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Niembaum
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: Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrige
(Rosopsida)
: Rosenähnliche (Rosidae)
: Seifenbaumartige (Sapindales)
: Mahagonigewächse (Meliaceae)
: Azadirachta
: Niembaum
Wissenschaftlicher Name Azadirachta indica Adr. Juss. Der Niembaum (Azadirachta indica - Andere Bezeichnungen: Niem, Neem, Margosa, Nimtree, Indian-lilac, margosier (fr)) ist ein immergrüner tropischer Laubbaum.

Verbreitung


Ursprünglich stammt der Niem aus Indien und Burma, der Niem ist auf tropisches und subtropisches Klima angewiesen. Durch den Menschen wurde der Baum auch auf dem asiatischen, dem afrikanischen, dem amerikanischen und dem australischem Kontinent sowie auf den Inseln im Pazifik heimisch. Der Niem kann hauptsächlich in den flachen und ariden Gegenden der Tropen und Subtropen angetroffen werden; im Gebirge ist er selten.

Charakteristika


Der Niem ist ein schnellwachsender immergrüner Baum, der durchschnittlich eine Höhe von 15-20 Metern - unter günstigen Bedingungen bis zu 40 Meter - erreicht. Unter ungünstigen Bedingungen verliert der Baum seine Blätter, um sich vor Austrocknung zu schützen. Die Äste sind weitverzweigt, die Baumkrone rund bis oval mit dichtem Blattwuchs. Bei freistehenden Bäumen kann der Durchmesser der Krone durchaus seiner Höhe entsprechen.

Der Stamm ist im allgemeinen relativ kurz und selten höher als dreieinhalb Meter. An der ersten Verzweigung ist die Rinde hart und zwischen weißlichgrau bis rötlichbraun gefärbt. Die äußeren Holzschichten sind hell, die inneren rötlich. Wenn die inneren Holzschichten mit Luft in Berührung kommen, färben sie sich rötlichbraun. Das Wurzelssystem besteht aus einer starken Hauptwurzel, die doppelt so tief in das Erdreich reichen kann wie der Baum hoch ist, sowie eines verzweigten Wurzelsystems.

Die unpaarigen gefiederten Blätter sind insgesamt 20-40 cm lang und bestehen aus 31 mittel- bis dunkelgrünen Unterblättern, die jeweils 3-8 cm lang sind. Der Blattstiel ist relativ kurz, junge Blätter haben oft eine rötliche bis purpurne Färbung.

Die Blüten (weiß und wohlriechend) sind axillar um eine hängende Rispe angeordnet, die bis zu 25 cm lang sein kann und bis zu drei mal verästelt ist. 150-250 Blüten hängen an einer Rispe, wobei die Blüten 5-6 mm hoch sind und einen Durchmesser von 8-11 mm aufweisen. Jeder Baum entwickelt sowohl männliche als auch weibliche Blüten.

Die unbehaarte Frucht ist eine olivenähnliche Steinfrucht, die oval bis kugelförmig sein kann. Wenn sie reif ist, ist sie 1,4-2,8 cm lang und 1-1,5 cm im Durchmesser. Die Fruchthaut ist dünn, das Fruchtfleisch gelblichweiß und bitter-süß im Geschmack. Die Frucht enthält einen, in seltenen Fällen auch mehrere Samen.

Umgebung


Der Niem ist berühmt für seine Unempfindlichkeit gegenüber Trockenheit. Er kann in Gegenden mit einem durchschnittlichen Jahresniederschlag von 400 bis 1200 mm gut überleben und kommt auch in Gegenden mit geringerem Niederschlag vor, dann ist er jedoch abhängig vom Grundwasser. Der Niem kann in vielen Bodentypen wachsen, bevorzugt jedoch sandige Böden mit einem pH-Wert von 6,2-7,0. Die optimalen Jahresdurchschnittstemperaturen sind 31 °C bis 32 °C. Höhere Temperaturen toleriert der Baum, Temperaturen unter 4 °C sind nicht gut für den Niem: er verliert seine Blätter und geht ein.

Verwendung


Obwohl der Baum seit Jahrzehnten untersucht wird, sind viele seiner Wirkstoffe noch nicht vollständig erforscht. Besonders wichtig dürfte hier Azadirachtin sein, der Hauptbestandteil des Niemöls, das aus den gepressten Samen gewonnen wird. Niem-Produkte wirken antibakteriell, antiviral, als Pestizid, Fungizid und Dünger. Den Indern sind die Vorzüge des Niem bereits seit Jahrtausenden bekannt, viele Extrakte des Baums sind in der Medizin des Ayurveda in Verwendung.

Der Niem besitzt diverse medizinisch nutzbare Eigenschaften, hilft bei Diabetes und Krebs und reduziert den Cholesterinspiegel. Er wird als Mittel gegen Kopfläuse und in der Zahn- und Mundhygiene genutzt. Ebenso wird das Öl des Niembaums bei der Bekämpfung von Hausstaubmilben eingesetzt. Der Niembaumsamenöl-Extrakt macht die Nahrungsgrundlage der Milben (Hautschuppen) ungenießbar und stoppt gleichzeitig das Wachstum der Larven.

Die Samen und das Niemöl werden in der Landwirtschaft und von Hobbygärtnern als Dünger sowie zur akuten oder prophylaktischen Bekämpfung von Insekten, Nematoden, Milben und Pilzen verwendet. Sowohl das Beimengen des Samenschrots zum Substrat, als auch die Verwendung einer wässrigen Lösung zum Gießen oder Spritzen sind verbreitet.

Der Baum wird erfolgreich in "Entwüstungs"-Projekten eingesetzt und hat einen hohen CO2 Durchsatz.

Patentstreitigkeiten


Es existieren mehrere Patente auf Niembaum-Produkte. Besonders das Patent EP 0 436 257 B1, das 1994 dem US-Landwirtschaftsministerium zusammen mit dem Unternehmen W.R.Grace vom Europäischen Patentamt in München erteilt wurde, hatte für Aufsehen gesorgt. Es betrifft ein "Verfahren zum Bekämpfen von Fungi an Pflanzen" (Patentanspruch 1) bzw. ein "Verfahren zum Schützen von Pflanzen vor Pilzbefall" (Patentanspruch 7), wobei beide Verfahren dadurch gekennzeichnet sind, "dass man die Fungi/ die Pflanze mit einer Neemölformulierung, enthaltend 0,1 bis 10% eines hydrophobisch extrahierten Neemöls, das im wesentlichen frei von Azadirachtin ist, 0,005 bis 5,0% emulgierendes Tensid und 0 bis 99% Wasser kontaktiert". Ein solches Verfahren unter Verwendung einer solchen konkreten Neemölformulierung - und nichts anderes stellte das Patent unter Schutz - war zum Prioritätszeitpunkt des Patents (26.12.1989) neu. Befürchtungen Indischer Bauern im Hinblick auf Exportbeschränkungen und Preiserhöhungen aufgrund wirtschaftlicher Interessen des Konzerns waren unbegründet, weil zum einen ein Europäisches Patent niemals Gültigkeit in Indien haben kann und zum anderen keine anderen Handlungen als die Anwendung des geschützten Verfahrens von den Patentinhabern untersagt werden konnten. Gleichwohl wurde 1993 die Neem Campain gegründet um gegen mutmaßlich zu Unrecht erteilte Patente vorzugehen. U.a. die Gewinnerin des Alternativen Nobelpreises Vandana Shiva erhob Einspruch gegen die Erteilung des Patents. Im Mai 2000 wurde, nach zweitägigen Verhandlungen im Einspruchsbeschwerdeverfahren vor der technischen Beschwerdekammer des EPA das Patent aufgrund fehlender "erfinderischen Tätigkeit", neben der "Neuheit" die wichtigste Patentierungsvoraussetzung, wiederrufen. Die Beschwerdekammer befand, dass es angesichts der Tatsache, dass fungizide Wirkungen von Pflanzenölen vielfach bekannt seien, keiner erfinderischen Tätigkeit bedurfte, bekannte Rezepturen auch auf bislang ungenutze Pflanzen anzuwenden und so zu den patentierten Verfahren zu gelangen. Ein Votum gegen Patente auf Pflanzen an sich stellt die Entscheidung entgegen vielfachen, anders lautenden Behauptungen jedoch nicht dar.

Siehe auch Bioprivatisierung

Weiterführende Literatur (englisch)


  • Eric R. Boa: A guide to the identification of diseases and pests of neem. (Azadirachta indica), FAO Regional Office for Asia and the Pacific (RAPA), Bangkok, 1995
  • Ruparao T. Gahukar: Neem in plant protection, Agri-Horticultural Publishing House, Nagpur, India 1995, ISBN 81-900392-0-2
  • Martin Jacobson (Hrsg.): The neem tree, CRC Press, Boca Raton, Fl. 1989, ISBN 0-8493-4101-9
  • Heinrich Schmutterer (Hrsg.): The neem tree Azadirachta indica (A. Juss.)and other meliaceous plants. Sources of unique natural products for integrated pest management, medicine, industry and other purposes, VCH Verlagsgesellschaft, Weinheim 1995, ISBN 3-527-30054-6
  • Dina Tewari: Monograph on neem (Azadirachta indica A. Juss.), International Book Distributors, Dehra Dun, India 1992, ISBN 81-7089-1752
  • Noel D. Vietmeyer (Hrsg.): Neem. A tree for solving global problems; report of an ad hoc panel of the Board on Science and Technology for International Development, National Research Council, National Academy Press, Washington D.C. 1992, ISBN 0-309-04686-6

Weiterführende Literatur (deutsch)


  • Heinrich Schmutterer: Niempräparate (Neem, Nim), In: Natürliche Schädlingsbekämpfungsmittel. Heinrich Schmutterer, Jürg Huber (Hrsg.). Ulmer Verlag 2005, ISBN 3-8001-4754-8

Weblinks


Mahagonigewächse | Baum

Neem | Nimo | Azadirachta indica | Margousier | אזדרכת הודית | Azadirachta indica | Azadirachta indica | Neem | Mwarobaini | வேம்பு

 

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