeit mit international gefragten Modefotografen wie Karl Lagerfeld und Helmut Newton. Von den damals großen drei Textilbetrieben NINO, Povel und Rawe existiert in der „Textilstadt im Grünen“ heute keine mehr.
Seit dem Rückgang der Textilindustrie sind vor allem mittelständische Unternehmen aus verschiedenen Dienstleistungs- und Produktionsbereichen in Nordhorn angesiedelt, ohne jedoch den Arbeitsplatzverlust durch den Rückgang der Textilindustrie ausgleichen zu können. Auch die Neuansiedlung der Citibank schlug – trotz massiver lokaler Subventionen – letztendlich fehl.
Hervorzuheben ist die große Anzahl an (Großraum-)Märkten in Nordhorn. So hat Nordhorn etwa doppelt soviele Quadratmeter Einkaufsfläche pro Einwohner wie der Bundesdurchschnitt.
Für Mitte 2006 ist die Eröffnung des „Rawe-Ring-Centers“ (etwa 22.000 m² neue Verkaufsfläche) auf einem Teilgrundstück der ehemaligen Textilfabrik Rawe geplant. Diese Neueröffnung stößt vor allem bei den lokalen Einzelhändlern auf erheblichen Widerstand, wird aber gleichwohl, da von den meisten Lokalpolitikern befürwortet, durchgeführt.
Ebenfalls bei Nordhorn zu finden ist der umstrittene Bombenabwurfplatz Nordhorn Range. Betrieben wurde er nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst von der Royal Air Force, inzwischen nutzt ihn die deutsche Bundeswehr.
Die Gesamtlänge des Straßennetzes von Nordhorn beträgt 586,5 km, davon: 28 km Bundesstraßen, 10,8 km Landstraßen, 30,6 km Kreisstraßen und 517,1 km Stadtstraßen.
In Nordhorn gibt es insgesamt 2.807 Parkplätze.
Ein gut ausgebautes Straßennetz von 586,5 km kann in Nordhorn aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das beliebteste Verkehrsmittel das Fahrrad, die „Fietse“, ist.
Die Stadt liegt in der Nähe zweier Bundesautobahnen, der A 30 und der A 31. Ferner ist die Stadt mit zwei Bundesstraßen, der B 403 und der B 213 an das Verkehrsnetz angeschlossen.
Die Vorliebe des Nordhorners für seine Fietse und das morgendliche Verkehrsgewimmel der Zweiräder führten zum Ausbau eines besonderen Radwegenetzes, das die gesamte Grafschaft Bentheim durchzieht. „Paddestolen“ an diesen „Fietsenpads“ weisen dem Radwanderer den richtigen Weg. Hier hat sich die Öffnung Europas bereits vollzogen – kann man doch auch auf diesen Wegen über die grüne Grenze ins benachbarte Holland gelangen.
Nordhorn ist mit seinen ca. 53.000 Einwohnern die nach Herten zweitgrößte deutsche Stadt ohne Schienenpersonenverkehr. Die nächsten Personenbahnhöfe befinden sich in jeweils etwa 20 km Entfernung in Lingen und Bad Bentheim.
Nordhorn verfügt im Ortsteil Klausheide über den Flugplatz Nordhorn-Lingen (EDWN).
Durch die Initiative des Vereins Grafship, der im Jahr 2003 gegründet wurde, gab der Landrat Friedrich Kethorn am 14. November 2005 den Ems-Vechte-Kanal wieder für die Schiffahrt frei. Nun ist es Kapitänen gestattet, Schiffe bis zu einer Gesamtlänge von 12 m durch den Ems-Vechte-Kanal zu fahren. Die Freigabe der beiden anderen Kanäle dauert noch an.
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