Als Nomaden (v. griech. nomás „Weideplatz“) werden Menschen und Gesellschaften bezeichnet, die aus kulturellen, ökonomischen oder weltanschaulichen Gründen ein nicht sesshaftes Lebenskonzept wählen. Besonders Viehzucht, Jagd und Fischfang – siehe auch Seenomaden – bedingen nomadische Lebensformen.
Eine Reihe gegenwärtiger Lebenformen weisen in nomadische Traditionen zurück, der Anteil der nomadischen Lebensweise in den Industrieländern geht jedoch stark zurück. Viele dieser Gesellschaften sind heute in ihrer Existenz (oder zumindest in ihrer Lebensweise) bedroht, da sie ihre Landnutzungsrechte nur schlecht gegen ihre sesshaften Nachbarn durchsetzen können. Mit den Beziehungen zwischen Nomaden und Sesshaften in Geschichte und Gegenwart beschäftigt sich seit 2001 ein eigener Sonderforschungsbereich an den Universitäten Halle und Leipzig.
Nomadische Lebensweisen werden Anfang des 21. Jahrhunderts im Kontext von Globalisierung und Digitalisierung der Lebens- und Arbeitswelt neu betrachtet. Das Nomadentum avanciert zu einer gleichberechtigten Gesellschaftstheorie neben der Sesshaftigkeit. Dabei wählen vor allem gut ausgebildete „Trendsetter“ diese Arbeits- und Lebensform bewusst, während schlechter ausgebildete Arbeitnehmer in diese Rolle eher hineingedrängt werden. Besonders in westlichen Industrieländern wird von Führungskräften, aber auch von einfachen Arbeitern ein immer höheres Maß an Flexibilität und Mobilität erwartet. Damit sind viele Vorteile (z. B. Freiheit, Lebenssinn, Selbständigkeit) aber auch Nachteile (Entgrenzung, Unsicherheit, Instabilität) verbunden. Das Thema wird u. a. in verschiedenen Büchern (z. B. Englisch: „Jobnomaden“ oder Richter: „Lebenspraktikanten“) aufgegriffen und bei Unternehmensberatungen in das thematische Portfolio aufgenommen.
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