Njörðr ist in der nordischen Mythologie einer der Vanen.
Ortsnamen, die meist den Genitiv Singular (Njarðar-) verwenden, sind schwerpunktmäßig in Ostschweden (Östergötland), in Ostnorwegen und in den Küstengebieten Westnorwegens vertreten.
Die Verbindung Nerthus und Njörðr wirft Probleme auf, da es sich bei Tacitus um eine Göttin handelt, die er einem kleineren Stammesverband innerhalb eines eng umgrenzten geographischen Gebietes zuordnet. Hinzu kommt der große zeitliche Abstand zwischen Tacitus und den skandinavischen Quellen. Dort ist Njörðr ein männlicher Gott. Zu diesen Problemen gibt eine Vielzahl von Theorien. Mal habe sich Nerthus allmählich nach Skandinavien ausgebreitet, mal handele es sich um einen von vornherein allgermanischen Gott. Früher habe die u-Deklination für maskuline und feminine Wörter gleichgelautet, die feminine u-Deklination sei aber in Skandinavien allmählich ausgestorben, wodurch dann Nerthus zum maskulinen Gott geworden sei. Neuerdings wird diese Verbindung zwischen Nerthus und Njörð in Frage gestellt (Simek, S. 148; Motz).
Njörðr erscheint eigenartig selten in den mythologischen Quellen. Im mythologischen Kontext der Gylfaginning gibt Snorri Njörðr maritime Züge. Sein Wohnort ist Nóatún, der Schiffsplatz. Er herrschte über die Winde auf dem Meer, über die See und das Feuer. Njörðr wurde der Götterfamilie der Wanen zugerechnet, kam jedoch mit seinem Sohn Freyr als Geisel zu den Asen. Dieses Geiselmotiv scheint nach den Eddaliedern zu urteilen sehr alt zu sein. Nach dem Ragnarök soll er wieder zu den Wanen zurückkehren.
Nach der Skáldskaparmál darf sich Skaði (der Skigöttin) aus Þrymheimr als Buße für den Totschlag der Asen an ihrem Vater Þiazi unter den Göttern einen Ehemann aussuchen, kann aber von den Göttern nur die Füße sehen. Sie glaubt, Baldr erwählt zu haben. Die Füße gehörten aber Njörðr. Snorri betont, dass die Eheleute Geschwister waren und fügt hinzu, dass solch inzestuöse Ehen bei den Wanen üblich, bei den Asen aber verboten gewesen seien.
Die Ehe scheiterte, weil sie nicht an der gleichen Stelle wohnen konnten. Sie hatten zunächst vereinbart, dass Njörðr neun Nächte bei Skaði in Þrymheimr und Skaði drei Nächte bei Njörðr am Meer wohnen sollte. Aber Skaði konnte wegen des Mövengeschreis in Nóatún nicht schlafen, und Njörðr konnte das Heulen der Wölfe nicht ertragen. Nach Snorri bekam Njörðr später die beiden Kinder Freyr und Freya, bei Egill Skallagrímsson ist das nicht eindeutig. Die Aufteilung der Zeiten des Zusammenlebens hat symbolische Bedeutung. Sie spiegelt die Jahreseinteilung in 9 Wintermonate und 3 Sommermonate wieder. Die Tätigkeit in den drei Sommermonaten hat Bezug zu den Wanen: Seefahrt, Ackerbau und Fischerei. Daraus ergibt sich, dass der Mythos von Njörðr und Skaði dem westnordischen Milieu entstammt.
Es gibt auch einen Mythenschwank in Lokasenna, wonach die Töchter des Riesen Ymir Njörðs Mund als Nachttopf verwendet hätten. Auch die von Snorri überlieferte missglückte Ehe mir Skaði trägt schwankhafte Züge.
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