prschewalski.jpg Nikolai Michailowitsch Prschewalski (russisch Николай Михайлович Пржевальский, wissenschaftliche Transliteration Nikolaj Michajlovič Prževal'skij, oft auch in der polnischen Schreibung Przewalski anzutreffen) * 31. März/12. April 1839 in Kimborowo bei Smolensk, † 20. Oktober/1. November 1888 in Karakol war ein russischer Militär und Forschungsreisender.
Prschewalski besuchte das Gymnasium in Smolensk und später die Militärakademie in Sankt Petersburg. Er wurde anschließend Lehrer für Geographie an der Junkerschule in Warschau. 1866 erhielt er ein Kommando nach Ostasien, wobei er das Land am Ussuri erforschte. In Chabarowsk begegnete er Iwan Alexandrowitsch Gontscharow, der das Zusammentreffen mit Prschewalski später in der nachgelassenen Ausgabe seiner "Fregatte Pallas" literarisch nachzeichnete. Dann folgten Przewalskis bekannte Reisen nach Zentralasien:
Auf der alten Handelsstraße von Sibirien über Kjachta (auch K´achta) reiste Prschewalski zu seinem ersten Etappenziel - Peking. Hier ließ er sich von der chinesischen Regierung die nötigen Reisepässe ausstellen und ergänzte Proviant und Ausrüstung. Er marschierte nun in das nordwestlich gelegene Kalgan. Hier traf er sich mit zwei Kosaken, die das Expeditionsteam vervollständigten. Die Expedition bestand nun aus vier schwerbewaffneten Männern, zwei Pferden und acht Kamelen. An Geldmitteln stand Prschewalski 2500 Rubel zur Verfügung.
Von Kalgan ging es dann zum oberen Hunang Ho, dem sie stromaufwärts folgten. Die Expedition kam langsamer voran als erwartet. Zum Einen verhielt sich die einheimische Bevölkerung sehr abweisend - so war es zum Beispiel über weite Strecken unmöglich, Führer anzuwerben oder Proviant einzutauschen. Zum Anderen waren die chinesischen Karten ungenau, sodass sich die Karawane oftmals in den Bergen verirrte und Zeit verlor.
Westlich des Hung Ho drang die Expedition in die Wüste Alashan ein, die den Südrand der Gobi bildet. Die Sanddünen sind meist fünf bis sechs Meter hoch, können aber auch 60 bis 90 Meter erreichen. Sie verlaufen in unterschiedliche Richtungen und verändern aufgrund der heftigen Winde ununterbrochen ihre Lage und Form - ein Irrgarten. Der Marsch ging hunderte Kilometer durch diese unwirkliche Gegend und forderte alles von den Teilnehmern der Expedition ab. Prschewalski notierte in sein Tagebuch: " Die grenzenlose Öde erfüllt den Menschen, der sich hierher verirrt, mit Grauen." Im Alashangebirge, das steil aus der Wüster aufragt, erholte sich die Expedition zwei Wochen von diesem Marsch.
Es war jetzt Oktober, der harte Kontinentalwinter stand unmittelbar bevor. Außerdem waren die Reisepässe abgelaufen und das Geld fast vollständig aufgebraucht. Prschewalski musste sich eingestehen, dass das Ziel Kuku Nor in diesem Jahr nicht mehr zu schaffen war. Der Rückzug zum Hunag Ho durch die Wüste Gobi dauerte einen Monat und war äußerst beschwerlich. Strenger Frost sowie Schnee- und Sandstürme machten jedes Vorankommen zu einer Qual. Feuer konnte nur mit schlecht brennendem Kameldung gemacht werden und der Proviant war längst streng rationiert. Als der Huang Ho endlich erreicht und wieder bewohntes Gebiet bereist wurde, verbesserte sich die Versorgungslage kaum. Die Chinesen am Fluss verkauften wahrscheinlich auf Betreiben der Regierung kaum Nahrungsmittel, Brennmaterial oder Futter für die Tiere. Die Mongolen dagegen nutzten die Notsituation aus und ließen sich jedes Bündel Holz teuer bezahlen. Eines Nachts wurden dann auch noch die Kamele gestohlen, sodass die Expedition gezwungen war ihre Gewehre gegen neue Kamele einzutauschen.
Der Rest des Winters wurde in Peking zugebracht. Zwei Monate vergingen mit der Abfassung der Berichte und dem Verpacken und Abschicken der Sammlung. Parallel dazu wurde der zweite Ausmarsch vorbereitet, neue Pässe und Geldmittel (3500 Rubel) über die russische Gesandtschaft beschafft und die Ausrüstung optimiert. Es war noch Winter, als Prschewalski erneut aufbrach. Erst Mitte April hörten die Fröste und Schneestürme auf. Das Festlandklima kennt in diesen Breiten keine milden Übergänge: Eben noch hatte die Expedition unter der Kälte zu leiden, dann plötzlich wurde sie von hochsommerlicher Hitze geplagt.
In Tingjüanjing (Alashanzuoqi) westlich des Huang Ho traf Prschewalski auf eine Karawane tangutischer Wallfahrer, die zum Buddhatempel von Treibsen unweit des Kuku-nor aufbrechen wollten. Die Expedition konnte sich dieser Karawane anschließen. Dies war ein glücklicher Zufall, denn zum Einen entfiel so das schwierige Anwerben von einheimischen Führern, zum Anderen bot eine größere Gesellschaft mehr Sicherheit. Der weitere Weg führte durch das Gebiet der muslimischen Dunganen (auch Hui genannt), die seit elf Jahren gegen die chinesischen Besatzer Krieg führten.
Als die Alaschanwüste überwunden war, erreichten sie das noch unerforschte Nanshangebirge (auch Nanschan) mit seinen grünen Tälern und schneebedeckten Bergen. Von der Landschaft wurden die vier Reisenden freundlich empfangen, doch die Menschen wurden zur Plage. Schon der tägliche Umgang mit den Wallfahrern musste nach den Schilderungen Prschewalskis eine harte Geduldsprobe gewesen sein. Die Tanguten erschienen den Forschern unerträglich neugierig und zudringlich. Jede Bewegung der Russen wurde misstrauisch beobachtet und löste einen Hagel von Fragen aus. Die Pilgerkarawane nahm natürlich den Weg durch die Siedlungen. Obwohl Prschewalski wohlwissend sein Lager stets außerhalb der Siedlungen aufschlug, waren sie binnen kurzem von einer Zuschauermenge umringt. Die chinesischen Beamten gewährtem ihnen keinerlei Schutz, im Gegenteil, sie forderten Geschenke und wollten die Waffen Prschewalskis sehen. Als der Russe beides abschlug, drohte eine gewalttätige Eskalation, die aber in letzter Sekunde noch abgewendet werden konnte.
Am nächsten Morgen entschloss sich Prschewalski, sich von den Tanguten zu trennen und zog auf Sumpfpfaden, die Siedlungen meidend, weiter in das Nanshangebirge hinein. An reißenden Gebirgsflüssen entlang und Gebirgskämme überschreitend, gelangte die Expedition im Juni 1862 in das Tal des Tetung (auch Tatung). Prschewalski beschloss hier ein Standlager zu errichten und den Sommer zur Erforschung des Nanschan zu verwenden, das aus mehreren Ketten besteht und Gipfel von über 6000 Meter Höhe aufweist.
Als die Expedition Tscheibsen besucht, musste Prschewalski feststellen, dass die Dunganen die Tempelstadt vor kurzem überfallen und verwüstet hatten. Nur ein Tempel mit einer riesigen vergoldeten Buddhastatue konnten die Klostervorsteher gegen Zahlung einer hohen Geldsumme retten. Die Einwohner Tscheibsens befürchteten gerade einen erneuten Angriff der Dunganen, als die Forscher auf der großen Tibetstraße, die am Kuku-nor vorüber bis nach Lhasa (auch Llasa) führt, weiterreisten. Diese Straße wurde von den Chinesen seit dem Beginn des Dunganenaufstandes gemieden.
Am Kuku-nor, was übersetzt blauer See bedeutet, erholten sie sich für einige Wochen. Dann ging es weiter nach Westen, in das riesige Tsaidambecken, in das zahlreiche Flüsse münden, das aber keinen Abfluss hat. In der Sommerhitze verdampft das Wasser, das darin enthaltene Salz bleibt zurück. Nur der östliche Teil des Tsaidambeckens war zu dieser Zeit dünn besiedelt. Nach Westen hin ersteckten sich über hunderte Kilometer die größten Salzsümpfe Zentralasiens. Das Tsaidambecken liegt tiefer als der Kuku-nor, jedoch immer noch 2500 Meter hoch. Im Süden steigen steile Wände zu einer riesigen Hochfläche an – das Hochland von Tibet.
Bis nach Lhasa, der verbotenen Stadt vorzudringen, war der Traum Prschewalskis. Seitdem sich 1846 die Franzosen Regis Huc und Gabet sechs Wochen in ihr aufhalten durften, hatte sie kein Europäer mehr betreten. Der Aufstieg zum Hochland von Tibet war ungemein schwierig. Prschewalski schrieb in sein Reisetagebuch: “Das Land sperrt sich gegen Eindringlinge wie eine ungeheure, von Zyklopenmauern umgebene Festung. Das Landschaftsbild ist von düsterer Majestät: schroffe, kahle Felswände, Eisgipfel, zwischen den Gebirgszügen weite, öde Wüste.“ Der Winter war angebrochen. Die abgetragene Kleidung schützte kaum vor den grimmigen Frösten, der Proviant war fast aufgebraucht und die Luft wurde immer dünner. In der Silvesternacht 1872 wünschten sich Prschewalski und seinen Gefährten weiter nichts als einen glücklichen Ausgang der Reise.
Ende Januar waren die fast menschenleeren nördlichen Randgebirge Tibets bewältigt. Prschewalski stellte sich die Frage, ob er einen weiteren Vormarsch verantworten konnte. Proviant und Geld waren nahezu aufgebraucht, die Reit- und Lasttiere völlig erschöpft. Der Rückweg war jetzt schon mehrere tausend Kilometer lang und das 900 Kilometer entfernte Llasa unerreichbar. Die Karawane trat also den Rückmarsch über das Gebirge, durch das Tsaidambecken zum Kuku-nor an. Hier verschaffte sich Prschewalski erneut durch den Verkauf seiner Waffen Geld, mit dem es ihm möglich war, noch ein Vierteljahr am See und im Nanshan arbeiten zu können. Abgemagert und abgerissen trafen die vier Männer danach in Tingjüanjing ein, wo sie eine freudige Überraschung erwartete. Der russische Gesandte in Peking hatte ihnen Briefe und Geldmittel entgegengeschickt. Da Prschewalski nun ja nicht mehr über Peking reisen musste, änderte er sofort seine Pläne und wählte den direkten Weg durch die zentrale Gobi nach Kjachta. Noch kein Europäer hatte je diese rieseigen Räume durchwandert.
Prschewalski ahnte nicht, dass er dort Stunden erleben würde, in denen er jede Hoffnung, mit dem Leben davonzukommen, verlor. Das Unheil begann noch im Alachangebirge mit schweren Regenfällen und Überschwemmungen. Hier verlor Prschewalski fast seine mühsam auf der Expedition gesammelten Exponate. Später in der Wüste Gobi, die zu den trockensten und lebensfeindlichsten Orten der Erde gehört, mehrfach fast verdurstet. Sein treuer Begleiter, sein Hund Jucha, verendet an Wassermangel. Im September 1873 erreichen die Reisenden Örgöö (heute Ulanbaatar). „Ich kann nicht beschreiben, wie bewegt wir waren, als wir wieder unsere Sprache hörten, Landsleute erblickten und in europäischen Verhältnissen leben konnten. Das Vergangene erschien wie ein schrecklicher Traum ...“
Im Verlaufe von drei Jahren hatte Prschewalski mit seinen Gefährten 11.800 Kilometer zurückgelegt, die weißen Flecke auf der Karte Zentralasiens beträchtlich eingeengt, täglich magnetische und Wetterbeobachtungen durchgeführt, reichlich zoologische, botanische und mineralogische Sammlungen angelegt und völkerkundliche Studien gemacht. Der Erfolg dieser Expedition verschaffte ihm Weltruhm. Von der russischen Geographischen Gesellschaft wurde er mit der Goldmedaille ausgezeichnet. In den folgenden drei Jahren bearbeitete er die vielfältige Ausbeute der Reise, schrieb sein Buch „Die Mongolei und das Land der Tanguten“, hielt Vorträge und bereitete die nächste Expedition vor.
Die Ergebnisse dieser ausgedehnten Reisen eröffneten eine neue Ära für die Geographie sowie die Flauna und Flora dieses bis dahin fast unbekannten Gebiets.
Unter anderem entdeckte er das Wildkamel sowie das nach ihm benannte Przewalski-Pferd.
Prschewalski starb während seiner fünften Reise im Ort Karakol, der ihm zu Ehren 1888 in Prschewalsk umbenannt wurde, und diesen Namen bis 1921 sowie von 1939 bis 1991 trug. Sven Hedin besuchte sein Grab im Jahr 1891.
Widersprüchlichen Gerüchten zufolge könnte er möglicherweise der Vater Stalins gewesen sein.
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