Nofretete (im englischen Sprachraum Nefertiti, ägyptisch Nfr.t-jy.tj, ursprüngliche Aussprache Nafteta, für „die Schöne ist gekommen“) war die Hauptgemahlin des Pharao Echnaton (Amenophis IV.). Bekannt wurde sie durch die Büste aus Kalkstein und Gips, die in Berlin zu sehen ist.
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Herkunft
Häufig wird behauptet, dass ihr Name, „die Schöne ist gekommen“, auf eine ausländische Abstammung hindeute. Dies ist ist nicht bewiesen; der Name ist altägyptisch. Nofretete stammte eventuell aus einer nebenköniglichen Linie in
Achmim, aus der auch schon die Königsgemahlin
Teje hervorkam.
Leben
Heirat mit Echnaton
Im Alter von 19 Jahren soll sie den damals erst 14-jährigen Echnaton geheiratet haben und gebar ihrem Mann sechs Töchter (
Meritaton,
Maketaton,
Anchesenpaaton,
Nefer-Neferu-Aton,
Nefer-Neferu-Re und
Setepenre) aber keinen Erben. Nofretete und Echnaton waren die ersten Pharaonen und wahrscheinlich die ersten Herrscher überhaupt, die ihr Privatleben öffentlich gemacht haben. Dies geschah durch die Darstellung liebevoller Szenen der Beiden, durch Familienszenen mit ihren insgesamt sechs Kindern, stets beschützt durch die Sonnenscheibe des
Aton, der seine Strahlen auf das Paar wirft. Nofretete und ihr Gatte Echnaton wurden die Repräsentanten des neuen Hauptgottes auf Erden, die keiner großen Priesterkaste mit hoher Priesterschaft und Oberpriestern bedurften. Die einzigen Priester sind der Pharao und seine Frau. Eine besondere Nofretetedarstellung auf drei Steinblöcken wird heute von Forschern als Beweis dafür angesehen, dass sie selbst Echnatons Hohepriesterin war.
Nofretete als Mitregentin
Die generell starke Position der Frau im alten Ägypten wurde unter Echnaton für Nofretete besonders gesteigert. Sie wurde zu einer Art weiblichem Mitregenten gemacht, und zumindest symbolisch mit der pharaonischen Macht ausgestattet. Der berühmte blaue Helm auf der Büste bildet den
Chepresh ab, einen Kriegshelm. Sie wurde auch mehrfach in pharao-typischen Szenen, wie z.B. Kriegsführung oder dem Niederschlagen der Feinde dargestellt. z.B. auf einem kleinen
Relief auf dem sie Feinde erschlägt, was einem
Stereotyp für Pharaonen entspricht. Sie wurde in den Felsengräbern von
Amarna zusammen mit Echnaton mehrfach in einer Art abgebildet, dass heute Forscher sogar eine Art dominierende Mitregentschaft von Nofretete, als
Semenchkare, in den späten Regierungsjahren von Echnaton annehmen. An den rekonstruierten Ecken des Steinsarkophages ihres Mannes wurde sie als dessen Schutzgöttin dargestellt, deren Flügel den Sarg umspannten.
Nofretete als Nachfolgerin von Echnaton
Eine immer wahrscheinlichere Theorie ist, dass sie Echnaton entgegen allen bisherigen Annahmen überlebt hat und nach ihm den Thron bestieg. Die Darstellungen von Nofretete in pharaonischen Kontexten (s.o.), sowie die Darstellung als Schutzgöttin ihres verstorbenen Gatten an den Ecken des in Fragmenten erhaltenen und wieder rekonstruierten Steinsarkophags von Echnaton, interpretieren zunehmend mehr Forscher dahingehend, dass sie nach dem Tode Echnatons sogar eine kurze Zeit lang Ägypten alleine regiert habe. Es gibt jedoch weitere Hinweise: Nach einer These ist sie identisch mit
Semenchkare. Der Ägyptologe
Cyril Aldred wies nach, dass der
Amarna-Kunststil Unterscheidungen zwischen Männern und Frauen zeigt, je nachdem, ob der Nacken konkav oder konvex ist.
Semenchkare und Nofretete haben beide einen weiblichen Nacken, und
Semenchkare hat die Titel der Nofretete,
„Geliebt von Wa-en-Re“. Wa-en-Re war der Thronname Echnatons. Bei der Inthronisation wurde ein neuer Name angenommen. Dies ist ein starkes
Indiz dafür, dass Nofretete unter dem Namen
Semenchkare den Thron bestiegen haben könnte. Unklar ist auch, ob Nofretete die Königswitwe war, die an den hethitischen Hof schrieb, um einem hethitischen Königssohn die Heirat anzubieten (so genannte
Dachamunzu-Affäre). Neue Nahrung erhielt diese Vermutung durch den Fund des
Wracks von
Uluburun vor der türkischen Südküste. Ein Schiff aus der
Bronzezeit, das samt Fracht und Ausstattung gehoben wurde. Nach Ansicht von Archäologen war es beladen mit Geschenken der ägyptischen Pharaonin Nofretete an den König der
Hethiter (
Suppiluliuma I.?). Das Schiff wurde nachgebaut und befindet sich heute nebst Funden, darunter ein
Skarabäus der Nofretete im Unterwassermuseum in
Bodrum.
Tod
Sowohl der Grund für Nofretetes Tod als auch Ort und Zeit sind unbekannt, jedoch wird sie ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr im öffentlichen Leben erwähnt. Vermutungen datieren das Todesjahr auf 1338 v. Chr., dem 14. Regierungsjahr, ihres Ehemanns. Andere Quellen legen ihren vermuteten Tod in das 12. Regierungsjahr. Es wird spekuliert, ob sie eventuell ermordet oder verstoßen worden sei. Auch ein Tod aufgrund einer plötzlichen Erkrankung wird von manchen Forschern erwogen. Falls sie als Semenchkare die Thronfolge angetreten hat, so verschwand sie nach wenigen Jahren, zusammen mit ihrer Tochter und Mit-Regentin
Merit-Aton. In diesen chaotischen Zeiten ist ein Mord aus Nachfolgestreitigkeiten möglich.
Nach der Theorie von Joann Fletcher wurde Nofretetes Mumie 2003 in dem Grab KV 35 im Tal der Könige identifiziert, nachdem sie bis dahin verschollen war. Dies wird von der übrigen Fachwelt aufgrund von widersprüchlichen Indizien stark angezweifelt.
Die Büste
Die Büste der Nofretete wurde
1912 bei Ausgrabungen von
Ludwig Borchardt entdeckt und von
Ägypten nach
Berlin gebracht. Man erkannte sofort die vollendete Kunstfertigkeit und den Anmut dieser aus Kalkstein und Gips gefertigten, 47 Zentimeter großen Büste, die sich im Stil der
Amarna-Kunst präsentiert. Sie wurde im Atelier des
Bildhauers
Thutmosis aufgefunden, zusammen mit einer Reihe von unvollendeten Kopien. Ägypten forderte sie mehrfach zurück.
Sie befand sich bis Anfang 2005 im Ägyptischen Museum in Berlin in Charlottenburg. Seit dem 13. August 2005 ist sie wieder auf der Museumsinsel. Vorerst im Alten Museum, bevor sie endgültig im Jahr 2009 in das bis dahin restaurierte Neue Museum zurückkehrt.
Vorgeschichte
Um die Jahrhundertwende fand ein Wettstreit zwischen den einzelnen Nationen statt, archäologische Funde zu machen. Dabei waren französische und englische Expeditionen finanziell besser ausgestattet und auch diplomatisch erfolgreicher. Die Preußische Akademie der Wissenschaften ernannte deshalb
1898 den Ägyptologen und Architekten
Ludwig Borchardt zum wissenschaftlichen Attaché am Kaiserlichen Generalkonsulat in
Kairo. Damit bekam man erste privat finanzierte Ausgrabungen in der Nähe der
Pyramiden von Gizeh. Um finanzielle Unterstützung zu erhalten, wandte sich Borchardt an die
Deutsche Orient-Gesellschaft (DOG). Der reiche Berliner Baumwollhändler und Mäzen
James Simon folgte dem Aufruf und wollte neue Ausstellungsstücke für die Berliner Museen haben.
1906 sicherte man sich die Grabungslizenz in
Tell-el-Amarna.
Expedition
Im Herbst
1912 grub die Expedition der DOG in Tell-el-Amarna. Am 6. Dezember wurde im Bereich P 47, die Bezeichnung für die Reste eines antiken Hauses, im Zimmer 19 die Büste der Nofretete im Atelier des Bildhauers Thutmosis gefunden. Borchardt beschreibt den Fund in seinem Tagebuch:
- „... lebensgroße bemalte Büste der Königin, 47 Zentimeter hoch. Mit der oben gerade abgeschnittenen blauen Perücke (die Helmkrone), die auf halber Höhe noch eine umgelegtes Band hat. Farben wie eben aufgelegt. Arbeit ganz hervorragend. Beschreiben nützt nichts, ansehen.“
Berlin
1913 wird die Ausfuhrgenehmigung an Simon erteilt und die Büste nach Berlin gebracht, wo sie zuerst in Simons Villa (Tiergartenstr. 15a, heute Sitz der Landesvertretung Baden-Württemberg) aufgestellt wird. Der Fund wurde nicht stark öffentlich präsentiert, um Komplikationen zu vermeiden. Danach schenkte Simon die Büste dem Ägyptischen Museum, das diese im Oktober 1913 im Rahmen der Berliner Tell-el-Amarna-Schau auf der Berliner Museumsinsel zeigte. In Anbetracht des Wertes unternahm Ägypten mehrere Versuche, die Büste gegen andere Kostbarkeiten umzutauschen. 1930 konnten nur starke Proteste den Tausch abwehren.
1956 bot man sogar den Marschallstab von Rommel zum Tausch an.
Im Jahr 1943 während des Zweiten Weltkriegs wurde die Büste in dem Tresor der Reichsbank verstaut und später im Flak-Bunker Zoo und einem Saline-Stollen in Thüringen.
Wiesbaden
Nach dem Zweiten Weltkrieg richteten die US-Amerikaner in
Wiesbaden ein zentrales Sammellager für Kunstschätze ein (Collection Point (CCP)). Die Büste der Nofretete erreichte Wiesbaden in Watte verpackt in einer Kiste, auf der
Die bunte Königin geschrieben stand. Der Leiter der Kunstschutz-Offiziere
Walter Farmer verhinderte, dass die Nofretete nach
Washington (D.C.) verfrachtet wurde. Bis
1956 wurde sie im Wiesbadener Stadtmuseum ausgestellt und danach nach Berlin gebracht, zuerst in das Museum Dahlem und 11 Jahre später nach Charlottenburg.
Literatur
- Oliver Simons: Der Raub der Nofretete. In: Ulrich van der Heyden, Joachim Zeller (Hrsg.) „... Macht und Anteil an der Weltherrschaft.“ Berlin und der deutsche Kolonialismus. Unrast, Münster 2005. ISBN 3-89771-024-2
- Christine El-Mahdy: Tutenchamun. Leben und Sterben des jungen Pharao. Blessing, München 2000. ISBN 3-89667-072-7
- Carola Wedel: Nofretete und das Geheimnis von Amarna (Zaberns Bildbände zur Archäologie). Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2005. ISBN 3-8053-3544-X, ISBN 978-3-8053-3544-7
Weblinks
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