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Als Ninjutsu werden Kampfkünste bezeichnet, welche ihre (oft fragwürdigen) Wurzeln in den Lehren der historischen Ninja-Schulen haben. Auch spricht man bei den Tarnungs- und Aufklärungstechniken der historischen Shinobi von Ninjutsu. Eine klare Definition für den Begriff gibt es nicht, weswegen es immer wieder zu Kontroversen kommt.

Begriff


„Ninjutsu“ (忍術) ist japanisch und bedeutet wörtlich übersetzt „die Kunst (besser: Technik) des Versteckens oder Erduldens“ und wird auch „Die Kunst des ausdauernden Herzens“ genannt, weil Geduld, Ausdauer und Selbstdisziplin zu den entscheidenden Tugenden der Ninja gehörten. Hiermit wird die Kunst der japanischen Ninja bezeichnet, die historisch belegbar zwischen dem 12 und 15. Jahrhundert entstanden ist und in verschiedenen Schulen/Stilrichtungen den so genannten Ryu erhalten blieb. Es sind drei historisch relevante Geheimtexte aus dem 16. und 17. Jahrhundert bis heute erhalten geblieben: das Shôninki, das Bansenshûkai und das Ninpiden, welche die Überlieferung solcher Schulen aufzeigen.

Die Geschichte der Ninja


Über den Beginn der Kampfkunst, die heute mehrheitlich als Ninjutsu bezeichnet wird, gibt es viele Theorien. Es ist schwierig, einen genauen Ort, Personen oder eine Zeit für den Anfang des Ninjutsu zu finden. Dennoch sind Namen von Personen bekannt, die Ninjutsu mit Sicherheit betrieben und weiterentwickelt haben wie z.B. Minamoto no Yoshitsune, die Familien Hattori-Hanzo, Momoti und andere. In der Kampfsportszene wird davon ausgegangen, dass Ninjutsu mindestens 800 Jahre alt ist. Teilweise gehen Zeitangaben aber auch bis in das 6. Jahrhundert zurück, dennoch gibt es dafür keine eindeutigen schriftlichen Zeugnisse und die ersten Schulen entstanden nicht vor dem 13. bis 15. Jahrhundert. Als Vorläufer der verschiedenen Ninjutsu-Ryu wird unter anderem das Shugendo vermutet.

Die Ninja bezeichneten sich nicht selbst als solche, sondern betrachteten sich vielmehr als Praktiker religiöser, politischer und militärischer Strategien, welche sich auch außerhalb der beschränkten Sichtweisen der ritualisierten Samuraikultur bewegten. Deshalb wird oft behauptet, dass sie so ein kulturelles Gegenteil der konventionellen Mentalität der damaligen Zeiten darstellten. Der Ursprung der Kunst liegt jedoch im Dunkeln, was auch teilweise an bewußter Verfälschung und Mystifizierung der Ninja durch die verschiedensten Kreise liegt. So haben postmoderne Hollywoodmythen eine Karikatur des Schattenkriegers gezeichnet, der so sicher nie existiert hat. Hier wird das Feindbild des Terroristen oder des vermummten Bösewichts auf eine geeignet scheinende Figur projiziert. Aber auch in Japan wurde den "Ninjas" (wie oben erwähnt oft eine Fremdbezeichnung) vieles nachgesagt, was zu einer Mystifizierung von außen beitrug. Aber auch den Schulenbetreibern selbst liegt natürlich etwas daran, ihre Kunst geheimnisvoll erscheinen zu lassen.

Nicht belegte Dokumente sprechen davon, dass chinesische Männer aus ihrer Heimat flohen und auf den Inseln Japans Zuflucht suchten. Unter den Flüchtlingen befanden sich Krieger, Gelehrte und Mönche, die das Wissen, was sich im Laufe der Zeit im Kaiserreich China ansammelte, mit nach Japan brachten. Dies waren die Vorfahren der späteren Ninja, die als Mystiker und Asketen lebten.

Nicht zu unterschätzen ist der koreanische Beitrag zur Entwicklung. Korea bildete damals eine Art Puffer-Staat, wodurch Japan mit dem Festland „kommunizierte“.

Es gibt heute nur noch drei authentische Ninjutsu-Schulen (Ryû):

Diese Schulen sind jedoch zusammen mit 6 Schulen der Samurai unter dem Bujinkan Dojo zusammengefasst, dessen 34. Großmeister zur Zeit Dr. Masaaki Hatsumi ist. Bujinkan bedeutet: Haus des göttlichen Kriegers – zu Ehren Toshitsugu Takamatsu, dem 33. Großmeister des Togakure Ryu und Lehrer Hatsumis.

Hatsumi stößt seit Jahrzehnten im eigenen Land und in kompetenten Kobudo/Koryu Bujutsu Kreisen auf Skepsis, da diese ihn aufgrund seiner äußerst lückenhaften Biographie und seines unbewiesenen Stammbaumes für einen Schwindler halten.

Ninjutsu – Die Kampfkunst der Ninja


Eine abschließende und umfassende Beschreibung des Ninjutsu ist schwierig, da es ein sehr komplexes System von Selbstverteidigungs- und Kampftechniken sowohl mit als auch ohne Waffen beinhaltet und da das heutige Ninjutsu eine Kampfkunst ist die sich aus drei verschiedenen Ninja- und sechs verschiedenen Samuraischulen zusammensetzt. Die 18 Ebenen des Trainings im Togakure-Ryu sind:

  • Seishin Teki Kyoyo: spirituelle Verfeinerung
  • Tai Jutsu: waffenloser Nahkampf
  • Ken Jutsu: Schwertkampf
  • Bo Jutsu: Stock- und Stabkampf (mit Bo und Hanbo)
  • Shuriken Jutsu: Wurfklingen
  • Yari Jutsu: Speerkampf
  • Naginata Jutsu: Hellebardenkampf
  • Kusari Gama: Umgang mit der Schwert- und Sichelwaffe
  • Kayaku Jutsu: Verwendung von Feuer und Explosivstoffen
  • Henso Jutsu: Verkleidung, Darstellung
  • Shinobi-iri: Methoden zum Tarnen und Eindringen
  • Ba Jutsu: Reiten
  • Sui-ren: Wassertraining
  • Bo-ryaku: Strategie
  • Cho Ho: Spionage
  • Inton Jutsu: Flucht und Verstecken
  • Ten-mon: Meteorologie
  • Chi-mon: Geografie
u. v. m.

Die Grundlage aller Techniken bildet dabei das Taijutsu, der unbewaffnete Nahkampf. Es basiert auf natürlichen Körperbewegungen und Instinkten, wodurch auch körperlich stärkere Gegner besiegt werden können. Zum Taijutsu gehören:

  • Dakentaijutsu (Schlag- und Tritttechniken)
    • Koppojutsu (Schläge und Stöße auf Knochen und harte Körperteile)
    • Kosshijutsu (Finger- und Zehenstiche auf Muskeln und Weichteile)
  • Jutaijutsu (Hebel, Würfe, Festlegetechniken)
  • Taihenjutsu (Rollen, Falltechniken, Sprünge)

Dennoch ist das Wort Taijutsu in keiner historischen Schrift zu finden, was sehr stark auf dessen synthetischen Ursprung vermuten lässt.

Wichtige Waffensysteme im Ninjutsu


Der Umgang mit Waffen basiert grundsätzlich auf dem Taijutsu. Zu den wichtigsten Waffensystemen, die im Ninjutsu gelehrt werden, gehören:

  • Hanbojutsu (Techniken mit dem kurzen Stock, ca. 90cm lang)
  • Kenjutsu (Schwerttechniken)
  • Bojutsu (Techniken mit dem Langstock, ca. 1,80m lang)
  • Kusari-Fundo-Jutsu (Techniken mit kurzem Seil/Kette)
  • Juttejutsu (Techniken mit dem Schwertfänger)
  • Tantojutsu (Messertechniken)
  • Kyoketsu-Shogejutsu (Umgang mit dem Kyoketsu-Shoge)
  • Yarijutsu (Techniken mit dem Speer)
Darüber hinaus werden auch noch weitere Waffen verwendet, wie z. B. die Hellebarde, Wurfklingen, Bogen, Sichel-Ketten-Waffen und viele andere.

Fiktion und Wirklichkeit


In den Medien etablierte sich ein verfälschtes, künstliches und idealisiertes Bild von den „Kriegern der Nacht“, ihren Waffen und ihrer Ausrüstung. Dasselbe gilt für moderne „Kampfschulen“, die mit den Medien Hand in Hand gehen und Ninjabilder malen, die von der Realität häufig weit entfernt sind. Die bekanntesten:

  • Es ist umstritten, ob das gerade Ninjaschwert Ninjato je existiert hat. Auf keiner der vielen japanischer Zeichnungen, die Ninja beinhalten (12. bis 18. Jahrhundert), ist solch eine gerade Klinge zu erkennen. Im Gegenteil – die meisten Shinobi benutzten ein ganz gewöhnliches Katana oder die gekürzte Version dieses Schwertes. Ein gerades Schwert würde die Errungenschaften japanischer Schwertschmiedekunst annullieren und quasi ins 6. bis 7. Jahrhundert zurückkehren. Techniken des Iaijutsu sind zudem mit einem geraden Schwert nicht ausführbar.

  • Ein Schwert wie auch ein Ninjato ließe sich nie als Kletterhilfe oder gar als Brechstange(!) verwenden. Solche Aussagen stammen von Personen, die noch nie ein japanisches Schwert in den Händen gehalten hatten. Jeder kompetente Kenjutsuka weiß, wie zerbrechlich eine japanische Klinge ist. Zudem bedarf es zum Einschieben der Schwertklinge in einen Baum oder eine Burgmauer einer kolossalen Kraft.

  • Das Schwert wurde relativ selten auf dem Rücken getragen. Lediglich beim Klettern wurde es hinten angeschnallt, um mögliche Behinderungen zu vermeiden. Ansonsten wurde das Daisho (Schwertpaar), analog den Samurai, an der linken Hüfte getragen. Überlebenswichtige Fähigkeiten wie Iaijutsu (Schwertziehen) ließen sich außerdem vom Rücken aus nicht ausführen. Dennoch wird das „Rückenschwert“ in Mainstream-Produktionen wie „Last Samurai“ besonders gerne betont.

  • Die Ninjakultur bildete nie ein Gegengewicht zur Samuraikultur. Viele berühmte Samurai waren gleichzeitig Ninja und umgekehrt. Der kriegerische Ehrenkodex Bushidō, der im 14 Jahrhundert entstand, wurde spätestens ab der Sengoku-Periode nur formell und in Friedenszeiten gehalten. Den geschichtlichen Aufzeichnungen nach war auch den Samurai jedes Mittel recht, um zu überleben, sie hielten sich oft an keinen Ehrenkodex. Das Hagakure und andere Werke über die Pflichten und den Ehrenkodex der Samurai entstanden später in der Edo-Zeit, als Samurai keine Krieger mehr waren sondern oft nur noch Beamte.

  • Im Gegensatz zur allgemeinen Meinung wurden bezahlte Shinobi, wie die aus den berühmten Dörfern in Iga und Koga, praktisch nie für Spionage eingesetzt. Für Informationsbeschaffung dieser Art wurden tatsächlich loyale Spione eingesetzt, da diese nicht gegen Geld falsche Informationen wiedergeben würden, also mit größerer Sicherheit keine Doppelagenten sind.

Weblinks


Kampfkunst (Japan)

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