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Ningxia
 

Níngxià () ist ein Autonomes Gebiet im Nordwesten der Volksrepublik China. Der vollständige chinesische Name ist Níngxià Huízú Zìzhìqū 宁夏回族自治区, Autonomes Gebiet Ningxia der Hui-Nationalität.

Geographie


Ningxia.png Das Autonome Gebiet der Hui grenzt im Osten an die Provinz Shaanxi, im Norden und Westen an die Innere Mongolei und im Süden an die Provinz Gansu. Siehe auch Autonome Verwaltungseinheiten Chinas.

Mit einer Fläche von nur 66.000 km² und einer Bevölkerungszahl von 5,6 Millionen zählt Ningxia zu den kleinsten und bevölkerungsärmsten unter den Provinzen und Regionen Chinas, ist aber immer noch doppelt so groß wie etwa die Niederlande. Das Gebiet wird durch den Gelben Fluss durchflossen, der östlich in Ningxia einfließt und es in Richtung Norden verläßt. Ein weiterer wichtiger Fluss ist der Qingshui He, der von Süden kommend in Ningxia in den Gelben Fluss, bei dessen großer Nordbiegung, mündet.

Ningxia befindet sich an der Nordwestgrenze der großen Lößebene, am Übergang zum mongolischen Steppen- und Wüstenland. 38% der Fläche bestehen aus Hügelland, 27% aus Schwemmebenen und Becken, 17% aus Tafelländern, 16% aus Gebirgen und 2% aus Wüsten. Die vom Gelben Fluss durchzogenen Schwemmebenen und Becken bilden die wichtigsten agrarwirtschaftlich genutzten Gebiete, die jedoch durch intensive und falsche Nutzung zunehmend an Fruchtbarkeit verlieren.

Im Süden und Südwesten wird Ningxia durch das Liupan-Shan-Gebirge und das Quwu Shan-Gebirge eingeschlossen. Im Norden, wo auch Reste der der Großen Mauer Ningxia von der Inneren Mongolei abgrenzen, liegt der Helan Shan. Die höchste Erhebung Ningxias ist 3556m.

Klima


Klima_yinchuan.png Das Klima Ningxias ist kontinental-gemäßigt bei von Süden nach Norden stark abnehmenden Niederschlägen. Während im Süden noch 670 mm Niederschlag im Jahr fallen, sind es im Norden häufig weit unter 200 mm. Dieser nördliche Teil Ningxias gehört zum zentralasiatischen Steppen- und Wüstenbereich. Die Hauptstadt Yinchuan hat etwa 200mm Niederschlag jährlich, welcher vor allem im Sommer fällt. Die durchschnittliche Januartemperatur Yinchuans beträgt etwa -9°C, die durchschnittliche Julitemperatur etwa 26°C, wobei die maximalen Sommertemperaturen auch 40°C überschreiten können. Obwohl der Name Ningxia übersetzt etwa ruhiger Sommer bedeutet, ist häufiger starker Wind charakteristisch für das Wetter der Region.

Bevölkerung


Die Bevölkerungszählung aus dem November 2000 ergab eine Bevölkerung von 5,62 Millionen. Dies bedeutet eine relativ geringe Bevölkerungsdichte von etwa 85 Personen pro Quadratkilometer. Da es keine Beschränkung des Zuzuges in die Region gibt, ist die Bevölkerung zwischen 1990 und 2000 um etwa ein Fünftel gewachsen. Obwohl die Region für die Hui-Minderheit eingerichtet wurde, besteht die Bevölkerung mehrheitlich aus Han-Chinesen. Der Rest, etwa 35 Prozent, besteht aus chinesischsprachigen Moslems, die ursprünglich von Händlern abstammen, die über die Seidenstraße in die Region gekommen waren. Später, im 14. und 15. Jahrhundert, wurde dieser Bevölkerungsteil durch Siedler aus Zentralasien verstärkt. Somit haben sowohl der Islam, aber auch der Taoismus und Buddhismus, eine sehr lange Tradition in dieser Region.

Die Bevölkerungszählung 2000 ergab auch, dass etwa 32 Prozent der Bevölkerung in Städten leben. Die wichtigste Stadt ist Yinchuan, die sich im Norden der Region zwischen dem gelben Fluss und dem Helan-Shan-Gebirge befindet. Obwohl sie nur eine Bevölkerung von etwa einer halben Million hat, ist sie die größte Stadt und auch die Hauptstadt der Region. Weitere wichtige Städte im Norden sind Shizuishan (auch bekannt als Dawuko), Qingtongxia und Wuzhong. Im Süden gibt es nur eine größere Stadt, nämlich Guyuan.

Geschichte


Die Geschichte von Ningxia wird durch zwei Eigenschaften ihrer geografischen Lage bestimmt:

  • Die Lage in der Nähe zur Seidenstraße
  • Die Lage in der Grenzregion zwischen chinesischer Zivilisation und den von Nomaden geprägten Regionen von Zentralasien

Eine bedeutende Rolle spielte die Region ab dem 10. Jahrhundert. Nach dem Zusammenbruch der Tang-Dynastie durch Revolten aus dem Inneren und Attacken an seinen Grenzen war besonders der Nordwesten des Reiches Eindringlingen aus Zentralasien ausgesetzt. Im 10. Jahrhundert gründeten die Tanguten, ein Volk, das den Tibetern nahestand, einen starken Staat auf dem Gebiet des heutigen Ningxia. Im Jahre 1038 gab der Herrscher dieses Staates, Li Yuanhao seinem Reich den Dynastienamen Xia, welche in der heutigen chinesischen Geschichtsschreibung als westliche Xia oder Xixia bekannt sind. Versuche der Xia, den Rest Chinas zu erobern, wurden im Jahr 1044 abgewehrt, trotzdem blieben die westlichen Xia im heutigen Gansu und Shaanxi eine starke Macht, welche sich mit den Song aus dem Süden und den Liao aus dem Nordosten um die Vorherrschaft über China stritten. Die Hauptstadt des damaligen Reiches, dessen Staatsreligion der Buddhismus war, befand sich in der Nähe des heutigen Yinchuan und hieß Xingchuan.

Um das Jahr 1215 bekamen die westlichen Xia einen neuen Rivalen im Norden, als sich die Mongolen unter Dschingis Khan vereinigten. Eine kurzlebige Allianz mit den Mongolen erlaubte es, Angriffe gegen die Song und Liao durchzuführen. Um die westlichen Xia zu unterwerfen, unternahm Dschingis Khan sechs Feldzüge, wobei er selbst im Jahre 1227 in der Nähe des heutigen Guyuan durch vergiftete Pfeile der Xia tödlich verwundet wurde. Dschingis Khan ordnete kurz vor seinem Tod noch an, die westliche Xia-Dynastie zu vernichten. Seitdem war die Region des heutigen Ningxia kein Zentrum einer Kaiserdynastie mehr.

Nach der Vereinigung Chinas unter den Mongolen kam eine große Zahl von Siedlern aus Zentralasien, die die Präsenz des Islam in der Region verstärkten. Diese Moslems nahmen die dominante Kultur der Han-Chinesen und ihre Sprache an, behielten aber ihre Religion bei. Erst im 19. Jahrhundert, als weite Teile Chinas in Aufruhr gegen die Herrschaft der Qing-Dynastie waren, gab es auch Rebellionen der Moslems. Bei der großen Rebellion zwischen 1862 und 1878 wurden weite Teile von Ningxia, aber auch die Nachbarprovinzen Gansu und Shaanxi verwüstet. Zahlreiche Moslems fanden bei der blutigen Niederschlagung der Rebellion den Tod.

Im Jahre 1928 wurde die Provinz Ningxia zum ersten Mal gegründet, damals durch Abspaltung von Gansu, welches seinerseits kurz zuvor aus Shengan hervorgegangen war. Sie umfasste damals nicht nur das Gebiet, welches heute als Ningxia bekannt ist, sondern auch große Gebiete nördlich davon, die heute zur Inneren Mongolei gehören, aber nur aus unbewohnter Wüste bestehen.

Nachdem die Kommunisten im Jahre 1948 die Kontrolle über die Region erlangten, wurden Ningxia und seine Nachbarprovinzen bis 1954 unter die Verwaltung der Nordwestadministration gestellt. 1954 wurde Ningxia wieder aufgelöst und in die Provinz Gansu eingegliedert. Aber schon 1958 wurde Ningxia als autonomes Gebiet für die muslimische Hui-Minorität neu gegründet. Im gleichen Jahr wurde auch die Eisenbahnlinie zwischen Baotou in der Inneren Mongolei und Lanzhou in Gansu fertiggestellt.

Wirtschaft


Ningxia gehört zu den ärmeren Teilen der Volksrepublik, wobei das BIP im Jahr 2000 4839 RMB betrug. Der südliche Teil gehört zu den ausgeprägtesten Armutsregionen der Volksrepublik China und erhält deshalb besondere Finanzzuweisungen der Zentralregierung. Hierbei handelt es sich um das vor allem von den muslimischen Hui bewohnte Gebiet.

Im Jahr 2000 wurden 17% des BIP im primären Sektor erwirtschaftet (1994: 22%), wobei dieser Sektor 58% der Arbeitskräfte beschäftigte. Es werden vor allem Getreide (Mais, Weizen, Reis) und Gemüse (v.a. Hülsenfrüchte) angebaut, wobei jeglicher Feldbau Bewässerung voraussetzt. Ein Drittel des landwirtschaftlichen Ertrages wird mit der Viehhaltung erwirtschaftet, wobei die Haltung von Schafen, Ziegen, Schweinen und Rindern dominiert. Mit 80,8 Stück Vieh pro km² weist Ningxia die höchste Viehdichte aller Provinzen und Autonomen Regionen Chinas auf; die Folgen sind Überweidung und Desertifikation.

Besonderheiten der Landwirtschaft stellen die Wolle und die Haut von wilden Argali-Schafen, facai (ein Moos, das als Gemüse gegessen wird), Lakritzwurzeln und Wolfsbeeren (Lycium barbarum) dar, wobei der Konsum von letzteren für das bemerkenswert hohe Alter, das einige der Bewohner von Ningxia erreichen, verantwortlich gemacht wird.

Der sekundäre Sektor erwirtschaftet 45% (2000, 1994: 42%) des BIP. Bedeutend ist die Bauindustrie, deren Umsatz allein 10% des gesamten BIP ausmacht, was eine Folge der hohen Investitionen der Zentralregierung in die Infrastruktur Westchinas darstellt. In Ningxia befinden sich große Kohlevorkommen von guter Qualität, weitere wichtige Bodenschätze sind Erdöl, Gips, Kalk, Eisenerz und Helan-Stein (eine spezielle Tonart). 84% des Wertes der Industrieproduktion stammt aus der Schwerindustrie. Die Industrie (Metallindustrie, chemische Industrie, Maschinenbau) konzentriert sich fast ausschließlich auf die Standorte Yinchuan und Shizuishan im Norden der Autonomen Region.

Etwa 38% der Wirtschaftsleistung stammen aus dem tertiären Sektor (1994: 36%), der Großteil aus Handel und Verkehr. Der Tourismus spielt eine sehr untergeordnete Rolle, keine Provinz der Volksrepublik hat niedrigere Einnahmen aus dem Tourismus als Ningxia.

Infrastruktur


Zieht man in Betracht, dass Ningxia in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den abgelegensten Regionen gehörte, so konstatiert man große Fortschritte im Ausbau der Infrastruktur. Im Jahr 2000 gab es fast 10.000 km Straße, wovon etwa 100 km Autobahn waren. Dazu kommen über 700 km Eisenbahn und 400 km schiffbarer Wasserwege. Ningxia behauptet von sich, die einzige Region Nordwestchinas zu sein, wo alle Dörfer an das Elektrizitätsnetz angeschlossen sind.

Bildung


Die Analphabetenrate im Jahr 2000 wird mit 13,4% angegeben, was innerhalb China ein relativ hoher Wert ist. Sie ist gegenüber 1990 jedoch merklich zurückgegangen; 1990 galten noch 60% der Hui als Analphabeten (davon 78% Frauen), während es bei der Han-Bevölkerung nur 36% Analphabeten waren (davon 49% Frauen).

Weblinks


Autonomes Gebiet (China)

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