Niels Henrik David Bohr (* 7. Oktober 1885 in Kopenhagen; † 18. November 1962 in Kopenhagen) war ein dänischer Physiker. Er erhielt den Nobelpreis für Physik im Jahr 1922 „für seine Verdienste um die Erforschung der Struktur der Atome und der von ihnen ausgehenden Strahlung“.
Niels Bohr Albert Einstein3 by Ehrenfest.jpg (fotografiert von Paul Ehrenfest)]]
Nach Abitur an der Schule in Gammelholm 1903 studierte Niels Bohr Physik, Mathematik, Chemie, Astronomie und Philosophie an der Universität Kopenhagen. 1906 erhielt er die Goldmedaille der Königlich-Dänischen Akademie der Wissenschaften und der Literatur für seine Arbeit über die Oberflächenspannung von Flüssigkeiten. Sein Magisterabschluss erfolgte 1909 und im Jahr 1911 schloss er sein Studium mit seiner Doktorarbeit über die magnetischen Eigenschaften von Metallen ab. Im selben Jahr wechselte er nach Cambridge an das Cavendish Laboratory unter der Leitung des Physik-Nobelpreisträgers von 1906 Sir Joseph John Thomson, und ein Jahr später nach Manchester in das Labor von Ernest Rutherford, der 1908 den Nobelpreis für Chemie erhalten hatte. Hier lernte Niels Bohr auch Margarethe Nørlund kennen, die er später heiratete. Gemeinsam mit ihr hatte er sechs Söhne, davon starben allerdings zwei kurz nach der Geburt.
Von 1916 bis 1919 wurde Niels Bohr Vorsitzender der Dänischen Physikalischen Gesellschaft und ab 1917 war er auch Mitglied der dänischen Akademie der Wissenschaften. 1918 formulierte er das Bohrsche Korrespondenzprinzip, welches den Zusammenhang zwischen der Quantentheorie und der klassischen Physik erklärte und darstellte, dass sich mit steigender Quantenzahl die Gesetze des Plankschen Wirkungsquantums vernachlässigen lassen. Während dieser Zeit arbeitete er daran, ein eigenes Institut an der Universität in Kopenhagen aufzubauen, das am 3. März 1921 als Institut für theoretische Physik eröffnet wurde. Seine Göttinger Vorträge, die er im Sommer 1921 hielt, wurden international bekannt und gingen als „Bohr-Festspiele“ in die Wissenschaftsgeschichte ein. 1922 gelang ihm auf der Basis des von Arnold Sommerfeld erweiterten Atommodells eine Erklärung für den Aufbau des Periodensystems der Elemente, bei der er ein Schalenmodell annahm. Am 10. Dezember 1922 erhielt er für seine Forschungen über die Atomstruktur sowie der von den Atomen ausgehenden Strahlung den Nobelpreis für Physik. Im gleichen Jahr kam auch sein Sohn Aage Niels Bohr zur Welt, der 1975 ebenfalls den Nobelpreis für Physik erhielt
In den Folgejahren konzentrierte sich Bohr weiterhin auf die Fragen der Quantenmechanik, während sein Atommodell den Pionieren der Kernforschung beim Verständnis elementarer Eigenschaften der chemischen Elemente half. Das Modell bot Erklärungen für die Valenzen, den Metall- und Nichtmetallcharakter der Stoffe sowie für die Ioneneigenschaften. Er selbst versuchte die durch den Beschuss mit Partikeln ausgelösten Reaktionen der Atomkerne zu erklären und führte zu diesem Zweck den Begriff des „Compound-Kernes“ ein. 1936 entwickelte er zwei neue Atommodelle, die er als Sandsack- und Tröpfchenmodell bezeichnete. Gemeinsam mit John Wheeler erarbeitete er die Möglichkeit der Energiegewinnung, nachdem Otto Hahn und Friedrich Wilhelm Straßmann die erste Kernspaltung durchführten.
Während der deutschen Besatzung Dänemarks engagierte sich Niels Bohr im Widerstand. Als das für ihn zu gefährlich wurde, gelang ihm 1943 die Flucht nach Schweden. Dort bat er beim schwedischen König und beim Außenminister erfolgreich um Asyl für seine jüdischen Landsleute. Nach dem Krieg kehrte er nach Dänemark zurück und setzte seine Forschung zur Atomenergie auf seiner alten Position fort. Gleichzeitig warnte er jedoch vor deren missbräuchlicher Nutzung, vor allem durch einen offenen Brief an die Vereinten Nationen 1950, und wurde deshalb 1957 Preisträger des „Atoms for Peace Award“. 1962 starb er in Kopenhagen und wurde auf dem Assistens-Friedhof beigesetzt.
In seinen wissenschaftskritischen Arbeiten vertritt Bohr die Auffassung, dass es von den jeweiligen Beobachtungspraktiken abhängig ist, was eine Apparatur überhaupt ausmacht. Karen Barad stellt 1998 fest, dass sich Bohr demnach zwar darauf konzentriert, dass es keine inhärente Unterscheidung zwischen der Apparatur und dem (zu beobachtenden) Objekt gibt, dass Bohr sich aber nicht mit der Frage befasst, wo die Apparatur "endet". In gewissem Sinne, so Barad, definiert Bohr für eine Apparatur nur die "innere" Begrenzung ("inside" boundary), aber nicht die äußere. In Anknüpfung an Bohrs wissenschaftsphilosophische Meilensteine fragt Barad: "What precisely constitues the limits of the apparatus that gives meaning to certain concepts at the exclusion of others?" (Karen Barad: "Getting Real. Technoscientific Practices and the Materialization of Reality," in: differences. A Journal of Feminist Cultural Studies 10 (2), 1998: 87-128, S. 99). Auch frage Bohr nicht nach der zeitlichen Dimension von Apparaturen und Praktiken, so Barad (1998). Er schreibe nichts über die Praktiken, die ein Instrumentarium produzieren. Ebenso wenig scheine ihn die Tatsache zu interessieren, dass das Instrumentarium fortlaufend überarbeitet wird - als Teil der Praktiken, die Phänomene produzieren (Ebd. S. 122, Fn. 11). Bohrs kritische Ansätze erweisen sich damit auch 100 Jahre später als sehr produktiv.
Nach Niels Bohr wurde das Bohrium benannt, das Transuran mit der Ordnungszahl 107. Außerdem tragen zahlreiche physikalische Phänomene und Konzepte seinen Namen, darunter der Bohr-Radius, die Bohrschen Bahnen und das Bohrsche Magneton.
Harry Mulisch erzählt die folgende Anekdote:
Mann | Däne | Chemiker (20. Jh.) | Nobelpreisträger für Physik | Geboren 1885 | Gestorben 1962
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