Als Noachidische Gesetze oder Noachidische Gebote werden im Judentum sieben Gesetze bezeichnet, die für alle Menschen Geltung haben. Darüber hinaus existieren für Juden weitere verpflichtende Vorschriften der Tora.
Etymologie
Noach lebte nach
biblischer Überlieferung in der zehnten
Generation nach
Adam. Er, seine Frau, seine drei Söhne und deren Frauen waren nach dem Bericht im
1. Buch Mose die einzigen Überlebenden der
Sintflut, womit sie zu Stammeltern der
Menschheit wurden. Nachdem Noach Gott für seine Rettung ein Dankopfer dargebracht hatte, trifft dieser mit ihm eine Vereinbarung: Es soll keine weitere Flut diesen Ausmaßes mehr über die Erde kommen – aber Noach und seine Nachkommen sollen sich an einige Regeln halten. Als Zeichen dieses Bündnisses steht der
Regenbogen.
Die Gesetze
Gemäß dem
Talmud gelten die Noachidischen Gesetze als allgemeines religiöses und ethisches Recht für alle Menschen, unabhängig von jeder Religion oder staatlichen Ordnung. Im Gegensatz dazu stehen die Gesetze der
Torah, die speziell Angehörige des
jüdischen Volkes betreffen. Eine Liste dieser sieben Gesetze findet sich im
Talmud Traktat Sanhedrin 13, aber auch in der
Torah werden sie teils genannt und teils angedeutet (
Gen 9,1-13).
Im Talmudtraktat Neziqin/Schädigungen werden die folgenden sieben noachidischen Gesetze definiert:
Im Judentum wird jeder, der diese sieben Gesetze akzeptiert und sich an sie hält, als Gerechter angesehen - es bedarf dazu keines besonderen Rituals. Die Organisation von Menschen, die diesen Weg bewusst gewählt haben, bezeichnet sich selbst als B'nai Noach (Kinder Noachs). "Ortsverbände" dieser Organisation gibt es in vielen Ländern.
Jüdisches Selbstverständnis
Nach einer jüdischen Lehrerzählung (so genannter
Midrasch) hat Gott seine Tora einmal allen Völkern angeboten. Zur Belohnung sollte das annehmende Volk sein
auserwähltes sein. Alle Völker lehnten wegen der in der Tora formulierten Forderungen dieses Ansinnen als zu
unmenschlich, zu
anstrengend und
unerfüllbar ab. Als Gott zum jüdischen Volk kam, sagte dieses sofort zu aus Ehrfurcht vor Gott. Den übrigen Völkern wurden daher lediglich die so genannten
noachidischen Gesetze auferlegt, während das jüdische Volk das weitergehende
Joch der Mitzwot (hebr.
Mitzwa = Gesetz) auf sich nahm. Nach der Überlieferung bestehen diese Mitzwot aus 613 Ge- und Verboten.
Literatur
- Klaus Müller: Tora für die Völker. Die noachidischen Gebote und Ansätze zu ihrer Rezeption im Christentum. Studien zu Kirche und Israel 15. Inst. Kirche und Judentum, Berlin 1994 (2. Aufl. 1998) ISBN 3-923095-66-X
- David Flusser, Roman Heiligenthal: Noachitische Gebote I. Judentum II. Neues Testament. In: Theologische Realenzyklopädie 24 (1994), S. 582-587 (Einführung mit Lit.)
Siehe auch
Weblinks
- http://www.bnti.us/
- http://www.qumran.org/?topic=bnainoach
- http://www.bnai-noach.net (deutsch), http://www.bnai-noach.com (englisch)
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