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Die Niederlausitz (niedersorb. Dolna Łužyca, obersorb. Delnja Łužica, poln. Dolne Łużyce, lat. Lusatia inferior) ist eine Region im Süden des Landes Brandenburg und im Westen Polens. Sie grenzt im Süden an die Oberlausitz und an Niederschlesien. Ihr Zentrum ist die Stadt Cottbus. Die Niederlausitz hat einen sorbischen Bevölkerungsanteil.

Wappen


Es besteht aus einem weißen Panier mit einem roten Ochsen.

Zur Hymne siehe: Lausitzhymne

Geographie und Natur


Die Niederlausitz gehört zum norddeutschen Tiefland. Durch die Niederlausitz zieht sich der Niederlausitzer Grenzwall, ein Teil des südlichen Landrückens, der sich nordwestlich zum Fläming fortsetzt. Es handelt sich um die in der Saale-Eiszeit entstandene Endmoräne. Die höchste Erhebung des Niederlausitzer Grenzwalls beträgt 167 m. Der Südliche Landrücken stellt hier eine Wasserscheide dar. Entlang einer breiten parallelen Linie durch Finsterwalde entspringen kleine Flüsse und Bäche, die nach Norden fließen und meist im Spreewald in die Spree münden. Einen Durchbruch haben die von Süden kommenden Flüsse Spree und Neiße geschaffen. Südlich des Niederlausitzer Grenzwalls schließt sich das Urstromtal der Schwarzen Elster an. Während der Weichsel-Eiszeit (vor ca. 90.000 – 8500 Jahren) war nur die nördliche Niederlausitz vergletschert, die entsprechenden Endmoränenzüge befinden sich nördlich des Spreewaldes. Zu dieser jüngeren glazialen Serie gehört das Baruther Urstromtal. Die Oberfläche der Niederlausitz ist vollständig im Pleistozän geformt worden.

Tiefgreifende Veränderungen in der Landschaft entstanden aber erst durch die Anlage große Tagebaue seit den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts, vor allem jedoch zu DDR-Zeiten, dem über 100 Dörfer zum Opfer fielen.

Im Süden wird die Niederlausitz von der Oberlausitz begrenzt. Östlich schließen Oder und Bober, der Muskauer Faltenbogen (ein Teil des Niederlausitzer Grenzwalls) und die Muskauer Heide, westlich die Elbe und der Fläming die Niederlausitz ab.

Nur im äußersten Nordosten wird das Land von der Oder berührt, die hier bei Ratzdorf die einmündende Neiße aufnimmt. Ein Großteil des natürlichen Pflanzenbewuchses ist durch Heiden und Auwälder bestimmt. Allerdings ist die Niederlausitz ungeachtet der relativ dünnen Besiedlung wie alle Regionen Mitteleuropas eine stark vom Menschen gestaltete Kulturlandschaft Der Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft ist ein idyllischer Teil der Niederlausitz. Im 20. Jahrhundert wurde die Niederlausitz vor allem durch den Braunkohlenbergbau geprägt. Für den Aufschluss der Tagebaue wurden über 500 Orte bzw. Ortsteile abgebaggert, davon ein Großteil mit sorbischer Bevölkerung. Bis in die Gegenwart werden Orte zerstört, so Horno (Rogow), Lakoma (Łakoma) (Ortsteil von Cottbus) oder Kausche (Chusej) (Ortsteil von Drebkau (Drjowk)).

Hauptorte der Niederlausitz sind: Cottbus (Chośebuz), als die größte Stadt, Guben (Gubin), Luckau (Łukow), Calau (Kalawa), die historische Hauptstadt des Landes Lübben (Spreewald) (Lubin), Finsterwalde (Grabin), Senftenberg (Zły Komorów), Spremberg (Grodk), Lübbenau/Spreewald (Lubnjow), Vetschau (Wětešow) Lauchhammer, sowie im polnischen Teil Żary (Sorau).

Infrastruktur und Wirtschaft


Nach der Wende ist die Niederlausitz weitgehend deindustrialisiert worden. Von der vormals bedeutenden Glasindustrie, dem Textilgewerbe und der Holzverarbeitung existieren nur noch kleine Reste. Großprojekte wie eine Produktionsstätte für Luftschiffe (Cargolifter) und der Lausitzring scheiterten entweder oder es entstanden dabei kaum neue Arbeitsplätze. Noch immer sind der Braunkohleabbau und die Energiegewinnung die wichtigsten Wirtschaftszweige.

Die Landwirtschaft auf relativ mageren Böden bei Deutschlands niederschlagsärmstem Klima ist nicht sehr ertragreich. Andererseits haben einige landwirtschaftliche Produkte aus der Niederlausitz, insbesondere aus dem Spreewald, deutschlandweit einen sehr guten Ruf.

Tourismus

Die Niederlausitz wird hervorragend von Radfern- und -regionalwegen erschlossen. Im Osten begrenzt der Oder-Neiße-Radweg die Region. Zentral wird sie vom Spree-Radweg durchquert. Als regionale Routen bieten sich der Froschradweg und die Niederlausitzer Bergbautour (länderübergreifend Brandenburg und Sachsen) an. Im Norden im Spreewaldraum schließen der Gurken-Radweg und die Fürst-Pückler-Tour an. Im Südwesten leitet der Elster-Radweg zum Elberadweg.

Politik und Verwaltung


Heute ist die Niederlausitz keine politische Einheit mehr. Aber es gibt Forderungen, die Niederlausitzer Gebiete im Zuge einer Kreisgebietsreform im Land Brandenburg zu einen einheitlichen Landkreis mit einer Kreisstadt Cottbus zusammen zu schließen.

Geschichte


Ur- und Frühgeschichte der Niederlausitz

Werkzeugfunde in der südlichen Lausitz lassen auf eine Besiedlung der Region schon in der Altsteinzeit schließen. Nach 600 wurde das Gebiet der Niederlausitz von Slawen, dem Volksstamm der Lusizer, besiedelt, die ein von der germanischen Vorbevölkerung in der Völkerwanderungszeit fast vollständig geräumtes Land vorfanden.

Mittelalter

Im 11. Jahrhundert wurde die Lausitzer Mark eingerichtet und von Markgrafen aus dem Geschlecht der Wettiner verwaltet. Noch bis ins 12. Jahrhundert beanspruchten auch die polnischen Könige des Gebiet für ihr Reich und sie konnten zeitweise den östlichen Teil des Landes auch tatsächlich beherrschen. Im 13. und 14. Jahrhundert war die Lausitz zwischen den meißnischen Wettinern und den Askaniern der Wittenberger und der Brandenburger Linie umstritten.

1367 inkorporierte Kaiser Karl IV. die Lausitz in die böhmischen Krone, deren Nebenland das Markgraftum bis zum Prager Frieden von 1635 blieb. Auch die böhmischen Könige konnten in dem abgelegenen Gebiet keine starke Landesherrschaft etablieren, denn die Lausitz regelte ihre internen Angelegenheiten weitestgehend selbst. Vor allem im 15. Jahrhundert aber auch im 16. Jahrhundert gingen bedeutende Teile der Lausitz durch Verkauf und Verpfändung an die benachbarten Kurfürstentümer Sachsen und Brandenburg verloren, so zum Beispiel 1454 der zentrale Cottbuser Kreis. Im 15. Jahrhundert hatten auch mehrere Heerzüge der Hussiten die Lausitz verwüstet. In jener Zeit entstand auch der Lausitzer Landtag. Die in vier Kurien gegliederte Ständeversammlung war die wichtigste politische Kraft im Land. Daneben nahm der Landvogt die Belange des böhmischen Königs wahr.

Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts wurde das Land lediglich Lausitz genannt; erst seitdem wurde - zur Unterscheidung von der Oberlausitz, wie die Länder Budissin (Bautzen) und Görlitz fortan genannt wurden - die Bezeichnung Niederlausitz gebräuchlich.

Frühe Neuzeit

Zwischen 1520 und 1540 breitete sich die Reformation im Land aus. Die Niederlausitz war das einzige Land im habsburgischen Machtbereich, in dem den evangelischen Ständen die Gründung eines Konsistoriums gelang und sie bekamen damit landesweit die Kirchenhoheit in ihre Hand. Bis auf das Koster Neuzelle wurden alle anderen Klöster aufgelöst.

Im Schmalkaldischen Krieg 1546/47 hielten die Niederlausitzer trotzdem zum katholischen König Ferdinand I. Der königliche Landvogt Albrecht von Schlick konnte das Gebiet des Stifts Dobrilugk zurückerobern, das 1541 vom sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich besetzt worden war.

Als 1618 die antihabsburgischen Unruhen in Böhmen begannen, verhielten sich die Niederlausitzer Stände zunächst passiv. Sie ignorierten die dringenden Aufforderungen der Böhmen, sie im Krieg gegen die Habsburger zu unterstützen. Erst nach dem Tod Kaiser Matthias im März 1619 änderten sie ihre Politik. Sie traten der Böhmischen Konföderation bei und waren an der Absetzung Ferdinands II. und der Wahl Friedrich V. von der Pfalz zum König von Böhmen beteiligt.

Gemäß den Bestimmungen des Prager Friedens 1635 wurde der sächsische Kurfurst mit dem Markgraftum Niederlausitz belehnt, welches territorial selbstständig blieb, wobei der Kurfurst von Sachsen zugleich der Markgraf der Niederlausitz war. Zeitweilig war der Inhaber der wettinischen Sekundogenitur von Sachsen-Merseburg auch der Markgraf der Niederlausitz.1790 kam es als Reaktion auf die Französische Revolution zu Bauernrevolten.

Die Niederlausitz zwischen 1815 und 1945

Durch Beschluss des Wiener Kongresses von 1815 wird die Niederlausitz preußisch, das Markgraftum wird aufgelöst und das Gebiet der Niederlausitz wird der Provinz Brandenburg angeschlossen, und Lübben verliert seine Funktion als Hauptstadt der jahrhundertelang autonom gewesenen Region. Die Autonomierechte der Stände wurden danach schrittweise aufgehoben. Um 1816 begann die Reorganisation der Territorialverwaltung, indem man 7 Landkreise (Cottbus, Sorau, Spremberg, Calau, Luckau, Lübben und Guben) einführte.

Unter der preußischen Herrschaft begann die planmäßige Unterdrückung der Sorben, insbesondere wurden administrative Maßnahmen ergriffen, um den Gebrauch der sorbischen Sprache zurückzudrängen. Daran beteiligte sich auch die evangelische Kirche. Mitte des 19. Jahrhunderts begann der Abbau von Braunkohle.

Die Niederlausitz seit dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg gehört die Niederlausitz zur DDR und zunächst wieder zum Land Brandenburg. Die östlich der Neiße gelegenen Teile des Landes waren 1945 an Polen gefallen. Im Zuge der Gebietsreform von 1952 wurde der größte Teil der Niederlausitz zu dem Bezirk Cottbus zusammengefasst, wodurch ungewollt das Niederlausitzer Regionalbewusstsein befördert und zugleich Cottbus als regionales Zentrum der Niederlausitz etabliert wurde. Nach der Wiedererrichtung des Landes Brandenburg und dem Wegfall der Bezirksklammer fand die nachhaltigste Schwächung der Region und des Niederlausitzer Regionalbewusstseins durch die Bildung von Großkreisen über die Grenzen der Niederlausitzer Region hinaus (z. B. den Landkreis Dahme-Spreewald) im Jahr 1993 statt.

Literatur


Zur Besiedlung der Lausitz in der Frühgeschichte und im Mittelalter vgl.
  • Günter Wetzel, Germanen - Slawen - Deutsche in der Niederlausitz. Bericht der Römisch-Germanischen Kommission 83, 2002, 206-242.
Reiseführer Lausitz:
  • Kerstin und André Micklitza: Die Lausitz entdecken, Trescher Verlag Berlin 2004.
Geschichte:
  • Rudolf Lehmann: Geschichte der Niederlausitz, Berlin(W) 1963.
  • Rudolf Lehmann: Geschichte des Markgraftums Niederlausitz, Dresden 1937.

Siehe auch


Weblinks


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