Das Niedersächsische (eigentlich: Sächsisch) ist Teil der niederdeutschen Sprachgemeinschaft (Nedderdüütsch) und wird umgangssprachlich auch als Plattdeutsch (Plattdüütsch) bzw. im Nordosten der Niederlande als Sächsisch (Sässisch) oder Niedersächsisch (Needersässisch) bezeichnet. Der ISO-Code nach ISO 639-2 ist nds.
Das große Gebiet des Niedersächsischen ist kein einheitliches Sprachgebiet, sondern es werden unterschiedliche Mundarten gesprochen, die allesamt zum Niedersächsischen gehören. Jeder Ort hat seine spezifischen mundartlichen Eigenarten, oft gibt es sogar zwischen den Nachbargemeinden beträchtliche Unterschiede in der Lautgebung bzw. in den einzelnen Wortschatzbereichen. Die Einzelmundarten gehen in die Hunderte und bilden die Niedersächsische Sprachgemeinschaft (siehe auch deutsches Dialektkontinuum).
Im Süden wird das niederdeutsche Sprachgebiet durch die so genannte Benrather Linie vom Hochdeutschen getrennt, so dass z.B. das Westfälische bis nach Nordhessen und ins Ruhrgebiet hineinreicht.
Im Westen grenzt das Niedersächsische an das Niederfränkische, das ebenfalls zum Niederdeutschen gehört, aber historisch zu den fränkischen Dialekten gezählt wird und z.B. in Duisburg, Oberhausen, Wesel, Kleve und einem großen Teil der Niederlande gesprochen wird.
Im Norden bildet die Eider die historische Grenze zum Dänischen, heute eher die deutsch-dänische Landesgrenze.
Im Laufe des 17. Jahrhunderts wurde das Niedersächsische jedoch als geschriebene Sprache durch Standarddeutsch in Deutschland bzw. durch Niederländische in den Niederlanden verdrängt. Dabei hat die Reformation eine wichtige Rolle gespielt.
Das Niedersächsische (Plattdüütsch) und Niederfränkische konnte sich bis nach dem Zweiten Weltkrieg als vorrangige Umgangssprache im niederdeutschen Sprachraum halten, ist aber durch das Hochdeutsche inzwischen stark in seiner Existenz gefährdet. In Deutschland existiert kein einziges Radio-Vollprogramm in Plattdeutsch.
Seit 1994 ist das Sächsische (Niedersächsische) im Rahmen der Sprachencharta des Europarats in Deutschland und in den Niederlanden offiziell anerkannt und geschützt. In einigen deutschen Ländern gibt es Regelungen gegen die Diskriminierung des Niedersächsischen. So sind in Schleswig-Holstein die Behörden verpflichtet, Anfragen und Anträge auf „Plattdeutsch” nicht nur zu bearbeiten, sondern auch auf „Plattdeutsch” zu beantworten. Der Bundesgerichtshof hat festgestellt, dass auch Patentanträge beim Bundespatentamt in München auf Plattdeutsch gestellt werden können. In den Niederlanden ist das Niedersächsische (Saksisch oder Nedersaksisch) als weitere Amtssprache offiziell anerkannt.
Es gibt jedoch auch Sprachwissenschaftler, die das Niedersächsische ungeachtet der offiziellen Anerkennung lediglich als deutschen bzw. niederländischen Dialekt auffassen, da es ihrer Ansicht nach weder das Kriterium einer Abstandsprache noch das Kriterium einer Ausbausprache erfülle, wohl aber in Gebieten mit deutscher bzw. niederländischer Dachsprache gesprochen werde.
In Schleswig-Holstein versucht die Landesregierung, mit Förderprogrammen und Wettbewerben das Plattdeutsche wieder in die Schulen zu bringen. Auf Eigeninitiative von Lehrkräften gibt es vereinzelt auch wöchentlichen „Fremdsprachenunterricht“. Landtagssitzungen auf Platt werden zwar regelmäßig gehalten, haben aber eher darstellenden Charakter, da für echte Diskussionen den meisten Abgeordneten das Sprachwissen fehlt.
Niedersächsisch ist keine Sprache wie das Standarddeutsche, sondern eine Dialektgruppe, weil ihm eine Standardversion fehlt. Die relativ geringe räumliche Mobilität bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat dazu geführt, dass sich Aussprache und Wortschatz teilweise stark voneinander (selbst von Ort zu Ort, vergl. den vielen alemannischen Dialekten in der Schweiz) unterscheiden. (Dat gifft 'n Hümpel Grootdialekten un soveel Dörpsdialekten as Fleigen op de Mess. Jau)
Auch in einigen Regionen Nord- und Südamerikas werden von Nachfahren niederdeutscher (norddeutscher und ostniederländischer) Auswanderer noch heute niedersächsische (sächsische) Dialekte gesprochen.
Auch das Vokabular und die Grammatik unterscheiden sich deutlich vom Hochdeutschen. So gibt es im Niedersächsischen nur zwei Fälle (Nominativ und Objektfall). Akkusativ und Dativ sind wie im Englischen zum Objektfall verschmolzen; der (Genitiv) wird mit Hilfe einer Präposition gebildet.
Typisch für die nördlichen Dialekte der niedersächsischen Sprache ist auch, dass das Perfekt-Partizip stets ohne die Vorsilbe ge gebildet wird. So heißt es
Einzelsprache | Germanische Sprache | Niederdeutscher Dialekt
Nedersaksies | West Low German | Bajo sajón | basso sassone | Lingua saxonica | Nedersaksisch | Neddersassisch | Język dolnosaksoński | Nether-Saxon | Ниски немачки
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