Bekannt ist die Nok Kultur in Zentral-Nigeria vor allem durch die eindrucksvollen Terrakotten, die für Tausende von Euro auf dem Schwarzmarkt gehandelt werden. Kennzeichnend für die stilisierten Tier- und Menschendarstellungen sind die elliptischen bis dreieckigen Augen, deren Pupille durch eine Vertiefung angedeutet ist. Individuelle Merkmale wie Bärte, Schmuck und extravagante Frisuren oder Kopfbedeckungen betonen die kunstvolle Ausführung der ausdrucksstarken Figuren. Die raue und körnige Oberfläche ist auf Erosion zurückzuführen. Der ehemals glatte Engobe Überzug ist verwittert. Die Figuren sind hohl, in Aufbautechnik hergestellt und extrem grob mit Granitgrus gemagert. Nur ausnahmsweise sind die Terrakotten vollständig. Oft sind nur Fragmente erhalten.
Es gibt keine Grundlage, von Nok als einer Kultur zu sprechen, denn es ist nichts von der Wirtschafts- und Siedlungsweise der prähistorischen Bevölkerung bekannt. Zu den Fundumständen der meisten Nok-Figuren fehlt jegliche Dokumentation. Meist sind sie beim Zinnabbau oder durch gezielte Raubgrabungen gefunden und vielfach ohne Dokumentation außer Landes geschafft worden. Siedlungsreste sind kaum bekannt oder nicht publiziert.
Die wenigen Erkenntnisse zur Lebensweise der Nok-Leute lassen ausführlichere Untersuchungen jedoch zwingend erscheinen. Denn von diesen Fundplätzen kommen nicht nur eindrucksvolle Beispiele afrikanischer Kunst, von ihnen stammen auch die ältesten Datierungen von Eisenverhüttung in Westafrika (500 v. Chr.). Thermoluminiszensdatierungen der Terrakotten, sowie die wenigen datierten Fundstellen, bestätigen das Alter mit Datierungen zwischen 500 v. Chr. und 200 n. Chr.. Die Nok-Figuren gehören somit zur ältesten Figuralkunst Schwarzafrikas.
Die Bezeichnung „Nok“ geht auf den ersten Fund im frühen 20. Jahrhundert, 1928, beim Zinn-Abbau in der Nähe der gleichnamigen Ortschaft zurück. Die Fundstellen erstrecken sich über eine Fläche von etwa 500 x 170 km im Südwesten des Jos-Plateaus in Zentral-Nigeria. Die Ortschaften Katsina und Sokoto liegen an den nordwestlichen Grenzen des bisher bekannten Verbreitungsgebiets. Auch dort werden in jüngerer Zeit Terrakotten gefunden. Von vielen Figuren ist der Fundort jedoch unbekannt oder lässt sich nur auf eine Region einschränken. Da somit der Kontext der meisten Funde nicht bekannt ist, sind alle Vermutungen bezüglich deren Funktion in höchstem Maße spekulativ.
Dem britischen Archäologen Bernhard Fagg sind die ersten und fast die einzigen archäologischen Untersuchungen zu verdanken, die im Zusammenhang mit Nok stattfanden. Die Entdeckung (1944) hat skurrile Züge, denn eine der ersten bekannt gewordenen Nok-Terrakotten diente als Vogelscheuche. In dieser Funktion wurde der Kopf entdeckt und Fagg zugetragen, der das archäologische Potential des Fundes sofort erfasste. Mit den ersten Veröffentlichungen stieg allerdings auch der Marktwert der Nok-Figuren und machte die Terrakotten zu einem begehrten Handelsgut auf den internationalen Kunstmärkten.
Nach wie vor ist wenig über die Wirtschafts- und Siedlungsweise der Nok Leute bekannt, obwohl es sich um einen kulturgeschichtlich sehr interessanten Zeitraum handelt, wie die zwischen 500 v. Chr. und 200|200 n. Chr. reichenden Datierungen andeuten. Denn von einer der wenigen ausgegrabenen Nok-Fundstellen, aus Taruga, stammen die ältesten westafrikanischen Belege für Eisenverhüttung. Die wenigen Ausgrabungen in Taruga Samun Dukiya und Katsina-Ala sind jedoch kaum publiziert. Somit ist nach wie vor nur wenig über die Lebensweise der Nok-Leute bekannt, obwohl teilweise mit sehr fortschrittlichen Methoden vorgegangen wurde.
Die Zerstörung und Plünderung archäologischer Stätten droht Untersuchungen, zum Beispiel zur Funktion der Terrakotten und der Wirtschaftsweise der Nok-Leute, unmöglich zu machen.
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