Der Begriff Nihilismus (lat.: „nihil“; „nichts“) bezeichnet eine Weltanschauung, die eine vorfindbare Sinnhaftigkeit der Welt bestreitet. Objektive Erkenntnismöglichkeit und feststehende Wahrheiten werden verneint. Es werden keine absoluten Werte oder Normen und somit auch keine allgemeingültige Moral anerkannt. Eine Moral wird nur so weit vertreten, dass man dem Minimum an Anstand entspricht, was die Gesellschaft verlangt. Im Grunde denkt man morallos. Nihilismus wurde historisch nicht selten als Vorwurf zur Verleumdung und Diffamierung Andersdenkender wie Galileo Galilei und anderer vermeintlicher „Ketzer“ eingesetzt.
Zu unterscheiden ist grundsätzlich ein erkenntnistheoretischer Nihilismus, der die Möglichkeit der Wahrheitsfindung verneint und ein ethischer oder auch moralisch politischer Nihilismus, der alle Werte und Normen des Denkens und Handelns als unbegründet verneint.
Einer von Nietzsches Wegen zur Überwindung des Nihilismus ist der Übermensch aus „Also sprach Zarathustra“.
Nietzsches Verwendung des Nihilismus-Begriffs wird oft zu Unrecht in Anspruch genommen. Gerade der heutige „Hedonismus“ der modernen Konsumgesellschaft wird oft damit gleichgesetzt, ist aber etwas wesentlich Anderes. Auch dem Existentialismus wurde vorgeworfen, im Grunde ein Nihilismus zu sein.
Nietzsche geht davon aus, dass die Bibel ein ansatzweise nihilistisches Werk enthält, da fast alles für nichtig angesehen wird.
Manche konservativ-christliche Strömungen werfen ihren Gegnern Nihilismus vor, da sie sich nicht an der Religion orientieren, die allein aber die letzten Begründungen für Sinnhaftigkeit liefern könne. Säkulare Strömungen bestreiten dies wiederum (Metaphysik). Auch dem Buddhismus wurde oft vorgeworfen, er sei eine nihilistische Lehre. Dies bezog sich auf seinen Begriff des Nirvana, der jedoch mit philosophischem Nihilismus nichts gemein hat.
Von manchen wird die Kunst selbst in ihrem Wesen und ihrer Gesamtheit als nihilistisch angelegt gesehen.
Gegen den Nihilismus wird kritisch eingewandt, er widerspreche sich selbst: denn wenn nichts ist und folglich nichts wahr ist, dann wäre es auch nicht der Nihilismus. Wäre er nicht wahr, so könne aus der Verneinung seiner Aussage „Nichts ist wahr“ geschlossen werden: „Es gibt etwas, das wahr ist“.
Umgekehrt wird aber auch den nicht negierenden sondern postulierenden Weltanschauungen vorgehalten, sie fielen ohne ihre Grundannahmen gegenstandslos in sich zusammen. So stelle etwa der Theismus den Versuch dar, durch die (axiomatische) Annahme eines Gottes, welche nicht kritisierbar sei, sich aus sich selbst zu beweisen. Insofern seien alle Weltanschauungen mit dem Makel nichtkonsistenter Theorien behaftet, die ihre Allgemeingültigkeit entweder selbst in Frage stellten oder nicht von einem äußeren Standpunkt her belegen könnten. Insbesondere halten viele gemäß dem Münchhausen-Trilemma Letztbegründungen für nicht möglich.
Philosophie des 19. Jahrhunderts | Philosophie des 20. Jahrhunderts | Ethische Theorie | Metaphysik | Religionskritik | Weltanschauung
عدمية | Нихилизъм | Nihilismus | Nihilisme | Nihilism | Nihilismo | Nihilism | پوچگرایی | Nihilismi | Nihilisme | ניהיליזם | Nihilizmus | Nichilismo | ニヒリズム | Nihilizmas | Nihilisme (filosofie) | Nihilisme | Nihilizm | Niilismo | Нигилизм | Nihilizmus | Nihilism | 虚无主义
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Nihilismus".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world