Nordenham ist mit 27.830 Einwohnern die größte Stadt des
Landkreises Wesermarsch in
Niedersachsen. Weiterhin ist Nordenham Teil der Region
Oldenburger Land.
Geografie
Nordenham liegt am Westufer der
Weser gegenüber von
Bremerhaven an ihrer Mündung in die
Nordsee sowie nördlich der Städte
Bremen und
Oldenburg (Oldb.).
Zusammen mit den Nachbargemeinden
Butjadingen und
Stadland ist Nordenham vor allen Dingen eine touristisch attraktive Gegend zwischen
Nordsee,
Jadebusen und
Weser. Die Umgebung ist überwiegend ländlich geprägtes
Marschland und wird ringsherum von
Deichen vor Sturmfluten geschützt.
Stadtgliederung
Nordenham ist in folgende 35 Stadtteile unterteilt:
Abbehausen, Abbehauser Groden, Abbehauser Hörne, Abbehauserwisch, Atens, Atenserfeld, Blexen, Blexersande, Blexerwurp, Bulterweg, Butterburg, Einswarden, Ellwürden, Enjebuhr, Esenshamm, Esenshammer Altendeich, Esenshammer Oberdeich, Esenshammergroden, Friedrich-August Huette, Grebswarden, Großensiel, Havendorf, Heering, Hoffe, Kloster, Moorseersand, Oberdeich, Phiesewarden, Rahden, Sarve, Schockumerdeich, Schweewarden, Schütting, Tettens, Treuenfeld, Volkers.
Zum Stadtgebiet gehören auch die beiden Inseln
Langlütjen I und
Langlütjen II.
Geschichte
Nordenham entwickelte sich seit der Mitte des
19. Jahrhunderts aus der Gemeinde Atens. Der Kaufmann
Wilhelm Müller ließ einen Schiffanleger, den so genannten Ochsenpier, errichten, über den der
Norddeutsche Lloyd Vieh nach England transportierte.
Gaststaette-Friedeburg.jpg
Der Stadtteil Blexen ist einer der ältesten Orte der Gegend (erste Besiedelung vermutlich im 7. Jh. n. Chr.). Er wurde 789 erstmals urkundlich erwähnt aus Anlass des Todes des Bischofs Willehad.
Die Blexer St. Hippolyt-Kirche wurde im Laufe der nächsten Jahrhunderte zur Wallfahrtskirche. Im Zuge der Oldenburgischen Verwaltungsreform 1933 verlor Blexen seine Selbstständigkeit und wurde dem Stadtgebiet Nordenhams zugeschlagen.
Im Jahre 1404 bauten die Bremer im Ortsteil Atens eine Befestigungsanlage, die Vredeborch (Friedeburg). Von hier aus zogen sie gegen die aufständischen Einwohner Butjadingens und Stadlands zu Felde. Der nördliche Teil der Wesermarsch war zu diesem Zeitpunkt noch eine Insel und wurde durch die Heete vom Festland getrennt. Erst um das Jahr 1450 wurde die Heete durchdeicht.
In den Jahren 1499-1514 wurde Butjadingen von Graf Johann V. für das Herzogtum Oldenburg erobert.
Im Jahre 1808 wurde ganz Butjadingen, wie der Rest des Herzogtums Oldenburg, von holländischen Truppen besetzt. 1813 erhob sich die Bevölkerung gegen die französischen Truppen Napoleons. Im Rahmen von Vergeltungsmaßnahmen wurden an der Blexer Kirche zehn Soldaten erschossen.
Bahnhof-Nordenham.jpg
Am 15. Oktober 1875 befuhr der erste Eisenbahnzug die Strecke Hude - Nordenham. Das "Hotel auf dem Deiche" des Stadtgründers Wilhelm Müller (auf dem Bild das Mittelstück) war zuvor zum Bahnhof ausgebaut und 1875 an den Oldenburgischen Staat verkauft worden.
Der Name der Stadt Nordenham rührt vom Gut Nordenhamm her, weshalb die Stadt ursprünglich mit zwei M als "Nordenhamm" geschrieben wurde. Erst im Jahre 1888 wurde beschlossen, auf das zweite M im Namen zu verzichten - angeblich als freundliche Geste gegenüber den Engländern, mit denen ein reger Seehandel zustande kam. Englische Städte, die auf "-ham" enden, werden mit nur einem M geschrieben. Durch die Angleichung wollte man Schreibfehler der englischen Handelspartner vermeiden helfen.
1878 wurde in der Postagentur Blexen das erste Telefon des Oldenburger Landes in Betrieb genommen. Es verband die Station mit dem Telegrafenamt in Nordenham.
1905 rief der Bremer Reeder Friedrich Adolf Vinnen die "Midgard" Deutsche Seeverkehrs-AG ins Leben, die die inzwischen errichteten Hafenanlagen von Nordenham übernahm, verwaltete und ausbaute sowie eine Anzahl von größeren Fischdampfern bereederte. Auch mit der Gründung der Nordenhamer Terrain-AG (1906) und der "Visurgis" Heringsfischerei AG (1907) trug er zum wirtschaftlichen Aufschwung des Ortes bei.
Am 1. Mai 1908 wurde Nordenham das Stadtrecht II. Klasse verliehen. Seit 1955 ist Nordenham eine selbstständige Stadt.
Im Zuge der Gebietsreform von 1974 wurden die ehemals eigenständige Gemeinden Abbehausen und das Dorf Esenshamm in das Stadtgebiebt eingegeliedert.
Politik
Stadtrat
Die letzten Stadtratswahlen vom 9. September 2001 ergaben folgendes Wahlergebnis:
- SPD, 52,10%, 20 Sitze, Austritt von 1 Mitglied aus der Partei im Jahre 2006 (bildet mit der SPD eine Gruppe, so dass sich die Mandatsverhältnisse nicht ändern)
- CDU, 31,66%, 12 Sitze
- FDP, 11,21%, 4 Sitze
- Grüne, 5,01%, 1 Sitz
Die Wahlbeteiligung betrug 47,82%.
Bürgermeister
Bei der letzten Bürgermeisterwahl im Jahre 2003 erhielt Dr. Georg Raffetseder (
CDU) 59,47% der Stimmen. Auf seine Gegenkandidaten Ulrich Münzberg (
SPD) und Frank-Rüdiger Halt (parteilos) entfielen nur 36,91% bzw. 3,6% der Stimmen.
Städtepartnerschaften
Peterlee-Rathaus.jpg
Es bestehen zwei Städtepartnerschaften mit
Peterlee im Norden
Englands und mit
Swinemünde im Nordwesten
Polens auf der Insel
Usedom. Peterlee ist eine Neugründung, eine so genannte "new town", aus dem Jahre
1948 im County Durham. Seit
1981 gibt es mit dieser Stadt eine Partnerschaft. Es finden regelmäßig sowohl öffentliche wie auch private Treffen statt. Die Partnerschaft mit Swinemünde besteht seit
1992. Es finden regelmäßige Schüleraustausche zwischen den Gymnasien beider Städte statt, sowie weitere offizielle und inoffizielle Treffen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke
Moorsee-Mühle-Nordenham.jpg
Bekanntes modernes Bauwerk ist der
Wesertunnel vor den Toren der Stadt.
Das städtische Museum zeigt Exponate aus der Industrie- und Stadtgeschichte, u. a. das "Bruderkussbild" in zwei Ausführungen. Die restaurierte historische Galerie-Holländer-Windmühle Moorseer Mühle ist die einzige Windmühle in der Umgebung mit zwei Windrosen und die letzte voll funktionsfähige Windmühle im Landkreis. Angeschlossen ist ein Museum über Müllereigeschichte in zwei Gebäuden. Den Jedutenhügel in Nordenham-Grebswarden soll es schon zu Wikingerzeiten gegeben haben. Die St.-Hippolyt-Kirche in Blexen mit Münstermann-Altar und der Willehadusbrunnen war früher Ziel von Wallfahrten. Museum und Kaufhaus zugleich ist das Historische Kaufhaus in Abbehausen.
3d-foto-beispiel1.jpg
Siehe auch
Kirchen
Sonstige
- Seenpark mit Vogelschutzgebiet
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr
Seit der Fertigstellung des
Wesertunnels hat Nordenham über die
B 437 einen direkten Anschluss an die
A 27 (Auffahrt
Loxstedt-
Stotel). In Gegenrichtung über die
B 212 erreicht man
Oldenburg (Oldb.). Im Zuge des Ausbaus der
B 437 wurden außerdem eine Ortsumgehung um den Stadtteil Esenshamm geschaffen, zusätzlich zu der einige Jahre vorher fertiggestellten Ortsumgehung Nordenham. Des Weiteren besteht eine dauerhafte Bahnverbindung vom Nordenhamer
Bahnhof zum Bremer
Hauptbahnhof. Trotz des Wesertunnels befindet sich in Nordenham-Blexen immer noch eine
Fährverbindung nach
Bremerhaven.
Ansässige Unternehmen
Ein Großteil der Nordenhamer Bevölkerung - ungefähr 4.500 Personen - arbeitet in Industriebetrieben, die vor allem von der nahen Lage zur Weser (seeschifftiefes Fahrwasser) profitiert. Besonders erwähnenswert sind das Werk Nordenham der deutschen
Airbus, wo vor allem Rumpfschalen auch für den A 380 hergestellt werden, sowie die
Rhenus Midgard, dem größten deutschen Hafen in Privatbesitz. Weitere große Industriebetriebe sind die
Norddeutschen Seekabelwerke,
Kronos Titan,
Xstrata Zinc, Metaleurop und nkt cables.
Die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Nordenham
Die Norddeutsche
Seekabelwerk AG siedelte sich 1899 als erster Industriebetrieb in Nordenham an. Heutzutage hat dies noch Auswirkungen auf das Wirtschaftsleben in Nordenham.
Die "MIDGARD Deutsche Seeverkehrs AG" verfügt heute über zwei moderne Seehafenanlagen in Nordenham und Nordenham-Blexen. Das Unternehmen gehört seit 1. Januar 1998 zur Rethmann-Gruppe (Selm).
1908 wurde die "Metallwerke Unterweser AG" gegründet. Das Unternehmen diente dazu, den aus Übersee an der Unterweser ankommenden Schiffsraum (Ballast) mit Erzen auszunutzen. Daraus resultierte die Einrichtung einer Kunstdüngerfabrik, der Superphosphatfabrik (1906 - 1908), dort wurde die Metallverhüttung der anfallenden Schwefelsäure verarbeitet. Nach einer Krise in der Düngerindustrie im Jahr 1988 wurde die Fabrik geschlossen.
Die Industrialisierung wurde durch den Ersten Weltkrieg gestoppt. Durch die Nachkriegszeit hatte von 1921 bis 1925 bestehende Aktiengesellschaft wenig Erfolg mit der Gründung der "Oldenburger Schiffswerft". Die Frerichs-Werft wurde im Jahre 1935 Opfer der Wirtschaftskrise.
Der in den Jahren 1935/36 einsetzende wirtschaftliche Aufschwung erfasste auch die Schwerindustrie; damit profitierte auch die Oldenburger Werft, Filialen der bremischen Weser-Flugzeugbaugesellschaft als Reparaturbetrieb für Maschinen der Firmen Donier Junkers, Arado und Heinkel. Der Konzern Felten & Guilleaume erreichte durch die Eröffnung des Fertigungsbetrieb für Kabel, Schalter und Schaltanlagen in den Hallen der Weserflug Nordenham (vormals Oldenburger Werft) am 1. August 1949 eine weitere Industrialisierung der Region.
Weitere Entwicklung am Standort Felten & Guilleaume (F&G)
- 1950: Produktion von Bleichert - Elektrokarren und elektrische Motoren
- 1951: 800 Mitarbeiter sind für die Herstellung von Kabelgarnituren tätig
- 1956: Fertigung von Auslösern für Fehlerstromschutzschalter
- 1957: Herstellung von Fernmelde-Kabelgarnituren
- 1977: Verlagerung der Motorenproduktion von Braunschweig nach Nordenham
- 1979: Serienproduktion des Leistungsschutzschalters PX100
- 1998: Die drei Geschäftsgebiete in Nordenham werden eigenständige GmbH´s. Die Bonner Moeller Gruppe übernimmt die Mehrheit der Felten & Guilleaume AG.
- 1999: Trennt sich F&G von seinen Kabelaktivitäten. Die Kabelproduktion in Köln und die Kabelgarnituren GmbH in Nordenham werden an die dänische NKT- Gruppe verkauft.
Somit verbleiben derzeit am Standort Nordenham drei selbstständige Unternehmen:
- ATB – Seit 80 Jahren Erfahrung auf dem Gebiet der Antriebstechnik Fertigung von explositionsgeschützte Motoren
- Moeller - weltweiter Anbieter von Komponenten und Systemen für die Energieverteilung und Automatisierung in der Industrie
- nkt cables GmbH, Kabelgarnituren ist ein seit 1949 in Nordenham ansässiges Unternehmen für die Lieferung von Mittel- und Hochspannungsgarnituren sowie Kabelverteilerschrank, Zähleranschlußsäulen, Hausanschlusskästen, Straßenbeleuchtungssäulen.
Energie
Seit Anfang der 80er-Jahre besteht bei der
Schule Am Luisenhof eine
Windenergieanlage mit 80 kW Spitzenleistung der Fa.
Enercon, die im Rahmen eines Pilotprojektes
Windstrom in das allgemeine
Stromnetz einspeist.
Medien
Bürger-Radio und -Fernsehen bietet der ehemalige Offene Kanal Wesermündung (jetzt radioWSMtv) an. Das Studio befindet sich im Rathausturm an der Walther-Rathenau-Straße. Gesendet wird jeweils am Mittwoch (Radio) und am Donnerstag (Fernsehen).
In Nordenham erscheinen die
Kreiszeitung Wesermarsch sowie die
Nordwest-Zeitung mit ihren jeweiligen Lokalteilen.
Öffentliche Einrichtungen
Nordenham besitzt zwei
Schwimmbäder mit 25-Meter-Becken sowie ein Freibadgelände im
Freizeitbad Störtebeker. Die Stadthalle "
Friedeburg" für verschiedene Veranstaltungen entstand aus dem ehemaligen Hotel des Stadtgründers Wilhelm Müller in den 1950er-Jahren. Eine
Sternwarte mit
Planetarium befindet sich in den Räumen des Gymnasiums Nordenham. Die Stadtbücherei befindet sich ebenfalls in einem Anbau des Gymnasiums nahe der Innenstadt. Eine ehemalige Sporthalle, die
Jahnhalle, wurde zum Jugend- und Kulturzentrum umgebaut und direkt am Strandgelände befindet sich neben dem Campingplatz eine Deutsche
Jugendherberge (DJH).
Bildung
Nach Umstellung des Bildungssystems des Landes Niedersachsen im Jahre 2004 wurden die früheren Orientierungsstufen aufgelöst. Deren Gebäude stehen nun den weiterführenden Haupt- und Realschulen sowie dem Nordenhamer Gymnasium zur Verfügung. Außerdem verfügt Nordenham über eine Berufsschule sowie eine
Volkshochschule.
Sport
In Nordenham gibt es eine umfangreiche aktive Sportszene, die sich in vielen verschiedenen Vereinen widerspiegelt. Das größte Sportangebot bietet im Ortskern von Nordenham der
Sportverein Nordenham (SVN e.V.) an, mit dem Schwerpunkt auf diverse leichtathletische Sportarten. Der
Blexer Turnerbund von 1907 e.V. bietet die Sparten Handball, Schwimmen, Leichtathletik, Step Aerobic, Tennis (3 Freiplätze, 2 Hallenplätze), Tischtennis, Gymnastik, Turnen, Gesundheitssport (Rückengymnastik, Aqua-Fitneß), Badminton etc. an.
Töchter und Söhne der Stadt
- Klaus Dede, geboren am 1. Juni 1935, Journalist und Schriftsteller.
- Jörg Menno Harms, geboren am 13. September 1939, Vorstandsmitglied des IT-Großindustrieverbands BITKOM und Aufsichtsratsvorsitzender der Hewlett-Packard GmbH Deutschland.
- Roy Uwe Ludwig Horn, geboren am 3. Oktober 1944, Teil des Magierduos Siegfried und Roy.
- Kurt Bahlmann, geboren 1940, Bildhauer und Maler.
- Holger Ortel, geboren am 10. Januar 1951, MdB.
- Ina Korter, geboren am 8. Januar 1955, MdL.
Literatur
- Klaus Wiborg: Nordenham. Böning Verlag, Nordenham 1955 - ISBN B0000BPDP7
Weblinks
Ort in Niedersachsen | Ort mit Seehafen
Nordenham | Nordenham | Nordenham | Nordenham