Unter Nitraten versteht man in der anorganischen Chemie die Salze (M+NO3-, M: anorganisches Kation) der Salpetersäure, HNO3. Viele von ihnen haben Trivialnamen, die auf -salpeter enden. In der organischen Chemie sind damit die Ester (R–O–NO2, R: organischer Rest) dieser Säure gemeint.
Umsetzung von Salpetersäure mit Zink zu Zinknitrat und Wasserstoff
Umsetzung von Salpetersäure mit Bariumhydroxid zu Bariumnitrat und Wasser
Umsetzung von Salpetersäure mit Kaliumcarbonat zu Kaliumnitrat, Wasser und Kohlendioxid
Nitrate sind auch durch vollständige Oxidation von Stickstoffverbindungen wie Nitriten, Ammoniak oder Hydroxylamin zugänglich.
Die Ester der Salpetersäure werden durch eine Veresterung eines Alkohols mit Salpetersäure erhalten.
Das Nitrat kann direkt von pflanzlichen Organismen als Stickstoffquelle aufgenommen und verwertet werden. Unter sauerstoffarmen Verhältnissen, wie sie in Kläranlagen und in tieferen Schichten von Seen auftreten, kommt es zu einer bakteriellen Nitratreduktion zu Nitrit. Der häufigere Weg bei fast vollständigem Mangel an Sauerstoff ist jedoch die bakterielle Denitrifikation zu gasförmigem Stickstoff.
Abbauwürdige Mengen natürlich vorkommender Nitrate finden sich lediglich in Form von Natriumnitrat. Der Hauptfundort dieses Salzes ist Chile, daher auch der Trivialname Chilesalpeter. Weitere natürliche Vorkommen gibt es in Ägypten, Kleinasien, Kolumbien und Kalifornien.
Dennoch sind in den Lebensmittelverordnungen Grenzwerte im Milligramm-Bereich festgelegt. Für Trinkwasser gilt in der EU ein Grenzwert von 50 mg/L. Die Ursache hierfür liegt in der Gefahr einer Reduktion des Nitrats zu Nitrit. Diese ist gegeben, wenn der Darm durch entsprechende Bakterien fehlbesiedelt ist, die eine solche Reduktion durchführen können. Auch bei Säuglingen bis zum sechsten Monat besteht die Gefahr einer akuten Vergiftung. Die Erstlingsflora des Darmes kann bevorzugt auch Nitrit-bildende Bakterien enthalten.
Auch beim Tränkewasser von Wiederkäuern (z. B. Rindern) besteht durch Nitratreduktion im Pansen eine akute Gefahr der Nitritvergiftung. Hier werden sogar Nitratkonzentrationen über 20 mg/L als gefährlich betrachtet.
In der Aquaristik bedeutet ein zu hoher Nitrat-Wert des Wassers eine Gefährdung der niederen Wassertiere (Korallentiere etc.), die mitunter zum Tode führen kann. Für die Fische sind dagegen auch mehrere Hundert mg/L ungefährlich.
Als Lebensmittelzusatzstoff kann Natriumnitrat E 251 oder Kaliumnitrat E 252 als Pökelsalz zur Konservierung von Wurst verwendet werden.
Es gilt mittlerweile als erwiesen, dass übermäßiger Düngeeinsatz zu einem erhöhten Nitratgehalt insbesondere in oberflächennahen Trinkwasservorkommen führen kann. Der aktuelle Grenzwert für NO3- liegt laut der deutschen Trinkwasserverordnung bei 50 mg/L, laut der schweizerischen Gewässerschutzverordnung bei 25 mg/L. Wässer, die diesen Grenzwert überschreiten, werden von Wasserversorgern oft mit nitratärmerem Wasser vermischt, um den Grenzwert einzuhalten.
Bei übermäßigem Eintrag verschiebt sich der Nährstoffhaushalt oligotropher Standorte (Böden, Gewässer) zugunsten eutropher Bedingungen, wodurch nitrophytische Pflanzengesellschaften bevorzugt werden. Damit geht eine Reduktion von Biodiversität einher. Besonders bei Gewässern mit geringer Fließgeschwindigkeit kann im Zusammenwirken mit Phosphorverbindungen ein vermehrtes Algenwachstum beobachtet werden.
Vorbeugend können in der Landwirtschaft Zwischenfrüchte angebaut werden, die den Nitrateintrag in die Gewässer verringern. Weitere Maßnahmen wären die Reduktion des Düngemitteleinsatzes oder die Verwendung von Nitrifikationshemmstoffen im Dünger. Politisch wurde mit der Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie auf die ökologische Bedeutung reagiert.
Organische Nitrate - Salpetersäureester - sind häufig stark endotherme Verbindungen, die sich explosionsartig zersetzen können. Daher finden einige von ihnen als Explosivstoffe Verwendung (Nitropenta, Glycerintrinitrat).
Acetylnitrat, das gemischte Säureanhydrid der Essig- und Salpetersäure, ist ein hervorragendes, aber leider nicht ungefährliches Nitrierungsmittel in der organischen Synthese.
Nitrat | Nitrate | Nitrate | Nitraat | Azotany | Nitrato | Селитры