| Flag of North Korea.svg | North Korea coa.gif | (Details) | (Details) |
In Nordkorea ist die Kurzform Pukchosŏn (Hangeul: 북조선, Hanja: 北朝鮮, Nord-Chosŏn) üblich. In Südkorea, wo Gesamtkorea Hanguk statt Chosŏn genannt wird, heißt Nordkorea Bukhan (Hangeul: 북한, Hanja: 北韓, Nord-Han).
Hauptartikel: Geographie Nordkoreas
Nordkorea besitzt im wesentlichen ein gemäßigtes, kontinentales Klima mit vier ausgeprägten Jahreszeiten. Der Jahresniederschlag fällt hauptsächlich während des Monsuns (jangma) im Zeitraum von Juni bis August. Die Wintermonate sind durch Kälte und Trockenheit gekennzeichnet. Im Herbst ist das Land gelegentlich von Taifunen betroffen.
Das Landesinnere ist wegen seines gebirgigen Charakters nur dünn besiedelt. Die Bevölkerung konzentriert sich auf die Küstenregionen im Westen und Osten des Landes. Dementsprechend befinden sich dort auch die größten Städte Nordkoreas; neben der Hauptstadt Pjöngjang sind dies Hamh%C5%ADng, Kaesong, Sin%C5%ADiju sowie Ch%27%C5%8Fngjin.
Der höchste Berg ist der Paektu-san (2.744 m), der in Nordkorea als heilig verehrt wird. Die wichtigsten Flüsse sind der Tumen und der Amrok (bekannter unter seiner chinesischen Bezeichnung Yalu).
Nordkorea ist ethnisch homogen und weist den prozentual niedrigsten Ausländeranteil weltweit auf. Sieht man von einer kleinen chinesischen Minderheit im Norden des Landes ab, so leben fast ausschließlich Koreaner im Land. Gründe hierfür sind auch die nationalistische Politik der Regierung, gesellschaftliche Ächtung aller Nichtkoreaner und die geringe Attraktivität des Landes für Einwanderer. Es gilt als praktisch unmöglich, sich als Ausländer in Nordkorea niederzulassen.
Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation, insbesondere der schlechten Nahrungsmittelversorgung, sind in den letzten Jahren viele Nordkoreaner nach China geflüchtet. Es wird vermutet, dass sich zwischen 50.000 und 300.000 nordkoreanische Flüchtlinge in China aufhalten. China schiebt jedoch Flüchtlinge aus Nordkorea ab, sodass diese zurück nach Nordkorea müssen. Gemäß unbestätigten Berichten von Amnesty International soll es zu Folterungen und auch Hinrichtungen von Flüchtlingen gekommen sein, die von der chinesischen Grenze zurück kommen.
Es wurde wiederholt berichtet, dass die Einwohner von der Regierung in drei Klassen eingeteilt seien:
Die Klassenzugehörigkeit beeinflusst den Zugang zu Ausbildung, Beruf und auch zu von der Regierung verteilten Gütern wie z.B. Lebensmitteln. Man schätzt, dass etwa ein Viertel der Bevölkerung zu der Klasse der feindlich Gesinnten gerechnet wird.
Die Geschichte vor dem zweiten Weltkrieg ist unter Korea zu finden.
Die Sowjets hatten ein strategisches Interesse daran, einen ihnen wohlgesonnenen koreanischen Staat aufzubauen. Dieser sollte als Puffer gegenüber Japan dienen. Die koreanische Halbinsel wurde als mögliche Operationsbasis für einen Angriff auf die Sowjetunion gesehen. Abgesehen davon, dass Japan und Russland auf eine konfliktreiche gemeinsame Geschichte zurückblicken, verstärkte dieses Anliegen die Einsicht, dass Japan rasch nach seiner Kapitulation zu einem Verbündeten der USA wurde. Der mächtigste Vertreter der Sowjets im besetzten Korea war Generaloberst Terenti F. Schtykow, offizielles Oberhaupt der am 3. Oktober 1945 gebildeten Sowjetischen Zivilverwaltung war jedoch Generalmajor Andrei A. Romanenko.
Im folgenden wurde in Nordkorea so eine Wirtschafts- und Staatsform nach sozialistischen Vorstellungen eingerichtet. Die Situation unterschied sich von der in den osteuropäischen Staaten unter sowjetischer Besatzung darin, dass es hier keine einheitliche Kommunistische Partei gab, die bereits Verbindungen zu Moskau hatte. Zwar wurde bereits 1925 eine koreanische Kommunistische Partei gegründet, diese wurde jedoch schon 1928 wegen anhaltender Flügelkämpfe und Fraktionsbildungen auf Weisung der Komintern aufgelöst. Danach existierten nur noch vereinzelte kommunistische Gruppen, die im Wesentlichen im Süden des Landes aktiv waren. Im Norden spielten die Kommunisten zunächst keine Rolle. Die sowjetische Besatzungsmacht suchte so nach anderen Verbündeten. Man wollte zunächst den Nationalisten Cho Man-sik, der als einflussreichste politische Persönlichkeit im Norden Koreas galt, zum neuen starken Mann aufbauen. Es zeigte sich jedoch bald, dass die Gegensätze zwischen dem Nationalisten und der kommunistischen Besatzungsmacht zu groß waren.
Ende des Jahres 1945 setzte eine starke Einwanderungsbewegung von ethnischen Koreanern aus der Sowjetunion (v.a. aus den zentralasiatischen Sowjetrepubliken) ein, durch die die kommunistischen Gruppen im Norden gestärkt wurden. Die staatlichen Stellen in der Sowjetunion propagierten insbesondere die Auswanderung "politisch gebildeter" Koreaner. Am 13. Oktober 1945 wurde das "Nordkoreanische Büro der KP Koreas" als Sektion der gesamtkoreanischen KP (Sitz in Seoul) gebildet, zu dessen Vorsitzendem im Dezember Kim Il-sung bestimmt wurde.
Die Bevormundung durch die Sowjets und die sich abzeichnende Installation eines kommunistischen Regimes im Norden führten schon bald zu Konflikten. So kam es zu antikommunistischen Studentenprotesten in den Städten Sinŭiju und Hamhŭng, die gewaltsam niedergeschlagen wurden. Schon früh wurden von Südkorea aus, unterstützt durch Flüchtlinge aus dem Norden, terroristische Anschläge auf Kim Il-sung und andere nordkoreanische Kommunisten organisiert, von denen jedoch keiner erfolgreich war. Der Widerstand der Einheimischen gegen die Kommunisten blieb jedoch verhalten. Im Gegensatz dazu entwickelte sich im Süden des Landes eine linke Partisanenbewegung gegen die sich konstituierende Staatsmacht. Die Partisanen im Süden wurden vom Norden unterstützt. Die im September 1947 in Kandon, einem Vorort Pjöngjangs, gegründete Politische Hochschule diente der Ausbildung für den Untergrundeinsatz im Süden.
Im Februar 1946 wurde das Provisorische Volkskomitee gebildet, an dessen Spitze Kim Il-sung stand. Im Frühjahr spaltete sich die nordkoreanische Sektion der KP ab und bildete eine eigene "Kommunistische Partei Nordkoreas", die sich am 29. Juli mit der linken "Neuen Volkspartei" zur "Nordkoreanischen Arbeiterpartei" (oder "Partei der Arbeit Nordkoreas") vereinigte. Erster Generalsekretär wurde Kim Doo-bon. Die südkoreanischen Kommunisten vereinigten sich nach der Abspaltung der nordkoreanischen Sektion ebenfalls mit anderen linken Parteien zur "Südkoreanischen Arbeiterpartei" (bzw. "Partei der Arbeit Südkoreas"). In der Folgezeit erhöhte die US-amerikanische Besatzungsmacht ihren Druck auf die kommunistische Untergrundbewegung. Führende Parteimitglieder wurden verhaftet, die restlichen flohen in den Norden, von wo aus die Untergrundarbeit im Süden fortgesetzt wurde. Im Juni 1949 vereinigten sich beide Arbeiterparteien zur "Koreanischen Arbeiterpartei", deren Vorsitzender Kim Il-sung wurde. Darüber hinaus wurde mit der "Demokratischen Partei" und der Partei der koreanischen Religionsgemeinschaft "Chŏndogyo" eine "Nationale Einheitsfront" gebildet.
1946 begann auch die wirtschaftliche Umgestaltung des Landes. Im Frühjahr wurde eine Bodenreform durchgeführt und im Spätsommer begann die Verstaatlichung der Industriebetriebe.
Am 3. November fanden Wahlen zu den so genannten "Volkskomitees", den lokalen Verwaltungsorganen, statt. Es gab lediglich die Option für oder gegen die Einheitsfront zu stimmen. Offiziell entfielen 97% der abgegebenen Stimmen auf die Einheitsfront. Der 1. Kongress der Volkskomitees bestimmte am 17. Februar 1947 die erste nordkoreanische Regierung unter Kim Il-sung und wählte das "Volkskomitee Nordkoreas" als eine Art Parlament.
Parallel zur allmählichen Herausbildung der Strukturen von Staat und Einheitspartei entwickelte sich der Polizei- und Militärapparat. Bereits 1946 wurden die ersten Abteilungen einer nordkoreanischen Armee unter sowjetischem Kommando gebildet. Ähnlich der Vorgehensweise in Ostdeutschland (siehe Kasernierte Volkspolizei) fand auch in Nordkorea der Aufbau der Armee getarnt statt: Die ersten Einheiten waren offiziell der Polizei oder der Eisenbahnverwaltung unterstellt. Die Anfänge der nordkoreanischen Marine fungierten offiziell als Küstenwache. Bis zum 8. Februar 1948, dem Tag, an dem der Norden die Existenz seiner Armee öffentlich machte, waren die Streitkräfte bereits so weit entwickelt, dass sie ein beträchtliches Bedrohungspotenzial gegenüber dem Süden darstellten. Polizei und Sicherheitsdienst wurden ebenfalls schon 1946 gebildet. Beim Provisorischen Volkskomitee gab es ein "Sicherheitsbüro" mit einer "Politischen Staatsschutzabteilung" zur Bekämpfung von "Konterrevolutionären". Chef der Staatsschutzabteilung wurde Pan Hak-syo.
Im Spätherbst 1947 wurde offiziell die Ausarbeitung einer Verfassung angekündigt, womit die baldige Ausrufung eines eigenständigen nordkoreanischen Staates besiegelt schien. Die Verfassung wurde in Moskau redigiert und schließlich von Stalin genehmigt. Am 25. August fanden Wahlen zur Obersten Volksversammlung statt, die am 8. September die Verfassung bestätigte. Einen Tag später wurde die Demokratische Volksrepublik Korea proklamiert.
Zuvor war am 15. August in Seoul die Republik Korea ausgerufen worden. Beide Staaten erkannten einander nicht an und sahen sich jeweils als den einzig rechtmäßigen koreanischen Staat an.
Nordkoreanische Truppen überschritten am 25. Juni 1950 die Grenze zur Republik Korea. Ziel des Angriffs war die gewaltsame Integration Südkoreas in die kommunistische Demokratische Volksrepublik. Dem Norden gelang zunächst ein rasches Vorrücken und die Eroberung fast der gesamten koreanischen Halbinsel. Mit Unterstützung der UNO und vor allem der USA gelang es jedoch den Vormarsch zu stoppen und die Truppen des Südens und seiner Verbündeten rückten bis an die chinesische Grenze vor. China, das ein amerikanisch dominiertes Korea nicht dulden wollte, kam dem Norden zu Hilfe. In diesem nunmehr faktisch amerikanisch-chinesischen Konflikt stabilisierte sich die Front schließlich nahe der Ausgangspositionen. Am 27. Juli 1953 wurde in P'anmunjŏm ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet, das eine gegenüber der Vorkriegssituation geringfügig veränderte Demarkationslinie festschrieb. Der Krieg zementierte so die Teilung des Landes.
Nordkorea hatte bei Beginn des Krieges damit gerechnet, dass sich die Bevölkerung des Südens nach dem Angriff auf seine Seite schlagen würde und so der südkoreanische Staat von selbst zusammenbrechen würde. Zwar wurden die Truppen des Nordens zunächst auch freudig begrüßt, jedoch verging diese Sympathie schnell, als die Nordkoreaner in den besetzten Gebieten eine Bodenreform durchführten und ihre Sicherheitsdienste ihre Arbeit aufnahmen.
Auf einem Parteitag der Koreanischen Arbeiterpartei während des Krieges machte Kim Il-sung den Kommandeur der 2. nordkoreanischen Armee Kim Mu-jong für das offensichtliche Scheitern des Eroberungsfeldzuges verantwortlich. Kim Mu-jong wurde unehrenhaft aus der Armee entlassen und emigrierte nach China.
Zwei Tage später, am 23. Januar 1968 kaperte die nordkoreanische Marine unter ungeklärten Umständen das amerikanische Spionageschiff USS Pueblo (AGER-2) aus internationalen Gewässern. Nach einem Jahr Verhandlungen konnten die USA schließlich eine Freilassung der Crew erwirken. Die Pueblo befindet sich heute im Hafen von Pjöngjang und kann besichtigt werden.
Im Herbst 1968 kam es an der Demarkationslinie zu Gefechten zwischen nord- und südkoreanischen Truppen, nachdem nordkoreanische Soldaten auf das Territorium des Südens vorgedrungen waren.
Am Geburtstag des "Großen Führers", dem 15. April 1969, wurde über dem Japanischen Meer ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug abgeschossen, wobei die gesamte Besatzung ums Leben kam.
In den 1970er und 1980er Jahren kam es regelmäßig zu Entführungen von Südkoreanern und Japanern nach Nordkorea, von denen einige bis heute nicht zurückgekehrt sind. Der spektakulärste Entführungsfall ereignete sich 1978. Shin Sang-ok, ein südkoreanischer Regisseur und seine Ex-Frau, die Schauspielerin Choi Eun-hee wurden in Hongkong getrennt voneinander gekidnappt und per Schiff nach Nordkorea gebracht. Erst 1983 erfuhren sie, dass sie dasselbe Schicksal ereilt hatte und trafen sich in Pjöngjang wieder. 1986 gelang ihnen auf einer Europareise die Flucht.
Am 9. Oktober 1983 verübten drei nordkoreanische Agenten ein Attentat auf eine hohe südkoreanische Regierungsdelegation in der burmesischen Hauptstadt Rangun. Präsident Chun Doo-hwan überlebte den Anschlag. Der Außenminister und der stellvertretende Außenhandelsminister sowie 15 weitere Südkoreaner kamen ums Leben.
Im November 1987 deponierte der nordkoreanische Geheimdienst eine Bombe in einem südkoreanischen Passagierflugzeug, das über dem Indischen Ozean explodierte. Dabei starben 115 Menschen. Die Attentäterin Kim Hyon-hui wurde gefasst, ein anderer Agent entging der Verhaftung durch Selbstmord.
Die kommunistische Diktatur entwickelte sich immer mehr zur Herrschaft weniger Familienclans mit der Familie Kims an der Spitze. Neben seinem Sohn wurde auch Kims dritte Frau Kim Song-ae einbezogen, die hohe Posten in Partei und Massenorganisationen einnahm. Da die ehemaligen Weggefährten Kims aus der Zeit der mandschurischen Partisanen langsam wegstarben, gaben auch sie vermehrt ihre Posten an ihre Kinder und Enkel weiter.
In den 1950er Jahren begann Nordkorea, unterstützt von der UdSSR, mit der Entwicklung von Atomwaffen. Im Jahr 1985 trat es auf Druck der UdSSR dem Atomwaffensperrvertrag bei. Nach dem Abzug der amerikanischen Atomwaffen aus Südkorea einigten sich Nord- und Südkorea 1992 auf ein Abkommen, das die koreanische Halbinsel zur atomwaffenfreien Zone erklärte.
Ein Jahr später verweigerte Nordkorea jedoch Inspektoren der IAEO den Zutritt zu seinem Reaktor in Yongbyon und drohte mit dem Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag. Nach zähen Verhandlungen konnte eine Eskalation der Krise durch die Unterzeichnung des Genfer-Rahmenabkommens zwischen den USA und Nordkorea am 21. Oktober 1994 vorläufig abgewendet werden. Nordkorea verpflichtete sich darin zur Aufgabe seines Atomwaffenprogramms sowie zum Verbleib im Atomwaffensperrvertrag und zur Fortführung der Kontrollen durch die IAEO. Im Gegenzug sollten die in Nordkorea vorhandenen Reaktoren mit amerikanischer Hilfe zu Leichtwasserreaktoren, die zur Herstellung von atomwaffenfähigen Plutonium weniger geeignet sind, umgerüstet werden. Zudem sollte Nordkorea bis zu deren Fertigstellung jährlich Öllieferungen zur Bewältigung seiner Energieprobleme erhalten.
Am 18. April 1996 wurden die ersten „Vier-Parteien-Gespräche“, bestehend aus Nordkorea, Südkorea, USA und China, zelebriert. Aus diesen Gesprächen resultierte am 5. August 1997 die Anerkennung des Waffenstillstandsabkommens von 1953. Weitere Verhandlungen scheiterten.
Am 31. August 1998 überflog eine koreanische Mittelstreckenrakete vom Typ „Taepodong-1“ Japan (siehe auch Kwangmyongsong).
Im Oktober 2001 bezeichnete US-Präsident George W. Bush Kim Jong-Il herabsetzend als „Pygmäen“ und äußerte die Absicht zum Sturz des Staatschefs. In Bushs „Rede zur Lage der Nation“ im Januar 2002 landete Nordkorea auf der Liste der „Schurkenstaaten“, der „Achse des Bösen“. Offiziell betont die amerikanische Regierung jedoch bis heute, dass sie keine Absicht habe, gegen Nordkorea militärisch vorzugehen.
Im Oktober 2002 beschuldigten die USA aufgrund von Geheimdienstberichten Nordkorea, weiterhin an einem Atomwaffenprogramm zu arbeiten und dadurch die Vereinbarungen des Genfer-Rahmenabkommens zu verletzen. Die nordkoreanische Regierung äußerte sich nicht direkt zu den Vorwürfen, ließ aber verlauten, dass sie aufgrund der "amerikanischen Aggression" prinzipiell berechtigt sei, ein solches Programm zu verfolgen. Als Konsequenz stellten die USA im Dezember die Öllieferungen an Nordkorea ein. Daraufhin erklärte Nordkorea am 10. Januar 2003 seinen Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag. Im Mai desselben Jahres erklärte es das Abkommen mit Südkorea über eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel für nichtig.
Am 10. Februar 2005 behauptete Nordkorea schließlich öffentlich, einsatzfähige Atomwaffen zu besitzen und kündigte zugleich Atomwaffentests an. Gleichzeitig gab es seinen Rückzug aus den Sechs-Parteien-Gesprächen über die Beilegung des Atomstreites bekannt und drohte mit dem Ausbau seines Arsenals. Die staatliche Nachrichtenagentur Nordkoreas, KCNA, warf in der Verlautbarung den USA eine „Politik zur Isolierung und Erstickung“ vor und rechtfertigte den Atomwaffenbesitz als Mittel der Selbstverteidigung gegen die USA. Ob Nordkorea tatsächlich Atomwaffen besitzt, ist umstritten.
Die inzwischen wieder aufgenommenen Sechs-Parteien-Gespräche gipfelten am 19. September 2005 in einer gemeinsamen Erklärung, in der Nordkorea seine Bereitschaft signalisierte, sein Atomwaffenprogramm zugunsten wirtschaftlicher und technologischer Hilfe aufzugeben.
Am 05. Juli 2006 testete Nordkorea sechs Raketen, darunter auch vom Typ Taepodong-2, welche Atomsprengköpfe transportieren können. Nach US Angaben können sie Alaska erreichen. Die Raketen sind jedoch in weniger als einer Minute abgestürzt. Der Test löste weltweit Besorgnis aus.
Der Regierungsapparat wird von der kommunistischen Koreanischen Arbeiterpartei dominiert, deren Führungsrolle in der Verfassung verankert ist. Das höchste Machtorgan des Staates bildet formell das Parlament (Oberste Volksversammlung), deren Mitglieder auf fünf Jahre gewählt werden. Da dieses allerdings lediglich ein bis zweimal im Jahr für wenige Tage zusammentritt, wird das Land während der Sitzungspausen vom Präsidium der Obersten Volksversammlung regiert. Dessen Vorsitzender, zur Zeit Kim Yong-nam, ist theoretisch das Staatsoberhaupt. Daneben existiert das Verteidigungskommitee, das für die Außenpolitik zuständig ist sowie den Oberbefehl über das Militär besitzt.
Das Verfahren zur Besetzung öffentlicher Ämter wird in der Verfassung als „demokratischer Zentralismus“ bezeichnet. Aus Wahlen geht in der Regel der einzige, von der Koreanischen Arbeiterpartei aufgestellte, Kandidat mit überwältigender Mehrheit als Sieger hervor.
Die tatsächlichen Machtstrukturen innerhalb des Landes sind diffus, im Ausland wird Nordkorea überwiegend als totalitäre Diktatur unter der Führung Kim Jong-ils angesehen. Seit dem Tod seines Vaters wird der Posten des Präsidenten nicht mehr besetzt, da dieser für immer Kim Il-sung (dem „Ewigen Präsidenten“) vorbehalten sei. Kim Jong-il vereinigt jedoch neben anderen Spitzenämtern den Vorsitz der Koreanischen Arbeiterpartei und des Verteidigungskommitees auf sich, der vom Parlament inzwischen als das „höchste Amt des Staates“ erklärt wurde. Dies kann als Konsequenz der von Kim Jong-il eingeführten Songun-Politik gesehen werden, nach der alle Belange des Staates der Entwicklung und Verbesserung des Militärs unterzuordnen sind. „Der Schutz der revolutionären Führung um jeden Preis ist der höchste Patriotismus und die erste Priorität unseres Militärs und des Volkes“, hieß es nach Berichten der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap in einem Leitartikel der offiziellen Zeitung Rodong Sinmun. Begründet wird dies mit einem Bedrohungsszenario, welches von der stets akuten Gefahr einer Invasion durch ausländische Truppen ausgeht. Nicht zuletzt wird durch Songun auch der Aufbau des Atomwaffenarsenals gerechtfertigt. Als Folge leidet die Bevölkerung immer wieder an Hungersnöten, es mangelt an Konsumgütern, die Infrastruktur ist unzureichend und das Gesundheitssystem ungenügend.
Menschenrechtsgruppen berichten von mehreren Gefangenen- und Arbeitslagern im Land, in denen u.a. auch viele politische Gefangene, sowie Menschen, die lediglich aufgrund ihres Glaubens verhaftet wurden, inhaftiert sind. Selbst schwangere Frauen werden in diesen Lagern zu langer und harter Arbeit gezwungen. Die Inhaftierten sind der Willkür der Wärter ausgeliefert, zudem existieren Berichte über Folter. Inhaftierte starben infolge von Folter, Hunger, durch Nahrungsmittelentzug oder wurden aufgrund von geringen Vergehen hingerichtet. Westlichen Hilfsorganisationen zufolge sind rund 200.000 Menschen interniert (Stand 2005), von denen etwa 10 bis 20 % jährlich durch die miserable Lagerverhältnisse oder Exekutionen zu Tode kommen. Vereinzelte Zeugen (z.B. Kang Chol-hwan oder Yi Sun-ok), denen es gelungen ist, aus den Lagern und aus Nordkorea zu fliehen, berichten zudem über Menschenversuche an Gefangenen mit Gasen oder Viren.
Die Religionsfreiheit in Nordkorea ist nicht gewährleistet (siehe Abschnitt Religion).
Nach China geflüchtete Nordkoreaner, die aus China zurück nach Nordkorea abgeschoben wurden, sollen hingerichtet worden sein, teilweise öffentlich, um Landsleute vor einer Flucht abzuschrecken. So sollen Anfang 2005 in nur einem Monat 70 Menschen auf diese Weise gestorben sein.
Die Verteilung von durch das Ausland gelieferten Nahrungsmitteln und anderer Hilfsgüter wurde bisher immer durch die Behörden durchgeführt. Die Regierung verschlimmerte so besonders während der Hungersnot der 1990er Jahre die Situation, da regierungsfreundliche Personen und insbesondere das Militär bevorzugt wurden. Da eine gerechte Verteilung der Hilfsgüter nicht gewährleistet werden konnte, zogen sich mehrere Hilfsorganisationen aus Nordkorea zurück.
Im Juni 2004 – 18 Monate nachdem der erste Mobilfunknetzbetreiber seinen Dienst aufgenommen hatte – verfügte die Regierung Nordkoreas, dass alle Mobiltelefone eingezogen werden sollen und alle Mobilfunkbetreiber verboten werden. Es soll damit verhindert werden, dass unliebsame Informationen ins Land kommen oder dasselbe verlassen.
Die nordkoreanische Regierung ist bestrebt, freie Berichterstattung in Nordkorea zu unterbinden. Journalisten, auch aus dem Ausland, dürfen sich nur in Begleitung von staatlich bestellten Kontrolleuren im Land bewegen. Beispielsweise ist dies daran erkennbar, dass Schriftsteller aus Südkorea, die nordkoreanische Kollegen besuchen durften, anschließend in ihrer Dokumentation lediglich über nordkoreanisches Essen berichteten.
Nordkorea ist im wesentlichen vom globalen Internet abgeschottet. Die Domain .kp ist inaktiv. Die wenigen offiziellen Webseiten, die über Nordkorea existieren, werden im Ausland gehostet. Es ist anzunehmen, dass der Nomenklatura der Zugang zum globalen Internet gewährt wird. Etliche offizielle Stellen sowie Regierungsangestellte, Touristenguides und Studenten, mit denen westliche Besucher sich unterhalten dürfen, haben E-Mail-Adressen bei chinesischen Providern, unter denen sie auch aus dem Westen erreichbar sind.
Es soll ein landesweites Intranet geben, das hauptsächlich Behörden und Ministerien verbindet. In der Großen Studienhalle des Volkes dürfen westliche Besucher beobachten, wie Studenten über dieses Intranet chatten. Inwieweit seine zivile Nutzung darüber hinaus möglich ist, ist unbekannt.
Im Jahr 2004 wurde ein Lesesaal des Goethe-Instituts in Pjöngjang eröffnet. Der Bestand umfasst neben deutscher Literatur vor allem praktische Fachbücher von Medizin bis Bauingenieurwesen. Zusätzlich sollen dort deutsche Zeitschriften und Zeitungen frei zugänglich sein. Inwieweit es der nordkoreanischen Bevölkerung tatsächlich möglich ist, dieses Angebot anzunehmen, ist allerdings umstritten.
Siehe auch: Liste der Städte in Nordkorea
Am 22. April 2004 kam es in der an der Grenze zur Volksrepublik China gelegenen Stadt Ryongchŏn zu einer großen Eisenbahn-Katastrophe. Laut der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua wurden mindestens 161 Menschen getötet und etwa 1.300 verletzt. (siehe auch: Zugunglück von Ryongchŏn)
Hauptartikel: Wirtschaft Nordkoreas
NK Pflug.jpgNordkorea besitzt eine straff zentralisierte Planwirtschaft, die im Rahmen der vorherrschenden Juche-Ideologie über Jahrzehnte auf Autarkie ausgerichtet wurde. Alle Hauptindustrien sowie die Landwirtschaft befinden sich in staatlicher Hand. Das Hauptaugenmerk der Pjöngjanger Führung liegt nach wie vor auf der militärisch bedeutsamen Schwerindustrie, zugunsten derer insbesondere die Produktion von Konsumgütern und die Landwirtschaft stark vernachlässigt wird.
Der Verlust der einstigen Handelspartner im Ostblock hat weitgehend zu einem Zusammenbruch der Wirtschaft des Landes geführt. Aufgrund von ausstehenden Krediten in Höhe von ca. 12,9 Mrd. USD werden Bürgschaften nordkoreanischer Banken international nicht anerkannt, was den Außenhandel stark erschwert. Zur Ernährung seiner Bevölkerung ist Nordkorea auf Lebensmittellieferungen ausländischer Hilfsorganisationen angewiesen. Die Unterstützung in Form von Nahrungsmitteln und Öl durch die UNO wurde allerdings beendet, nachdem Nordkorea die Einstellung seines Atomwaffenprogramms verweigerte. Als Folge der nach wie vor angespannten Versorgungssituation unternimmt die Regierung zaghafte Versuche, die Wirtschaft in marktwirtschaftliche Richtung zu reformieren. So ist es jedem Bürger inzwischen erlaubt, in seiner Freizeit eine kleine Landwirtschaft zu betreiben, wodurch sich in manchen Städten auch kleine Märkte bilden. Des weiteren versucht die Regierung, durch Joint-Ventures (siehe auch Pyonghwa Motors) und die Einrichtung von Sonderwirtschaftszonen (siehe auch Verwaltungsregion Sinŭiju) ausländische Investoren ins Land zu locken. Durch diese Maßnahmen in Verbindung mit äußerst geringen Lohnkosten gelang es der Regierung, den Außenhandel, insbesondere mit China und Südkorea, stark zu steigern (*).
Die großen Ausgaben, die zur Aufrechterhaltung seiner aus 1,2 Millionen Soldaten bestehenden Armee notwendig sind, wirken sich äußerst negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung aus. Nordkorea verbraucht ein Drittel seines Bruttonationaleinkommens für sein Militär und liegt damit an der Weltspitze, weit vor den USA und Südkorea (ca. 3 % resp. 1,4 %).
Es gibt Berichte, nach denen das SEK-Trickfilmstudio in Pjöngjang Auftragsarbeiten für westliche Studios übernimmt; es soll unter anderem an den Filmen König der Löwen und Pocahontas mitgearbeitet haben.
Im Kŭmgangsan-Gebirge gibt es einige touristische Anlagen, die vom Hyundai-Konzern gebaut wurden und betrieben werden. Reisen dorthin sind, ausnahmsweise auch für Südkoreaner und US-Amerikaner, nur in organisierten Gruppen von Südkorea aus möglich (siehe auch Touristenregion Kŭmgang-san).
Die nordkoreanische Kultur ist von der Verherrlichung Kim Jong-ils und seines verstorbenen Vaters Kim Il-sung geprägt. Typisch sind Militärparaden und Massengymnastiken, an denen tausende von Menschen mitwirken. Hierbei soll die unerschütterliche Treue und Opferbereitschaft für die Staatsführung beschworen werden. Eine handwerkliche Besonderheit stellen gestickte Bilder dar, die auf den ersten Blick kaum von Fotos zu unterscheiden sind.
Nach dem Tod Kim Il-sungs wurde in Nordkorea offiziell der nach der Staatsideologie benannte „Juche-Kalender“ eingeführt. Er unterscheidet sich vom Gregorianischen Kalender durch die Jahreszählung, die mit dem Geburtsjahr des Staatsgründers - 1912 - beginnt. Das Jahr 2006 ist somit das Jahr „Juche 95“.
Allerdings gibt es keine bibliothekarische Ausbildung. Die Übernahme einer Bibliotheksleitung zumindest einer Hochschulbibliothek setzt ein Hochschulstudium voraus. Eine Initiative des Goethe-Instituts versucht seit Mai 2005, dem Land zu einer qualifizierten Ausbildungsstätte für Bibliothekare zu verhelfen.
Die Nationalbibliothek in Pjöngjang nennt sich „Große Studienhalle des Volkes“ und ist eine Mischung aus Bibliothek und Volkshochschule. Sie soll 30 Millionen Medieneinheiten beherbergen. Zu besichtigen sind in der Tat zahlreiche spezialisierte Lesesäle sowie Hörsäle, Sprachlabore und Einrichtungen für die Produktion von Fernlehrmaterialien.
Als Bibliothekssystem scheint CDS/ISIS zum Einsatz zu kommen und als Katalogisierungsformate ein MARC-Derivat.
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